08.09.2020 - 13:21

1.000 Ladepunkte an Berliner Straßenlaternen verzögern sich – wegen deutscher Normen

ubitricity-ladestation-charging-station

Der Plan, 1.000 Straßenlaternen in den Berliner Stadtteilen Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf mit der Lösung von Ubitricity zu Ladepunkten für Elektroautos umzurüsten, ist laut einem Medienbericht vorläufig gescheitert. An der Technik liegt es aber nicht, sondern an bundesweiten Normen.

Wie „Tagesspiegel Background“ berichtet, sind die Berliner Laternenmasten zu eng, um die Technologie von Ubitricity darin legal zu verbauen. Das Land Berlin und das in Berlin ansässige Unternehmen haben zwar laut einer Ubitricity-Sprecherin festgestellt, dass die Integration der eigenen Lösung in das Berliner Modell prinzipiell möglich sei, allerdings erlauben die bundesweiten Normen das nicht. Konkret gehe es um die Anwendungsregel „TAR Niederspannung“, die den Bauraum für stationäre Messstellen genau definiert.

„Im Fortschritt des Projekts wurde festgestellt, dass die aktualisierten bundesweit geltenden technisch-regulatorischen Anforderungen an Netzanschlüsse mit stationären Messstellen eine Realisierung in öffentlichen Beleuchtungsmasten nicht wie geplant erlauben“, so die Sprecherin.

Eine weitere Hürde ist das deutsche Eichrecht – aber nicht die eichrechtskonforme Messung der geladenen Strommenge. Die in Berlin geplante Lösung sah vor, dass an den Laternen kein Display installiert wird, sondern das Smartphone des Nutzers als Ausgabebildschirm genutzt wird. Das sei aber „wegen der hohen Anforderungen an die sichere Datenübertragung bisher nicht zulässig“, so „Tagesspiegel Background“.

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Die Folge: Die Installation der 1.000 Ladepunkte muss teilweise neu ausgeschrieben werden. Statt der in die Laterne integrierten Lösung – von der Ubitricity in London über 2.000 Exemplare installiert hat – soll die Ladestation nun außen an der Laterne angebracht werden. In Berlin sind bereits 30 Exemplare dieser „Rucksack“- oder „Huckepack“-Lösung installiert, auch die RheinEnergie in Köln hat in einigen Straßen ähnliche Laternen-Lader in Betrieb.

Wie die Senatsverwaltung gegenüber „Tagesspiegel Background“ mitteilte, bleibt Ubitricity Konsortialführer für das Projekt „Neue Berliner Luft“ und könne auch an der Ausschreibung für die Standardladetechnik teilnehmen. Davon ist Ubitricity wiederum nicht vollständig überzeugt, da die Lösung des Unternehmens eigentlich einen sehr einfachen Ladepunkt und ein „intelligentes Ladekabel“ mit integriertem mobilen Stromzähler vorsieht. Ubitricity kritisiert, dass die Kosten „deutlich höher als bei der Integration in den Lichtmast“ seien. Dennoch sei es Ubitricity „als Berliner Unternehmen wichtig, in der Heimatstadt präsent zu sein und eine kostengünstige Lösung für den schnellen Ausbau von Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen“, so die Sprecherin.

Klingt also danach, als ob sich Ubitricity mit einer Lösung, bei welcher der Strommesser fest am Laternenmast angebracht wird, an der Ausschreibung beteiligen wird. Ubitricity bietet neben dem Laternen-Ladepunkt auch einen freistehenden Poller und eine Wallbox an, an denen teilweise auch ohne das „Smart Cable“ geladen werden kann. Jedoch keine „Rucksack“-Lösung für Laternenmasten, diese müsste noch entwickelt werden.

Das Land Berlin bevorzugt eine diskriminierungsfreie Lösung, bei der die Nutzer nicht auf ein bestimmtes „Smart Cable“ eines einzelnen Anbieters angewiesen sind. Der im Januar 2019 vorgestellte Plan sah eigentlich vor, dass die ersten Ladepunkte noch im Jahr 2019 in Betrieb gehen sollen. Das ist bekanntlich nicht geschehen, nun erklärte die Verkehrsverwaltung, dass der Aufbau voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 beginnen soll – also rund anderthalb Jahre später als ursprünglich angekündigt.
tagesspiegel.de

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9 Kommentare zu “1.000 Ladepunkte an Berliner Straßenlaternen verzögern sich – wegen deutscher Normen

  1. Christian Schwalb

    Der Strom von der Laterne ist sowieso viel zu teuer. Um nicht zu sagen Wucher. Dort würde ich nie laden.

    • Gerd Heinrich

      Was wäre denn der Preis gewesen?

    • Michael

      Wegen Deutscher Normen? Wohl eher wegen der immerweiter voranschreitenden technischen Entwicklung! Und eine Stadt versucht immer properitäre Technik oder Konzepte zu vermeiden. Sowas schafft nur Probleme…

      • Egbert homeister

        Nein das sind schon die abstrusen Normen die sich die Elektriker hier ausgedacht haben ..

        Wer schonmal eine Pv Anlage oder eine wallbox zuhaus installiert hat weiß Bescheid 😉

  2. Michael

    Eichrecht und diskriminierungsfreies Laden sich keine „Elektrikernormen“ sondern sinnvolle und notwendige technische Forderungen! Und die TAB sind, was den Anschluss an das Niederspannungsnetz angeht, halt streng und vielleicht auch etwas veraltet. Aber damals kannte man die Anwendung Laternenladen nicht. Der Verteilnetzbetreiber kann auf die Einhaltung der TAB pochen oder sich die alternativen Konzepte anschauen, bewerten und von der Norm abweichen.
    Die Förderung und Forderung von preiswerter Ladeinfrastruktur wird dazu führen, dass die Ergebnisse solcher Projekte im besten Fall zu angepassten Normen führen. Auch der aktuelle Streit wg. zu hoher Preise an Ladesäulen liegt vor allem an den fehlenden Vorgaben und Rahmenbedinungen in der Vergangenheit. Nun will man das berücksichtigen. Wie gesagt: Mit dem Betrieb von Ladeinfrastruktur kann man kein Geld verdienen. Oder es wird für alle teuer oder sehr speziell (vgl. Ionity und Ubitricity).

  3. BX_Orange

    Ich halte die Ubitricity-Lösung für vollständig gescheitert. Die Idee war vor zig Jahren mal gut, eine Alternative das Konzept „Ladestation“ mal andersherum zu denken. Allerdings ist der Weg in die Masse eben nicht geschafft worden, durchgesetzt haben sich die Ladestationen, die man heute kennt. Das Problem: Jeder Ubitricity-Ladepunkt ist ohne deren Zähler-Kabel unbenutzbar. Ein einigermaßen diskriminierungsfreier Zugang ist nicht möglich.
    Dagegen ist „meine Lieblings-Ladekarte funktioniert an Säule X in Ort Y nicht“ das reinste Luxusproblem. Hätte Ubitricity dagegen Erfolg gehabt und wäre in 80-90% der AC-Ladestationen vorhanden gewesen, hätte vermutlich jeder so ein Kabel zuhause, inklusive dem potenziellen Vendor-Lock-In.

    • Micki

      Das sehe ich ganz anders. Momentan ist noch gar nichts geschehen. Es fehlen überall noch hundertausende Ladesäulen. Warum sollte man sich nicht so ein Ladekabel von Ubitricity in den Pkw legen, wenn man dann überall laden kann und der Ausbau einer Ladeinfrastruktur schneller und günstiger ist. Das ist mal wieder reine Bürokratie.

    • Franz-Peter Kayser

      Genau, mit massiv steigenden Stückzahlen für öffendliche Ladepunkte sinkt der Vorteil der Zählerkabel.
      Hoffen wir im Sinne der Diskriminierungsfreiheit, dass das auch die weiteren Städte die mit Ubitricity liebäugeln schnell erkennen.

  4. Fiorell

    Das Ubitricity in Berlin abblitzt dürfte den Wettbewerber „ebee“ freuen – und vielleicht auch die E-Autofahrer. Denn die Lösung von ebee unterstützt auch Plug&Charge der Norm ISO 15118 (für Infos darüber siehe z.B. hier: https://www.heise.de/autos/artikel/Plug-Charge-nach-ISO-15118-4561466.html).
    Kurz: Das könnte in Zukunft Lade-Komfort nach Tesla-Art für alle bedeuten (einfach einstecken uns los geht’s)! Momentan stockt es noch, da sich dieser Standard noch nicht durchgesetzt hat und dessen Unterstützung eben mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.

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https://www.electrive.net/2020/09/08/1-000-ladepunkte-an-berliner-strassenlaternen-verzoegern-sich-wegen-deutscher-normen/
08.09.2020 13:14