Stellantis kündigt mehrere Rohstoff-Verträge

Unter Carlos Tavares hatte Stellantis einen straffen Zeitplan für den kompletten Wechsel auf E-Antriebe seiner Marken geplant. Inzwischen wurden die Vorhaben stark aufgeweicht, Stellantis plant mit weniger E-Autos. Die Folge: Der Konzern hat drei Liefervereinbarungen mit unterschiedlichen Partnern für Batteriematerialien aufgekündigt.

Stellantis neues format
Bild: Stellantis

Dabei geht es um Vereinbarungen mit Novonix und Westwater Resources für Anodengraphit und Alliance Nickel für Nickel und Kobalt. Im Falle der Alliance Nickel (ehemals GME Resources) geht der Deal bis auf eine noch unverbindliche Vereinbarung aus dem Jahr 2022 zurück, bevor im April 2023 ein verbindlicher Liefer-Deal über insgesamt 170.000 Tonnen Nickelsulfat und 12.000 Tonnen Kobaltsulfat unterzeichnet wurde. Die Vereinbarung mit Novonix über 86.250 bis 115.000 Tonnen ab Anfang 2026 wurde hingegen erst vor recht genau einem Jahr unterzeichnet.

Am 4. November hat Novonix jedoch mitgeteilt, dass der Liefervertrag mit FCA US LLC (also der US-Tochter von Stellantis) seitens des Kunden „mit sofortiger Wirkung“ gekündigt wurde. „Novonix und Stellantis konnten sich nicht auf die spezifischen Spezifikationen des Batteriezellprodukts und die Meilensteine für die Qualifizierung der Massenproduktion einigen“, so Novonix weiter. Wie bei vielen mit Vorlauf geschlossenen Rohstoff-Verträgen üblich, hatten beide Seiten einen Preismechanismus vereinbart, der sich an den aktuellen Marktpreisen orientieren sollte.

Novonix bestätigt auch, dass die Lieferungen aus dem Werk in Riverside bei Chattanooga, Tennessee, ab dem 1. Januar 2026 geplant war – die Absage kommt also recht kurzfristig. „Novonix ist zwar von dieser Entscheidung enttäuscht, konzentriert sich aber weiterhin auf seine Lieferungen für Panasonic und PowerCo und stellt auch zukünftig 15 aktuellen und potenziellen Kunden Muster für Batterie- und Industrieanwendungen zur Verfügung“, heißt es in der Mitteilung. Mit der VW-Batterietochter PowerCo hatte Novonix quasi gleichzeitig mit Stellantis eine Liefervereinbarung geschlossen.

Westwater spricht von „unerwarteter“ Kündigung

Am 7. November folgte dann eine Mitteilung von Westwater Resources, dass wiederum FCA US LLC am 3. November „unerwartet ihren verbindlichen Abnahmevertrag mit dem Unternehmen vom 17. Juli 2024“ gekündigt habe. Stellantis war neben Hiller Carbon und SK On einer von drei Großkunden mit bestehenden Verträgen. „Unsere Abnahmeverträge mit Stellantis, SK On und Hiller Carbon bildeten die Grundlage unserer laufenden Konsortialkreditaufnahme“, erklärte Terence Cryan, Executive Chairman von Westwater Resources . „Aufgrund der unerwarteten Kündigung durch Stellantis ist die Konsortialkreditaufnahme jedoch vorerst ausgesetzt. Unsere Gespräche mit der EXIM Bank und anderen Regierungsbehörden bezüglich Finanzierungsmöglichkeiten laufen aber weiter.“

Westwater wollte Stellantis aus der Anlage Kellyton beliefern. Laut Cryan soll nun die Verarbeitungskapazität in der ersten Phase an die bestehenden Abnahmeverträge und die verfügbaren Finanzmittel angepasst werden. Sprich: Die Anlage soll etwas kleiner werden, der Investitionsbedarf soll sinken. „Das Unternehmen geht davon aus, diese Optimierungsbewertung bis Ende des Jahres abzuschließen und plant, den Markt Anfang 2026 darüber zu informieren“, so Westwater. Die Verträge mit SK On und Hiller Carbon bleiben gültig. Und auch FCA habe signalisiert, „dass man einer Neuverhandlung einer Vereinbarung mit dem Unternehmen offen gegenübersteht, doch jede zukünftige Vereinbarung würde von den aktuellen Marktbedingungen abhängen“.

Ebenfalls am 7. November hat die australische Alliance Nickel mitgeteilt, dass der Vertrag mit Stellantis (dieses Mal nicht FCA US LLC) mit Wirkung zum 3. Dezember 2025 gekündigt wurde – wenn man von einem Monat Kündigungsfrist ausgeht, dürfte auch hier die Kündigung am 3. November ausgesprochen worden sein. Allerdings werden hier nicht Preise oder die Nachfrage als Grund genannt, sondern die Australier dürften vereinbarte Meilensteine nicht erreicht haben. „Die Kündigung ergibt sich aus der Nichteinhaltung bestimmter vertraglicher Meilensteintermine, wodurch die bestehende Vereinbarung unwirksam wird. Dies ist in erster Linie auf die schwierigen Bedingungen auf dem Nickelmarkt und die damit verbundenen Einschränkungen bei der Projektfinanzierung zurückzuführen“, heißt es in der Mitteilung.

Zwar heißt es auch hier, dass Stellantis weiter Interesse an den Rohstoffen aus dem NiWest-Projekt der Alliance Nickel habe, allerdings sollen dafür die Bedingungen neu verhandelt werden, welche den „überarbeiteten Zeitplan für die Projektentwicklung und die Marktbedingungen besser widerspiegeln“, so die Australier. Sprich: Der Lieferbeginn folgt später, die Mengen und Preise dürften geringer ausfallen.

„Wir verstehen die Gründe für die Entscheidung von Stellantis und erkennen gleichzeitig, dass dies eine gute Gelegenheit für beide Seiten ist, eine neue Vereinbarung auszuhandeln, die den überarbeiteten Zeitplan für die Projektentwicklung und die Zukunftsstrategie besser widerspiegelt“, sagt Paul Kopejtka, Geschäftsführer der Alliance. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die langfristigen Aussichten für Nickel und Kobalt weiterhin positiv sind.“

Fakt ist: Stellantis plant global mit weniger Elektroautos als noch vor einigen Jahren und benötigt dementsprechend kurzfristig weniger Batterie-Rohstoffe. Viele konkrete Daten für den Umstieg auf ein reines E-Auto-Portfolio der Stellantis-Marken wurden aufgeweicht oder aufgehoben, Verbrenner und Hybride sollen länger im Angebot bleiben. Gerade auf dem US-Markt hat sich die Stimmung von dem BEV-freundlichen Kurs unter Präsident Joe Biden (mit Förderungen für Produkte und den Aufbau von US-Batterie-Lieferketten) stark geändert, unter seinem Nachfolger Donald Trump werden derzeit viele Förderprojekte gestoppt.

novonixgroup.com, westwaterresources.net, sharelinktechnologies.com (Mitteilung der Alliance Nickel als PDF)

2 Kommentare

zu „Stellantis kündigt mehrere Rohstoff-Verträge“
Egon Meier
11.11.2025 um 22:35
Stellantis hat Probleme an allen Ecken und Kanten. Verluste, miese Qualität .. da passen solche Meldungen. Es gibt wohl keine Hoffnung auf Besserung.
sig
12.11.2025 um 08:37
Diese Firma aus den Niederlanden? Die machen ja gerne US-freundliche/europafeindliche Aktionen...siehe Enteignung Chiphersteller....mit teuren Folgen für alle Europäer!

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