E-Busse: Bund zieht Förderfazit und startet im Frühjahr neue Zuschussrunde
Dieser Tage trifft sich die Busbranche Deutschlands erneut in Berlin: Nach einer ersten Auftakt-Konferenz im Jahr 2024 veranstaltet das Bundesministerium für Verkehr mit Unterstützung der bundeseigenen NOW GmbH gerade die zweite Fachkonferenz klimafreundliche Busse, kurz: BUSKON 2026. Den Ton der Konferenz setzte am Morgen Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in seiner Eröffnungsrede.
Elektrobusse bezeichnet er in seiner Ansprache als einen zentralen Baustein für einen klimafreundlichen öffentlichen Personennahverkehr. „Mit unserer Förderung investieren Verkehrsunternehmen in saubere, leise und innovative Technologien. Mehr als 2.200 durch uns geförderte Elektrobusse sind bereits im Einsatz. [… ] Weitere rund 1.900 E-Busse kommen jetzt hinzu. Das zeigt: Der Umstieg funktioniert – und bringt Vorteile für Fahrgäste und Anwohner ebenso wie für Klima und Umwelt.“
Aufhorchen ließ Schnieder vor rund 300 Vertretern aus Verkehrsunternehmen, Industrie, Wissenschaft und Verbänden vor allem mit der Ankündigung einer neuen Förderrunde: „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einer neuen Förderrichtlinie und wir beabsichtigen bereits im Frühjahr einen neuen Förderaufruf zu veröffentlichen“, so der Minister. „Wir haben im Haushalt 2026 wieder erhebliche Mittel zur Verfügung. Sie ermöglichen zumindest eine Förderung im bisherigen Umfang, also in einer Höhe von bis zu 500 Millionen Euro.“ Sein Ministerium wolle alles daran setzen, „die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben und die ambitionierten Ziele zu erreichen“. Bis 2030 peilt die Bundesregierung bekanntlich an, dass die Hälfte aller Stadtbusse im Bestand elektrisch fahren.
BMV will bekannte Förderrichtlinie nur leicht anpassen
Details zur geplanten neuen Förderrunde sind noch rar. Klar ist: Die seit 2021 geltende „Richtlinie zur Förderung alternativer Antriebe von Bussen im Personenverkehr“ als Unterbau der Subventionierung ist zum Jahreswechsel ausgelaufen. Für die neue Zuschussrunde braucht Schnieders Haus eine neue Förderrichtlinie – aktuell sei diese in der Abstimmung, wie Nikolaus Oberkandler, Leiter des Referats Elektromobilität und Ladeinfrastruktur im Bundesverkehrsministerium, auf der Konferenz bekannt gibt.
Oberkandler versichert aber, dass sich Antragsteller auf keine Umwälzungen einstellen müssen: „Wir haben ein Programm das funktioniert, das von den Verkehrsunternehmen gut angenommen wird und das auch herstellerseitig gut bedient wird. Wir haben jetzt nicht den Anspruch, hier alles anders zu machen. Sondern wir wollen im Rahmen der bisherigen Leitplanken agieren.“ Anpassungen könne es aber bei Preis-Obergrenzen und Fördersätzen geben, „um mit der Förderung noch etwas mehr in die Breite zu kommen“. Ergo: um mehr Anträge mit geringeren Fördersummen zu realisieren. Während der Förderaufruf für 2026 auch in seinem Umfang von bis zu 500 Millionen Euro weitgehend steht, gibt es laut Oberkandler natürlich keine Garantie, dass sich das Programm „immer so fortsetzen wird“ – der angespannten Haushaltslage wegen.
Doch die Botschaft an die versammelten Verkehrsunternehmen ist erst einmal: 2026 wird wieder gefördert – aller Voraussicht nach kommen dabei weiterhin Batterie-elektrische und Brennstoffzellenbusse zum Zuge, ebenso wie die jeweils nötige Lade- und Tankinfrastruktur und wohl auch Umrüstungen von Diesel- auf Elektroantrieb.
Auch ein Fazit zur jüngsten Förderrunde lieferte das Verkehrsministerium auf der BUSKON. Diese hatte die neue schwarz-rote Bundesregierung bekanntlich im Sommer 2025 initiiert, womit eine lange (2023 vom KTF-Urteil und dem folgenden Haushaltsloch ausgelöste) Durststrecke zu Ende ging. Zur Bilanz: In jener letzten Runde unter der „alten“ Förderrichtlinie haben 151 Unternehmen insgesamt 417 Millionen Euro erhalten. Gefördert wird so die Beschaffung von 1.887 neuen Elektrobussen. Fast 100 der Bescheide übergab Schnieder am Vormittag persönlich an angereiste Repräsentanten der geförderten Unternehmen.
Zu den Fördernehmern, die an die auf 15 Millionen Euro gedeckelte Höchstförderung pro Skizzeneinreicher (knapp) herangekommen sind, gehören etwa Autokraft, DB Regio Bus Mitte, die Duisburger Verkehrsgesellschaft und LOOK Busreisen. Diese Player beschaffen mit den Fördergeldern an die 60 bis 70 Neufahrzeuge. Am anderen Ende der Skala rangieren aber auch viele kleine Betreiber mit Fördersummen unter einer Million Euro zur Beschaffung von maximal einer Handvoll E-Bussen. Die vollständige Liste aller Fördernehmer ist am Ende des Texts verlinkt.
„Das Interesse an diesem Förderaufruf war enorm, er war mehrfach überzeichnet“, schildert Schnieder auf der Bühne. „Mit Blick auf die Antragsskizzen, die uns erreicht haben, hätten wir ohne Probleme mehr als 5.000 Busse fördern können.“ Bezuschusst wurden im Endeffekt besagte, knapp 1.900 Einheiten.
Schon rund 2.200 geförderte E-Busse seit 2021
Insgesamt hat das Verkehrsministerium die Transformation in diesem Bereich seit 2021 mit nun rund 1,5 Milliarden Euro unterstützt. In diesem Zuge seien inzwischen rund 2.200 E-Busse auf die Straße gekommen und rund 3.000 Einheiten bestellt worden, wie Oliver Braune, Programm-Koordinator Elektromobilität und Busse im Referat G23 des Bundesverkehrsministeriums, in einer Präsentation im Detail ausführt. Die beschafften Busse sollen kumuliert bereits auf eine Laufleistung von 120 Millionen Kilometer kommen. Ferner unterstützt wurde die Beschaffung von rund 2.000 Ladestationen, zwei Wasserstofftankstellen und rund 100 Machbarkeitsstudien.
Als weiteres Zwischenfazit hält Braune fest:
- Der anfängliche Fokus der Förderung auf große, kommunale Verkehrsunternehmen wurde auf Privatunternehmen erweitert. Inzwischen ist der Anteil von kommunalen und privaten Unternehmen bei der Förderung fast ausgeglichen.
- Die Herstellervielfalt im Bereich E-Busse ist binnen fünf Jahren von 7-8 auf inzwischen 14-15 Akteure gewachsen.
- Die Modellvielfalt hat sich dadurch von rund 14 auf 20 bis 30 Modelle gesteigert.
- Die Batterien der Busse weisen heute gegenüber 2020 eine um 60 Prozent gesteigerte Kapazität auf.
- Die Tageslaufleistung ist seit 2020 von 133 auf 182 Kilometer gestiegen.
- Die Fahrzeugeffizienz ist im gleichen Zeitraum um 6,5-9,5% geklettert.
- Die Preise für E-Busse sind in den vergangenen fünf Jahren nicht gesunken. Rund 55 Prozent der Busse übersteigen die Fördergrenzen.
Grundsätzlich kamen E-Busse bei den Neuzulassungen in Deutschland in den vergangenen zwölf Monate etwa auf einen Marktanteil von 25 Prozent. Den Bestand schätzt das Verkehrsministerium aktuell auf 5.700 E-Busse, wobei lange nicht alle bezuschusst wurden. Laut Braune hat die Förderrichtlinie am Hochlauf einen Anteil von rund 40 Prozent.
Quelle: Livestream BUSKON 2026, bmv.de (Pressemitteilung), bmv.de (Liste der Fördernehmer der aktuellen Runde), bmv.de (Liste aller Fördernehmer unter der zurückliegenden Richtlinie)





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