VDA und Eclipse Foundation weiten Ökosystem für Softwareentwicklung aus
Bei dem vom Verband der Automobilindustrie (VDA) koordinierten Bündnis waren anfangs nur deutsche Player aus der Autobranche dabei, darunter die Hersteller BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen und die Top-3-Zulieferer Bosch, Continental und ZF. Nun wird das Bündnis internationaler – es sind nun schon 32 Akteure aus Europa, Asien und Amerika an Bord. Neu dabei sind u.a. 42dot, Accenture, AVL, Capgemini, Coretura, Cummins, ECARX, Elektrobit, Infineon, LEAR, LG Electronics, Michelin, MOBIS, Qualcomm, QNX, Red Hat, Schaeffler, Stellantis, Traton, T-Systems und Useblocks.
Bei der Bekanntgabe der Allianz im Juni 2025 hieß es, das Ziel sei, nicht-differenzierende Fahrzeugsoftware auf Basis eines offenen, zertifizierbaren Software-Stacks zu entwickeln – und damit die Transformation zum softwaredefinierten Fahrzeug (Software Defined Vehicle, SDV) zu beschleunigen. „Nicht-differenzierend“ heißt, dass nur Software entwickelt wird, die keinen direkten Einfluss auf das Kundenerlebnis. Heißt: Das Bündnis entwickelt innerhalb der Eclipse SDV Working Group Basisfunktionen für Fahrzeuge in Bereichen wie Middleware, Kommunikations-Stacks, Speicher-/Sicherheitsfunktionen oder autonome Fahrfunktionen. Dadurch soll auch die Interoperabilität zwischen Zulieferern und Fahrzeugplattformen gestärkt werden.
Im Gegenzug sollen bei den Teilnehmern Ressourcen für die Entwicklung von „differenzierender Software“ frei werden, mit denen die Firmen individuelle Erlebnisse für ihre eigenen Kunden schaffen können, z.B. eine spezielle User Experience, Assistenz-Funktionen sowie individuell gestaltete Features und Dienste im Fahrzeug wie etwa ein persönlicher Digital-Assistent.
„Durch die gemeinsame Entwicklung von nichtdifferenzierender Software können Hersteller und Zulieferer ihre Ressourcen auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Bereitstellung einzigartiger, kundenorientierter Erlebnisse“, sagte Dr. Marcus Bollig, Geschäftsführer des VDA.
Der Ansatz erinnert an das Konzept Headless Commerce im Onlinehandel: Dabei werden das Backend bzw. Grundfunktionen wie z. B. Warenkorb, Produktdaten, Zahlungsabwicklung) vom Frontend bzw. der User Experience getrennt, also dem, was der Kunde sieht und erlebt. Auch hierbei können verschiedene Firmen die selben Backend-Funktionen nutzen, differenzieren sich aber über das Frontend – im Auto-Vergleich also das, was der Kunde auf dem Fahrer- oder Beifahrersitz erlebt.
Die beteiligten Unternehmen erwarten, dass kollaborative Open-Source-Entwicklung erhebliche Vorteile bringt: Bis zu 40 Prozent weniger Aufwand für Entwicklung, Integration und Wartung von nichtdifferenzierender Software, wodurch Entwicklungskapazitäten für innovative Funktionen frei werden. Und bis zu 30 Prozent schnellere Markteinführung durch gemeinsam genutzte Komponenten in Automotive-Qualität.
Koordiniert wird die Entwicklung dieser nicht-differenzierenden Automobil-Software von der Eclipse Foundation, einer in Brüssel ansässigen gemeinnützigen Organisation, die als neutraler Hüter für Open-Source-Software fungiert. Entsprechend setzt auch das Bündnis auf den Open-Source-Ansatz, bei dem der Quellcode für alle Teilnehmer offen einsehbar ist und genutzt werden kann.





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