GAC passt Aion UT auf CATLs Akku-Tausch an

Mit dem Aion UT Super führt GAC gemeinsam mit CATL und JD.com das erste frei verkäufliche E-Auto mit CATLs "Choco SEB"-Technologie ein. Ab 2026 sollen auch Natrium-Ionen-Batterien zur Verfügung stehen.

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Bild: GAC Aion

GAC hat sein Kompaktmodell Aion UT in China bereits im Frühjahr eingeführt – mit einer Batterie, die fester Bestandteil des Autos und beim Kauf immer inkludiert ist. Zusätzlich zu dieser Version hat der Staatskonzern gemeinsam mit dem Batterie-Giganten CATL und JD.com den Aion UT Super entwickelt, der auf den Batterietausch ausgelegt ist. Letzterer E-Commerce-Riese hat bei dem Projekt seine Expertise in Sachen Wartung und Nutzerverhalten beigesteuert. Außerdem übernimmt er den Vertrieb des Aion UT Super.

Von CATL stammt nicht nur der Stromspeicher, sondern auch die für den Batterietausch nötige Infrastruktur und die „Choco-SEB“-Technologie für das in China weit verbreitete Battery Swapping. Zum Einsatz kommt bei ihm CATLs #25-Akkupaket, dessen LFP-Variante eine Kapazität von 56 kWh und eine CLTC-Reichweite von rund 500 Kilometern bieten soll. Zum Vergleich: Beim normalen Aion UT ist nach 330 bis 420 Kilometern Schluss.

Ab 2026 stehen Natrium-Ionen-Akkus zur Verfügung

Der Batteriehersteller hat aber auch eine 70 kWh-Version mit NMC-Zellen im Programm, mit der die Reichweite nach der chinesischen Norm auf bis zu 600 Kilometer steigen soll. Für preisbewusste Kunden, die mit weniger Reichweite auskommen, bietet CATL zudem die kleineren #20-Batterien an. In der LFP-Variante verfügen sie über eine Kapazität von 42 kWh und ermöglichen rund 400 Kilometer Reichweite. Wenn Nickel, Mangan und Kobalt in der Kathode dominieren, stehen etwa 52 kWh und bis zu 500 Kilometer zur Verfügung.

CATLs Akku-Tausch-Infrastruktur besteht aktuell aus circa 800 Wechselstationen, zum Ende des Jahres soll aber schon die magische Schwelle von 1.000 Stück erreicht werden. Ende 2026 sollen es dann schon 2.500 Standorte sein, die sich auf insgesamt 120 chinesische Städte verteilen. Für das kommende Jahr hat CATL angekündigt, dass auch die besonders kostengünstigen „Naxtra“-Natrium-Ionen-Batterien an den Wechselstationen zur Verfügung stehen werden.

Der vollautomatisierte Akkutausch soll beim neuen Aion UT Super im Idealfall nach 99 Sekunden erledigt sein. Der VW ID.3-Konkurrent des GAC-Konzerns ist das erste frei verkäufliche Pkw-Modell, das auf CATLs Batteriewechsel-Technologie ausgerichtet ist. Bisher wurde diese überwiegend von Taxi-Unternehmen mit speziellen Fahrzeugen genutzt.

Der UT Super ist auch ohne Batterie erhältlich

Während es im Unterboden zu einem regelmäßigen Wechsel kommt, scheint sich motorseitig bei der „Super“-Version des UT nichts zu ändern. Den Antrieb übernimmt ein an der Vorderachse sitzendes E-Aggregat mit 100 kW und 145 Newtonmeter Drehmoment. Die „Super“-Version des UT kommt dafür in den Genuss eines Infotainmentsystems von Huawei, inklusive einer KI-Sprachsteuerung, das für den normalen UT nicht erhältlich ist.

Die GAC-Marke Aion bietet ihren Kunden zwei Optionen: Das Modell ist entweder inklusive Batterie für 89.900 Yuan, umgerechnet rund 10.900 Euro, oder ohne Stromspeicher für 49.900 Yuan (etwa 6.000 Euro) erhältlich. Wer sich für die zweite Variante entscheidet, least die Batterie. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Renault hierzulande einst beim Zoe.

Der Aion UT Super soll dabei helfen, die Verkaufszahlen des 1955 gegründeten Autobauers wieder anzukurbeln, die zuletzt deutlich zurückgegangen waren. Die „Guangzhou Automobile Group“ hat in ihrem Heimatland von Januar bis Oktober insgesamt 209.615 Autos verkauft – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Rückgang um rund 21 Prozent. Der Konzern expandiert aktuell nach Europa.

catl.com, carnewschina.com, cnevpost.com

5 Kommentare

zu „GAC passt Aion UT auf CATLs Akku-Tausch an“
Josef
11.11.2025 um 12:32
Nur damit bekommt man Leute mit..."aber wie soll ich aus dem 10ten Stock mein eAuto Laden"...dazu zum EV zu wechseln. CATL weiß dass, obwohl sie schon einen 10C Akku haben, aber "sauteuer" ist. Für diese Wechselstationen genügen 2C Akkus oder sogar langsamer.So eine Wechselstation in ein Industriegebiet mit Mittelstrom gestellt...und fertig ist die moderne "Tanke".
Niclas
11.11.2025 um 17:27
Ich sehe da jedoch das große Problem, dass man sich von einem Konzern (CATL) abhängig macht. Ich denke kaum, dass ein zweites Wechselakkunetzwerk neben CATL aufgebaut wird, denn das von Nio ist ja zumindest in Europa fast tot. Dadurch müssen Fahrzeughersteller CATLs Akkus verwenden, um ihren Kunden die Nutzung des Akkutausch-Netzwerks zu ermöglichen. Wo es keinen Wettbewerb gibt, steigen die Preise!Zudem sind die Kunden dauerhaft an CATL als Stromanbieter gebunden, wenn sie ihren Akku tauschen möchten. Es gibt also keinen Wettbewerb wie bei Tankstellen oder Ladestationen.
Ralf Dunker
12.11.2025 um 13:29
Moin Niclas, dein Monopol-Argument gilt auch - und gerade - bei fest verbauten Akkus. Denn es betont deren Kapazität und Zyklenfestigkeit (Akku tot = KFZ tot). Bei Akkutausch wird es m.A. relativiert und für weitere Marktteilnehmer einfacher.In China wurden seit 2021 (meines Wissens, vielleicht auch früher) Rahmenbedingungen (Normungs-Parameter und Regulatorik) geschaffen, die nun allen OEM und allen Herstellern von Traktionsakkus ermöglichen, im Tauschakku-Markt zu operieren. Alle großen OEM in China (auch deutsche Konzerne mittels Joint Ventures) sind vorbereitet. Was wir nun sehen, ist nur der Anfang und vergleichbar mit der Standardisierung von Kraftstoffen und Schmierölen Anfang des 20. Jh., die den Siegeszug des KFZ infrastrukturseitig erst ermöglichte.Volumen und Kapazität der Akkus (und damit die Kosten) relativieren sich nun, weil, wie beim Verbrenner, nicht mehr die Reichweite des KFZ, sondern die Funktionalität des Systems in den Fokus rückt. Das ermöglicht anderen Akkubauern den Marktzugang, vorausgesetzt, sie bemühen sich um die - im Vergleich zum Öl - gar nicht so Seltenen Erden. Das Tausch-System wächst, weil:1. Das KFZ unbegrenzte Reichweite erlangt, nicht, weil der Akku riesig wäre, sondern weil nach zwei Minuten! die volle Reichweite (die Kunden wählen nach Bedarf und KFZ-Klasse) wieder verfügbar ist. Und es zeigt sich schon im Artikel: Die Anschaffungskosten für das BEV sinken erheblich!2. Nun muss, wiederum in Analogie zum ersten Viertel des 20. Jh., das Netz von Tauschstationen flächendeckend wachsen. Weil die Normungs-Parameter vorliegen (z.T. auch in der EU), werden die erforderlichen Investitionen durch Gewinne aller Marktteilnehmer amortisierbar. Das Tauschsystem ist nämlich wesentlich lukrativer als das “Ladesystem“, nicht nur, weil es verlässlich bei hoher Kundenfrequenz ausgelastet ist. Es nutzt in der Welt der Erneuerbaren auch konsequent die strommarktseitigen Erlös-Chancen.Hier sehe ich die große Chance Europas: 140.000 vorhandene Tankstellen können perspektivisch ZUSÄTZLICH Geld verdienen, indem sie billigen Strom einkaufen und teurer sowohl an Endverbraucher in der Mobilität (Fahrstrom) und an der Strombörse verkaufen (bei Unterdeckung der Netze mangels Wind- oder PV-Strom). Damit wird auch Strom aus Erneuerbaren deutlich billiger! Es geht dann nicht mehr um das Vehicle to Grid (das dann nicht fahren kann), sondern um den Akkupool to Grid (wobei der für eine Fahrt benötigte Akku trotzdem mobil und nicht stationär „abhängt“). Der Akku-Überhang liegt bei Millionen von KFZ im hohen, einstelligen Prozent-Bereich, vermeidet aber stationäre Speicher.Ich gehe davon aus, dass schließlich das Akku-Leasing entfällt, weil sich der Akku durch die „polyvalente“ Nutzung im Stromsystem rentiert. Akkus bleiben also Eigentum derjenigen, die Akkus in Umlauf bringen.Ich hoffe, die europäischen OEM und die Politik begreifen dies schnell!
Roger Hobbs
12.11.2025 um 14:17
Das eigentliche Problem bei Wechselakkus(Stationen) ist doch, dass durch unterschiedliche Akkudimensionen bzw. fehlender Standards, diese Stationen immer nur eine Menge x (wenn überhaupt) des passenden Akkus vorrätig haben. Und andere Akkugrößen dürfen nicht "geladen" werden. Das Problem hat man ja schon bei Nio. Einmal Akkugröße ausgewählt, muss man bei diesem bleiben.
Emobilitätsberatung-berlin K.D.Schmitz
12.11.2025 um 18:56
Das Argument, Aku tot, ist gleich Auto Tot, gibt es ja bei der Variante Wechselakku nicht. Das ist für mich aber auch die einzige Begründung für so ein System. Aber natürlich, Lass Sie machen die Hersteller.

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