Bild: Maximilian Krauß
FahrberichtAutomobil

Audi A6 Sportback e-tron im Test: Der Elektro-Audi, auf den alle gewartet haben?

Er war die letzte Hochburg der Petrolheads, die Bastion der Diesel-Außendienstler: der Audi A6. Bekannt dafür, dass seine Fahrer jeden Tag 1.000 Kilometer fahren, dabei nur einmal tanken und die linken Spuren bundesweit gepachtet haben. Seit Kurzem gibt es diesen Langstreckenkreuzer auch elektrisch. Der heißt jetzt A6 Sportback e-tron – und macht seine Sache richtig, richtig gut.

Audi bietet den A6 e-tron in mehreren Varianten an – als Fließheck-Limousine namens Sportback und als Kombi mit dem bekannten Zusatz Avant (hier unser Fahrbericht des A6 Avant e-tron). Bei den Antrieben reicht das Angebot vom kleinen Basis-Akku (76 kWh netto) mit Heckantrieb bis zum sportlichen S6 e-tron mit über 400 kW Leistung. Wir waren zwei Wochen lang waren mit der Traumreichweiten-Kombination aus kleiner Motorisierung (dem Hecktriebler) mit größtem Akku (94,9 kWh netto) unterwegs.

Einfach schön, einfach Audi

Im Gegensatz zu manchem umtriebigen Wettbewerber bleibt Audi seiner Designlinie auch beim A6 e-tron treu: Keine Optik-Experimente für Elektroautos. Wie schon beim Q8 oder dem e-tron GT sind Grill, Lichter, Dachlinie und das Heck unverkennbar Audi. Dass der A6 elektrisch fährt, wird dem Betrachter nicht mit dem Holzhammer eingeimpft, sondern nur sanft durch einen schwarzen „e-tron“ Schriftzug auf dem schwarzen Schweller signalisiert.

Selbst auf dem Heckdeckel prangt keine Variantenbezeichnung mehr, sondern nur ein schlichtes „A6“. Kennern offenbart sich der Antrieb außerdem durch zwei Ladeklappen links und rechts sowie durch die Tatsache, dass der nicht kühlende Kühlergrill geschlossen ist.

Gemischte Gefühle im Innenraum

Im Innenraum präsentiert der A6 e-tron sich ambivalent. Positiv fällt uns die Fahrer-Orientierung der Displays auf. Statt dem Trend zu folgen, ein Tablet flach in die Mittelkonsole zu klemmen, neigt sich der zentrale Bildschirm kurvig zum Fahrer. Für Passagiere gibt es ein Beifahrer-Display und damit eine saubere Trennung: Ablenkendes Herumspielen rechts, Navigation und wichtige Fahrzeuginfos links. Neben den gängigen Streaming-Apps gibt es auch Karaoke und Mediatheken, damit bei den großen Distanzen zwischen den Ladestopps nie Langeweile aufkommen kann.

Obwohl das Cockpit schön aufgeräumt ist, findet man eine wohl dosierte Zahl physischer Knöpfe, zum Beispiel einen echten Drehregler für die Lautstärke und Shortcuts für Assistenten oder die 360-Grad-Kamera. Der Start-Stoppknopf ist zwar als Attrappe für Nostalgiker noch vorhanden, aber optional. Gestartet wird per Tritt auf die Bremse und beim Aussteigen schaltet der Wagen ab.

Vom sanften Schließen der Servo-Türen bis zum Blick in das überragende Headup-Display macht das Interieur im Großen und Ganzen viel Spaß – warum finden wir das nun ambivalent? Weil die Haptik nicht an allen Stellen zum Testwagenpreis von über 95.000 Euro passt. Das Lenkrad könnte sich besser anfassen, das Tachodisplay dürfte etwas schärfer sein und etwas weniger speckig glänzendes Plastik wäre auch nicht verkehrt.
Ein Dealbreaker ist das aber nicht, denn leider lässt die Qualität der Innenräume ja markenübergreifend bei deutschen Autobauern seit einigen Jahren etwas nach, sodass der A6 im Branchenschnitt nicht wirklich auffällt – ein Mercedes EQE oder ein BMW i5 sind da ähnlich unterwegs.

Was dagegen überall schwer in Ordnung ist: Das Platzangebot. Vorne sowieso, aber auch auf der Rückbank und im Kofferraum weiß Audi seinen Bauraum gut zu nutzen – das konnte der Autobauer aus Ingolstadt schon immer besser als der aus München. Kopffreiheit und Beinfreiheit sind komfortabel und langstreckentauglich – nur bei der Oberschenkelauflage und der Position der Füße kann der A6 e-tron den riesigen Akku im Unterboden eben doch nicht ganz verbergen. Auch ein Frunk ist wieder mit dabei, der ist zwar nicht riesig, bietet aber genug Platz für diverse Ladekabel oder kleinere Taschen.

Software hat Audi inzwischen im Griff

Ein Augmented Reality Head-up-Display im Stil der ID.-Reihe von VW hat auch bei Audi Einzug gehalten und gibt präzise Auskunft über Navigationsanweisungen und die Arbeit der Assistenzsysteme. Besonders angenehm fanden wir, dass auch die Einparkhilfe komplett im Head-up-Display sichtbar ist und das Rangieren so ungemein erleichtert.

Das Tachodisplay hingegen hat noch Luft nach oben: Eine Navikarte vermissen wir hier ebenso wie eine schärfere Auflösung. Positiv fällt aber die Lenkradbedienung auf: Navigationsziele, Anrufprotokolle und Spotify-Playlisten lassen sich hier unkompliziert durchsuchen, ohne dass man die Hände vom Lenkrad oder den Blick von der Straße nehmen müsste.

Insgesamt geht die Software in Ordnung. Das Infotainment ist logisch strukturiert, nichts ruckelt und alles reagiert schnell. Ladeplaner und Navigation machen ihren Job wunderbar und sind detailliert konfigurierbar: Wer risikofreudig ist, kann das Ankunftslimit an Ladestationen auf zwei Prozent herabsetzen und kommt immer noch sicher an – die Reichweitenprognose erweist sich durchgängig als konservativ und ist schwer zu unterbieten. Egal, wie weit die Route ist, selbst zum Nordkapp spuckt das System nach wenigen Sekunden eine perfekte Ladeplanung aus.

Nichtsdestotrotz könnten die Features an manchen Stellen etwas umfangreicher sein. Gerade PV-Nutzer dürften eine feine Begrenzung des AC-Ladestroms vermissen, denn aktuell ist nur die Wahl zwischen 8 und 16 Ampere möglich – nichts dazwischen. Auch das Lademenü generell ist ziemlich auskunftsarm, auf eine von diversen Konzernschwestern bekannte Leistungsprognose verzichtet Audi. Die Sprachsteuerung beherrscht alle Grundübungen, steigt aber bei komplizierteren Aufgaben schnell aus. Die Frage, wie viel PS der Wagen hat, kann das System nicht beantworten, aber ChatGPT zitieren: „Ich bin eine künstliche Intelligenz – die haben keine Pferdestärken.“

Solide Level-2-Assistenten

Bei den Assistenzsystemen liefert Ingolstadt solide Hausmannskost: Der Lenkassistent und der Abstandsregeltempomat arbeiten ohne Murren so, wie man es erwartet. Egal ob auf der Autobahn oder auf der Landstraße werden Kurven souverän gemeistert, es wird dynamisch beschleunigt und sanft gebremst. Extras wie eine Spurwechselfunktion oder ein dauerhaftes Hands-Off haben wir zwar vermisst, das ändert aber nichts daran, dass die Assistenzsysteme eine echte Entlastung für den Fahrer sind und Reisen auf der Langstrecke angenehmer machen.

A6 e-tronA6 e-tron PerformanceA6 e-tron quattroS6 e-tron quattro
AntriebRWDRWDAWDAWD
Leistung210 (240) kW270(280) kW315 (340) kW370 (405) kW
Beschleunigung7,0 (6,0) s5,4 (5,4) s4,7 (4,5) s4,1 (3,9) s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h210 km/h210 km/h240 km/h
WLTPReichweite627/598 km750/720 km716/685 km670/640 km
Batteriekapazität83 kWh100 kWh100 kWh100 kWh
Ladeleistung DC225 kW270 kW270 kW270 kW
Ladezeit DC 10-80%21 min21 min21 min21 min
Preis62.800/64.450 Euro75.600/77.250 Euro79.800/81.450 Euro99.500/101.500 Euro
Werte in Klammern: Mit Launch Control

Vielleicht darf man dazu ja auf Updates hoffen – grundsätzlich ist der A6 nämlich ziemlich clever: Der Ampel-Assistent weiß exakt, bei welcher Geschwindigkeit man auf der grünen Welle durch die Stadt sausen kann und der Effizienzassistent hilft einem dabei, rechtzeitig den Fuß vom Strompedal zu nehmen, um die Rekuperation optimal zu nutzen.

Auf den Fahrer ausgerichtet

Eine Kernkompetenz der Ingolstädter bleibt auch beim A6 e-tron das Fahrwerk – es ist schlicht perfekt. Größe und Gewicht kaschiert er geschickt und fühlt sich erstaunlich dynamisch an. Der Wagen liegt satt auf der Straße, die Luftfederung kann Komfort und sportlich, Schlaglöcher und Bodenwellen werden souverän pariert. Auf der Autobahn fährt er wie auf Schienen und die Lenkung ist bei niedrigen Geschwindigkeiten angenehm leicht zu bewegen, dabei trotzdem immer direkt und nie synthetisch im Gefühl.

Bei den Rekuperationsmodi gibt es eine große Auswahl, im D-Modus Segeln, Automatik und verschiedene Stufen über Schaltpaddles und im B-Modus ein echtes, knackiges One-Pedal-Drive. Das funktioniert nicht nur schön präzise, sondern bremst auch bis in den Stillstand, ohne dass man noch aufs Bremspedal wechseln muss. Wer es doch tut, freut sich über eine sauber abgestimmte, gut dosierbare und wenn nötig doch sehr knackige Verzögerung.

Egal wie man den A6 Sportback e-tron fährt, eins ist er immer: leise. Egal ob in der Stadt, wo der Fußgängerwarner tief und dezent blubbert oder bei über 200 km/h, wo die Windgeräusche so sanft bleiben, dass alle Insassen sich immer noch flüsternd unterhalten können. Dabei hilft auch, dass der Tempopiepser per Knopfdruck abschaltbar ist und es ansonsten kein nerviges Gebimmel gibt – nur Ruhe.

Nachts sorgen die Matrix LED-Lichter für Durchblick, der seinesgleichen sucht. Dunkle Landstraßen werden taghell und bei viel Verkehr ist es eine wahre Wonne, zu beobachten, wie das System andere Verkehrsteilnehmer präzise aus dem gleißend hellen Lichtkegel herausschneidet. Und wenn es mal zu hell wird – zum Beispiel, wenn ein Ortsschild brachial zurückblendet, dimmen die Scheinwerfer in Sekundenbruchteilen genau dort herunter – ohne dabei die Sicht insgesamt zu verschlechtern.

Die größte Stärke: Schnell laden, weit fahren

Am meisten Spaß macht neben der Fahrdynamik wohl die Reichweite, die sich dank 94,9 kWh Nettokapazität und moderaten Verbräuchen wirklich sehen lassen kann. Beim Mitschwimmen zwischen Richtgeschwindigkeit und 120-km/h-Limits begnügt der Wagen sich mit 18,1 kWh auf 100 Kilometer, bei 150 km/h Durchschnitt (mit diversen schnelleren Überholvorgängen) landen wir bei immer noch guten 23 kWh/100km. Damit sind selbst bei zügiger Fahrweise immer über 400 Realkilometer möglich, zurückhaltend sogar 520 Kilometer.

Das zweite große Highlight gibt es nach dem Leerfahren des Akkus an der Ladesäule: Dank 800-Volt-Ladetechnik sind die Akkus in Rekordzeit wieder gefüllt. Fünf bis bis 80 Prozent sind in 22 Minuten erledigt, die Werksangabe von 270 kW Ladeleistung wird dabei stabil reproduzierbar um 10 kW überboten. Im Alltag pendelt man sich schnell darauf ein, die schiere Power in der ersten Hälfte optimal zu nutzen und hält den Ladestand zwischen fünf und 50 Prozent – dann dauert jeder Ladestopp weniger als 10 Minuten.

Ein nettes Lade-Gimmick ist die zweite Ladeklappe, dank derer die heimische Garagen-Wallbox nie auf der falschen Seite hängen kann – AC nimmt der A6 auf beiden Seiten an, DC nur links. So überragend die Gleichstrom-Ladeleistung ist, so durchschnittlich bleibt es bei Wechselstrom: 11 kW sind das Höchste der Gefühle. Der eine oder andere dürfte hier einen 22 kW Lader vermissen – wenngleich wir aus schierer Begeisterung für das ultraschnelle Gleichstromladen das Typ-2 Kabel unberührt im Kofferraum haben schlummern lassen.

Fazit: Stolzes Auto, stolzer Preis

Nach vielen Jahren, in denen Audi mit Ausnahme des Supersportwagens e-tron GT im vollelektrischen Bereich nur SUVs im Angebot hatte, gibt es jetzt endlich auch wieder eine schicke und komfortorientierte Limousine. Und die sieht nicht nur schnell aus, sie ist es auch auf der Straße und an der Ladesäule – so, wie sich das gehört. Kleinere Minuspunkte bei Software oder Qualität machen kein schlechtes Auto aus ihm, kratzen aber in Kombination mit der selbstbewussten Bepreisung (Testwagenpreis: 95.405 Euro) an bisschen an dem ansonsten hervorragenden Gesamtpaket.

Der A6 Sportback e-tron ist ein gutmütiges Arbeitstier, das ohne Murren von früh bis spät Kilometer abspulen will und dabei nie den Komfort zu kurz kommen lässt. Wer bisher mit dem A6 als Verbrenner glücklich war, wird auch die elektrische Variante lieben. Dafür muss es nicht mal der quattro sein – auch der Hecktriebler hat im Alltag immer genug Power und dank des bösen Audi-Grinsens macht auch für die kleineren Varianten jeder immer höflich die linke Spur frei.

5 Kommentare

zu „Audi A6 Sportback e-tron im Test: Der Elektro-Audi, auf den alle gewartet haben?“
Martin
31.08.2025 um 10:39
Für mich würde es auch ein A4 e-tron tun, leider ist darüber noch nichts aus Ingolstadt verkündet worden.
Reinhold
31.08.2025 um 12:21
Na ja Kleinwagen zum Luxuspreis! Audi muss sich nicht über weniger Kunden wundern bei so schlechtem Preis Leistungs Verhältnis! Es gibt am Markt viele viele Bessere Fahrzeuge, die Kunden die sich für Audi entscheiden sind selber schuld. Ich selber hatte einmal ein Benchmark Fahrzeug von Audi zum Vergleich.... überzeugte mich nicht!!
Reinhold
31.08.2025 um 12:24
Kauft besser Luxeed S7 oder R7 Da bekommt ihr beide zum gleichen Preis
Fellow
31.08.2025 um 14:19
Haben Sie die schon mal gefahren? Wahrscheinlich nicht, sonst würden Sie die nicht in den Himmel loben.
Reinhold
31.08.2025 um 14:00
Und in China will keiner ein Fahrzeug das sooo eine schlechte Ladekurve besitzt.... BYD baut dort gerade extrem schnell das 1.000kw ladenetz aus um die Chinesischen Fahrzeuge dann in 3 Minuten von 10 auf 80% zu laden schneller als tanken

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