Video - 30:08 minInfrastruktur

„Public Charging aus Nutzersicht“ – Axel Sprenger, Uscale

Sprenger uscale live mai

Die Elektromobilität erreicht die Masse, doch wer sind eigentlich die Kunden von morgen? Dr. Axel Sprenger, Geschäftsführer des Marktforschers Uscale, betonte bei electrive LIVE, dass das einfache Prinzip „One Size Fits All“ bei öffentlicher Ladeinfrastruktur ausgedient hat. Während Pioniere der ersten Stunde individuelle Anforderungen an ihr Ladeerlebnis stellen, verlangt der städtische Kundenstamm ohne Eigenheim nach ganz anderen Lösungen.

Axel Sprenger vergegenwärtigte in seinem Vortrag bei unserer Online-Konferenz, dass der klassische Fokus auf reine Ladeleistung bei der Standortwahl an der Autobahn zwar noch greift, im urbanen Raum jedoch oft an der Realität vorbeigeht. Dort zählen andere Faktoren, etwa die passende Ladeleistung für längere Standzeiten oder eine ausreichende Verfügbarkeit von Ladestationen. Enstprechend gehe es darum, das Angebot an die spezifischen Nutzungssituationen in Städten anzupassen.

Besonders spannend ist der Blick auf die Wettbewerbssituation. Während Energieversorger und CPOs den Markt noch dominieren, holen Mineralölgesellschaften bei den „Newbies“ – also E-Auto-Neulingen – spürbar auf. Sprenger warnt jedoch davor, diese Verschiebungen vorschnell zu interpretieren.

Auch beim Thema Bezahlmethoden herrscht Bewegung, aber noch keine finale Antwort. Die RFID-Karte bleibt das Werkzeug der Pioniere, während die App bei den „Newbies“ hoch im Kurs steht. Eine Patentlösung für alle gibt es laut dem Experten derzeit nicht. Dabei zeigt sich ein kritischer Punkt in der Customer Journey: „Das eine ist, dass ich viel zahle, das andere ist, wenn ich nicht weiß, wie viel ich zahle, und am Schluss werde ich überrascht, wie viel es jetzt gekostet hat“.

Sprengers Appell an die Industrie ist klar: „Wir reden über Technik, zu Recht, es klemmt noch an vielen Stellen. Ich hoffe aber, dass es mir gelungen ist, neben den vielen Technik-Diskussionen auch den, der uns alle bezahlt, hier ins Spiel zu bringen“ – also den E-Auto-Fahrer bzw. die breite Masse an E-Auto-Fahrern, die durchaus unterschiedliche Ladegewohnheiten haben. Um die restlichen 95 Prozent der Autofahrer zu überzeugen, müsse man die Perspektive daher konsequent vom Nutzer her denken.

Dass dies gelingt, ist dringend nötig, denn wie Sprenger mit einem Augenzwinkern feststellt: „Wenn man so auf die üblichen Bilder guckt, die man bei Pexels und Unsplash oder in der Werbung findet, kommt man drauf, der Kunde ist auf jeden Fall eine Kundin und vor allem relativ jung“. Doch bis die Realität an der Ladesäule das Hochglanz-Marketing eingeholt hat, bleibt für die Branche noch viel Arbeit – es sei denn, man verlässt sich weiterhin lieber auf die bunten Stockfotos und Werbebilder als auf die echten Bedürfnisse.

Sie möchten den kompletten Vortrag anschauen? Dann verwenden Sie bitte den Videoplayer oberhalb dieses Beitrags oder gehen zu YouTube.

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