05.01.2016

Mehr von allem – damit der Durchbruch gelingt.

Was die nächste Generation der Elektroautos wirklich braucht.

Machen wir uns nichts vor: Die Ursache für die niedrigen Bestandszahlen bei allem, was elektrisch fährt, ist das Produkt selbst. Es muss besser werden. Konkurrenzfähiger. Und das wird es auch. Das Rezept zum Erfolg lautet: Mehr von allem (außer beim Preis). Einen inspirierenden und greifbaren Ausblick auf die Möglichkeit zum Durchbruch bietet der gerade auf der CES in Las Vegas präsentierte Volkswagen BUDD-e. Er hat das Mehr, das dem Käufer gefallen könnte. Ein Trendreport für die Elektromobilität.

Mehr Batteriekapazität

Mit 92,4 Kilowattstunden Nennkapazität übertrifft der Volkswagen BUDD-e die Topversion des Tesla Model S. Wolfsburg spricht darum von einem Erstwagen. Jenseits der reinen Commuterfahrzeuge wie einem Smart electric drive oder einem Renault Twizy zeigt der modulare Elektrifizierungsbaukasten MEB, wohin die Reise geht: Nicht zu Batterien, die mit Rücksicht auf die Kosten einen beschränkten Nutzwert in Kauf nehmen. Hin zu besseren elektrochemischen Speichern, die billiger werden – und trotzdem mehr einstecken können.

Volkswagen-BUDD-e-innen

Mehr Ladeleistung und mehr Spannung

Der BUDD-e, so sagt es Volkswagen, kann in 30 Minuten zu 80 Prozent geladen sein. Das funktioniert an den 150 Kilowatt leistenden Säulen, die zurzeit vorbereitet werden. Perspektivisch soll „bis Ende des Jahrzehnts“ eine Verkürzung auf 15 Minuten möglich sein. Übersetzt: Vielleicht sind die Serienfahrzeuge des MEB bereits auf 800 Volt Spannung und bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung ausgelegt. Vorbildlich. Und zu Hause wird optional kabellos geladen. Mühelos und automatisiert.

Volkswagen-BUDD-e-Antrieb

Mehr Wasserstoff

Parallel zum Fortschritt bei der Zelltechnik werden Brennstoffzellen-Fahrzeuge häufiger und günstiger werden. Hier sind nicht nur die asiatischen Hersteller wie Honda, Hyundai und Toyota aktiv. Auch BMW und Mercedes mit dem GLC werden Produkte anbieten. Und der Volkswagen-Konzern? Es geht das Gerücht, dass auf der NAIAS in Detroit in wenigen Tagen ein Audi stehen wird, der h-tron heißt. Alle Konzepte haben eins gemeinsam: Der Verbrennungsmotor wird zurückgedrängt, was zu…

…mehr sauberer Luft…

…in Stadt und Land führt. Um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, muss zumindest Chancengleichheit zwischen den Antrieben herrschen. Also zwischen TDI, TSI und BUDD-e. Hier ist die Politik gefragt. Okay, es liegt doch nicht nur am Produkt, wenn die Absatzzahlen nicht ausreichend steigen. Vielleicht ist es dabei gar nicht nötig, massive Förderungen für Strom und Wasserstoff auf den Weg zu bringen. Wahrscheinlich reicht es, die unzeitgemäßen Privilegien zum Beispiel beim Dieselkraftstoff zu beschneiden.
Volkswagen-BUDD-e-Cockpit-300

Mehr Vielfalt

Der Volkswagen BUDD-e beeindruckt mit raumökonomischen Zahlen: Bei 4,60 Meter Außenlänge hat er mit 3,15 Meter über 23 Zentimeter mehr Radstand als ein Sharan und ein Plus von 15 Zentimetern zwischen den Achsen gegenüber einem Multivan T6. Und das trotz Allradantrieb, Allradlenkung und 225 kW mechanischer Systemleistung. Auf diesem ebenen Boden ist eine Unzahl von Varianten denkbar. Personenwagen, Handwerkertransporter, Surfbusse mit allem, was man sich vorstellen kann.

Volkswagen-BUDD-e-Innenraum-300

Mehr Fahrzeuge

Elementar für den Erfolg der Elektromobilität ist ein Mehr an Produkten. Die derzeitig geringe Bandbreite ist eine Beleidigung für die Autoindustrie, von der ansonsten jede noch so unwahrscheinliche Nische bedient wird. Jedenfalls mit Verbrennungsmotor. So, wie Konkurrenz das Geschäft belebt, würgt der aktuelle Mangel den Markt ab. Genau darum ist es umso schöner zu sehen, wie auf den US-Messen in Las Vegas (CES) und Detroit (NAIAS) die Vielfalt wächst. Volkswagen BUDD-e, Chevy Bolt (auf Deutsch übersetzt: Opel Blitz?!), Faraday und Hyundai IONIQ kommen. Und im Frühjahr dürfen wir uns auf den Prototypen des Tesla Model 3 freuen.

Mehr Stückzahl

Mit dem ersten Teaser für den BUDD-e im Dezember sagte Volkswagen den Beginn einer „Ära der erschwinglichen Langstrecken-Elektromobilität“ voraus. Sie greift wieder, die alte Top-Down-Strategie. Tesla Motors hat oben angefangen, mit steigenden Produktionsziffern stellen sich Stück für Stück Skaleneffekte ein, also die Verbilligung über die Massenfertigung. Was Bezahlbarkeit beim elektrischen Bulli bedeutet, sagen die Wolfsburger noch nicht. Einen Hinweis gibt der Blick auf einen ordentlich ausgestatteten Sharan TDI. Der kostet rund 50.000 Euro.

Fazit

2016 wird ein gutes Jahr für die Elektromobilität. Genau das Mehr, das zum Durchbruch führen kann, wird jetzt auf den Weg gebracht. Ja, einiges davon ist leider erst Ankündigung und noch nicht Verkaufsraum. Für Volkswagen BUDD-e und Tesla Model 3 brauchen wir etwas Geduld. Aber das ist egal. Die Energiewende im Auto passiert. Langsam, unumkehrbar.

Vorläufige Daten zum Volkswagen BUDD-e:

  • Ab 2019
  • 533 Kilometer Reichweite im NEFZ
  • 92,4 Kilowattstunden Batteriekapazität
  • Vordere E-Maschine 100 kW Leistung und 200 Nm Drehmoment
  • Hintere E-Maschine 125 kW und 290 Nm
  • Mechanische Systemleistung 225 kW
  • 0-100 km/h: ca. 7 Sekunden, Spitze 180 km/h
  • 4,60 m lang / 1,84 m hoch / 1,94 breit
  • Radstand 3,15 m (VW T6: 3 m)
  • Wendekreis 11,5 Meter
  • Allradantrieb, Allradlenkung
  • AC-Ladung sowohl mit Kabel als auch induktiv möglich
  • DC-Ladung mit mindestens 150 kW, evtl. bis 350 kW

Volkswagen-BUDD-e-inmotion




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9 Kommentare zu “Mehr von allem – damit der Durchbruch gelingt.

  1. Die Ankündigung eines reinen Elektrofahrzeuges mit einem praxistauglichen Platzangebot ist grundsätzlich eine Bereicherung des Marktangebotes.
    Um große Stückzahlen liefern zu können sollte die deutsche Autoindustrie schnellstmöglich als Joint-Venture eine „Gigafactory“ bauen (lassen). Andernfalls wird es große Lieferengpässe geben wenn die demnächst sprunghaft einsetzende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen auch tatsächlich in großen Stückzahlen gedeckt werden soll. Die Grundsteinlegung sollte SCHON 2016 sein, um wenigstens Anfang 2020 Elektrofahrzeuge von deutschen Herstellern in großen Stückzahlen liefern zu können.
    Es hängt schließlich jeder 7. deutsche Arbeitsplatz direkt oder indirekt an der Automobilität.
    Verantwortung ist gefragt.
    Ohne Produktionskapazitäten keine Elektromobilität!

  2. In dem Budd-e ist nicht wirkliches Neues, dass es nicht heute schon gibt. Und dafür braucht VW 3 Jahre (2019) zur serienreife und stellt dies als grosse Sensation dar, als etwas noch nie dagewesenes.

    * 92 kW – gibt es bei Tesla.
    * Schnellladung 80% in 30 Minuten gibt es seit 3 Jahren bei Tesla und BMW.
    * Gesture Control (Gestensteuerung) im neuen 7er BMW.
    * Internet Connectivity: Connected Drive von BMW.
    * Wendekreis 11.5M – BMW i3 hat einen Wendekreis von 9 Meter.
    * Keine Knöpfe (E-Golf Touch): Wenn man das Video ansieht, sieht man sehr wohl noch Knöpfe für die Klimageräate und Sitzheizung. Tesla ist hier wesentlich konsequenter, hier geht wirklich 95% über den Touchscreen.

    Kein Wort von selbständigen Parken, schon gar nicht Selbstfahrenden AutoPiloten.
    Keine Wärmepunpe um effizienter zu Heizen.
    Glückwünsch nur an die VW Marketing Abteilung bestehende Technik als zukunftsweisendes darzustellen.

  3. @TeeKay: Ganz genau! Alles nur ungelegte Eier:-( Von einem geplanten Fahrzeugkonzept ohne Ladeinfrastruktur, mit noch nicht mal einem Prototypen, mit vorläufigen Daten auf ein real fahrendes und funktionierendes Mobilitätskonzept wie Tesla zu schielen, können sich die Jungs gerne mal bis 2020 aufheben! Dann werden wir vielleicht auch mal eine 150 kW-Säule sehen?

  4. Die Präsentation ist stark auf die CES ausgerichtet. Mobilittsthemen stehen eher im Hintergrund, die „Jubel-Elektronik“ verdeckt die eigentlichen Elektromobilitätsthemen. Einzig die im Fahrzeugboden integrierte Traktionsbatterie ist ein „echtes“ EV-Feature. Leider schon bestens bekannt von TESLA, ebenso die Möglicheit 80% von 90kWh in 30 Minuten aufzuladen. Das sind keine Errungenschaften von VW, sondern nur ein Nachbauen bestehender Konzepte, ohne sich um die Kosten der Ladeinfrastruktur für die KundInnen Gedanken zu machen. Anders als TESLA, das Thema Ladeinfrastruktur wird von VW wieder weggeschoben, alleine die Anschlusskosten für 250kW Charger sind in Europa kaum kostendeckend zu finanzieren, zumindest nach den heute geltenden Tarifen!
    Aber immerhin, VW „macht auf NEU“. Wieweit dieses Vorhaben in die Praxis umgesetzt wird und wieweit dies auch in Europa der Fall sein wird zeigt sicherlich die nächste Zeit. Ich bin da eher pessimistisch, 5 Jahre intensive Beschäftigung mit EV-Themen härten ab…

  5. „Mit 92,4 Kilowattstunden Nennkapazität übertrifft der Volkswagen BUDD-e die Topversion des Tesla Model S.“

    Falsch – der nur am Computer existierende Prototyp eines angeblich 2019 erhältlichen Fahrzeuges übertrifft die seit 2012 erhältlichen Topversionen des Model S um 7,4kWh, das kürzlich vorgestellte und schon tausendfach verkaufte Update der Batterie um ganze 2,4kWh. Ob das 2019 dann wirklich verkaufte VW-Modell irgendwas aus der Palette der 2019 verkauften Model S übertreffen wird, ist noch nicht raus.

  6. Gratuliere VW zu dieser tollen Ankündigung!
    E-Car mit hoher Reichweite, toller Leistung, gutem Raumkonzept, Multimedia und 4 WD – das geht nun absolut in die richtige Richtung.

  7. BUDD-e: Das ist „good news“ für Volkswagen, für die Elektromobilität insgesamt. Endlich! Bezeichnend, dass das Ereignis in den USA stattfinden „muss“. Dieselgate lässt grüssen. Glückwunsch für die ad hoc Berichterstattung in electrive.net und die prägnante Vorstellung durch Christoph M. Schwarzer.

  8. Pingback: Der elektrische Bulli kommt – Christoph M. Schwarzer

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2016/01/05/mehr-von-allem-damit-der-durchbruch-gelingt-was-die-naechste-generation-der-elektroautos-braucht/
05.01.2016 15:32