13.01.2022 - 10:45

Verkehrsminister Wissing setzt im Auto auf E-Antriebe

Der neue Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat sich in einem Interview gegen den Einsatz von E-Fuels im Pkw ausgesprochen und setzt stattdessen auf E-Antriebe. Zudem hat Wissing erstmals eine Beauftragte für Ladesäuleninfrastruktur eingesetzt.

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Dem „Tagesspiegel“ sagte der Bundesminister für Digitales und Verkehr: „Wir müssen die verschiedenen Energieträger dort einsetzen, wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb.“ Die E-Fuels werde man vor allem für den Flugverkehr brauchen. „Auf absehbare Zeit werden wir aber nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben“, so Wissing.

Mit diesen Aussagen folgt der Verkehrsminister den im Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP verankerten Positionen – und nicht den Ansichten seiner Partei im Wahlkampf. Damals hatte sich die FDP noch für synthetische Kraftstoffe im Straßenverkehr eingesetzt. Wahrscheinlich auf Drängen der Liberalen wurde im Koalitionsvertrag zwar noch der Satz eingefügt, dass man sich dafür einsetze, „dass nachweisbar nur mit E-Fuels betankbare Fahrzeuge neu zugelassen werden können“. Eingeschränkt wurde dieser Passus aber durch ein anderes Ziel beim Einsatz von grünem Wasserstoff: „Grüner Wasserstoff sollte vorrangig in den Wirtschaftssektoren genutzt werden, in denen es nicht möglich ist, Verfahren und Prozesse durch eine direkte Elektrifizierung auf Treibhausgasneutralität umzustellen.“

„Die Nutzung fossiler Kraftstoffe wird in Zukunft teurer werden“

Dieser Argumentation schloss sich Wissing nun in dem Interview an. „Wenn man sich die EU-Regulierung anschaut, sieht man, dass die Entscheidung für die E-Mobilität längst gefallen ist“, so der Bundesminister. Die derzeit steigenden Ladepreise, die wohl einige Autofahrer vom Umstieg abhalten, will Wissing bald angehen. „Wir werden dafür sorgen, dass das Laden mit regenerativem Strom bezahlbar bleibt. Deshalb kann ich nur dazu raten, auf CO2-neutrale Antriebe umzusteigen. Die Nutzung fossiler Kraftstoffe wird in Zukunft teurer werden“, sagte Wissing.

Während der Ausbau erneuerbarer Energien nur in Zusammenarbeit mit dem neu geformten Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unter Robert Habeck (Grüne) gelingen kann, will Wissing den Ausbau der Ladeinfrastruktur in seinem Ministerium besser koordinieren. Hierfür wurde im BMDV, wie das Bundesministerium für Digitales und Verkehr inzwischen abgekürzt wird, erstmals eine Beauftragte für Ladesäuleninfrastruktur eingesetzt. Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin im BMDV, soll den Ausbau der Ladeinfrastruktur im Ministerium „koordinieren und prioritär vorantreiben“, wie es in einer Mitteilung heißt.

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„Die Zukunft des Individualverkehrs liegt in der Elektromobilität. Um die Menschen von der Attraktivität der Elektromobilität zu überzeugen, muss das Laden von E-Autos einfacher und schneller werden – so wie bei herkömmlichen Verbrennern muss das Tanken in kurzer Zeit flächendeckend, überall und barrierefrei möglich sein“, wird Kluckert in der BMDV-Mitteilung zitiert. „Hier müssen und wollen wir vorankommen – um die eigenen Klimaschutzziele zu erreichen und damit unsere Unternehmen einen starken Heimatmarkt haben.“

Im „Tagesspiegel“-Interview bekräftigte auch Wissing das Ziel von 15 Millionen vollelektrischen Autos bis 2030. „Wenn wir den Umstieg forcieren, schaffen wir auch unsere Klimaziele“, so der Verkehrsminister. Die Menschen von der Elektromobilität zu überzeugen sieht Wissing aber nicht nur als Pflicht der Politik, sondern auch der Industrie. „Tesla ist es gelungen, mit seinen Modellen viele Käuferinnen und Käufer zu begeistern, dies würde ich mir auch für die deutschen Automobilhersteller wünschen“, so Wissing.

Bei den finanziellen Anreizen zum Umstieg auf ein E-Auto setzt Wissing auf den Markt und die Lenkungswirkung von Fahrzeug- und Energiepreisen – die Zuständigkeit für den in der FDP unbeliebten BAFA-Umweltbonus liegt beim Wirtschaftsministerium. Plänen für eine City-Maut erteilte Wissing daher eine Absage: „Von zusätzlichen Belastungen durch Instrumente wie eine City-Maut halte ich wenig“, so der Minister. „Mobilität muss ein bezahlbares Angebot für alle bleiben.“

Update 14.01.2022: Noch am Tag des Erscheinens des Interviews ist Verkehrsminister Wissing wieder von seinen klaren Aussagen zu E-Fuels abgewichen. Am Abend trat der FDP-Politiker im Bundestag ans Rednerpult und schloss E-Fuels im Pkw wieder in seine Planungen mit ein. „E-Mobilität ist für die Einhaltung der Klimaschutzziele ein wichtiger Baustein“, sagte Wissing im Bundestag. „Gleiches gilt aber auch für strombasierte Kraftstoffe – E-Fuels. Nicht nur im Flugverkehr, auch im Schiffsverkehr, bei den Nutzfahrzeugen und natürlich auch in den Bestandsflotten der Pkw.“

In dem am Donnerstagvormittag veröffentlichten – und sehr wahrscheinlich vom Büro des Bundesministers autorisierten – Interview hatte Wissing noch erklärt, dass man die verschiedenen Energieträger dort einsetzen müsse, „wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb.“ Die knappen E-Fuels werde man für den Flugverkehr brauchen und sie nicht in „jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor“ einsetzen.

„Wir müssen die verschiedenen Energieträger dort einsetzen, wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb.“ Die E-Fuels werde man vor allem für den Flugverkehr brauchen. „Auf absehbare Zeit werden wir aber nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben“.

Diese Aussagen wurden von vielen Medien aufgegriffen und hatten Wissing sowohl Lob als auch Kritik eingebracht – Umweltverbände und die Koalitionspartner äußerten sich positiv, CDU/CSU und der Interessenverband eFuel Alliance kritisierten den Minister für die Aussagen.

Vor dem Bundestag bekräftigte der FDP-Minister wieder die Technologieoffenheit. „Jeder Beitrag zur CO2-Reduktion ist wichtig. Mobilität muss sich auch in Zukunft technologieoffen weiterentwickeln“, so Wissing. „Wir wissen heute nicht, welche technologischen Chancen uns die Zukunft bietet. Verfügbare Technologie zu nutzen, darf deshalb nie heißen, ein Verbot neuer Technologien auszusprechen. Mobilität ist vielfältig, deswegen können wir nicht alles auf einen Antrieb umstellen.“
tagesspiegel.de, tagesspiegel.de (komplettes Interview hinter der Paywall), bmvi.de (Ladeinfrastruktru-Beauftragte), kfz-betrieb.vogel.de (Update)

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20 Kommentare zu “Verkehrsminister Wissing setzt im Auto auf E-Antriebe

  1. Djebasch

    Tja jetzt müsste man nur die Gaskraftwerke loswerden und endlich die Solar und Windkraft aktiv nach vorne bringen…
    Im Gegensatz zu dem was die FDP vorher gesagt hat scheint das was jetzt getan wird recht vernünftig.
    Bin sehr gespannt.

  2. Florian

    Daumen hoch. Hätte gar nicht gedacht, dass es bei der FDP auch vernünftig denkende Personen gibt.

  3. sig

    nach 16 Jahren mal was Vernünftiges aus der Regierung!
    1Liter Sprit sind ca.10kWh; d.h. 3-8EUR Strompreisequivalent. Sauerstoffbezug und Emissionen noch oben drauf und schon kann man dem Steuerzahler die E-Auto und Ladesäuken Subventionen ersparen.

  4. Marco Z

    In Regierungsverantwortung merkt selbst auch die FDP, dass man an der Physik nicht vorbei kommt. Was interessiert mich mein populistisches Geschwätz von Gestern.

    • gerd

      schwub di wup… da haben sich wohl die Lobbyisten noch mal gemeldet…
      Energie in kg und L verkaufen loht sich doch wohl mehr.

  5. Gerd

    Hätte ich von einem FDP-Minister eigentlich nicht für möglich gehalten – insofern Respekt! Das bringt Hoffnung und neues Vertrauen in die Politik der aktuelen Regierung!

    Die Kehrseite – weil man ja auch durch die Geschichte lernen kann: Jetzt wird vielleicht manchem klar, welchen Schaden Dobrindt/Scheuer allein schon durch Unterlassung angerichtet haben.

    • sig

      wie wahr, wie wahr.
      dafragt man sich schon was „Meineid“ eigentlich ist und wann es angewendet wird.

  6. Wilfried

    Leider übersehen die (oder wollen es übersehen) alle, dass wir mit Vollgas (sry, Vollstrom) auf das Ende der Mobilitätswende zurasen. Wir müssen realistisch davon ausgehen, das externes Laden bald nicht mehr unter 70 Cent/kw möglich sein wird, es läuft eher Richtung 1 €. Und dann kosten 100 km bei 20 Kwh/100 km ca.15-20 €, das entspräche gut 2,5 €/l Benzin.
    Wer wird sich da (bei allen anderen Nachteilen) denn noch ernsthaft für ein E-Auto entscheiden (außer die Glücklichen mit eigener PV-Anlage/Speicher)? Ohne sofortigen Einriff und Regulierung geht das schief, höchste Zeit zu handeln!

    • gerd

      1l Sprit entspricht ca.10kWh.
      und wenn wir in D etwas NICHT haben, dann ist es Energie.
      Im Strom sind alle Folgekosten mit drin, im Sprit nicht; Sauerstoff gibts gratis Emissionen ebenso.

      • Heribert

        Der Vorteil von E-Fuels ist doch auch einfach der, dass man die Energie darin speichern kann und auf bereits bestehende Infrastruktur zurückgreifen kann. Muss also nicht in Deutschland hergestellt. PS: Benzin kommt auch nicht aus dem Zapfhahn

        • gerd

          stimmt, aber NOx, Ruß, Feinstaub, Lärm und schlechter Wirkungsgrad bleibt.

  7. Sebastian

    langsam düngt es auch den Ewiggestrigen. Lobenswert, aber im Kern nicht beachtenswert. Jetzt möchte ich die Umsetzung sehen! Schon in der Bibel steht: „An den Taten werdet Ihr sie erkennen“

    also, umsetzen. weniger schwätzen, mehr handeln.

  8. Andreas V.

    Da hat ihn wohl irgendein FDP-Parteichef oder FDP-Fraktionschef zurückgepfiffen.
    Komisch, gewählte Politiker sind doch bei ihrem Wirken im Sinne des Volkes nur ihrem eigenen Gewissen verpflichtet!
    War wohl nur ein kurzer heller Moment. Jetzt ist die FDP wohl wieder in den geistigen Nebel weggetreten.

  9. ManfredO

    Hat Herr Wissing vergessen sein Statement vorher durch die Lobby zu prüfen lassen – das nennt man dann auch LOBYYCONTROL!
    Untragbar der Mann ,,, nach noch nicht einmal 100 Tagen

  10. Emobilitãtsberatung-berlin K.D. Schmitz

    Es war zumindest mal ein Realität Blitzer. Die Diskussionen darüber helfen immer. Ich hab zuletzt mal von einem Praxistest gelesen, wo E-Fuels in Verbrennern eingesetzt wurden. Der Ausstoß an Schadstoffen sank nur sehr gering. Ergebnis, nicht nur aus Kosten und mangelndem grünen Strom, unbrauchbar zur Erreichung der CO 2 Ziele.

  11. Dieter Schleenstein

    Porsche, die Krone des deutschen Automobilbaus, arbeitet an e-fuels. Da kann doch ein deutscher Verkehrsminister nicht mit der Wahrheit um die Ecke kommen……

  12. sig

    bis hier die ganze Infrastruktur steht und genügend sauberer Strom zur Verfügung steht….bis dahin gibts keine Verbrenner mehr…

  13. Alex S.

    Mit seinem wegweisenden Beschluss vom 29.4.2021 stellt das Bundesverfassungsgericht klar dass Klimaschutz als Pflichtaufgabe nun Verfassungsrang hat und ein Grundrecht ist.
    Die Zukunft unserer Kinder und Enkel darf nicht gefährdet werden.
    Und das hat die Ampel sich auf die Fahne geschrieben. Das ist gut für unsere Nachkommen.
    Die Verbrenner müssen eher heute als morgen von der Straße.

  14. Alex S.

    Hier zeigt sich die Einigkeit der neuen Regierung.
    16 Jahre CSU/CDU-Regierung mit der ausschließlichen Förderung der Vorstandsbosse und Aktionäre sind endlich vorbei.
    Mit seinem wegweisenden Beschluss vom 29.4.2021 stellt das Bundesverfassungsgericht klar dass Klimaschutz als Pflichtaufgabe nun Verfassungsrang hat und ein Grundrecht ist. Die Zukunft unserer Kinder und Enkel darf nicht gefährdet werden.
    Diesem Anspruch wird die neue Regierung gerecht.

    • Sebastian

      Die Euphorie bitte etwas im Zaun halten. Die Wählerstimmen gehen zu fast 70% an die Alten, daher sind Forderungen vom Rest (wobei Kinder nicht mal wahlberechtigt sind) eher von belangloser Natur. Gerade die letzten 24 Monate haben ja eindrucksvoll und nachhaltig gezeigt, wie absurd der Ansetzpunkt Alt zu Jung ist.

      Auf einen Umweltminister, der nicht mal weiß wie unser Stromnetz funktioniert würde ich nichts geben.

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https://www.electrive.net/2022/01/13/verkehrsminister-wissing-setzt-im-auto-auf-e-antriebe/
13.01.2022 10:59