Boysen verbucht zweiten Großauftrag für Batteriegehäuse

Die Boysen Gruppe hat sich den zweiten Großauftrag zur Fertigung von Batteriegehäusen für E-Fahrzeuge gesichert und baut vor diesem Hintergrund extra ein Werk mit voraussichtlichem Produktionsstart Ende 2025. Auftraggeber ist „ein Premium-Automobilhersteller aus Baden-Württemberg“.

So groß ist die OEM-Dichte in Baden-Württemberg freilich nicht. Es dürfte sich bei dem Auftraggeber um Mercedes oder Porsche handeln, die beide in und um Stuttgart ansässig sind. Fakt ist: Mit dem Zuschlag werden die Baupläne für ein Werk im INGpark Nagold Gäu konkret. Der Standort liegt in Baden-Württemberg an der Schnittstelle der Regionen Nordschwarzwald, Stuttgart und Neckar-Alb und nur wenige Kilometer vom Hauptsitz der Boysen Gruppe in Altensteig entfernt. Sowohl das Werk als auch der Sitz befinden sich im Landkreis Calw.

Der Auftrag festige Boysens Stellung im Zukunftsmarkt der E-Mobilität und sichere Arbeitsplätze an heimischen Standorten, konstatiert der Zulieferer. Durchgesetzt hat sich das Boysen nach eigenen Angaben gegen einen „Mitbewerber aus Osteuropa“. Die Investitionen in das neue Werk beziffert das Unternehmen auf rund 100 Millionen Euro. Der Produktionsstart vor Ort ist für Ende 2025 geplant.

Nach dem Batteriegehäuse-Großauftrag für BMW, den das Unternehmen vor einem Jahr vermeldete, ist dies für die im Kerngeschäft auf Abgastechnik spezialisierte Unternehmensgruppe der zweite Transformationscoup. In Verbindung mit dem BMW-Auftrag kündigte Boysen 2022 an, ein neues Werk in Ungarn mit einer Produktionsfläche von 50.000 Quadratmetern bauen zu wollen, das Mitte 2025 in Betrieb gehen soll. Geschäftsführer Rolf Geisel betont, wie wichtig der Zuschlag von BMW vergangenes Jahr war: „BMW hat uns den Einstieg in den Zukunftsmarkt der E-Mobilität und damit die Aussicht auf entsprechende Folgeaufträge ermöglicht. Jetzt vertraut uns ein weiterer gewichtiger Player, womit wir im Bereich der Batteriegehäuse-Fertigung immer mehr zur ernstzunehmenden Größe werden. Darauf werden wir aufbauen.“

Die neue Fabrik in Nagold Gäu wird 38.000 Quadratmeter Produktionsfläche umfassen und auf einem 75.000 Quadratmeter großen Areal im Bereich „Eisberg II“ (Gewann Bürgeräcker) entstehen. Eine spätere Erweiterung sei möglich, heißt es. In ihrem Erscheinungsbild soll die Stätte einem Batteriegehäuse nachempfunden sein. Außerdem ist eine „weitgehend CO2-neutrale Fertigung“ geplant, zu der unter anderem eine Photovoltaik-Fläche von rund 60.000 Quadratmetern beitragen soll. Die Belegschaft wird laut Geisel rund 250 Mitarbeiter umfassen.

Zum Output der Fabrik macht Boysen noch keine Angaben. Geschäftsführer Geisel macht aber darauf aufmerksam, dass sich die Batteriegehäuse aus den Fabriken in Baden-Württemberg und Ungarn unterscheiden werden: „Bei BMW sprechen wir von Batteriegehäusen aus gezogenen Blechteilen. In Nagold hingegen werden wir Gehäuse aus Aluminium-Strangpressprofilen produzieren, womit der Werkstoff Aluminium – verbunden mit den entsprechenden Fertigungstechnologien – erstmals bei Boysen in großem Stil zum Einsatz kommt.“

Mit dem neuen Werk erhöht die Boysen Gruppe die Anzahl ihrer weltweiten Standorte auf 28. Allein sechs dieser Standorte liegen dann im Landkreis Calw – darunter auch Simmersfeld, wo aktuell ein Entwicklungszentrum für Wasserstofftechnologien entsteht, das 2024 in Betrieb gehen soll.

An der Transformation zur Elektromobilität hat der Abgastechnik-Spezialist bereits seit einigen Jahren gearbeitet. „Ausgehend von der Grundidee sind wir hier den Weg von der Schalldämpferschale zum Batteriegehäuse gegangen“, äußerte Geisel in einer früheren Mitteilung. Im H2-Bereich plant das Unternehmen zudem, Flüssigwasserstofftanks für schwere Lkw zur Serienreife zu bringen. Zudem will Geisel die Unternehmensgruppe auch in Richtung Energietechnik weiterentwickeln, etwa mit stationären Flüssigbatteriespeichern.
boysen-online.de

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