05.07.2019 - 13:30

Harald Krüger tritt als BMW-Chef ab

harald-krueger

BMW-Chef Harald Krüger hat dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass er nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht. Die eigentlich anstehende Vertragsverlängerung war zuletzt immer fraglicher geworden – wohl auch wegen Krügers Zögern bei der Elektromobilität.

Wie BMW mitteilt, habe Krüger den Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Reithofer darüber informiert, dass er seinen bis Ende April 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern will. Reithofer habe diese Information mit Respekt und Verständnis aufgenommen, so der Autobauer. Der Aufsichtsrat wird sich in seiner nächsten Sitzung am 18. Juli 2019 mit der Nachfolge befassen. Bis zu einer Entscheidung wird Krüger sein Amt als Vorsitzender des Vorstands unverändert ausüben.

Krüger begründete seine Entscheidung damit, dass er sich nach mehr als 27 Jahren bei BMW nun beruflich neu orientieren wolle. Dabei dürften auch die vergangenen Wochen eine wichtige Rolle gespielt haben: Eine eigentlich übliche Verlängerung seines Vertrags war zunehmend unwahrscheinlicher geworden.

Mit dem Rückzug komme Krüger lediglich seiner eigenen Abberufung zuvor, spekuliert unter anderem der „Spiegel“. Ihm werde ein zu zögerlicher Umbau zur E-Mobilität vorgeworfen. Zudem hat BMW unter seiner Leitung die Position als führende Premiummarke an Mercedes verloren: Die Stuttgarter verkaufen seit 2016 mehr Autos als die Kernmarke BMW. Damit dürfte Krüger den Rückhalt im Aufsichtsrat verloren haben. 2015 ist er noch mit Unterstützung der Eigentümerfamilie Quandt zum Nachfolger des heutigen AR-Chefs Norbert Reithofer berufen worden.

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Diese Entscheidung war eine Zäsur für den Ausbau der Elektromobilität bei BMW: Der damalige Entwicklungsvorstand Herbert Diess hatte die Elektromobilität bei BMW entscheidend vorangebracht und die Sparte BMW i hausintern gestärkt. Nach seiner Niederlage im Duell um die Reithofer-Nachfolge an der Vorstandsspitze setzte sich Diess nach Wolfsburg ab – die anstehende Elektro-Offensive trägt seine Handschrift. Bei BMW hingegen ging wenig voran: Der zurückhaltende Krüger – von den Quandts genau wegen dieser Eigenschaft dem fordernden Diess vorgezogen – investierte deutlich weniger in dieses Zukunftsfeld mit ungewisser Rendite. In der Folge verließen führende Köpfe von BMW i die Münchner – darunter Manager wie Carsten Breitfeld, Benoit Jacob oder Dirk Abendroth. Damit ging reichlich Elektromobilitäts-Expertise verloren – seit dem i3 hat BMW lediglich Plug-in-Hybride auf den Markt gebracht, aber kein reines Elektroauto mehr. Dem Tesla Model 3 etwa haben die einstiger Elektro-Pioniere aus München nichts entgegenzusetzen.

Die Rolle als E-Vorreiter unter den deutschen Autobauern ist dahin. Krügers Vorstoß Ende Juni, die Elektrifizierungs-Roadmap des Autobauers um zwei Jahre zu beschleunigen, scheint da zu spät gekommen zu sein.

Als mögliche Kandidaten für die Krüger-Nachfolge werden Produktionsvorstand Oliver Zipse und Entwicklungschef Klaus Fröhlich gehandelt. Auch das dürfte wieder eine richtungsweisende Entscheidung werden: Zipse ist umgänglich und zurückhaltender, aber nach außen bislang blass geblieben. Fröhlich hingegen gilt laut dem „Spiegel“ zuweilen als „aufbrausend“. Der versierte Motoren-Entwickler (Spitzname „Kolben-Klaus“) steht jedoch eher für die Verbrenner-Welt.

Zuletzt hatte Fröhlich für Schlagzeilen gesorgt, als er den Umschwung zur Elektrifizierung als „hochgejubelt“ bezeichnete. Es gebe „keine Nachfrage von Kunden nach BEV“, sondern nur seitens der Regulatoren. Inzwischen hat Fröhlich zurückgerudert und im Gespräch mit der „Welt“ gesagt, die Aussagen seien verkürzt dargestellt worden: „Klar ist: Die Elektromobilität wird kommen.“

Fröhlich ist jedoch schon 59 Jahre alt – laut einer BMW-internen Regelung scheiden Vorstände automatisch mit 60 Jahren aus. Eine hohe, aber nicht unüberwindbare Hürde. Dass der Aufsichtsrat von dieser Regelung abweicht, die auch den damals erfolgreichen Norbert Reithofer zum Wechsel in den Aufsichtsrat zwang, wäre jedoch ein Zeichen für eine ernstere Krise. Auch der Name von Finanzvorstand Nicolas Peters ist genannt worden. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, solle jedoch der 55-jährige Zipse der neue Vorstandsvorsitzende werden. Der Konzern wollte die Information gegenüber der „FAZ“ nicht kommentieren.
bmwgroup.com, handelsblatt.com, spiegel.de, autonews.com, welt.de, faz.net

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3 Kommentare zu “Harald Krüger tritt als BMW-Chef ab

  1. Landmark

    Das wurde Zeit, dieser Mann ist ein Bremser der Firma BMW und ihrer Zukunft.

  2. Andreas

    „Kolben-Klaus“ passt gut zu den bisherigen Aussagen von Herrn Fröhlich zur Elektromobilität.
    Man kann nur hoffen, dass seine Meinungen vor dem Maulkorb dieser Woche dafür reichen, dass dieser Benzinkopf nicht an die Spitze kommen. Noch einen weiteren Zauderer und Ewig-Gestrigen kann sich BMW nicht leisten.
    Und das könnte auch die erzkonservativen Quandts interessieren.

  3. CLG

    Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Elektromobilität.

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