Athen will O-Busse durch Batterie-Busse ersetzen

Die Athener Verkehrsgesellschaft OASA will im Rahmen einer umfassenden Flottenerneuerung bis 2027 schrittweise 130 veraltete Oberleitungsbusse aus dem Verkehr ziehen und die Oberleitungen hierfür entfernen. Die O-Busse sollen durch 100 Batteriebusse ersetzt werden.

Foto: OASA

Das berichtet zumindest das Portal Tovima unter Berufung auf den ÖPNV-Betreiber der griechischen Hauptstadt. Die OASA habe den Schritt bestätigt, heißt es dort. Auf der Website des Betreibers ist keine entsprechende Mitteilung zu finden, die jüngste Ankündigung bezieht sich zum Beispiel auf die Maskenpflicht im ÖPNV aus dem Jahr 2022. Auch eine aktuelle Ausschreibung für die Beschaffung der neuen Fahrzeuge ist nicht veröffentlicht, allerdings gab es im Frühjahr eine Ausschreibung über 125 E-Busse für Athen.

Allzu traurig ist man über das Ende der Trolleybusse (zumindest in der Tovima-Redaktion) wohl nicht, denn die elektrischen Busse mit den Stromabnehmern werden direkt in der Überschrift als „Schandfleck Athens“ bezeichnet. „Obwohl der Oberleitungsbus für viele Athener einen nostalgischen Stellenwert hat und einst den städtischen Nahverkehr revolutionierte, ist er mittlerweile zunehmend kostspielig und unzuverlässig geworden“, heißt es dann in dem Artikel etwas sachlicher.

Je nach Quelle geht der Einsatz von Oberleitungsbussen in Athen bis ins Jahr 1929 oder 1953 zurück. Ganz so alt sind die aktuellen Fahrzeuge zwar nicht, aber nach zwei Jahrzehnten im Dauereinsatz ist die Zuverlässigkeit der Trolleybusse wohl stark gesunken – und der Erhalt der Flotte und des Oberleitungsnetzes zunehmend teurer geworden.

Details zum künftigen Einsatz der Batterie-elektrischen Busse gibt es noch nicht. Es sollen aber wohl keine neuen Oberleitungsbusse oder O-Busse mit integrierter Batterie angeschafft werden. Denn es ist laut dem Bericht geplant, das dichte Netz aus Metallmasten und Oberleitungen zurückzubauen, „das seit langem als optische Belastung in den ohnehin schon überlasteten Stadtvierteln gilt“.

Nicht nur das Stadtbild würde profitieren, wenn die Oberleitungen über den Straßen durch Ladestationen in den Busdepots ersetzt werden würden. Da die O-Busse ohne Pufferbatterie ausschließlich auf den Strom aus den Oberleitungen angewiesen sind, war auch ihr Einsatz auf das Oberleitungsnetz beschränkt – und etwa bei Baustellen nicht sonderlich flexibel.

tovima.com

3 Kommentare

zu „Athen will O-Busse durch Batterie-Busse ersetzen“
Christian Vana
28.07.2025 um 10:43
Es ist klar, daß in einem Lobbyismus-Magazin wie diesem jeglicher neuer Einsatz von Batterien begrüßt wird, egal wohin uns der Aufwand an Ressourcen und Umweltauswirkungen durch eine totale Batterieelektromobilität hinführen wird. Nicht nur wegen einer zugegebenen persönlichen Bindung zu den Athener O-Bussen (ich war technischer Projektleiter für die letzten 152 gelieferten Neoplan-Busse), sondern aus einer gewissen Verwunderung über die Blauäugigkeit mit der heute der Batteriehype gefeiert wird, wage ich an der Begeisterung zu zweifeln. Wenn man bedenkt, daß ein simpler 12m Stadtbus circa 4to Batterien mit sich herumschleppt, stelle ich mir schon die Frage, warum man unbedingt ein intaktes O-Bus-Netz wieder abreißen will. Ein Hybrid-O-Bus mit Ersatzfahrbatterien trägt nur ein paar 100kg mit sich herum, und könnte sowohl am Netz wie auch an einer Ladestelle geladen werden. Eine galvanische Trennung ist sowieso nötig. Und die gefeierte konduktive Ladung von e-Bussen ist im Prinzip auch nicht viel Anderes als ein Stück Oberleitung, eben mit Erdung. Somit wäre zwar Wartung, aber keine komplette Neuinvestition ins Netz nötig und es würde nur einen Bruchteil der Investitionen für Batterien kosten. Außerdem sind die Busse im Vergleich zu heutigen nicht als veraltet zu bezeichnen, gleiche Technik wie heute, die vordere Starrachse als einzige Altes (Frage, ob bei einem mit max.18km/h Durchschnittsgeschwindigkeit fahrenden Bus die Einzelradaufhängung so einen Unterschied macht). Und ein O-Bus hat mindesten 20 Jahre Lebensdauer (in der Schweiz bis zu 40), was ich von den materialintensiven e-Bussen generell erwarte, wenn auch mit mindestens einem Batterietausch im Lebenszyklus. In meiner nunmehr über 40 Jahre währenden Tätigkeit im Busbereich habe ich bei der Antriebswahl schon so viel unsinnigen Hin- und Her-Wechsel erlebt, daß mich auch dieser Schildbürgerplan nicht mehr erstaunt. Elektrobusse als Ergänzung wären logisch; die könnten die Netzinfrastruktur zum Laden mitbenützen. Bei Straßenbahnen stören interessanterweise weder Schienen noch Oberleitungen, sondern es wird die umweltfreundliche "Verkehrswende" gefeiert. Ein Hochkapazitäts-O-Bussystem hat im ganzen Lebenszyklus übrigens nur 1/3 der Kosten pro Fahrgast-km eines Straßenbahnsystems. Aber in einer Zeit, wo aus Antriebs- und Verkehrstechnologie geradezu religiöse Dogmatik gemacht wird, erwarte ich kein vernünftiges Nachrechnen. Die doch nicht so nachhaltige Öko-Wegwerfgesellschaft dient eben der Profitmaximierung für große Unternehmen wie selbsternannter Experten.
gerd
28.07.2025 um 14:37
Die Oberleitung könnte man ja auf zentralen Strecken zum Laden Nutzen.
Jürgen Lehmann
03.08.2025 um 18:59
Es ist erfreulich zu hören, dass Athen die Begrenzung der Batteriebusse schon erleben kann: Im nachfolgenden Bericht wird von einer Abstellung von einem Viertel der Batteriebusflotte berichtet, die durch die Entladung der Batterien durch den Dauerbetrieb der Klimaanlage nur noch eingeschränkt verfügbar waren. 62–65 der insgesamt 240 neuen Fahrzeuge konnten nicht beide Schichten ihrer Linien bedienen. Ein Trolleybus könnte den ganzen Tag unterwegs sein, ohne zum Aufladen in das Depot einkehren zu müssen! Mehr siehe: https://www.tanea.gr/print/2025/07/30/epikairotita/o-kaysonas-ekapse-lfta-ilektrika-leoforeia/

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