06.05.2021 - 11:19

New Fiat 500: Der Kleine, der an der 300-km-Marke kratzt

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Das Design ist Vintage, der elektrische Antrieb zeitgemäß: Mit dem New 500 verabschiedet sich Fiat vom Dogma, dass Kleinwagen einen Verbrennungsmotor haben müssten. Unser Autor Christoph M. Schwarzer sieht den neuen Cinquecento im Vergleich der Elektroautos untereinander weit vorne.

* * *

Geht doch. Der New Fiat 500 ist ausschließlich Batterie-elektrisch zu kaufen. Entweder mit einer Nettokapazität von 37 Kilowattstunden (kWh) und 87 kW starkem Elektromotor wie beim Testwagen. Oder bald auch mit 21,3 kWh und 70 kW. Damit antwortet die Fabbrica Italiana Automobili Torino auf den Mini-E. Endlich, denn der weiterhin produzierte Vorgänger ist nach 14 Jahren Bauzeit schlicht veraltet. Und es ist nur konsequent, den New 500 grundsätzlich ohne Verbrennungsmotor anzubieten. Er ist in jeder Hinsicht zeitgemäß und auch im Vergleich der Elektroautos untereinander weit vorne.

Die Form, das sollte jedem klar sein, muss wie bei jedem Retro-Pkw gefallen. Unabhängig vom persönlichen Geschmack lässt sich sagen: Die Proportionen stimmen, kein Detail fällt aus dem Rahmen, alles ist in sich harmonisch. Der Cinquecento von heute ist etwas breiter geworden, wodurch das Raumgefühl innen erheblich gewinnt. Die Länge ist nahezu unverändert. Und noch immer sitzt man relativ hoch. Der New Fiat 500 ist ein bequemes Elektroauto.

Außerdem zieht er ordentlich von der Ampel ab. Ein spritziger Freudenspender. In nüchternen Zahlen mögen neun Sekunden bis 100 km/h nicht überwältigend sein. Aber im Vergleich zum alten 500 mit mildhybridisiertem Dreizylinder und dessen 13,8 Sekunden ist es eine andere Welt. Der New 500 ist mit 1.365 kg Leergewicht ziemlich leicht (jedenfalls für ein Elektroauto) und fühlt sich auch so an.

Die für Fronttriebler typische Traktionsschwäche ist beim Fiat nicht so ausgeprägt wie bei Hyundai oder den PSA-Elektroautos. Die Entwickler mussten die Leistung also nicht von vornherein radikal reduzieren, damit die Kraft auf die Straße gebracht werden kann. Okay, so agil wie ein Renault Twingo beschleunigt er nicht aus der engen Kurve, und auch die Lenkung ist eher leichtgängig als präzise. Aber der Spaß bleibt. Auch nett: Die Wahl zwischen fast widerstandslosem Gleiten im Fahrmodus „normal“ bildet einen echten Kontrast zum One-Pedal-Drive „Range“. Hop oder top.

Auffällig bei New Fiat 500, der in der mittleren Ausstattungsvariante Icon zum Test kam, war die sehr gute Software. Das Bediensystem läuft flüssig und reagiert schnell. Das ist besser als bei den Volkswagen ID.3 und ID.4. Die Sprachsteuerung funktioniert gut. Und die Navigation arbeitet so einwandfrei, dass niemals der Wunsch nach der Spiegelung von Google Maps aufkommt.

Gegen Aufpreis von 1.500 Euro (bei La Prima serienmäßig) ist das Co-Driver-Paket eingebaut. Fiat verspricht die Teilautomatisierung nach Level 2, und der New 500 hält das ein: Sowohl der adaptive Tempomat als auch die Mittelspurführung, die ihren Namen verdient, arbeiten so wie in den modernsten Fahrzeugen der Kompaktklasse. Und das Lenkrad erkennt den Menschen kapazitiv, also über Berührung, während viele Elektroautos auch in höheren Segmenten noch mit dem Zug am Lenkrad von der Anwesenheit überzeugt werden müssen.

Diese Details sind erwähnenswert, weil sie eben nicht selbstverständlich sind. Der New 500 ist eine Neukonstruktion und nicht die x-te Überarbeitung eines Altfahrzeugs. Wer darauf Wert legt, wird es mögen.

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Deutlich besser als zum Beispiel bei der Renault Zoe ist auch der Stromverbrauch. Bei Tempo 130 – auch hier zeigt sich der Fiat durch eine sehr exakte Tachoanzeige modern – ergab die Stichprobe 21 kWh/100 km, woraus 176 km Reichweite resultieren. Ein Autobahnfresser wird der Kleine damit nicht, aber man kommt irgendwie voran, zumal die maximale DC-Ladeleistung von 85 kW (AC-seitig serienmäßig dreiphasig elf kW für beide Batterieformate) während der Testwoche tatsächlich erzielbar war.

Wichtiger für die typischen Einsatzzwecke eines solchen Elektroautos sind die Verbrauchswerte in der Stadt (12,8 kWh/100 km) und über Bundesstraßen (13,8 kWh/100 km). Man liegt also über 250 km Reichweite und dürfte unter Idealbedingungen die 300-km-Marke knacken.

Wer solche Reichweiten ohnehin für Unsinn hält, weil er den Kleinwagen nur für Citytouren und Pendelstrecken braucht, könnte mit der Basisversion Action happy werden. Sie wird demnächst ab 23.560 Euro brutto bestellbar sein. Abzüglich der so genannten Innovationsprämie ergeben sich 14.990 Euro oder die entsprechende Leasingrate. Für Selbstständige und Dienstwagenberechtigte gilt wie üblich: Fragen Sie nach der Rate auf 24 Monate gerechnet. Das ist der Mindestzeitraum für die BAFA-Förderfähigkeit; die in absoluten Zahlen bewilligten Subventionen schlagen sich also relativ gerechnet besonders stark nieder. Darüber hinaus greift die Reduzierung der Bemessungsgrundlage für die Versteuerung des geldwerten Vorteils der Privatnutzung von einem Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat auf nur ein Viertel dessen.

Der Testwagen Fiat 500 Icon war mit etlichen Extras auf 35.560 Euro vor Prämie nicht gerade billig. Aber auch hier sind nach Abzug der Prämie lediglich 26.990 Euro oder halt der Leasingrate ganz sicher viele Kunden zu finden, die einfach Lust auf den Fiat haben. Teurer geht natürlich immer: Das Cabrio und die Karosserie mit zwei Türen rechts und einer links namens „3+1“ (damit die Bambini nur zum Fußweg hin aussteigen können) kosten noch etwas mehr.

Ein abschließender Gruß geht an all jene Kerle, die den schnellen Fiat in teils waghalsigen Manövern überholt haben und aus deren Gesicht beim Anblick des Autors dieses Beitrags herbe Enttäuschung sprach. Sorry, Guys. Die Lackierung in Rose Gold provozierte etliche Menschen darüber hinaus zu sexistischen Kommentaren. Fiat wird sich dieses Umstands bewusst sein und wahrscheinlich eine Alternative anbieten: Wenn es vom New 500 nicht auch einen scharfen Abarth geben wird, wäre das wirklich bedauerlich.

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10 Kommentare zu “New Fiat 500: Der Kleine, der an der 300-km-Marke kratzt

  1. Bertold Durst

    All das habe ich schon seit über einem Jahr im e-up!
    Warum wird dieser mit seinen Schwestern von Seat und Skoda nie zum Vergleich herangezogen?
    Preis ca.22.000€, Reichweite 260km (erreicht!) Und was für eine solide Verarbeitung!

    • Frank

      Absolut korrekt. Leider gibt es für keinen der Drillinge eine brauchbare Sitzoption.

  2. Uwe

    Fahre den 500e seit Anfang März als Cabrio.
    Realistischer Verbrauch 18 kW, Reichweite real auf Strecke (Schnitt 110 km/h) 200 km mit Restreichweite 50 km, Ladegeschwindigkeit an Ionity Start 82, zum Ende 45.
    Das sind die objektiven Punkte.

    Subjektiv: Traumauto! Wann immer es darstellbar ist, fahre ich mit dem 500er. Mit ständig wachsender Begeisterung.

    • Uwe

      Habe den letzten Satz mit dem Abarth zu spät gelesen -> ein solcher wäre die einzige Grund, unseren La Prima wieder abzugeben…

  3. Matthias

    “Das Design ist Vintage”, aber nur halbherzig zurück-gesetzt, ist trotz Neukonstruktion noch oder wieder mit dem verbrennertypischen für Elektro ungeeigneten Frontantrieb. Der Original 500er (wir hatten einen “Rucksack” in hellblau) hat ein Heckmotörchen und Heckantrieb, war als Abarth oder Steyr-Puch 650 bei Bergrennen eine Macht gegen die ebenfalls heckgetriebenen NSU TTS. Der Honda e macht das besser.

  4. Wolfgang

    Ich fahre den 500 seit Dezember 2020. Das Auto hat eine schönes Design. Das Auto macht auch Spaß, wenn der Co-driver und die meisten-Programme ausgeschaltet sind. Was leider nicht immer möglich ist.
    Schlecht arbeiten u.a. der Lane-assist (zieht das Auto immer mal wieder unvermittelt auf die falsche Seite, egal ob Gegenverkehr oder freie Strecke), die Verkehrszeichenerkennung (Zeichen werden garnicht erkannt oder viel zu spät angezeigt. Mit hundert in die Ortschaft und nach 400m der erste Hinweis), der Co-driver (setzt mehr aus als das das Programm aktiv ist, meistens wegen der Witterung wie Sonnenstand, Regen, Nebel, oder schlechte Sichtverhältnisse. Das liegt an der ausschließlich Kamera basierten unterstützung der Programme).
    Gefährlich wird es während der Autofahrt, wenn der Co-driver während der Aktivierung unvermittelt ausschaltet und stark abbremst, ohne Rücksicht auf Verkehrslage. Da sehe ich den Unfall.
    Dass das Betriebssystem regelmäßig resettet werden muss, kann fast schon als charmante Eigenart umschrieben werden.
    Aber das mit Autonomen Fahren 2 zu bewerben und ein Haufen Geld zu verlangen, ist unverschämt.
    Es gibt auch positives zu berichten, der Verbrauch ist hoch, aber das Auto lädt schnell und unkompliziert. Die Heizung arbeitet ordentlich, die Sitzheizung schaltet sich rasch (nach 1 min) selbsttständig ab, so kann man sich nicht verletzen. Und der 500 fährt sich gut, wenn…..

  5. Wolfgang

    Ich fahre seit Dezember 2020 einen Fiat 500. Das Auto hat ein wirklich schönes Design. Es fährt sich auch gut, wenn nicht die Assistenzprogramme und der co-driver wären. Alle Programme arbeiten schlecht.
    Der Lane-assist zieht das Auto immer wieder unvermittelt auf die Gegenfahrbahn, auch wenn Fahrzeuge entgegen kommen. Die Verkehrszeichenerkennung erkennt entweder gar keine Schilder oder eindeutig zu spät. So rast man z.B. mit überhöhter Geschwindigkeit 400 m in die Ortschaft und wird erst da auf eine neu erkannte Geschwindigkeit hingewiesen. Der co- driver schaltet sich mehr ab als das er läuft. Das Kamera basierte Programm reagiert hypersensibel auf alle Witterungsverhaltnisse, wie Sonnenstand, Regen, Schnee, Nebel und lässt sich entweder nicht aktivieren oder schaltet plötzlich ab. Das führt immer wieder zu gefährlichen Fahrsituationen, da mit dem Abschalten auch ein vehementes Abbremsen einhergeht. Egal, welche Verkehrsverhältnisse und Verkehrsdichte herrscht und ob nachfolgender Verkehr beeinträchtigt wird.
    Das manche Bauteile nicht verbaut wurden trotz Ausstattungsliste kann schon vernachlässigt werden.
    Aber auch Positives gibt es zu berichten. Das Auto fährt ansonsten sicher, wenn die Programme ausgeschaltet sind. Es verbraucht zwar viel, lädt dafür aber fix und unkompliziert. Dass das Betriebssystem regelmäßig resettet werden muss und die Fahreinstellungen vergisst, kann sogar als charmante Eigenart des Fahrzeugs benannt werden.

    Dass das gesamte Paket unter autonomes fahren 2 beworben und verkauft wird, ist unverschämt, so auch der Preis, den man dafür zählt.

  6. Thomas

    Auch wenn ich als Mann doch lieber einen ID.3 gekauft hätte, muß ich feststellen, daß der 500e (meiner Frau 😉 ) einen hohen Spaßfaktor hat und mein Firmen-Diesel nur noch rumsteht. An die Co-Driver Funktion habe ich keine hohe Erwartungshaltung und bin daher auch nicht enttäuscht. Das kann mein Firmenwagen für deutlich mehr Geld auch nicht besser. Aber der Wagen entlockt mir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder sowas wie Freude am Fahren. Hier habe ich endlich das Gefühl, die Entwicklung in die richtige Richtung zu unterstützen. Es hat sich ausgenagelt. 🙂

    • Ede-Wolf

      Bonjour,

      mein Firmenwagen (Diesel SUV) hat einen exzellenten Co-Driver. An diese Technik habe ich extrem hohe Erwartungen – wie grundsätzlich an alles wofür ich bezahle!

  7. Reiner

    Was noch erwähnenswert ist, man sitzt auch gut als Großgewachsener über 1,90m. Das Lenkrad kann nun endlich auch axial verstellt werden und nicht nur in der Höhe. Zudem kann man den Sitz so hoch einstellen, dass die Oberschenkel auch noch vom Sitz unterstützt werden. In einem in der Klasse darüber befindlichem neuen Opel Cor.. sitzt man als Großgewachsener bescheidener.

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06.05.2021 11:20