11.01.2017 - 12:15

Bäcker gründet Selbsthilfegruppe für E-Transporter

„Wir Bäcker brauchen Elektroautos als Transporter in der Sprinterklasse – und kein Automobilhersteller baut sie uns.“ Mit diesen Worten empfängt Bäckermeister Roland Schüren die Nutzer einer „Selbsthilfegruppe“. Die will 100 Kaufabsichten für Elektro-Transporter sammeln – und dann eine Ausschreibung für die Produktion starten. Über die Hälfte ist schon beisammen.

Roland Schüren ist kein Unbekannter in der Community der deutschen E-Mobilisten. Eine 185 kWp PV-Anlage schmückt das Dach der modernen Backstube. Vor dem Firmensitz in Hilden (NRW) betreibt Ihr Bäcker Schüren ein Paradies für Elektroauto-Fahrer: einen Ladepark mit 31 Ladepunkten, darunter selbst DC-Anschlüsse für CCS und CHAdeMO. Und jeden Samstag  schauen E-Auto-Fahrer zum E-Mobilisten-Frühstück vorbei. Was treibt den elektroaffinen Bäcker nun an, sich quasi einen E-Transporter für das Bäcker-Handwerk bauen zu lassen? „Für alle Bäcker ist es wichtig, ihre Filialen in den Innenstädten beliefern zu können“, erklärt Roland Schüren gegenüber electrive.net. Seine Branche komme durch die Debatte um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in den Innenstädten „jetzt richtig unter Druck“.

Angst vor Fahrverboten

Die Anrufe von besorgten Kollegen kann er gar nicht mehr zählen. Sie kommen aus Essen, Düsseldorf oder Stuttgart, jenen Städten also, die massiv mit Stickoxiden in der Luft zu kämpfen haben. Er selbst betreibt 18 Filialen in NRW, fünf davon in Düsseldorf, wo die Stadtoberen der Luftverschmutzung jetzt den Kampf angesagt hat. Vor allem Bäcker wie er stünden der E-Mobilität sehr offen gegenüber, wollen gerne nachhaltig ausliefern, so Schüren: „Alle machen sich jetzt Gedanken: Kaufen wir noch einen Diesel – ja oder nein?“

Bäcker Schüren hat  diese Frage für sich schon lange beantwortet: Bei ihm fahren im Rahmen eines Forschungsprojekts bereits zwei elektrische Transporter vom insolventen Umrüster German E-Cars in der Flotte, die Azubis sind im Renault Twizy unterwegs. Und Schüren selbst fährt Tesla. „Die großen Sprinter, die wir noch haben, fahren alle mit CNG.“ Auch diese acht Fahrzeuge will Schüren lieber heute als morgen gegen elektrische Kastenwagen tauschen – findet aber keine Fahrzeuge am Markt. Daraus entstand die Idee für die Selbsthilfegruppe bei Facebook.

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  • Der Strom kommt im Firmengebäude kommt von der Decke.
  • Die Bäckerei Schürenmacht beim Forschungsprojekt Loksmart mit.ogistikacht im IKT-Projekt Loksmart
  • Elektrisiert: NRW-Umweltminister Johannes Remmel und der Chef der Energieagentur NRW, Lothar Schneider.
  • Die Elektro-Flotte von Ihr Bäcker Schüren soll wachsen
  • Auch den Nissan e-NV200 hat Ihr Bäcker Schüren schon in der Flotte.
  • Der Ladepark Kreuz Hilden ist vor allem am Wochenende gut besucht.

Nun träumt Schüren vom BV1, wie er es nennt. Das Bakery Vehicle 1 soll gewisse Anforderungen erfüllen und natürlich rein elektrisch fahren. Eine Sammel-Bestellung soll den Weg dafür ebnen. Das Interesse ist groß: Binnen weniger Tage kamen bereits Absichtserklärungen für 62 Fahrzeuge von über 20 Unternehmen zusammen. „Das große Feedback hat mich überrascht. Wir haben noch nicht mal die Bäcker-Fachpresse angesprochen“, so Schüren. Es zeigt sich, dass seine Zunft  nicht die einzige ist, die sich für elektrische Lieferwagen interessiert: „Vom Schreiner bis zum Elektro-Handwerker ist alles dabei“, berichtet Schüren. Die größte Einzelbestellung zählt aktuell zwölf Fahrzeuge und kommt von einem Bäcker-Kollegen.

Wie geht es nun weiter? Im Januar sollen die 100 (plus x) Interessenbekundungen gesammelt werden. Danach soll Anfang Februar ein Workshop mit allen Interessenten in Hilden stattfinden. Dort sollen die Konfigurationen geklärt und alle Parameter zur optimalen Ladegeschwindigkeit, Zuladung und Reichweite so konkret wie möglich festgelegt werden. „Danach schicken wir eine Ausschreibung an alle Nutzfahrzeug-Hersteller und Umrüster raus“, plant Schüren. Entstehen soll ein praxistaugliches Produkt, bei dem auch Wartung und Service mitgedacht werden. Deshalb will sich der Bäcker nicht vorab auf bestimmte Anbieter festlegen.

Sammelbestellung an die Nutzfahrzeug-Branche

Derzeit läuft die Konfiguration auf zwei Modellvarianten hinaus: Einen Kastenwagen mit mittlerem Radstand und 100 und/oder 150 km sicherer Winterreichweite. Und ein Fahrerhaus mit Fahrgestell zum weiteren eigenen Aufbau bei gleichen Reichweiten. Erste Wünsche aus der Selbsthilfegruppe zielen auch schon auf einen 7,5 Tonner ab. Wenn alle Bedarfe ermittelt und Konfigurationen definiert sind, geht die Ansprache der Fahrzeugbranche los. „Das wird eine starke Willensbekundung werden.“ Roland Schüren will so verbindlich wie möglich sein – am liebsten so wie bei der Reservierung eines Tesla Model 3. Oder doch gleich selbst eine eigene Produktion aufbauen? „Den StreetScooter für Bäckereien bauen wir sicher nicht“, lacht Schüren. Bäcker, bleib‘ bei deinen Brötchen.

Doch wäre der Fahrzeug-Produzent der Deutschen Post ein möglicher Partner. „Wir werden auf jeden Fall die 100 knacken“, ist Roland Schüren überzeugt. Im Moment würden seine Assistentin und die Telefonzentrale der Bäckerei mithelfen, die Anfragen zu koordinieren. Zwischen Backwaren-Bestellungen und allem, was eine Bäckerei eigentlich so zu tun hat. „Wenn das so weiter geht, muss ich noch jemanden für das Projekt einstellen“, sinniert Schüren im Gespräch mit electrive.net. Und zuzutrauen ist dem eMobility-Pionier das allemal.

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9 Kommentare zu “Bäcker gründet Selbsthilfegruppe für E-Transporter

  1. Interessenten können unsere Selbsthilfegruppe gerne über info@Ihr-Baecker-Schueren.de anschreiben. Bitte nennen Sie dabei auch die Anzahl E-Transporter als Interessenbekundungen, mit der wir Sie in die Liste aufnehmen sollen.

    Alle Infos gibt es auf unserer Facebookseite: a) Seiteninfo lesen, b) den zu oberst angepinnten Beitrag lesen. – Herzlich willkommen!

  2. Ralf

    Ein sehr gutes Projekt und auf jeden Fall ein Schlag ins Gesicht für die Fahrzeughersteller.
    Kreisel Electric hat schon mal einen Sprinter umgebaut. Evtl. lohnt sich eine Anfrage bei denen.

    • armin weber

      ich bin den kreisel sprinter gefahren. die geforderte km-leistung im urbanen bereich ist leicht erreichbar, im bergtest (richtige berge!) kommen wir schon an die 130-150km marke heran, da ist noch luft nach oben.
      bis mitte 2017 soll er serienreif sein und dann von vdl in holland gebaut werden (zumindest als 5,5to bus, andere varianten sind bestimmt möglich).

      • Leider will (!) Kreisel mit uns und auch mit anderen anfragenden Unternehmen keine Geschäfte machen. – Leider! Deren Focus liegt auf Ingenieursdienstleistungen für VW & Co. Schade, dass sie das nicht kommunizieren, sonders sich nach erfolgten Kontakten und Absprachen einfach nicht mehr melden. Deswegen: Kein Partner für unsere Initiative.

  3. Kevin F.

    Herr Schüren, wäre für Sie nicht der e-Crafter interessant? Bis vor einiger Zeit waren Sprinter & Crafter ja ein und dasselbe Fahrzeug. Und mit einem Verkaufsstart in diesem Jahr wäre der zeitliche Horizont ebenfalls im Rahmen.

    • Roland Schüren

      Natürlich, es fehlt uns nur der Glaube, dass es ihn tatsächlich bald geben wird. Ich denke das wird realistisch erst in 2019 bzw. 2020 sein. Wir schicken VW-Nutzfahrzeuge auch eine Ausschreibung. Mal sehen was passiert…

  4. Habe gerade ihren Bericht gelesen ⛑Ich bin aus der Ostschweiz ,können wir da sich mitmachen bei uns geht es um 10 3,5 tönner und 5 5,5 tönner wir schauen auch das noch an wegen der Brennstophzelle wegen den Bergen ⛑⛑

    • Roland Schüren

      Gerne Herr Schädler! Bitte senden Sie eine Mail mit Ihrer Signatur an info@ihr-baecker-schueren.de . Nennen Sie darin bitte die von Ihnen gewünschte Anzahl von Interessenbekundeten E-Transportern. Sodann erhalten Sie eine Einladung zum Konfigurationsworkshop und weitere Informationen.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2017/01/11/baecker-schueren-gruendet-selbsthilfegruppe-fuer-e-transporter/
11.01.2017 12:14