28.01.2021 - 13:08

Citroën C5 Aircross Hybrid: „Silent Urban Vehicle“ oder nur ein weiteres PHEV-SUV?

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Citroën elektrifiziert seine Modellpalette. Lässt man die in die Jahre gekommenen C-Zero und Berlingo Electric – wobei letzterer kürzlich in einer Neuauflage präsentiert wurde – außen vor, bildet der C5 Aircross Hybrid den Auftakt der Elektrifizierungsoffensive. Hier ist unser Fahrbericht.

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Die Franzosen setzen in dem Kompakt-SUV auf die kleinere der beiden möglichen PHEV-Varianten. Wir erinnern uns: Die EMP2-Plattform von PSA ermöglicht grundsätzlich die Kombination eines Verbrenners mit einem E-Motor an der Vorderachse und optional einer zweiten E-Maschine an der Hinterachse. Anders als im Opel Grandland X Hybrid4 kommt hier nicht die Allrad-Variante, sondern die mit reinem Frontantrieb zum Einsatz.

Demnach wird der C5 Aircross Hybrid von einem 1,6-Liter-Turbobenziner mit einer Leistung von 133 kW und einer E-Maschine mit 81 kW angetrieben. Die Franzosen setzen auf das Achtgang-Automatikgetriebe ë-EAT8. Die Systemleistung wird mit 165 kW und das Drehmoment mit 360 Nm angegeben. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt innerhalb von 8,9 Sekunden. Schluss ist bei 225 km/h. Im rein elektrischen Betrieb sind immerhin bis zu 135 km/h möglich.

Der Lithium-Ionen-Akku verfügt über eine Kapazität von 13,2 kWh. Ist der Akku leer, so kann dieser mit bis zu 3,7 kW an einem AC-Ladepunkt aufgeladen werden. Ein Ladevorgang dauert in diesem Fall rund 3:40 Stunden. Schneller geht es mit dem optionalen 7,4-kW-Lader, womit der Ladevorgang nur noch 1:50 Stunden benötigt. Der Aufpreis liegt bei moderaten 300 Euro. Vielfahrer, die nur selten über Nacht oder während der Arbeitszeit langsam laden können, sollten über diese Option nachdenken.

Nach WLTP soll das Antriebssystem kombiniert 1,4 Liter und 15,6 bis 15,8 kWh auf 100 Kilometer verbrauchen. Die elektrische Reichweite wird für den chemischen Speicher mit 54 bis 55 Kilometer – je nach Ausstattung – angegeben. Doch wie gestalten sich die Verbrauchswerte in der Praxis?

Vor der ersten Tour muss zunächst einmal der Akku aufgeladen werden. Die Ladeklappe beim C5 Aircross befindet sich übrigens hinten links – keine optimale Position. Wird ein Ladeplatz parallel zur Straße angefahren, ist das Einstecken des Ladekabels durchaus mit einem gewissen Risiko verbunden – schließlich steht man dabei direkt neben der Straße, bei einem Ladeanschluss hinten rechts stände man auf der verkehrsabgewandten Seite. Nach den knapp zwei Stunden – der Testwagen verfügt über den optionalen 7,4-kW-Lader – war der Akku geladen. Die erste Testfahrt durch den Hamburger Stadtverkehr konnte beginnen.

E-Reichweite beim C5 Aircross Hybrid überschaubar

Nach dem Zurücksetzen des Bordcomputers kann die Fahrt beginnen. Dabei zeigt sich schnell, dass der E-Motor mit seinen 81 kW in der Stadt ausreichend Leistung bietet. Immerhin liegt das Leergewicht des Fahrzeugs bei über 1,8 Tonnen. Einige Kilometer später – mit etwas leerem Akku – konnte auch die volle Leistung der Rekuperation seine Wirkung zeigen. Allerdings fällt diese eher ernüchternd aus, für ein echtes One-Pedal-Driving reicht die Verzögerung nicht. Nach rund 32 Kilometern bei 10 Grad Außentemperatur (trocken) schaltete sich bei unserer ersten Testrunde bereits der Benziner dazu. Auch eine zweite Stadtfahrt über eine andere Route ließ eine höhere E-Reichweite nicht zu. Der rein elektrische Verbrauch laut Bordcomputer lag bei den verschiedenen Fahrten zwischen 21 und 24,5 kWh/100 Kilometer.

Die nächste Testfahrt sollte über eine Strecke von 100 Kilometern führen. Start in Hamburg-Sülldorf über die A7 in Richtung Norden mit vollem Akku. Sobald die Geschwindigkeitsbegrenzung fällt, wird auf 130 km/h beschleunigt und die Geschwindigkeit gehalten. Erstmals kratzt die E-Reichweite an den 40 Kilometern. Nach 100 Kilometern wandert der Blick auf den Bordcomputer, der Verbrauchswerte von 10 kWh/100 km und 5 Liter/100 km anzeigt. Kurzer Reset und die Rückfahrt konnte – jetzt mit leerem Akku – angetreten werden. Bei gleicher Durchschnittsgeschwindigkeit (86 km/h) stand nach 100 Kilometern ein Durchschnittsverbrauch von 7,9 Liter auf der Uhr.

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Zügig, nicht sportlich – Komfort im Fokus

Der C5 Aircross startet immer im rein elektrischen Modus, was bei vielen PHEV-Modellen nicht der Fall ist. Über den Drehregler auf der Mittelkonsole stehen drei Modi zur Auswahl: Elektrisch, Hybrid oder Sport. Die Leistung der E-Maschine ist ausreichend. Mit zugeschaltetem Benziner geht es hingegen nach einer „Gedenksekunde“ zügiger – nicht sportlich – vorwärts. Der 1,6-Liter-Motor röhrt hörbar auf und setzt eher widerwillig zum Sprint ein. Wenngleich er sich aber sanft zuschaltet.

Fahrdynamik zählt nicht zur Paradedisziplin des Franzosen – zumindest nicht bei diesem Modell. Aber einen sportlichen Charakter will der C5 Aircross Hybrid auch nicht vermitteln. Vielmehr liegt der Fokus bei diesem Fahrzeug auf Komfort. So soll die Abstimmung der „Advanced Comfort Federung“ Störfaktoren herausfiltern und den Fahrkomfort erhöhen. In der Praxis ist das auch der Fall. Ein Kritikpunkt gilt jedoch der zu leichtgängigen Lenkung. Diese könnte etwas straffer abgestimmt sein. Damit auch der Akustikkomfort im leisen Elektrobetrieb erhalten bleibt, sind auch die vorderen Seitenscheiben aus einem dämmenden Verbundglas gefertigt. Citroën ist von seiner Entwicklung sogar so überzeugt, dass sie die SUV-Abkürzung des Sports Utility Vehicle kurzerhand bei der Ankündigung zu „Silent Urban Vehicle“ umfunktionieren. Keine Frage, der C5 Aircross ist leise.

Noch ein paar Worte zum Infotainment und der Vernetzung: „Moderne Konnektivitätstechnologien“ sollen „mehr Sicherheit und einfache Navigation bei maximalem Komfort“ bieten. Die „Connect Box“ ist die Basis für die Anzeige von Fahrzeuginformationen in der MyCitroën-App. Zusätzlich setzt das Fahrzeug automatisch einen Notruf ab und übermittelt den Standort im Fall von ausgelösten Airbags. Bei einem leichten Unfall oder bei Unwohlsein eines Passagiers genügt der Druck auf die rote SOS-Taste, um mit dem Notruf verbunden zu werden. Das Navigationssystem „Citroën Connect Nav“ bietet in Verbindung mit vernetzten Services wie „TomTom Traffic“ Verkehrsverhältnisse in Echtzeit, die auf dem 10-Zoll-Touchscreen dargestellt werden. Bei Bedarf werden auch Ladestationen/Tankstellen, Parkhäuser mit den entsprechenden Gebühren, der Wetterbericht sowie lokale Sehenswürdigkeiten angezeigt. Während die Instrumentenanzeige subjektiv betrachtet modern wirkt, ist es beim 10-Zoll-Touchscreen genau das Gegenteil. Die grafische Aufbereitung wirkt nicht mehr zeitgemäß. Die Bedienung des Displays gelang auf Anhieb. Dank Mirror Link können die Funktionen des Smartphones auf dem Touchscreen des Fahrzeugs genutzt werden. Die Funktion ist mit Apple CarPlay und Android Auto kompatibel. Im Falle des Tests gelang die Integration von CarPlay problemlos.

C5 Aircross Hybrid startet bei 40.390 Euro

Der Citroën C5 Aircross Hybrid startet in der Ausstattungsvariante „Feel Pack“ zu einem Basispreis von 40.390 Euro. Die „C-Series“ beginnt bei 40.890 Euro und die höchste Ausstattung „Shine Pack“ bei 44.190 Euro. Von den Preisen kann freilich noch der Umweltbonus inklusive Innovationsprämie und Herstelleranteil abgezogen werden, womit die Basispreise auf 33.212 Euro, 33.712 Euro bzw. 37.012 Euro sinken. Zum Vergleich: In der Ausstattungslinie „Feel Pack“ startet das Benziner-Modell (6-Gang, 96 kW) bei 29.790 Euro, das 8-Gang-Modell (96 kW) bei 32.390 Euro und das Diesel-Modell (96) bei 35.040 Euro.

Bekanntlich wird der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung eines Dienstwagens eigentlich pauschal mit 1 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat besteuert. Die Bemessungsgrundlage für den C5 Aircross Hybrid liegt allerdings nur bei 0,5 Prozent. Der Preisvorteil liegt bei der Dienstwagennutzung also eindeutig beim PHEV.

Übrigens: In Deutschland bietet Citroën Käufern seiner Modelle ë-C4, ë-SpaceTourer, ë-Jumpy und dem C5 Aircross Hybrid in Kooperation mit inno2grid eine Wallbox samt Prüfungs-, Installations- und Wartungsservice an. Wer sich für ein Ladekabel und die Wallbox aus Citroëns Zubehörangebot entscheidet, der kann sich anschließend alle für die Installation nötigen Arbeiten – von einem Vor-Ort-Check bis hin zur Inbetriebnahme – von zertifizierten inno2grid-Elektrikern erledigen lassen. Je nach Aufwand stehen drei Pakete ab 467, 805 bzw. 1.661 Euro zur Verfügung. Nach der Inbetriebnahme kümmern sich die inno2grid-Experten je nach Bedarf auch um die Wartung der Wallbox.

Der Preis des C5 Aircross Hybrid – trotz einem möglichen Preisvorteil gegenüber seinen konventionellen Geschwistern – scheint im Vergleich zu Modellen anderer Hersteller zu hoch. So startet der Kia Niro Plug-in-Hybrid beispielsweise bereits bei 33.990 Euro. Und trotz deutlich kleinerer Batterie (8,9 kWh) bietet das Modell der Südkoreaner mehr E-Reichweite. Preisvorteile könnten sich hier also vor allem durch passende Leasing-Angebote ergeben. Mit Blick auf den PSA-Konzern ist der C5 Aircross jedoch im Vergleich zum Opel Grandland X Hybrid (44.190 Euro), Peugeot 3008 Hybrid (44.100 Euro) und DS 7 Crossback E-Tense (46.580 Euro) der günstigste Plug-in-Hybrid.

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