Von öffentlicher Ladeinfrastruktur zu Smart Charging – Wiebke Kraus, Enercity
Für Enercity steht fest, dass der urbane Raum auch künftig massiv auf AC-Ladepunkte angewiesen ist, da diese „weniger investitionsintensiv und netzdienlicher als DC-Ladeinfrastruktur“ sind. Doch der Betrieb der über 8.000 Ladepunkte (inkl. nicht-öffentliche Lademöglichkeiten) reicht heute nicht mehr aus. Kraus betont, dass der Markt für Elektromobilität in Deutschland bei weitem nicht mehr nur durch den Ausbau der Hardware definiert wird.
Ein zentraler Hebel für die Zukunft ist das Smart Charging. Enercity testet hierbei derzeit zwei unterschiedliche Pilotansätze: Das „Flexladen“ im Ad-Hoc-Bereich, bei dem sich Preise an den Energiehandelsmarkt und die Auslastung anpassen, sowie das automatisierte „Easy-Go-Smart-Laden“ via App. Kraus unterstreicht die Notwendigkeit dieser Innovationen: „Die steigende Anzahl an privaten E-Mobilisten wird noch viel stärker als heute hohe User Experience einfordern und auch eine hohe Preissensibilität zeigen“.
Besonders das App-basierte Smart Charging erweist sich als vielversprechendes Werkzeug, um Ladevorgänge automatisch in günstige Zeitfenster zu verschieben. In den ersten Monaten der Testphase konnten Nutzer so bereits attraktive Einsparungen erzielen – ein wichtiger Faktor für die Kundenbindung. Kraus resümiert: „Die erste Analyse zeigt, dass wir in den ersten dreieinhalb Monaten über 1.200 intelligente Ladevorgänge gehabt haben“. Dabei habe das Unternehmen wertvolle Erkenntnisse gewonnen: „Es braucht eine volle Preistransparenz“.
Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, dass das Ad-Hoc-Laden in Deutschland aktuell noch zögerlich angenommen wird. Dennoch ist der Pioniergeist bei Enercity ungebrochen, da Kraus davon überzeugt ist, dass „sowohl CPOs als auch Kundinnen und Kunden“ von dynamischen Ansätzen profitieren können. Für die Branche ist klar: Wer die Energiewende ernst nimmt, muss heute dort investieren, wo die Intelligenz der Netze auf das Nutzerverhalten trifft.
Wiebke Kraus spricht in ihrem Vortrag auf electrive LIVE also nicht nur über trockene Strategiepapiere spricht, sondern redet Tacheles – und zeigt dabei, dass eine Ersparnis von 4,50 Euro an der Ladesäule zwar noch nicht für den Großeinkauf im Baumarkt reicht, aber das Potenzial für eine völlig neue Ladekultur in unseren Städten beweist.
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