25.11.2021 - 09:19

VW: Zukunft von Konzernchef Diess wohl weiter unklar

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Der Machtkampf in Wolfsburg ist offenbar immer noch nicht gelöst. Laut einem Medienbericht gibt es im Aufsichtsrat noch keine Entscheidung darüber, ob der in die Kritik geratene Vorstandsvorsitzende Herbert Diess abberufen werden soll oder nicht. Aber: An wichtigen Gesprächen zu den Zukunftsinvestitionen soll Diess derzeit nicht beteiligt sein.

Parallel zur Causa Diess berät der Aufsichtsrat derzeit bekanntlich über die sogenannte Planungsrunde. Dabei wird festgelegt, welche Modelle in welchem Werk gebaut werden – was bei einem Zuschlag entsprechende Investitionen nach sich zieht, beim Wegfall eines Modells drohen Einbußen und Stellenstreichungen.

Wie nun das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, soll in diesem Jahr „der Vorstandschef, der sonst eine zentrale Rolle einnimmt, in der Planungsrunde weitgehend außen vor“ sein. Stattdessen würden die Gespräche mit den Betriebsräten vor allem von den Chefs der Konzernmarken sowie Porsche-Chef Oliver Blume in seiner Funktion als Konzern-Produktionsvorstand und Personalvorstand Gunnar Kilian geführt.

In dem Bericht heißt es, Diess werde über die Beratungen zur Belegung der Werke „etwa in Hannover, Wolfsburg und in anderen Regionen informiert“. Laut den Konzernkreisen sei er aber nicht „direkt involviert“. Auch der derzeit diskutierte Vorstandsumbau – laut dem „Handelsblatt“ soll VW-Markenchef Ralf Brandstätter in den Konzernvorstand aufrücken und die einst im Zuge von Dieselgate von außen geholte Rechts-Vorständin Hiltrud Werner durch einen internen Kandidaten ersetzt werden – gehe nicht auf die Initiative von Diess zurück.

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Offen ist aber, was all diese Entwicklungen für die Zukunft des Konzernchefs bedeuten. Die einen sehen ihn angezählt und „eingezäunt“, wenn derartige Entscheidungen ohne Zutun des Vorstandsvorsitzenden fallen. Andere sehen es als den Kompromiss, der Diess im Amt halten könnte: Die Verantwortung im Tagesgeschäft tragen andere, Diess soll sich auf die großen strategischen Entscheidungen konzentrieren.

Während der Österreicher mit seinem Führungsstil vor allem beim Betriebsrat aneckt und zunehmend auch die niedersächsische Landesregierung gegen sich aufgebracht hat, sollen dem Bericht zufolge die Familien Porsche/Piëch weiter an Diess festhalten – genau wegen seiner strategischen Entscheidung, den Konzern auf einen radikalen Elektrokurs zu bringen. Das habe am Kapitalmarkt Vertrauen aufgebaut.

Die entscheidende Aufsichtsratssitzung zur Planungsrunde soll am 9. Dezember stattfinden. Ob und wie dann auch eine Entscheidung über Diess fällt, ist unklar. Als sich das Aufsichtsratspräsidium am Dienstagabend zu Beratungen getroffen haben soll, sei auch nach vier Stunden keine Annäherung bei der Spitzen-Personalie in Sicht gewesen. „Es war zäh und frustrierend“, heißt es aus dem Umfeld.
handelsblatt.com

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15 Kommentare zu “VW: Zukunft von Konzernchef Diess wohl weiter unklar

  1. Thomas

    Ist der VW Aufsichtsrat von der Konkurrenz unterwandert? Anders lässt sich das Sticheln gegen Diess nicht erklären.

  2. Naaa

    Man man man, wie kann man nur so mit seinem besten Pferd im Stall so umgehen!

    • Thomas F

      Man muss Diess nicht mögen, aber er hat VW aus dem Betrugssumpf herausmanövriert und agiert, wenn man bedenkt, mit welchen Altlasten er zu kämpfen hat, erfolgreich in die richtige Richtung. Ich an seiner Stelle hätte genug und würde mich woanders einbringen.

  3. Insider

    Das gute ist das Herr Blume die selbe schiene fährt wie der Herr Diess. Aber Herr Diess bleibt VV bei VW das ist klar.

  4. RK

    Wenn Diess fällt, wird es schwierig für VW. Dann sinkt möglicherweise das mühsam aufgebaute Vertrauen der Finanzmärkte wieder. Es gibt auch einfach sehr viele Entscheider bei VW, die immer noch nicht von der Elektrostrategie überzeugt sind und auf Alternativen setzen wollen. Wenn sich das durchsetzt und die Strategie aufgeweicht werden sollte, dann wird es schwer für VW sich in der Breite zu behaupten.
    Aber selbst wenn er bleiben sollte, kann es durch diese ganzen internen Verfahren und Streitigkeiten dazu führen, dass er als lame duck nicht mehr genügend Druck hinter seine strategischen Entscheidungen bringt.

  5. Sepp Mayr

    VW muss froh sein um so einen TOP Mann, BMW hat es verbockt, die wirken planlos, Diess aber nicht.

  6. Peter Weber

    Kann meinen Vorrednern nur zustimmen.
    Dem Einzigen, dem man in der deutschen Automobilindustrie diesen extremen Wandel zutraut, ist nun mal Dies.
    Ich für meinen Teil werde , beim Weggang von Dies, mein Kapital aus VW herausziehen…andere werden folgen.
    Betriebsräte sind gut und wichtig. Jedoch haben schon einige grosse Betriebsräte durch Masslosigkeit, Kompromissunvermögen, Machthunger und falschen Zielen grosse Unternehmen zu Fall gebracht.
    Gerade bei einem solchen grossen, geschichtsträchtigen Umbau eines grossen Unternehmens…(nein Umbau von ganz Deutschland) kann man nur zusammen Grosses bewirken. Puuhhh…was für ne Ansprache 😉

  7. Sebastian

    so blöd kann VW wirklich nicht sein. Es fehlen einem die Worte, wie vernagelt der Laden ist. Am Ende werden nicht 30.000 Stellen wegfallen, sondern alle. Dann hat der Betriebsrat gewonnen und die Mitarbeiter müssen nicht mehr sooo viel arbeiten.

  8. Gerd

    Nachdem ich schon oft den richtigen Zeitpunkt für einen Aktienverkauf zwar geahnt, aber nicht genutzt habe, gehe ich jetzt mal anders vor 😉
    Alle VW-Aktien heute verkauft.
    Mein Bauch sagt mir: Wenn Diess geht, geht es mit VW bergab.

  9. Gerd Heinrich

    Diesmal spürt man die dunkle Seite der Macht beim Betriebsrat und nicht im Vorstand.

    Klassisch wäre dann, wenn das Reich VW nach der Enthauptung „zerfällt“ ….sprich im fallenden Aktienkurs letztlich aufgekauft und zerschlagen wird.

  10. Oliver Probst

    Das Ganze sieht für mich aus, als solle Herr Diess zum freiwilligen Weggang bewegt werden. Ich bin gerade dabei, mein, nach dem Dieselgate, neu gewonnenes Vertrauen in den VW Konzern zu verlieren und wünsche dann nur noch eine gute Reise. Wenn es dann dumm läuft, muss der Betriebsrat dann auch lange nicht mehr soviel Personal vertreten.

  11. Nostradamus

    Herbert Diess zeigt sich als Manager der gerne als „Entertainer“ in Rampenlicht steht! Seit sein Antritt auf die VW Spitze gab es noch nicht ein Tag wann seinen Aussagen in Fachmedien nicht erschienen haben! Ein absolutes Nervensäger! Dazu kommt noch seiner Heuchelei: Er ständig schreit für E-Mobilität, in Hintergrund verdient er Geld mit Verbrenner, einen schnellen Ausstieg hat er nicht in Plan! Die Chefs von Daimler und BMW sind viel diskreter aber klarer und entschlossener. Die Orientierung des VW in Richtung E-Mobilität ist sein Erfolg. Seine politischen, humanistischen und strategischen Fehler ist der Ausrutscher, dass er will 30.000 seinen Mitarbeiter entlassen! Einfach so, über Nacht. Ohne ein Wort Erklärung was sind die Ursache und was sind die Lösungen für die brennenden Problem der ineffizienten wirtschaftlichen Prozesse in VW, die sind schon längst bekannt. Der Überzahl von Mitarbeiter ist nicht der einzelne Grund, dahinter steckt viel mehr was verbessert und geändert werden muss. Der Gewalt dieser Art kann weder VW noch die gesamte Deutsche Gesellschaft nicht akzeptieren.

    • Simon Saag

      Ja, Herbert Diess ist eine Nervensäge. Das ist sein Führungsstil, das war aber auch schon von BMW bekannt. So will er seine Leute anspornen. Keine Ruhe geben, kein „Ist ja gut“. Genau deswegen hatte ihn VW auch 2014/2015 geholt.

      Und sorry, einfach so über Nacht wollte er keine Stellen streichen und erst recht nicht ohne Begründung. Das Problem ist bekannt: Wolfsburg ist zu langsam und baut mit zu vielen Leuten zu wenige Autos. Verschuldet durch nicht ideales Management und realitätsferne Forderungen des Betriebsrats. Letzteres ist meine Interpretation.

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https://www.electrive.net/2021/11/25/vw-zukunft-von-konzernchef-diess-wohl-weiter-unklar/
25.11.2021 09:46