04.11.2021 - 09:45

VW: Konflikt zwischen Diess und Betriebsrat spitzt sich offenbar zu

herbert-diess-symbolbild-2019-min

Der VW-Betriebsrat soll Medienberichten zufolge Konzernchef Herbert Diess das Misstrauen ausgesprochen haben. Im Aufsichtsrat wurde nun ein Vermittlungsausschuss eingesetzt. Bei dem Streit geht es bekanntlich um einen möglichen massiven Stellenabbau – aber auch die Rolle der einzelnen Werke bei dem Umstieg zur Elektromobilität.

Wie unter anderem das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, hat sich nicht nur der Betriebsrat gegen Diess gestellt, auch Aufsichtsratsmitglied und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil soll von Diess abgerückt sein – beide Parteien waren dem Bericht zufolge sehr unglücklich über die vorangegangenen Aktionen von Diess. Als er etwa bei der Aufsichtsratssitzung Ende September einen Abbau von 30.000 Stellen in den Raum gestellt habe. Oder mit dem Vorhaben, zu einer Investorentagung in die USA zu fliegen anstatt an der für diesen Donnerstag in Wolfsburg angesetzten Betriebsversammlung teilzunehmen. Dass er zu seiner im Gegenzug angesetzten Info-Veranstaltung Betriebsratschefin Daniela Cavallo nicht eingeladen hatte, war offenbar eher unwichtig.

In dem ausgesprochenen Misstrauen und dem nun eingesetzten Vermittlungsausschuss sieht das „Handelsblatt“ den „Auftakt einer Diskussion, an deren Ende er seinen Posten verlieren könnte“. Neben dem Ärger über den möglichen Stellenabbau und dem internen Auftreten gegenüber dem mächtigen Betriebsrat soll es laut dem Bericht im Aufsichtsrat auch Kritik am operativen Geschäft gegeben haben – etwa den Zahlen aus China und dem problematischen Anlauf neuer Modelle.

Während der Betriebsrat auch nach dem Wechsel an der Spitze von Diess’ jahrelangem Kontrahenten Bernd Osterloh zu Daniela Cavallo den Konzernchef heftig kritisiert, steht laut dem „Handelsblatt“ die Porsche SE weiter hinter Herbert Diess. Die Holding, in der die Familien Pirsche und Piëch ihre Anteile gebündelt haben, sei zwar nicht in dem Vermittlungsausschuss vertreten, sei aber in die Gespräche eingebunden.

– ANZEIGE –

INSYS

Bis der Vermittlungsausschuss zu einem Ergebnis kommt – möglicherweise bis Anfang Dezember – werden wichtige Entscheidungen im operativen Geschäft ausgesetzt. Dazu zählen etwa noch nicht freigegebene Investitionen. Einige Insider sprechen aus diesem Grund davon, dass der Konzern derzeit „blockiert“ sei.

Herbert Diess will den Konzern weiter auf die Elektromobilität trimmen und etwa die hausinterne Software-Entwicklung stärken. Zudem sollen die Werke effizienter werden – am Beispiel des Stammwerks Wolfsburg war der Konflikt mit dem Betriebsrat zuletzt eskaliert. Der Betriebsrat hat sich dabei nicht gegen den Wandel zur Elektromobilität ausgesprochen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Diess seinen Kurs vorantreibt.

Es hatte sich zwar wie berichtet als Kompromiss abgezeichnet, dass Wolfsburg die Überlaufproduktion des ID.3 und ID.4 aus Zwickau erhalten könne – und somit noch vor dem für 2026 angekündigten E-Flaggschiff in die Elektroauto-Produktion einsteigen würde. Die sogenannte Planungsrunde, in der Volkswagen Modelle auf die weltweiten Werke verteilt (und so deren Auslastung beeinflusst) musste zuletzt von Mitte November auf Dezember verschoben werden.

Bei der Betriebsversammlung am Donnerstag hat Diess seinen Kurs wenig überraschend verteidigt. „Die Zukunft ist elektrisch. Und digital“, so Diess laut dem Redemanuskript. „Mit unserer NEW AUTO Strategie können wir den größten Wandel seit der Erfindung des Automobils Anfang des 20. Jahrhunderts schaffen.“ Er betonte, dass gemäß dieser Strategie der Verkauf der Verbrenner den Wandel zum „elektrischen digitalen vollvernetzten Auto“ finanziere – allen voran die in Wolfsburg gebauten Golf und Tiguan.

Aber: „Ja, ich mache mir Sorgen um Wolfsburg!“ Bleibt aus seiner Sicht der Wandel aus, deutet Diess erneut einen möglichen Stellenabbau an: „Mein Appell daher an Sie: Steuern Wir um! Machen Wir Volkswagen zukunftssicher. Ich möchte, dass Ihre Kinder und Enkelkinder auch 2030 noch einen sicheren Job hier bei uns in Wolfsburg haben können. Darum geht es mir heute. Deswegen bin ich da.“

Große Hoffnungen setzt Diess auf den Trinity. „Trinity ist für Wolfsburg aber nicht nur die Bezeichnung für ein Auto, sondern für den gesamten Wandel: wir planen schnellere Produktionszeiten und effizientere Formen der Zusammenarbeit“, so der Konzernchef. „Es ist die Revolution für Wolfsburg. Mit diesem Projekt werden wir Auto-Produktion völlig neu denken.“

Betriebsratschefin Daniela Cavallo bekräftigte ihre Forderung nach einem vorzeitigen E-Modell für den Standort und forderte vom Vorstand mehr Verlässlichkeit ein. „Uns ist eindeutig bewusst, dass sich sehr viel im Zuge der Elektromobilität und Digitalisierung verändern wird, sogar muss, damit wir auch zukünftig konkurrenzfähig und erfolgreich sein können“, so Cavallo. „Wir brauchen aber schon vor 2026 ein weiteres E-Modell für Wolfsburg.“

Übrigens: Zu der von Cavallo kritisierten Nähe zu Tesla („Da muss ich Ihnen ehrlich sagen: die Faszination, die Sie offenbar gegenüber Herrn Musk empfinden und den Elan, den Sie in die Kontaktpflege mit ihm stecken, das würden wir Beschäftigten uns auch für unsere aktuell großen Herausforderungen im Konzern sichtbar wünschen.“) sagte Diess: „Ich werde oft gefragt, warum ich uns andauernd mit Tesla vergleiche. Ich weiß, dass es einige nervt. Aber es ist meine Aufgabe und die des gesamten Managements den Wettbewerb richtig einzuschätzen, den Konzern darauf vorzubereiten und zukunftssicher zu machen.“ In der Verbrenner-Welt sei VW „Spitze“. In der „neuen Welt“ seien aber andere Stärken gefragt. „Vor allem Software wird darüber entscheiden, wer sich wie viel Marktanteile sichern kann“, so Diess. „Heute setzt hier Tesla die Standards. Die bauen das Auto um die Software herum.“
handelsblatt.com, automobilwoche.de (Redemanuskript Diess), automobilwoche.de (Redemanuskript Cavallo)

– ANZEIGE –

Stellenanzeigen

Area Sales Manager (m/w/d) Nordrhein-Westfalen

Zum Angebot

Sales Executive - DACH Region

Zum Angebot

Produktbetreuer nationale Gebäude- & E-Ladeinfrastruktur (m/w/d)

Zum Angebot

17 Kommentare zu “VW: Konflikt zwischen Diess und Betriebsrat spitzt sich offenbar zu

  1. Birne

    Wenn der Betriebsrat es nicht lernt, sollen die doch Dies raushauen, dann hat Telsa bald einen neuen CEO Europe 😀

    Wie d*** muss man in Wolfsburg eig. sein….

  2. Bernd

    Schon lustig der bekloppte WOB-Betriebsrat – Osterloh der ewig gestrige Dieselstinker.

    Der wollten doch damals die ID-Modelle da oben nicht. Und nun wo Zwickau es übernommen hat und die Modelle weggehen wie warme Semmeln (was vorherzusehen war) schreien die auf einmal danach. Man sollte den ganze WOB-Betriebsrat vor die Tür setzen aber nicht den Herrn Diess.

    Weil ganz klar der WOB-Betriebsrat für die Minderauslastung verantwortlich ist.
    Unglaublich wie diese ungebildeten Leute die Fakten verdrehen.

    • David

      Weißt du was das schlimmste ist? Dass genau das stimmt, was du da schreibst. Aber Diess wusste das, als er antrat.

      Die Arbeitnehmervertretungen müssen aufpassen, weil ihre Tendenz immer in die Vergangenheit gerichtet ist. Törichte Menschen mit niederen Beweggründen. Ich finde, heute haben Arbeitnehmer bessere Vertreter verdient.

      Ich denke, alleine den Betriebsrat wird Diess handeln können. Aber das Land Niedersachsen ist offensichtlich auch auf der Bremser-Seite. Das finde ich fatal!

      • BEV

        sobald Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und vor allem der eigene Kopf, dann ist schnell alles andere vergessen

  3. Robert

    ich befürchte wenn Diess geht wird es nicht mehr lange dauern bis VW dann Konkurs anmelden kann

  4. BEV

    Hauptsache die Arbeitsplätze erhalten, was danach kommt spielt keine Rolle, dann kostet es am Ende noch viel mehr Arbeitsplätze.

  5. Stefan Balz

    VW ohne Diess gebe ich dann noch max 24 bis 48 Monate.

  6. Sebastian

    Als Diess würde ich die Vertrauensfrage stellen und fertig. Der Mann ist mit Leib, Seele und Herz dabei… wenn die verstaubten Hirne ihm das kaputt machen wollen, das sollen sie es eben machen. Aber dann sind nicht 30.000 Jobs weg, sondern alle.

    • BEV

      nötig hätte er es bestimmt nicht noch weiter zu machen, sein Ego vielleicht.
      Echt schade, wenn es so enden sollte…

      • Sebastian

        Herbert kann zu Tesla… Sein Kumpel Elon hat eh nur noch den Mars und SpaceX im Sinn… Herbert als CEO… feuchte Träume überkommen mich.

  7. D-Tric

    Autos werden nun mal von den Mitarbeitern entwickelt und gebaut. Wenn Diess es nicht schafft, diese mitzunehmen, dann macht er an der Stelle einfach was falsch, egal wie gut seine Ideen und Zukunftspläne ansonsten sein mögen. Es geht hier ja nicht um für oder gegen die Elektromobilität, sondern um Stellenabbau in großem Stil, der im Raum steht. Damit muss man sensibler umgehen als Diess es anscheinend macht. Ich bin ansonsten ein großer Fan von ihm – trotzdem (oder grade deshalb) erlaube ich mir aber diese Kritik.

    • sig

      ist „der Betriebsrat“ „Mitarbeiter“?
      die sind doch nich fürs Arbeiten bekannt.
      Winterkorn erhält noch immer 3000 Eur pro Tag „Erfolgsprämie“ dakönnte man schon einige Arbeitsplätze sichern.

    • Ludwig

      Das ist richtig. Bei VW wurde über Generationen eine sehr starke Machtstruktur von ‚oben‘ nach ‚unten‘ gelebt. Dieser autoritäre und angstprägende Führungsstil ist, meiner Meinung nach sehr stark in vielen MA’s verankert. Neues ist ungewiss und macht Angst. Ich bin überzeugt, dass Herr Diess nur das Beste für VW will, aber an den Ja-Sagern und Nein- Denker scheitert.

  8. C. Brinker

    Wolfsburg und seine betriebsratgesteuerte Arbeitnehmerschaft mit den wohl deutschlandweit fettesten Haustarifverträgen sind einfach zu satt… dass dann das Land auch noch in das gleiche Horn bläst, ist nur noch peinlich… die Realitäten wahrnehmen und nicht an der Vergangenheit festhalten war aber noch nie eine Stärke des hoch bezahlten BR Vorstands

  9. K. Freising

    „Hier ist nicht ein Mensch zu viel an Bord!“
    Allein schon diese Aussage von Frau Cavallo ist natürlich blanker Unsinn oder bewusste Falschaussage, wie man‘s nimmt. Das bestätigen im direkten Gespräch gerne Tausende von VW-Beschäftigten – mit Schmunzeln oder hochgezogener Augenbraue, je nach Vorliebe.

  10. Ludwig

    Das Problem bei VW sind alte Strukturen und viele Mitarbeiter sind nicht bereit neue Wege zu gehen. Mit der Benennung von Frau Cavallo war ich überzeugt, dass eine gemeinsame Strategie und Friede in den Konzern einzieht. Scheinbar ist Frau Cavallo von den ewig gestrigen Osterloh stark beeinflusst und nicht in der Lage modern und zukunftsorientiert zu denken und zu handeln, schade. Ich hoffe nur, dass der Aufsichtsrat vernünftig und im Sinne einer erfolgreichen Zukunft von VW sich für Herr Diess entscheidet und Osterloh mit einen guten Angebot entlässt.

    • Hans Herbert

      Wäre das ein weiterer Beleg dafür, dass Schwarmintelligenz nicht unbedingt zu besserem Erfolg führt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2021/11/04/vw-konflikt-zwischen-diess-und-betriebsrat-spitzt-sich-offenbar-zu/
04.11.2021 09:30