Mercedes bringt neuen Fahrassistenten in die USA

Mercedes-Benz hat auf der CES in Las Vegas sein neues System MB.Drive Assist Pro vorgestellt, das einen Fahrassistenten auf SAE-Level 2 mit Navigation verbindet. Dadurch soll eine teilautomatisierte Fahrt von Tür zu Tür möglich werden – allerdings muss der Fahrer wie bei Tesla FSD (Supervised) jederzeit wieder das Steuer übernehmen können.

Mercedes benz cla mbdrive assist pro
Bild: Mercedes-Benz

Ein solches fortgeschrittenes Fahrassistenzsystem (ADAS) hat Mercedes-Benz vor kurzem bereits in China im vollelektrischen CLA eingeführt, dort allerdings in Kooperation mit dem chinesischen Spezialisten Momenta. In den USA und auch für den europäischen Markt arbeitet Mercedes hingegen mit dem US-Technologiekonzern Nvidia zusammen.

Konkret ermöglicht der neue MB.Drive Assist Pro, dass ein Fahrzeug per Knopfdruck mit fortschrittlicher SAE-Level-2-Assistenz durch die Stadt navigiert – vom Parkplatz bis zum Ziel. Dabei gilt wie bei allen Systemen nach Level 2 der Grundsatz „hands-free, eyes-on“ für den Fahrer. Sprich: Während das Auto von selbst fährt, darf der Fahrer zwar seine Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber die Augen auf der Straße lassen, um jederzeit eingreifen zu können. Somit bleibt es z.B. tabu, aufs Smartphone zu schauen.

Mercedes-Benz spricht ferner von einem „kooperativen Lenkansatz“, bei dem der Fahrer jederzeit Lenkanpassungen vornehmen kann, ohne das System dadurch zu deaktivieren. Umgekehrt muss der Fahrer aber eben auch jederzeit das Lenkrad übernehmen können, sollte das Fahrzeug ihn dazu auffordern.

30 Sensoren und KI-Technologie von Nvidia

Der MB.Drive Assist Pro nutzt rund 30 Sensoren, darunter zehn Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren. Diese liefern Rohdaten an einen leistungsstarken Supercomputer mit einer Rechenleistung von bis zu 508 TOPS, dessen KI-Chip von Nvidia stammt. Auch die „Drive AV“ genannte Software für das System stammt von Nvidia.

Das neue System soll noch in diesem Quartal auf den US-Markt kommen, und zwar als erstes im neuen CLA. Und laut Nvidia-Boss Jensen Huang ist der Rollout auch bereits für das zweite Quartal in Europa geplant. Dabei ist Mercedes der erste Nvidia-Kunde, der das „Drive AV“-System in einem Serienfahrzeug auf die Straßen bringt – weitere sollen folgen. „Da die Automobilindustrie zunehmend auf physikalische KI setzt, bildet Nvidia das KI-Rückgrat, das jedes Fahrzeug programmierbar, aktualisierbar und durch Daten und Software kontinuierlich verbesserungsfähig macht“, sagt Ali Kani, Vizepräsident Automotive bei Nvidia. „Angefangen mit Mercedes-Benz und seinem beeindruckenden neuen CLA feiern wir einen herausragenden Erfolg in den Bereichen Sicherheit, Design, Ingenieurskunst und KI-gestütztes Fahren, der jedes Auto in eine lebende, lernende Maschine verwandelt.“

3.950 US-Dollar für drei Jahre

In den USA soll der MB.Drive Assist Pro für eine dreijährige Nutzung 3.950 US-Dollar kosten, danach werden weitere Gebühren fällig. Das vergleichbare Tesla-System Full Self-Driving (FSD) kostet rund 8000 Dollar als Einmalkauf oder 99 Dollar pro Monat im Abonnement. Auch dieses System arbeitet bislang nur auf Level 2, Tesla hat FSD-Kunden aber stets in Aussicht gestellt, dass künftige Upgrades auf ein höheres Level bereits inklusive sind – doch darauf warten die Kunden seit Jahren.

Während die Branche aktuell viel über Robotaxis spricht, also komplett selbstfahrende Autos in festen Betriebsgebieten auf SAE-Level 4, hat der neue MB.Drive Assist Pro damit wenig zu tun. Er bietet kein autonomes Fahren, bei dem es keinen Sicherheitsfahrer benötigt, sondern es handelt sich nur um ein hochwertiges Assistenzsystem nach Level 2, bei dem der Fahrer häufiger gefragt sein dürfte.

Auch Level 3 schon im Angebot und Level 4 in Arbeit

Das heißt aber nicht, dass Mercedes-Benz nicht auch auf den höheren SAE-Levels mitmischen will. Im Gegenteil: Als einziger Hersteller in Deutschland und den USA bietet Mercedes-Benz unter dem Namen Drive Pilot bereits auch hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 an – gegen einen hohen Aufpreis in der S-Klasse und dem EQS. Dabei dürfen Fahrer in bestimmten Situationen die Hände vom Lenkrad und die Augen von der Straße nehmen („hands-off, eyes-off“), müssen aber bereit sein, innerhalb von zehn Sekunden das Steuer wieder zu übernehmen. Allerdings funktioniert dieses System bislang nur auf Autobahnen und auch nur bei verhältnismäßig niedrigen Geschwindigkeiten, in Deutschland aktuell bei maximal 95 km/h.

Und für die Zukunft spannend: In Zusammenarbeit mit Nvidia arbeitet Mercedes-Benz auch bereits daran, in die nächste S-Klasse „ein außergewöhnliches Chauffeur-Erlebnis nach Level 4″ zu bringen, „das Luxus, Sicherheit und modernste Autonomie vereint“. Dabei dürfte die nächste S-Klasse erstmals auch vollelektrisch sein, weil Mercedes die eigene Nomenklatur für vollelektrische Schwestermodelle, in diesem Fall die Bezeichnung EQS, aufgeben wird.

mercedes-benz.com, nvidia.com, n-tv.de

3 Kommentare

zu „Mercedes bringt neuen Fahrassistenten in die USA“
Frank
08.01.2026 um 08:54
Ich weiß nicht, ob das nicht ein Schuss in den eigene Fuß ist. Welcher europäischer Kunde würde jetzt einen CLA kaufen, wenn im zweiten Quartal, ein mit deutlich anderer Hardware, einer besseren Version auf den Markt kommt. OTA geht gut mit Software, weniger gut mit Software. Da ist der Ansatz von Tesla, "volle Hütte(HW)", mir sympathischer. Ich bin den CLA schon gefahren und der ist wirklich gut. Werde meine Entscheidung weiter hinaus zögern. Vielleicht Mitte 2027 wird es, mit der langen Version des Modell Y in HW5, wieder ein Tesla. Mercedes, bitte Strategie zur Teilhabe am autonomeren Fahren für die Zukunft überdenken.
Markus
08.01.2026 um 16:28
Nein, das sollte Mercedes auf gar keinen Fall machen. Wieso sollte man mit dem Verkauf des Mercedes CLA warten, bis das Autonome Fahren System zugelassen wird? Ich behaupte mal, dass über 85% der Kunden sowieso kein teueres Level 2 System dazubestellen werden. Wegen strengerer Regulierung wird es sowieso noch 1-2 Jahre dauern bis dieses System in Europa zugelassen wird.
Paul-Gerhard Fenzlein
08.01.2026 um 11:46
Im Prinzip ist es gut, wenn deutsche Autobauer endlich intensiver autonome fahren auf Level 2+ mit der Zielsetzung Level 3 und 4 angehen! Aber es ist wie bei deutschen Autobauern, wie bisher, sie brauchen für die Zukunftstechnologien ausländische kooperationspartner. Alleine können Sie nichts! Vergleicht man die Unternehmen, die sich bislang intensiv mit dem Thema autonomen Fahrens auf dem SAE Level 2+, 3 und bei autonomen Taxis mit Level 4 beschäftigen, dann sieht man, dass von den 10 in der unten stehenden Tabelle nur drei und alle drei sind chinesische Unternehmen, HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance, mit AITO, Luxeed und Stelato) NIO und Xpeng, eigene KI-fähige ADAS-Chips entwickelt und in ihren Fahrzeuge einsetzen. Und das ist, trotz gewisser Fortschritte bei BMW und Mercedes, nicht gut!Unternehmen ADAS-/Autonomie-System KI-SoC / Plattform Chip-Hersteller Baidu Apollo Intelligent Driving DRIVE Orin / Xavier NVIDIABMW Snapdragon Ride Pilot Snapdragon Ride QualcommBYD DiPilot Journey 6 / DRIVE Orin Horizon Robotics / NVIDIAHIMA.Gruppe ADS + HarmonyOS + Assistenz-Compute Ascend Chip HuaweiLi Auto AD Pro / AD Max Journey 6M / DRIVE Orin Horizon Robotics / NVIDIAMercedes-Benz DRIVE PILOT / SDV DRIVE Xavier / Orin NVIDIANIO (NT 2.0) ADAM 4× Orin X NVIDIANIO (NT3.0) New World Modell 1 bzw. 2 Shenji NX9031 NIOXPeng XPILOT Turing XPengXiaomi Xiaomi Pilot / HAD 2× Orin NVIDIAVolkswagen MQB-ADAS / China JV EyeQ / VW-Horizon SoC Mobileye / Horizon

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