31.03.2020 - 13:34

BMW will Lieferkette per Blockchain transparent machen

BMW will die weltweiten Lieferketten von Rohstoffen und Bauteilen künftig u.a. mit Blockchain-Technik zurückverfolgen und hat vor diesem Hintergrund das Projekt PartChain initiiert. Interessierte Unternehmen sind aufgerufen, sich der Initiative anzuschließen.

Ziel des Vorhabens ist eine nahtlose Rückverfolgbarkeit sämtlicher Komponenten quasi „auf Knopfdruck“. Dazu wollen die Münchner Blockchain- und Cloud-Technologien verknüpfen und so für alle Beteiligten Transparenz in komplexen Lieferketten herstellen. Blockchain steht dabei im Zentrum des Projekts, da die Technologie einen fälschungssicheren Austausch von Daten garantieren soll. In einem Testlauf hat sich die Methode bereits bewährt: „2019 haben wir mit Erfolg ein Pilotprojekt für den Einkauf von Frontleuchten durchgeführt. In diesem Jahr wollen wir das Projekt auf zahlreiche weitere Zulieferer ausweiten“, sagt Andreas Wendt, Vorstand der BMW AG für Einkauf und Lieferantennetzwerk.

Mit Blick auf die künftig benötigten Batteriezellen hat BMW schon häufiger anklingen lassen, sich für Transparenz bei der Rohstoffgewinnung einsetzen zu wollen. BMW-Chef Oliver Zipse kündigte zuletzt im Zuge der Eröffnung des Münchner Batterie-Kompetenzzentrums an, eine „vollständige Transparenz“ erreichen zu wollen. In diesem Kontext will der Autobauer für die fünfte Generation seiner Elektroauto-Batterien auf Kobalt aus dem Kongo verzichten. Der Konzern kauft das Material stattdessen selbst bei Minen in Marokko und Australien ein und stellt es dann den Zell-Lieferanten zur Verfügung. In wenigen Jahren will BMW aber auch wieder in dem zentralafrikanischen Land einkaufen. „Wir wollen den Kongo nicht ausschließen, es ist unser erklärtes Ziel, wieder im Kongo zu sourcen“, so Materialeinkäufer Peter Zisch. „Wir glauben, dass wir das aus gezielten Minen ab 2025 wieder tun können.“ BMW unterstützt bereits heute mit BASF und Samsung SDI entsprechende Projekte im Kongo, um dort eine saubere und transparente Kobalt-Gewinnung zu etablieren.

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Mit der Blockchain-Initiative will BMW den gesamten Einkauf auf die nächste Stufe der Digitalisierung heben. Anwendungsfälle sind laut den Münchnern in der „gesamte automobile Wertschöpfungskette denkbar“. Bis dato seien die mehrstufigen internationalen Lieferketten angesichts einer Vielzahl von Playern und schnellen Veränderungen schwer zu durchschauen. „Unsere Vision ist eine offene Plattform, mittels der Daten innerhalb von Lieferketten industrieübergreifend sicher und anonymisiert ausgetauscht und geteilt werden können“, schildert Wendt. Mit der Idee einer offener Plattform sind explizit andere Unternehmen aufgerufen, sich der Initiative anzuschließen. „Eine branchenweite Lösung würde es allen beteiligten Partnern ermöglichen, ihre Geschäftsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg enger zu koppeln und zu koordinieren“, blickt BMW voraus.

In das Pilotprojekt im vergangenen Jahr waren die BMW-Werke Dingolfing und Spartanburg in den USA sowie auf Lieferantenseite drei Standorte von Automotive Lighting eingebunden. Während es zwischen diesen Beteiligten rein um die Teileverfolgung ging, verspricht sich BMW von der Blockchain-Technologie langfristig auch die vollständige Rückverfolgbarkeit kritischer Rohstoffe – „von der Mine bis zur Schmelze“. Ähnliche Ansätze verfolgen übrigens auch Volvo und Volkswagen mit je eigenen Blockchain-Projekten.

Im jetzt von BMW initiierten Projekt PartChain sollen zunächst weitere rund zehn Lieferanten eingebunden werden. Was die Potenziale einer offenen Blockchain-Plattform angeht, denkt BMW unterdessen bereits weiter. Zur Schaffung von gemeinsamen Standards und Steuerungsmodellen, die solch einer Plattform zugrunde liegen müssten, hat BMW bereits 2018 die Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) mitbegründet. Dabei handelt es sich um eine industrieübergreifende Initiative von 120 Automobil-, Mobilitäts- und Technologieunternehmen, die der Blockchain-Technologie im Mobilitätssektor zum Durchbruch verhelfen wollen. BMW leitet innerhalb von MOBI eine Arbeitsgruppe für Supply Chain-Themen.
handelsblatt.com, bmwgroup.com

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