13.01.2022 - 11:13

Wie eine Elektrofirma ihr Solarstrom-Elektroauto-Ökosystem aufbaut

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Mit Elektroma macht eine mittelständische Firma vor, wie Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz Hand in Hand gehen können. Bis 2030 will das Unternehmen CO2-frei werden und stellt dazu seine 60 Fahrzeuge umfassende Flotte sukzessive auf E-Antrieb um. Den Strom für Flotte, Firmengebäude und zur Netzeinspeisung produziert das Unternehmen selbst: sage und schreibe 500.000 kWh Solarstrom pro Jahr.

* * *

Die auf elektrotechnische Dienstleistungen spezialisierte Elektroma mit Sitz in Hameln, das im Umkreis von rund 50 Kilometern um die an der Weser gelegene Rattenfängerstadt herum tätig ist, hat bereits einen riesengroßen Schritt in Richtung Klimaneutralität getan. Das inhabergeführte Elektrounternehmen verfügt über eine Photovoltaikanlage (PV) mit 54 Kilowatt-Peak (kWp) und eine mit 570 kWp. Damit erzeugt Elektroma jährlich über 500.000 Kilowattstunden (kWh) – weit mehr, als die Firma selbst an Strom verbraucht.

Mit der ersten PV-Anlage ist Elektroma 1993 gestartet. „Wir haben sie auf dem Dach des Hauptgebäudes der Firma installiert, dann 2012 und 2015 erweitert“, erzählt Geschäftsführer Lutz Reimann, der Elektroma in zweiter Generation seit 2000 leitet. Und rechnet vor: „Unser gesamter Stromverbrauch 2019 lag bei 100.000 kWh. Wir mussten also 74.000 kWh zu 21 Cent/kWh netto aus dem Netz des örtlichen Stromanbieters beziehen.“ Dazu kommen für 2019 83.000 kWh Gasbezug zum Heizen und ein jährlicher Verbrauch von 68.000 Liter Diesel beziehungsweise Benzin für die Firmenflotte, die pro Jahr 850.000 Kilometer zurücklegt. „Das ergibt einen jährlichen CO2-Ausstoß von etwa 350 Tonnen.“

Um vollständig auf Solarenergie umsteigen zu können, hat Elektroma Ende 2020 das Nachbargrundstück mit zwei großen Gebäuden gekauft und deren Dächer mit 3.700 Quadratmeter Fläche inzwischen komplett mit PV belegt. Der dort erzeugte Strom kostet unter Berücksichtigung der Investitionskosten 6 Cent/kWh und deckt den Eigenbedarf für Elektroma, die künftig 60 E-Fahrzeuge umfassende Flotte sowie Wärmepumpe für die Heizung locker ab.

„Wir erzeugen einen Stromüberschuss von 420.000 kWh, bekommen laut dem neuen EEG für 20 Jahre 6,5 Cent Einspeisevergütung. Die Selbstkosten für eine kWh Solarstrom sind 6 ct. Somit haben wir eine günstige, CO2-freie Energiequelle mit konstanten Kosten für die nächsten 30 Jahre geschaffen.“ Die Wirtschaftlichkeit der Anlage erreiche das Unternehmen durch den Eigenverbrauch, betont Reimann, der für PV-Anlage, Netzanschluss und Mittelspannungsanlage sowie Dacharbeiten 840.000 Euro investiert hat. Da Elektroma sämtliche Kompetenzen unter einem Dach versammelt, hat es alle Arbeiten selbst erledigt.

Neben der klassischen Elektroinstallation arbeiten die rund 150 Mitarbeiter in den Bereichen PV, Elektromobilität, Klimatechnik und Wärmepumpen sowie in der Sparte Sicherheitstechnik. Das Unternehmen verfügt zudem über ein eigenes Planungsbüro. „Wir kennen uns somit mit den für die Energiewende und Elektromobilität relevanten Themen sehr gut aus“, sagt Reimann. Seine Gebäude heizt und kühlt Elektroma inzwischen mit Wärmepumpen. Die noch vorhandene Gasheizung nutzt die Firma bislang noch, um Spitzenlasten abzudecken.

Erfahrungen mit Elektroautos sammelt Reimann bereits seit 2012, als er sich einen Opel Ampera-e als Dienstfahrzeug angeschafft hat. „Ich war sofort überzeugt“, erzählt der gelernte Elektroinstallateur, der schon während der Lehre sein Herz für den Umweltschutz entdeckt und sich danach entschlossen hat, Umwelttechnik mit Schwerpunkt Solartechnik zu studieren. „Die genialste Art der Energieerzeugung ist meiner Meinung nach PV, die geräuschlos ist, keine Schlagschatten wirft, sich gut in die Landschaft einbinden lässt und von der Bevölkerung akzeptiert wird“, fügt er hinzu. Zudem sei sie skalierbar in alle Größen, in der Technologie stecke immenses Potenzial.

Für ihn war also klar: Der Strom für die Flotte muss aus Solarenergie stammen. Zumal der Betrieb von E-Autos seiner Berechnung zufolge dann viel günstiger ist. „Die Energiekosten für die Elektrofahrzeuge betragen auf 100 Kilometer gerechnet nur 1,20 Euro“, sagt er. 100 Flottenkilometer mit einem herkömmlich angetriebenen Fahrzeug hingegen kosten 12 Euro, bei einem Verbrauch von acht Liter Diesel zu 1,5 Euro/Liter. Auf die Jahreskilometerleistung hochgerechnet ergibt dies eine jährliche Gesamtersparnis von mehr als 80.000 Euro.

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Inzwischen sind von der 60 Fahrzeuge umfassenden Firmenflotte 15 Elektro-Pkw im Einsatz, darunter ein e-Up, drei Hyundai Kona Elektro sowie sechs Skoda Enyaq iV 80. Reimann selbst fährt mittlerweile das Model X von Tesla. Die 45 noch mit Diesel und Benzinmotoren angetriebenen Pkw und Transporter will der Unternehmer in den nächsten fünf Jahren sukzessive durch entsprechende E-Modelle ersetzen. Noch habe man keine E-Transporter gefunden, die den Ansprüchen des Unternehmens genügen: Sie müssten mindestens über 250 Kilometer Reichweite verfügen, damit sie im Winter beladen und geheizt sicher 100 bis 150 Kilometer schaffen.

Um seine E-Fahrzeuge mit dem eigenen Strom laden zu können, hat das Unternehmen auf dem Betriebsgelände einen 22-kW- und drei 11-kW-Ladepunkte installiert. In den kommenden Monaten sollen weitere 43 AC-Ladepunkte mit 11 kW und drei mit 22 kW Ladeleistung inklusive Lastmanagement aufgebaut werden. Die Investitionskosten hierfür betragen Reimanns Angaben zufolge 196.000 Euro.

„Ich habe vom Land Niedersachsen die Förderzusage über 157.000 Euro bekommen und muss demnach für die Ladeinfrastruktur selbst 39.000 Euro bezahlen“, freut er sich. Die Ersparnis durch den eigenen Solarstrom von knapp 81.000 Euro davon abgezogen, beträgt die Amortisation der Ladeanlage nur ein halbes Jahr. (Ohne Förderung wären es 2,4 Jahre.) „Das zeigt doch, dass Klimaschutz sehr wirtschaftlich umsetzbar ist“, betont Reimann. In weiteren elf Jahren hat sich durch diese Einsparungen auch die Photovoltaikanlage (inklusive Dacherneuerung) amortisiert.

Um künftig weitestgehend energieautark arbeiten sowie die E-Autos nachts mit dem Strom aus der eigenen Solaranlage versorgen zu können, plant Elektroma außerdem, einen Lithium-Ionen-Batteriespeicher zu errichten, dessen Speicherkapazität soll 460 kWh betragen. Auch ein Notstromsystem will Elektroma dann aufbauen, eine Spitzenlastkappung einrichten sowie die Gasheizung abschaffen. Geplanter Benefit für die Mitarbeiter: Sie sollen künftig tagsüber, bei Stromüberschuss, ihre privaten E-Autos kostenlos auf dem Firmengelände aufladen können.

„Ich will unsere CO2-Bilanz jedes Jahr durch Investitionen und Maßnahmen um mindestens zehn Prozent verbessern“, verdeutlicht Reimann seine Ambitionen. „Absolute Priorität hat für mich dabei, den eigenen Energieverbrauch zu senken und erneuerbare Energien verstärkt einzusetzen. Wenn das nicht ausreicht, werde ich die restlichen CO2-Mengen mit Zertifikaten kompensieren“, kündigt er an.

Wie wichtig Reimann das Thema Klimaschutz ist, zeigt sich auch darin, dass er seit vielen Jahren ehrenamtlich als 1. Vorsitzender des Fördervereins der Klimaschutzagentur Weserbergland tätig ist und neuerdings als Firma dem neu gegründeten „Bündnis klimaneutrales Weserbergland“ beigetreten ist. „Ich will meine Erfahrungen teilen und mit meinen Projekten andere Gewerbebetriebe ermutigen, ebenfalls etwas zu tun“, sagt er. Seine Botschaft: Klimaschutz kann nur erfolgreich sein, wenn alle mitmachen.

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4 Kommentare zu “Wie eine Elektrofirma ihr Solarstrom-Elektroauto-Ökosystem aufbaut

  1. Djebasch

    DAUMEN HOCH!
    Genau so muss das demnächst überall aussehen , gerade große Hallen und Unternehmen im besonderen sollten den Ausbau vorantreiben um damit die Entstehung neuer Unternehmen zu befeuern und um die Preise weiter zu senken.
    Was wir damit an Arbeitsplätzen schaffen könnten…
    Und vor allem könnten wir damit wirklich für die Natur etwas erreichen.
    Leider gibt es zu wenig solcher Unternehmen und Menschen im Moment.

  2. gerd

    Amortisation in 2,4 Jahren.
    und trotzdem interresiert unsere BWL diese Sache nicht?

    was ist da faul in diesem Staate??

    • egal

      Vielleicht schlicht Unkenntnis, wenn man nicht gerade aus dem Energiebereich stammt?

  3. Buchwald

    Also, meine Frage ist, wie zur Zeit die Akkus geladen werden. Denn von November bis März ist tageweise kein nennenswerte Ertrag möglich. Betreue selbst 80mw Park und kann dieses schon etwas beurteilen. Wenn E gleich Strom aus der Dose und somit aus nicht nachvollziehbaren Quellen kommt, dann bringt das nichts. Und klar, PV auf dem Betrieb ist sinnvoll, da viele Autos dann vor Ort sind. Nur wenn es den Speicher noch nicht gibt, er erst gebaut wird, wie läuft es dann zur Zeit?
    Der eine Tesla wird sicher voll bei ca 600KW. Aber viel mehr sehe ich nicht. Ab März sieht es klar anders aus. Aber, ich muß die Zeiten bewältigen wo ich Probleme habe. Ein praktisch perfekt funktionierendes System gibt’s quasi nur zu Kosten, die zu hoch sind. Überschuss ist nur ein halbes Jahr machbar, natürlich abhängig von der Speichergrösse. Aber einen zu großen Speicher muss man sich auch leisten können. Wenn es nur über die Förderung rentabel wird, OK. Aber ein Handwerker muss flexibel sein. Und das kann er nur mit immer startbereiter Technik. Und 5 Autos vorhalten um 2 fahren zu können, ist nicht rentabel. Das wäre mit austauschbaren Akkus machbar. Gibt’s aber noch nicht. Würde es also gerne glauben, aber dazu fehlen einige Angaben. So wie dargestellt ist es das nicht.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2022/01/13/wie-eine-elektrofirma-ihr-solarstrom-elektroauto-oekosystem-aufbaut/
13.01.2022 11:57