06.05.2021 - 13:52

Mahle entwickelt „hocheffizienten und magnetfreien“ E-Motor

Mahle hat die Entwicklung eines neuartigen magnetfreien Elektromotors bekannt gegeben, der ohne Seltene Erden auskommt und für den Einsatz in allen Fahrzeugklassen geeignet sein soll. Zudem soll der Motor in den meisten Fahrzuständen besonders effizient sein.

Der neue, noch namenlose Traktionsmotor von Mahle soll in den meist genutzten Fahrzuständen des Antriebssystems einen Wirkungsgrad von über 95 Prozent bieten, wie der Zulieferer mitteilt – „ein Wert, wie ihn bislang nur Formel E-Rennsportwagen erreichen“.

Zentrales Merkmal des neuen Motors ist laut der Mitteilung die induktive und damit kontaktlose Leistungsübertragung – durch sie soll der Motor verschleißfrei und speziell bei hohen Drehzahlen besonders effizient arbeiten. Auch wenn es bei Keywords wie „magnetfrei“ und „induktiv“ nahe legt, erwähnt Mahle in der Mitteilung nicht, dass es sich um eine fremderregte Synchronmaschine mit kontaktlosem Übertrager handelt – auf Nachfrage bestätigt es ein Sprecher dann doch.

Die fremderregte Synchronmaschine wird als skalierbare Einheit entwickelt und soll daher „vom Klein- bis hin zum Nutzfahrzeug“ eingesetzt werden können. Einen Rahmen für die Leistungsdaten, den Bauraum oder das Gewicht der Antriebseinheiten will Mahle derzeit noch nicht nennen.

„Mit unserem neuen E-Motor werden wir unserer Verantwortung als nachhaltig agierendes Unternehmen gerecht“, sagt Michael Frick, Interems-Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CFO. „Der Verzicht auf Magnete und damit den Einsatz von Seltenen Erden bietet neben geopolitischen Vorteilen auch mit Blick auf den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Ressourcen großes Potenzial.“

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Martin Berger, Leiter der Mahle-Konzernforschung und Vorentwicklung ist überzeugt, dass man den Neuentwicklung „durchaus als Durchbruch bezeichnen“ könne, denn er verbinde „gleich mehrere Vorteile, die bislang nicht in einem Produkt dieser Art zusammengebracht werden konnten“. „Im Ergebnis bieten wir unseren Kunden ein Produkt von höchster Effizienz bei vergleichsweise geringen Kosten“, fasst Berger zusammen.

Bei der Entwicklung setzt Mahle vor allem auf neuartige Simulationsverfahren. Dabei sollen verschiedene Auslegungen des Motors entlang verschiedener Parameter variiert werden, bis ein Optimum erreicht wird – gegenüber herkömmlichen Verfahren sei das schneller und kostengünstiger, so Mahle. Wie ein Sprecher auf Anfrage angibt, soll die Produktion in „zwei bis drei Jahren“ anlaufen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatten wir unter Berufung auf Mahle geschrieben, dass es sich um eine Asynchronmaschine handelt. Inzwischen hat das Unternehmen auf Nachfrage die Angabe korrigiert, es handelt sich bei dem Motor um eine fremderregte Synchronmaschine. Wir haben die Passage korrigiert.
mahle.com

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20 Kommentare zu “Mahle entwickelt „hocheffizienten und magnetfreien“ E-Motor

  1. David

    Kontaktfrei ist vom Verschleiß her gut. Aber Induktion war dafür bisher nicht besonders effizient. Ebenso sind permanenterregte Motoren bisher grundsätzlich effizienter, weil die Magneten „mithelfen“, also Strom sparen. Das bedeutet, der Mahle-Motor ist theoretisch zweifach im Nachteil. Da ist nicht schlüssig erklärt worden, warum dieser doppelte Nachteil jetzt zum Vorteil gedreht wurde. Glaube ich auch nicht.

    • Spacefish

      Da ist halt die Frage, auf was sich die 95% beziehen. Es könnte auch die Leistungsübertragung auf den Rotor gemeint sein und nicht die Gesamteffizenz.
      Zudem wird das wenn die Effizienz bei einer exakten Drehzahl / Last sein wo die Effizienz halt optimal ist.

      Das Stimulationstools eingesetzt werden und Parameter / Geometrie automatisch optimiert wird, ist ja jetzt auch nichts weltbewegend neues.

      Ich wage auch mal zu bezweifeln, dass man mit einem Asynchronmotor ein SynRM über den gesamten Leistungsbereich b.z.w. den typischerweise genutzten Bereich schlagen kann.

    • Sepp Fesl

      Es dürfte sich hierbei um einen schon bekannten Synchron – Reluktanz Motor handeln, der hier als Neuentwicklung verkauft wird. Dieser Motor steuert das Magnetfeld im Anker durch spezielle Lammellierung der Bleche, so dass im Anker immer ein ideales Magnetfeld induziert wird und er ohne Dauermagneten auskommt.
      Du kannst es glauben – der hat wirklich hohe Effizienz und super Wirkunsgrad

      • Jürgen W.

        Der ist aber doch schon im Model 3 verbaut, so weit ich das einmal gelesen habe?

  2. Lorus

    Eine Pressemitteilung dafür, dass man eine Asynchronmaschine gebaut hat? Man schämt sich aber, es so zu nennen? Was soll das?

  3. JRIITB

    Sicher, dass das eine Asynchronmaschine ist? Das Wort induktiv bezieht sich hier doch auf die kontaktlose Übertragung des Gleichstroms für die Rotorwicklung. Das ist eher eine fremderregten Synchronmaschine, die mit induktiver Übertragung anstatt der bisher verwendeten Kohlebürsten den Gleichstrom auf die Rotorwicklung überträgt.

    • Sebastian Schaal

      Sie lagen vollkommen richtig. Inzwischen hat Mahle die Angabe auf Nachfrage korrigiert: Es ist eine fremderregte Synchronmaschine.

      Viele Grüße
      Sebastian Schaal

      • JRIITB

        Noch eine Anmerkung. Sie schreiben im Artikel weiterhin ASM. Bitte durch EESM ersetzen. Es gibt übrigens in der MTZ 4/21 einen ausführlichen Artikel zu der von Ihnen erwähnten elektrischen Maschine von Mahle.

  4. giantpanda

    Und wie ist der Reaktion der Autoindustrie?

  5. DoDo

    Mahle hat also die Antriebseinheit des Tesla Model S 2012 kopiert, bzw. Glaubt in 2-3 Jahren damit fertig zu sein. Respekt!
    So schafft es die deutsche Ingenieurskunst bestimmt Weltweit relevant zu bleiben.
    Wir kopieren etwas, nennen es neuartig und einmalig und die Welt wird uns schon glauben. ‍♂️

    • CoFe Power

      Hier versucht ein Kolbenhersteller den Umstieg auf die Herstellung von E-Maschinen. Bitte daraus keine allgemeinen Rückschlüsse über “deutsche Ingenieurskunst” ziehen und schlechte Stimmung verbreiten. Es gibt sehr viele sehr gute deutsche E-Maschinenentwickler und -Bauer. Da braucht sich keiner zu fürchten oder zu schämen (auch Mahle nicht, die sollten aber vielleicht ihre Anfänger schritte nicht so laut feiern).

  6. Jokus

    … und alle so: Yeah!

    • Winfried Daumann

      Kontaktlos übertragen wird ja nur die Leistung der Erregerwicklung.
      Die paar hundert bis einige K-Watt kontaktlos zu übertragen ist ja wohl kein Hexenwerk und “state of the art”.
      Also alter Wein in neuen Schläuchen. Wahrscheinlich bezieht sich der Wirkungsgrad von 95% entweder darauf bzw. auf einen speziellen und wenig realistischen Arbeitspunkt.

      Und dazu der Aufreißer – Mahle hat einen magnetfreien Motor entwickelt- das ist wohl eher in die Rubrik “Neues für Dummies” einzuordnen.

      Motor ohne Magnete, kenne ich nur als Elektrostatikmotor mit Mini bis Mikro Drehmoment.

  7. Alex S.

    Ein ursprünglich 1898 von Ferdinand Porsche entwickeltes Antriebskonzept und 1900 im Lohner-Porsche verbessertes Konzept wird tatsächlich von deutschen Ingenieuren weiter entwickelt?
    Klasse, ich ziehe meinen Hut dass wir nur 120 Jahre gebraucht haben hier weiter zu machen.
    Aber diese Weiterentwicklung “verschleißfrei und kontaktlos” ist nicht neu!
    Ich hoffe es gibt einen Impuls für die Wirtschaft diese Produktentwicklung in Deutschland auch zu unterstützen und nicht mehr in Asien einzukaufen.
    Wir haben unseren Nachkommen nämlich die Verpflichtung ihnen eine gesunde Umwelt und Arbeitsplätze zu sichern, die ihnen ein mindestens so gutes Leben bringen, wie wir es haben oder hatten.
    Denn die nächsten Generationen müssen all das ausbaden was unsere Politiker und deren Wählerschaft verdreckt haben.
    Eine gesunde Flora und Fauna gehören dazu genau wie saubere Luft.
    Und das kann man nur schaffen wenn man Unternehmen in Deutschland hat, die unseren Nachkommen Arbeitsplätze bieten, die die Sozialsysteme am Leben halten.
    Mit Konzernen die von Asien gesteuert und durch die Gier der Vorstandsbosse und Aktionären gesteuert sind, wird das kein Vorteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
    Gibt es den überhaupt noch?

    • Henry X.

      Nein

      • Alex S.

        Eine Antwort, die nur folgenden Kommentar zulässt.
        Schade und schlimm für unsere Nachkommen.
        Wie erkläre ich meinen Nachkommen den Pendlerweg nach Asien?
        Oder den Pennerweg in Deutschland?
        Oder die allerletzte Alternative: Werde gierig nach Reichtum, machthaberisch und unmenschlich.
        Das kann jeder.
        Nein, kein menschliches Wesen mit Gewissen, oder ?
        Menschen wehrt euch!

      • Alex S.

        Eine Antwort, die nur folgenden Kommentar zulässt.
        Schade und schlimm für unsere Nachkommen.
        Wie erkläre ich meinen Nachkommen den Pendlerweg nach Asien?
        Oder den Pennerweg in Deutschland?
        Oder die allerletzte Alternative: Werde gierig nach Reichtum, machthaberisch und unmenschlich.
        Das kann jeder.
        Nein, kein menschliches Wesen mit Gewissen, oder ?

      • Alex S.

        Eine Antwort, die nur folgenden Kommentar zulässt.
        Schade und schlimm für unsere Nachkommen.
        Wie erkläre ich meinen Nachkommen den Pendlerweg nach Asien?
        Oder den Hartzweg in Deutschland?
        Oder die allerletzte Alternative: Werde gierig nach Reichtum, machthaberisch und unmenschlich.
        Das kann jeder.
        Nein, kein menschliches Wesen mit Gewissen, oder ?

    • Grassinger

      David traf den Nagel auf den Kopf

  8. GajusTempus

    Oh toll, da hat jemand den Asynchronmotor “neu erfunden”.

    Oder ist es gar die schon seit über 100 Jahren in Kraftwerken eingesetzte Technik?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Synchronmotor

    Wenn die Entwicklung in Deutschland in DEM Tempo weitergeht, erfindet eventuell in 50 Jahren jemand die LED…

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2021/05/06/mahle-entwickelt-hocheffizienten-und-magnetfreien-e-motor/
06.05.2021 13:04