Verge Motorcycles sattelt auf eigene Feststoffbatterien um

Das finnische Technologieunternehmen Donut Lab hat eine Feststoffbatterie vorgestellt, die ab sofort für den OEM-Einsatz verfügbar ist und ab dem ersten Quartal 2026 in allen 2026-Modellen der Motorräder von Verge Motorcycles zum Einsatz kommen wird. Die Festkörperbatterie kann in fünf Minuten geladen werden.

Donut lab solid state battery
Bild: Donut Lab

Donut Lab wurde einst als Technologie-Startup in Finnland gegründet, gehört aber inzwischen komplett zu Verge Motorcycles. Die Mutter ist zugleich auch der Hauptkunde von Donut Lab und setzt etwa den auffälligen Felgenmotor namens Donut Motor 2.0 in seinem Modell TS Pro ein. Donut Lab ist aber auch für andere Kunden und in Eigenregie aktiv, Ende November wurde zum Beispiel mit DonutOS eine Software-Suite für die E-Fahrzeug-Entwicklung vorgestellt.

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, die am 6. Januar 2026 beginnt, wird Donut Lab eine eigene Festkörperbatterie vorstellen, die auf eine Energiedichte von 400 Wh/kg kommen soll. Das Unternehmen selbst spricht in der Mitteilung vollmundig von der „weltweit ersten Festkörperbatterie, die für den Einsatz in der OEM-Fahrzeugherstellung bereit ist“.

Dabei nennen die Finnen zwar einige Eigenschaften ihrer neuen Batterietechnologie, gehen an den entscheidenden Stellen aber nicht in die Details. Die Batterie soll „eine höhere Reichweite, leichtere Strukturen und bisher unerreichte Flexibilität beim Fahrzeug- und Produktdesign“ ermöglichen. Und die Ladezeit von fünf Minuten gilt für einen kompletten Ladevorgang, nicht für die sonst übliche Angabe bis 80 Prozent Ladestand. Außerdem ist von einer Lebensdauer von schier unglaublichen 100.000 Ladezyklen bei nur einem minimalen Kapazitätsverlust während der gesamten Lebensdauer die Rede.

Donut lab solid state battery
Bild: Donut Lab

Und auch extreme Temperaturen sollen die Eigenschaften kaum beeinflussen: „Bei -30 °C behält die Batterie über 99 % ihrer Leistungsfähigkeit, und auch bei Erwärmung auf Temperaturen über 100 °C behält sie weiterhin über 99 % ihrer Leistungsfähigkeit, ohne dass Anzeichen einer Entzündung oder Leistungsminderung auftreten“, heißt es in der Mitteilung.

Allerdings geht das Unternehmen nicht genauer darauf ein, aus welchen Materialien die neue Feststoff-Zelle aufgebaut wird. Sie werde „vollständig aus reichlich vorhandenen, preiswerten und geopolitisch sicheren Materialien hergestellt, kommt ohne seltene oder sensible Elemente aus und ist im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batterien kostengünstiger“, so Donut Lab. Auch Verge Motorcycles wird in seiner eigenen Mitteilung an dieser Stelle nicht konkreter.

Dafür gibt es genauere Angaben zu dem Serienmodell: Die im November vorgestellte TS Pro (mit dem erwähnten Felgenmotor) kommt auf eine Reichweite von 350 Kilometern, hier soll in zehn Minuten Strom für bis zu 300 Kilometer nachgeladen werden können – nicht ganz die fünf Minuten für eine vollständige Ladung, wie es Donut Lab angekündigt hat, aber für E-Motorräder immer noch ein sehr guter Wert. Optional soll auch ein Batteriepack mit „erweiterter Reichweite“ verfügbar sein, damit sollen bis zu 595 Kilometer möglich sein. Dann sind 33,3 kWh verbaut, bei der Standard-Batterie sind es 20,2 kWh. Da die neue Batterie sogar günstiger sein soll als konventionelle Lithium-Ionen-Batterien, wird der Preis für die TS Pro nicht angehoben.

Feststoffbatterien werden aufgrund ihrer theoretischen Vorteile seit Jahren entwickelt, auch für den Einsatz in Elektroautos. In China sind schon erste Fahrzeuge mit Feststoffzellen unterwegs, wobei die Definition zum Teil etwas schwammig ist: Es gibt auch sogenannte Semi-Solid-State-Zellen, in denen ein gel-artiger, halbfester Elektrolyt zum Einsatz kommt. Die Äußerungen von Donut Lab lassen aber auf eine All-Solid-State-Batterie schließen.

„Die Feststoffbatterietechnologie der nächsten Generation von Donut Lab ist das Ergebnis langjähriger Entwicklungsarbeit. Nun sind wir bereit, dem Markt für Elektromobilität eine wirklich außergewöhnliche Technologie zu präsentieren, wobei das Motorrad von Verge ein hervorragendes erstes Beispiel dafür ist. Und das ist erst der Anfang – unsere Batterietechnologie lässt sich in allen Arten von Fahrzeugen einsetzen, von Motorrädern und Pkw bis hin zu Lkw, Robotern und stationären Energiespeichern”, erläutert der CTO von Donut Lab, Ville Piippo.

Quelle: Info per E-Mail (Pressemitteilungen auf Deutsch), donutlab.com, vergemotorcycles.com (beide Mitteilungen auf Englisch), linkedin.com, linkedin.com

8 Kommentare

zu „Verge Motorcycles sattelt auf eigene Feststoffbatterien um“
Andreas Scholz
05.01.2026 um 16:14
Das ist entweder ein kompletter Hoax oder ein absoluter Gamechanger für die E-Mobilität. Die beschriebenen Eigenschaften der Batterie klingen ja nach Zauberei. Ich bin gespannt…
Roger Hobbs
05.01.2026 um 16:33
Da Verge ja in der Vergangenheit so positiv mit dem Verkaufsdatum ihrer Motorräder (jetzt geht es ja angeblich wirklich los. Also wirklich wirklich) aufgefallen ist, würde ich diese Nachricht eher mit Vorsicht genießen. Wobei Donut ja einer der Big Player im Batteriesegment ist...oh, moment.
Christian Hauser
05.01.2026 um 17:11
Ein kompletter Ladevorgang (also von 0% bis 100%) in 5 Minuten? Und günstiger als herkömmliche Li-Ion Batterien? Also mit 400kW konstant während 5 Minuten den 33,3 kWh Akku laden? Also keine Ladekurve, sondern ein Ladestrich? Und VW baut gerade mit PowerCo eine grosse Batteriefabrik wo sie 34 kWh LFP Akkus für ID.Polo und Co. bauen wollen, die sich in 25 Minuten laden lassen? Evt. sollte VW mal mit Donut Lab sprechen, ob sie in Lizenz deren Feststoff-Akkus bauen dürfen, dann wären die Kleinwagen ID.Polo, Raval und Epic der ganz grosse Verkaufsschlager in den nächsten Jahren.
Matthias
06.01.2026 um 16:53
Von 400kW ist nirgends die Rede, sondern vom 33,3 kWh Akku mit 600km nomineller Reichweite, der mit "bis zu" 200 kW in unter 10 Minuten 300km nachladen könne. Das bedeutet der zieht sich 16,7kWh rein, in 1/6 Stunde mit einem Durchschnitt von 100kW, mit Spitze gegen 200, wird somit auch deutlich unter 100 kW abfallen. Immer noch viel mehr als in jedem Zweirad und mehr als in vielen E-Autos. Die Verge müsste daher auch stramm rekuperieren können. Man wird sehen.
Matthias
05.01.2026 um 17:46
Verge und Donut sind sicherlich interessant, aber die Reichweite-Angaben passen nicht so wirklich zu den eigenen Videos. So ist man stolz auf einen Guinness-Rekord: 310km im Londoner Stadtverkehr zurücklegen, in 16 Stunden, mit Schnitt 19 km/h. Darüber lachen Fahrradfahrer, so weit laufen manche beim Ultramarathon in 24h.Auch die Fahrt von Monaco nach Madrid über 1366km wurde zwar über Autobahnen, aber gemächlich zurückgelegt, mit 11 Ladestopps alle 124km im Schnitt. Immerhin kann man an CCS laden, bei Zweirädern eine Seltenheit.
Markus
05.01.2026 um 19:19
Das klingt ehrlich gesagt zu gut um wahr zu sein. Aber ich lasse mich mal überraschen, vielleicht es dem Unternehmen ja ein absoluter Durchbruch gelungen. Ich würde es Verge Motorcycles auf jeden Fall gönnen, deren Motorräder sind sowieso super.
David
05.01.2026 um 21:44
Bei solchen Nachrichten gehe ich nicht steil. Klingt zu gut. Da investiere ich nichts, hype das auch nicht, erwähne das auch nicht. Zwei von Hundert solcher Wunder mögen dann tatsächlich in voller Gänze wahr geworden sein. Dann war ich dann eben nicht dabei. Das kann ich ausgezeichnet Verschmerzen. Aber das Gute war, ich war auch bei den 98 nicht dabei, die nichts geworden sind. So halte ich es auch hier.
Klaus
06.01.2026 um 10:38
Klingt gut, wundert mich aber schon. Keiner der großen Player hat einen echten Feststoffakku und eine kleine Firma aus Finnland hat's geschafft? Glaube ich erst, wenn es da unabhängige Berichte zu gibt. Wäre allerdings genial, wenn es stimmen würde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert