Jaguar testet Elektro-Prototypen am Polarkreis

Vor der Weltpremiere im Sommer 2026 hat Jaguar die jüngsten Prototypen des viertürigen „Luxury GT“ zur Wintererprobung an den Polarkreis geschickt. Die Kälte‑ und Kalibrierungstests seien „Teil des umfassendsten Entwicklungsprogramms, das Jaguar jemals durchgeführt hat“.

Jaguar luxury gt winter testfahrten schweden
Bild. Jaguar

Die britische Marke hat dazu Fotos der getarnten Fahrzeuge von den Testfahrten durch Eis und Schnee veröffentlicht. Darauf ist zu erkennen, dass der viertürige GT im Grundsatz die Proportionen der polarisierenden Designphilosophie „Exuberant Modernist“ übernimmt, die bereits mit der Konzeptstudie Jaguar Type 00 vorgestellt wurde – und die mit ihrem Design für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Während es um das genaue Design vor allem wieder rund um die Weltpremiere im Sommer gehen wird, arbeitet Jaguar nun daran, dass auch die Technik des Modells unter allen Umständen überzeugt. „Die Wintertests auf den zugefrorenen Seen Schwedens ermöglichen es den Jaguar-Ingenieuren, die charakteristischen Eigenschaften der verschiedenen Fahrmodi des viertürigen GT fein abzustimmen. Ziel ist ein besonders intuitives Ansprechverhalten bei zugleich souveränem Komfort. Unterstützt durch eine Reihe elektrischer Antriebstechnologien fährt sich dieses Fahrzeug wie kein anderes Elektroauto – ganz im Sinne von Jaguar“, kündigt der Hersteller an.

Viele Details geben die Briten noch nicht preis. Mit über 1.000 PS Leistung (oder umgerechnet mindestens 736 kW) soll es der bisher stärkste Serien-Jaguar werden. Immerhin wird jetzt eine „Allrad‑Tri‑Motor‑Architektur“ bestätigt, also ein Antriebssystem mit drei Elektromotoren – vermutlich zwei an der Hinterachse. Diese bieten nicht nur eine hohe Leistung, sondern auch ein Torque Vectoring, bei dem die Antriebskraft gezielt zwischen der rechten und linken Seite verteilt werden kann, um das Lenkverhalten zu unterstützen und zu stabilisieren – „für ein fesselndes,  reizvolles und selbstbewusstes Fahrerlebnis, unter allen Bedingungen“, wie es die Jaguar-PR ausdrückt. Parallel zum Antrieb werden auch noch die Fahrwerksysteme, Allradlenkung, ein speziell entwickelter 23‑Zoll‑Winterreifen, adaptive Luftfederung sowie aktive Zweiventil‑Dämpfer aufeinander abgestimmt.

Teil der extremen Wintertests sind – wie üblich – auch die Thermosysteme des neuen Modells. Die „ThermAssist“-Technologie von Jaguar soll den Energiebedarf für die Innenraumheizung um bis zu 40 Prozent reduzieren. „Gleichzeitig nutzt es rückgewonnene Wärme, um Antrieb und Kabine selbst bei Temperaturen bis minus 10 Grad Celsius effizient zu temperieren und die Reichweite auch unter extremen Winterbedingungen zu optimieren“, erklärt Jaguar.

In mehreren Berichten zu dem Modell werden noch weitere Daten genannt, die Jaguar in der offiziellen Veröffentlichung nicht erwähnt. So soll der Luxus-GT 5,20 Meter lang und nur 1,40 Meter hoch sein. Zum Vergleich: Ein etwa gleich langer Mercedes EQS (5,23 Meter) ist etwa zehn Zentimeter höher. Dass bei ebenfalls vergleichbaren 3,20 Meter Radstand eine ähnlich große Batterie in den Unterboden passt (für den Jaguar werden 120 kWh genannt), mussten die Briten zu einem ungewöhnlichen Batteriekonzept greifen. Um die niedrige Fahrzeughöhe und Sitzposition zu erreichen, ist die Batterie nicht in einem Pack, sondern in fünf separaten Komponenten verbaut. Ein Block aus 32 Zellen soll sich recht weit vorne befinden, vier weitere mit jeweils 42 Zellen weiter hinten. Nimmt man bei 200 Zellen insgesamt die für NMC-Zellen üblichen 3,7 Volt Nennspannung an, ergeben sich bei einer Reihenschaltung 740 Volt. Zur Lade-Performance hat Jaguar aber noch keine Angaben gemacht.

Der Drei-Motoren-Antrieb soll aus Premanentmagnet-Synchronmaschinen (PSM) bestehen. Jene an der Vorderachse soll 257 kW leisten, an der Hinterachse sind es zusammen 700 kW. Das ergibt in Summe mehr Leistung als die 736 kW (1.000 PS). Allerdings ist es möglich, dass nicht die Motoren, sondern die Batterie der limitierende Faktor für die Systemleistung ist. Oder aber Jaguar zügelt die Leistung per Software, um später stärkere Modellvarianten nachzuschieben.

„Bei Jaguar stand Fahrfreude schon immer im Mittelpunkt – und unser neuer vollelektrischer viertüriger GT bildet da keine Ausnahme. Er markiert einen bedeutenden Schritt in unseren technischen Ambitionen“, sagt Matt Becker, Vehicle Engineering Director bei Jaguar. „Innovative, selbst entwickelte Elektroantriebstechnologien treffen auf die charakteristischen Proportionen und den niedrigen Schwerpunkt des Fahrzeugs. Das Ergebnis ist ein luxuriöser Grand Tourer, der sich wie kein anderer fährt.“

jaguar.com, insideevs.de, topgear.com

4 Kommentare

zu „Jaguar testet Elektro-Prototypen am Polarkreis“
DerVerbrenner
03.02.2026 um 20:00
Nachdem die E-Porsches ja schon laufen wie geschnitten Brot (oder auch nicht) bin ich mal gespannt auf das "all-in" Experiment von Jaguar. Könnte auch krachend scheitern. We will see ...
Paul-Gerhard Fenzlein
04.02.2026 um 08:16
Wir sollten aber nicht vergessen, dass Jaguar nichts mehr mit dem englischen Traditionsunternehmen zu tun hat. Indien ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Welt, es hat auch mehr Millionäre und Milliardäre als wir in Deutschland. Und was für uns Porsche oder Mercedes war und für Indien nun der "indische" Jaguar. Es wird sicher kein Verkaufsschlager, aber für Indien ein Aushängeschild!
Egon Kohler
04.02.2026 um 18:25
Angesichts dessen, dass Jaguar mit den "traditionellen" Fahrzeugen kein Geschäftsmodell mehr hatte, scheint mir der radikale Wandel zwar immer noch gewagt, aber letztlich logisch: Es gibt nichts mehr zu verlieren, aber der gute Name kann beim Aufbau einer neuen Luxusmarke wertvoll sein. Ob diese doch recht speziellen Fahrzeuge (genügend) Käufer finden werden - man wird sehen...
Tim N.
04.02.2026 um 23:13
Spontan denke ich: Ziegelstein mit Vollgummirädern. Eine Art "Batmobil".Ich weiß nicht, was in Köpfen von Autodesignern vor sich geht. Vielleicht sollte man mal 20 Jahre lang den Frauen das Szepter überlassen.

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