12.11.2020 - 15:43

Topmanager-Wechsel von Daimler zu Tesla erzürnt IG Metall

Mit einer Protestaktion reagiert die IG Metall Berlin auf die Nachricht, dass Tesla offenbar René Reif, den früheren Leiter des Mercedes-Motorenwerks in Berlin-Marienfelde, abgeworben hat. Der Wechsel werde „als Verrat“ empfunden, so die Gewerkschaft in einer Mitteilung.

René Reif war bis Ende Oktober Chef des Berliner Werks. Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, habe Daimler auf Nachfrage erklärt, dass Reif Ende des Jahres auf eigenen Wunsch in den Vorruhestand wechsle. In welcher Funktion er nun für Tesla arbeitet, sei nicht bekannt. Die IG Metall interpretiert die Abwerbung Reifs („seelenloser Manager“) als Kapitulation des Daimler-Konzerns vor dem amerikanischen Konkurrenten.

Der Ärger der Arbeitnehmer entzündet sich aber nicht nur an dieser Personalie, sondern auch an den Plänen von Daimler, in die Motorenproduktion an dem Standort nicht mehr investieren zu wollen und vor Ort zahlreiche Stellen abzubauen. „Die Ankündigung der schrittweisen Produktionsstilllegung ist auch das falsche industriepolitische Signal“, sagt Jan Otto, Geschäftsführer der IG Metall Berlin. „Es kann doch nicht angehen, dass Tesla keine 50 Kilometer vom Mercedes Benz-Werk Berlin entfernt ein ganz neues Werk mit 10.000 Arbeitsplätzen baut und dem Daimler-Management fällt gleichzeitig nicht mehr ein, als vor der Zukunft zu kneifen und sein ältestes produzierendes Werk hier dicht machen zu wollen. Das ist verheerend für Deutschlands Premium-Automarke.“

Das Mercedes-Benz-Werk Berlin ist mit 2.500 Beschäftigten einer der größten industriellen Arbeitgeber der Region Berlin-Brandenburg. In Marienfelde werden auf 500.000 Quadratmetern Werksfläche Motoren, Motorenkomponenten und Getriebe gefertigt.
morgenpost.de, teslamag.de, handelsblatt.com, igmetall-berlin.de

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6 Kommentare zu “Topmanager-Wechsel von Daimler zu Tesla erzürnt IG Metall

  1. Simon Maier

    Die IG Metall wird sich wohl oder übel an die Situation gewöhnen müssen, auch Gewerkschafter können sich nicht ewig gegen die Zukunft stemmen. Entweder man geht mit der Zeit, oder man geht.
    Tesla stellt die 2500 Mitarbeiter sicher gerne ein, und Tesla kauft auch gerne günstig stillgelegte Fabriken anderer Hersteller (wie die in Fremont)

  2. SHausSTA

    Glücklicherweise ist es in Deutschland erlaubt, sich seinen Arbeitgeber frei auszusuchen. Das sollte auch für einen Gewerkschafter selbstverständlich sein! Zudem lebt der Markt von Wissens- und Technologietransfer – es sind ja auch von Tesla bereits einige Topmanager in andere Unternehmen gewechselt. Dass ein Verbrenner-Motorenwerk mittelfristig nicht mehr voll ausgelastet sein wird ist sicher für die Mitarbeiter dort ein dramatischer Einschnitt. Jedoch dürfte jedem klar sein, dass die E-Mobilität nicht mehr aufzuhalten ist. Das wird in bestimmten Bereichen Opfer kosten, es werden sich aber gleichzeitig neue Chancen auftun. Wer trauert heute noch Schreibmaschinen oder Pferdefuhrwerken nach?

  3. Siegfried Gorgs

    Da schwimmen sie dahin, die Felle.

    Die IG Metall interpretiert die Abwerbung Reifs („seelenloser Manager“) als Kapitulation des Daimler-Konzerns vor dem amerikanischen Konkurrenten. Hört, hört.
    Da kann man den übrigen Mitarbeitern bei Daimler nur empfehlen, sich rechtzeitig bei TESLA um einen Job zu bewerben, bevor sie am Ende des Tages auf der Straße stehen.

    Übrigens: Die Stellungnahme („seelenloser Manager“) ist an Scheinheiligkeit wohl nicht zu überbieten.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. F.A.

    Wie war das nochmals, als Matthias Wissmann (ehem. Verkehrsminister) mit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag (2007) direkt zum Präsidenten des VDA (Verband der deutschen Autoindustrie) wurde?
    Damals also umgekehrtes Prozedere!
    Und jetzt? Riesiger Aufschrei?
    Wenn ich was zu sagen hätte…habe ich leider Gott sei Dank nicht.

  5. Peter Bigge

    Firmen gehen, Firmen kommen, nur Gewerkschaften bleiben. Tesla ist nun einmal einer der herausragensten neuen Arbeitgeber in Berlin und wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren stark expandieren. Der Verbrenner ist tot und die letzten verseuchen nur noch auf absehbare Zeit unseren Planeten. Berlin entwickelt sich immer mehr zur eMobil-Boomtown und nimmt die Position der alten Automobilhersteller ein, wenn diese sich nicht anpassen könne. Selbst ein Carl Benz und Gottlieb Daimler waren ihren Zeit seinerzeit weit voraus, und täten heute aufs eMobil setzen. Dann kann es nicht verwundern, dass Manager, welche die Zukunft im Auge haben sollten, ebenfalls umorientieren. Und dies ist auch gut so..

  6. Didi W.

    Selig sind die ewig Gestrigen, bis die Zukunft sie einholt ….

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/11/12/topmanager-wechsel-von-daimler-zu-tesla-entzuernt-ig-metall/
12.11.2020 15:00