24.03.2022 - 10:36

Audi Q4 e-tron: Progressiver MEB-Stromer im Test

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Auch wenn VWs und Skodas immer hochwertiger werden: Die Marke mit dem Premium-Anspruch im VW-Konzern ist und bleibt Audi. Doch wird der Audi Q4 e-tron diesem Anspruch trotz Plattform-Bruderschaft im Elektro-Zeitalter ebenfalls gerecht? Die Antwort liefert der nachfolgende Fahrbericht.

* * *

Nach ausführlichen Tests mit dem VW ID.4 und dem Skoda Enyaq stand mit dem Audi Q4 e-tron der Test eines weiteren MEB-Modells an. Als Testwagen haben uns die Ingolstädter den Q4 40 e-tron zur Verfügung gestellt, der mit seinem Heckantrieb auf eine Leistung von 150 kW kommt.

Da stand er also – in der auffälligen Lackierung „Auroraviolett Metallic“. Außen hat Audi versucht, dem MEB-Modell die eigene Charakteristik wortwörtlich aufzudrücken. Das lässt die Front unschwer erkennen. Der geschlossene Kühlergrill wirkt ein wenig wie aus der Verbrennerzeit gerettet. Und dennoch wirkt das äußere Design in sich stimmig. Darüber hinaus vermittelt das Modell dank der kurzen Motorhaube – vor allem im Vergleich zum e-tron quattro – gleichzeitig: Ich bin kompakt, aber noch immer ein Audi. Material, Qualität und Anmutung stimmen.

Viel Platz im Kompakt-SUV

Bekanntlich sitzt man jedoch hinter dem Lenkrad und genau da nahm ich nun auf dem sehr bequemen Sitz mit gutem Seitenhalt Platz. Trotz der kompakten Abmessungen ist das Platzangebot im elektrischen Q4 vorn wie hinten großzügig. Nicht unwichtig: Die Sitzplätze im Fond bieten auch großen Personen genug Kopf- und Beinfreiheit. Auch wenn man oft von Kompakt-SUV spricht: Kompaktklasse ist das nicht mehr.

Apropos Platzbedarf. Nur, um diesen wichtigen Punkt nicht zu vergessen: Der Kofferraum fasst 520 Liter und damit so viel wie beim Verbrenner-Modell Q5. Ausreichend! Wer einen größeren Kofferraum benötigt und ein MEB-Modell möchte, der sollte sich den VW ID.4 mit 543 Liter oder den Skoda Enyaq mit sogar 585 Liter anschauen.

Und dann wäre da noch die beliebte und mittlerweile als Running Gag gestellte Frage nach der Anhängerkupplung. Ja, die gibt es! Ungebremst können mit dem Hecktriebler bis zu 750 Kilogramm und gebremst bei bis 12 Prozent Steigung 1.000 Kilogramm (bei 8 Prozent Steigung 1.200 Kilogramm) gezogen werden.

Auch wenn er ein paar Liter weniger verstauen kann: Bei Platzangebot und Stauvolumen kann der Q4 überzeugen – Häkchen gesetzt. Kommen wir wieder zurück zum Interieur. Für Audi-Verhältnisse ist hier – vor allem an den Türen – recht viel Hartplastik verbaut worden. Und dennoch ist die Qualität insgesamt höher als bei anderen MEB-Modellen – speziell mit Blick auf die ID.-Reihe. Der gewohnten Premium-Qualität kann Audi hier allerdings nicht ganz gerecht werden.

Bekanntes Bedienkonzept und Infotainment

Die Bedienelemente wirken hingegen recht hochwertig. Im Vergleich zu VW und Skoda sind sie deutlich konventioneller gehalten. Das muss kein Nachteil sein. Ein Beispiel: Die Klimatisierung wird noch über haptische Bedienelemente gesteuert. Bei VW und Skoda geschieht dies über Touch-Elemente, was mich auf Dauer dann doch etwas nervte. Touch-Buttons kommen bei Audi hingegen u.a. am Lenkrad zum Einsatz. Diese reagieren für meine Begriffe recht empfindlich.

Im Vergleich zum ID.4 oder Enyaq verbaut Audi ein erheblich größeres Fahrerinformationsdisplay, auf dem dadurch wesentlich mehr Informationen bereitgestellt werden können – inklusive dem Navigationssystem und dem Kartenmaterial von Google Maps.

Während sich VW und Skoda beim System und der Bedienung ähneln, schlug Audi einen eigenen Weg ein und orientiert sich eher an dem aus anderen Modellen bekannten MMI-System. Die Bedienung über das in der Mitte angebrachte Touch-Display läuft geschmeidig, wofür nicht zuletzt auch der gleiche Infotainment-Prozessor wie im größeren e-tron sorgt. Wer schon mal einen aktuellen Audi gefahren ist, wird bei der gesamten Bedienung auf Bekanntes treffen.

Vertraut ist auch die Ladeplanung, wie wir sie aus dem Audi e-tron GT kennen. Auch die zeigte sich im Test wie bereits in der sportlichen Reiselimousine mit den typischen kleinen Macken, aber insgesamt recht zuverlässig. Auch da war – „war“ deshalb, weil VW und Skoda hier mit einem Update bereits deutlich nachgebessert haben – der Q4 e-tron vor dem ID.4 und Enyaq.

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Wie fährt sich der Audi Q4 e-tron?

Während sich Audi bei den bereits erwähnten Punkten von den Schwestermodellen unterscheidet, sieht dies beim Antrieb naturgemäß anders aus. Als MEB-Modell kommt im Audi Q4 40 e-tron der aus dem Modularen E-Antriebs-Baukasten bekannte Heckmotor mit 150 kW zum Einsatz. Auch die anderen Werte wie Drehmoment (310 Nm), die Beschleunigung (von 0 auf 100 km/h in 8,5 Sekunden) und die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h kennen wir bereits. Wer es schneller mag, der muss zum Allradmodell greifen. Kleiner Fun Fact: Dadurch wird aber auch der Wendekreis größer. Denn der Q4 40 e-tron kommt auf 10,2 Meter (ein VW e-Up übrigens auf 9,8 Meter) und beim Allradmodell liegt dieser bei 11,5 Meter. Der kleinere E-Motor und die zusätzlichen Antriebswellen an der Vorderachse sorgen dafür, dass die Räder nicht so weit eingeschlagen werden können.

Der Antrieb beim 40er ist mehr als ausreichend dimensioniert und bringt den Q4 e-tron entsprechend auf Tempo. Besonders hervorzuheben ist das adaptive Fahrwerk, das für sehr hohen Fahrkomfort sorgt und sich hier positiv vom ID.4 abhebt. Leicht sportliche Züge, aber auch Komfort nahezu wie bei einer Reiselimousine sind möglich. Und: Im Vergleich zum ID.4 oder Enyaq ist es im Q4 e-tron auch leiser.

Die Bezeichnung 40 im Modellnamen steht nicht nur für den Antrieb, sondern auch für die Größe des chemischen Speichers. Während die kleinste Variante nur eine 52-kWh-Batterie (netto) verbaut hat, ist das 40er-Modell mit einer 76,6-kWh-Batterie (netto, brutto: 82 kWh) ausgestattet.

Und wie weit komme ich damit?

Je nach Ausstattung sollen 440 bis 515 Kilometer nach WLTP (kombiniert) zurückgelegt werden können. So verspricht es das Datenblatt. In der Praxis sieht das bekanntermaßen anders aus: Bei Fahrten vorwiegend innerorts und auf Landstraßen lassen sich ohne große Anstrengungen Verbrauchswerte zwischen 16,5 und 18 kWh auf 100km erzielen – netto wohlgemerkt. Grundsätzlich sind also Reichweiten von rund 430 bis 470 Kilometern möglich. Bei Autobahnfahrten sind rund 21 kWh/100km möglich, wodurch sich Reichweiten von rund 300 bis 360 Kilometern ergeben. Wer jedoch überwiegend höhere Geschwindigkeiten fährt, wird mit einem wesentlich höheren Verbrauch bestraft, der dann auch die 23-25 kWh/100 km überschreiten kann. Bei den Verbrauchswerten und Reichweiten ist der Q4 e-tron letztlich auf Augenhöhe mit ID.4 und Enyaq.

Ist der Akku leer, kann dieser an einer Wallbox mit einem 11-kW-Onboard-Lader wieder aufgeladen werden. Der Ladevorgang dauert in dem Fall rund 7,5 Stunden. Einen 22-kW-Lader gibt es nicht. Im Testzeitraum wurde dieser allerdings auch nicht vermisst. Ohnehin kann ich hier aus der Praxis sprechen, dass 22 kW überflüssig sind. Wer es schneller braucht, sucht eine DC-Lademöglichkeit auf. Während des Testzeitraums lag die maximale Ladeleistung bei 125 kW in der Theorie, in der Praxis konnten auch mal bis zu 130 kW erreicht werden. Ein Ladevorgang unter optimalen Bedingungen sollte auf 80 Prozent 38 Minuten dauern. Diese Zeitspanne konnte im Test auch wiederholt erreicht werden. Mittlerweile geht es noch schneller: Denn Audi stellt ein Update bereit, bei dem u.a. die maximale DC-Ladeleistung auf 135 kW angehoben wurde und die Ladezeit auf 80 Prozent nur noch 29 Minuten dauern soll. Testen konnte ich das leider nicht, da das Update zum Testzeitpunkt noch nicht bereitstand.

Zum Schluss der Vollständigkeit halber noch ein paar Worte zu Funktionen wie der Rekuperation und den Fahrassistenten: Wer möchte, kann beim Freigeben des Strompedals den Segelmodus nutzen. Alternativ steht u.a. ein prädiktiver Effizienzassistent zur Verfügung, der Navigationsdaten und Verkehrszeichen auswertet: Wenn sich das Auto einer Zone nähert, die langsames Tempo erzwingt, steuert das System das Segeln und Rekuperieren, ohne dass der Fahrende eingreifen muss. Das funktionierte wirklich gut. Auch bei den Assistenten gab es nichts zu meckern, um es kurz zu sagen.

Was kostet der Spaß?

Bei einem Preis von 41.900 Euro geht es beim Q4 e-tron los, wofür Kunden jedoch nur die schwächste Motorisierung und den kleinsten Akku erhalten – für Pendler mit eigener Wallbox sicher ausreichend. Für mehr Flexibilität und längere Strecken empfiehlt sich die getestete Variante Q4 40 e-tron, die zu einem Preis ab 47.500 Euro startet. Bei nahezu voller Hütte kann der Konfigurator allerdings auch schon eine Summe von 65.000 Euro anzeigen. Styling- und Sound-Pakete ausgenommen.

Das klingt nach viel, doch ein Audi Q5, der als Verbrenner-Pendant durchaus zum Vergleich herangezogen werden kann, steht mit einem Basispreis von 48.850 Euro in der Liste. Und: Beim Q4 kann der derzeit noch gültige Umweltbonus (inkl. Innovationsprämie) von insgesamt 9.570 Euro vom Listenpreis abgezogen werden. Nicht ganz unwichtig zudem für Dienstwagenberechtigte: Die Versteuerung des geldwerten Vorteils der Privatnutzung liegt bei nur 0,25 Prozent. Vorausgesetzt man bleibt jedoch unter den 60.000 Euro brutto.

Der Audi Q4 e-tron überzeugt durch seine Qualität und wird dem Premium-Anspruch der Ingolstädter nahezu gerecht. Nachbesserungsbedarf gibt es bei den verwendeten Materialien im Interieur (weniger Hartplastik). Unter den Kompakt-SUV muss sich der Q4 e-tron also keinesfalls verstecken. Wer also auf der Suche nach einer elektrischen Variante in diesem Segment ist, sollte sich das Elektroauto von Audi definitiv zumindest einmal ansehen und zur Probe fahren. Ob man es angesichts der aktuellen Produktionsengpässe dann auch zeitnah bekommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

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8 Kommentare zu “Audi Q4 e-tron: Progressiver MEB-Stromer im Test

  1. Umberto

    Bei Ausstattung wie Volvo C 40oder Model Y praktisch serienmässig ueberschreitet man 70.000 € bzw. erreicht fast die 80.000€

    • Daniel Bönnighausen

      Hallo,

      wenn ich bei dem 40er-Modell Soundsystem und Styling-Pakete außen vor lasse, dann lande ich inklusive der höchsten Assistenz- und Infotainmentsysteme + zusätzliche Extras bei knapp 65.000 Euro. Wenn ich natürlich die Sound- und Stylingpakete hinzufüge, dann kann ich in diesen Bereich kommen. Klar. Aber diese Extras sehe ich nicht unbedingt als „nahezu volle Hütte“ an. Ich habe den Absatz entsprechend angepasst.

  2. Jennss

    „Besonders hervorzuheben ist das adaptive Fahrwerk, das für sehr hohen Fahrkomfort sorgt und sich hier positiv vom ID.4 abhebt.“

    Inwiefern hebt sich der Q4 vom ID.4 ab? Ist das DCC im ID.4 härter abgestimmt?

  3. Thomas

    Viele städtische Ladesäulen können 22kW aber HPC sind in der Stadt selten oder teuer. Daher würden Städter gerne 22kW nutzen, denn so wäre alles flexibler. Insbesondere könnten 2x mehr Elekromobile in der gleichen Zeit geladen werden. Vielerorts werden nämlich die Ladepunkte knapp.
    Der Q4 wird dem Premium-Anspruch von Audi nicht gerecht. Ein Enyaq steht dem kaum nach. Auch ist der Enyaq nicht lauter, beide sind sehr leise. Aber das Infotainment ist um Längen beim Audi immer noch besser. Ich kann aus Erfahrung beim Q4 auch das Sportfahrwerk empfehlen, straff aber nicht unkomfortabel. Fahren tue ich den Enyaq, der € wegen.

  4. Gerd Heinrich

    Das Hauptproblem des wirklich guten Q4-etron ist……..man bekommt ihn nicht. Lieferzeiten von 12+ Monaten.

    Natürlich die allseits bekannten Zuliefer-Probleme. Aber die 12 Monate Lieferzeit wurde schon im Nov 21 angekündigt. Also ist es ebenso die grosse Nachfrage und VWs begrenzte Produktionskapazität.

  5. Christoph

    Das Problem bei diesen Modellen ist gar nicht wechlches besser ist, sondern welches überhaupt geliefert werden kann. Zum Hohn der Eniaq, den der VW Konzern intern scheinbar bervorzugt hat, den wird es lange nicht mehr geben.

  6. Joachim Wellen

    Das Auto ist KLASSE. Wenn es geliefert wird. Mein Auto sollte im Dezember 21 kommen. Heute spricht man von Juni – Juli .

  7. Mäß

    Mein Q4 45 Etron im Nov. 2021 bestellt, ohne Navi, Anhängevorrichtung und so weiter (wegen der schnelleren Verfügbarkeit)
    sollte Mai 2022 ausgeliefert werden…
    Neuer Liefertermin voraussichtlich März 2023

    Wie ich das Finde?

    Kann ich erst sagen nachdem ich den 2. Tesla gefahren habe, die im Juni und November 2022 kommen.

    Gruß

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https://www.electrive.net/2022/03/24/audi-q4-e-tron-progressiver-meb-stromer-im-test/
24.03.2022 10:15