ZF und Qualcomm entwickeln ADAS-Systeme bis Level 3
Die gemeinsame ADAS-Lösung aus der deutsch-amerikanischen Kooperation soll „die nächste Generation von Intelligenz für Fahrzeuge“ liefern und Antworten auf die wachsenden Anforderungen an softwaredefinierte Fahrzeuge finden. Sie basiert technisch auf den Snapdragon Ride System-on-Chips (SoCs) von Qualcomm und dem ProAI-Computer von ZF und soll Autoherstellern als Komplettpaket angeboten werden. Die Zusammenarbeit „bringt modernste Automobilelektronik und Echtzeitwahrnehmung zusammen“, wie ZF betont.
Was die Architektur angeht, kann der ZF-Computer mit dem Snapdragon-Ride-System sowohl als Domain- und Zonen- als auch als Zentralrechner eingesetzt werden. Ziel sei, die Entwicklung einer robusten, offenen Architektur, die eine nahtlose Integration von Softwarefunktionen von Drittanbietern ermöglicht und den Automobilherstellern die Flexibilität gibt, Lösungen auf ihre spezifischen Anforderungen zuzuschneiden, schreibt ZF. Zu den wichtigsten Komponenten der Zusammenarbeit gehören laut dem Zulieferer:
- ZF ProAI: Die ProAI-Familie von ZF ist ein Zentralrechner, der für alle Fahrzeugplattformen, Softwareanwendungen und E2E-Architekturen geeignet ist. Die höchste Konfigurationsstufe ist eine Multi-Domain-fähige Variante mit mehreren Performance-Boards und einer Rechenleistung von mehr als 1.500 TOPS.
- ZF ADAS-Funktionen: ZF bietet ADAS-Funktionen an, die etwa 25 Sicherheits-, Komfort- und Parkfunktionen umfassen. Fahrzeughersteller können aus einem Pool von Funktionen wählen, die sie für eine bestimmte Fahrzeugserie verwenden möchten.
- Snapdragon Ride Pilot: Das System nutzt kamerabasierte KI-Wahrnehmung zur Erkennung von Objekten, zur Erkennung von Fahrspuren und Verkehrszeichen, zur Einparkhilfe, zur Fahrerüberwachung und zur Echtzeitkartierung. Das System ist bereit für freihändiges Fahren auf Autobahnen mit automatisiertem Spurwechsel und urbaner Fahrassistenz.
- Qualcomm-Integrationsplattform: Die Plattform verfügt über eine modulare Systemarchitektur, unterstützt die dynamische Zuweisung von Rechenressourcen und erleichtert die Interoperabilität zwischen verschiedenen elektronischen Steuergeräten (ECUs) im Fahrzeug.
- Eine breite Palette an Entwicklungstools ermöglicht es Automobilherstellern und ihren Entwicklungsteams, ADAS- und Infotainment-Funktionen schnell zu Prototypen zu entwickeln, zu validieren und anzupassen.
Für Qualcomm geht es darum, sich im Autobusiness gegen starke Konkurrenz wie Nvidia und Co. zu behaupten. Im Oktober 2024 hatten die Amerikaner vor diesem Hintergrund ihre Snapdragon-Elite-Automotive-Plattform mit den bis dahin schnellsten Prozessoren für den Einsatz in Autos präsentiert. Die ADAS-Kooperation mit ZF soll Qualcomms Position als weiterer Baustein festigen. Anshuman Saxena, Vice President und General Manager von Qualcomms Unit ADAS & Robotics kommentiert: „Wir freuen uns, unsere langjährige Zusammenarbeit mit ZF bei der Weiterentwicklung von ADAS-Innovationen zu vertiefen. Indem wir unsere Stärken in den Bereichen Hochleistungs-Computing, Wahrnehmung und Bildverarbeitung kombinieren, ermöglichen wir es den Automobilherstellern, intelligente, sicherere und kostengünstigere Fahrerassistenzsysteme für ihr gesamtes Fahrzeugportfolio anzubieten.“
Dr. Christian Brenneke, Leiter der ZF-Division Elektronik & ADAS, äußert: „Wir sind stolz darauf, unsere Zusammenarbeit mit Qualcomm im Bereich marktführender Fahrerassistenzsysteme für softwaredefinierte Fahrzeuge und neuer E/E-Architekturen weiter auszubauen. Die Kombination der skalierbaren, domänenübergreifenden ProAI-Compute-Plattform von ZF mit der Snapdragon Ride-Plattform von Qualcomm Technologies bietet unseren Kunden zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten für ADAS- und Infotainment-Systeme in Fahrzeugen.“
Dass die Kooperation dabei wirklich noch ZF zugutekommt, ist derweil unwahrscheinlich. Der Zulieferer gab im Dezember bekannt, seine Geschäftseinheit für Fahrerassistenzsysteme (ADAS) mit Compute Solutions, smarten Kameras, Radartechnologie und Fahrerassistenz-Softwarefunktionen für 1,5 Milliarden Euro an den US-amerikanischen Innenraumelektronik-Spezialisten Harman International zu verkaufen. Die kurz vor Weihnachten publik gemachte Transaktion steht allerdings noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Der Abschluss des Deals wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet. Die Kooperation mit Qualcomm ist das Ergebnis des noch unter ZF-Regie fortlaufenden Betriebs.
Mit dem finalen Verkauf der Einheit sollen im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich 3750 ZF-Mitarbeiter zu Harman wechseln. Die Bereiche Elektronik für Fahrwerktechnik und Passive Sicherheitstechnik verbleiben dagegen im Konzern, ebenso die Aktivitäten im Bereich Fahrerassistenz und autonomes Fahren für Nutzfahrzeuge. Für ZF ist der Verkauf ein wichtiger Schritt in der Neuausrichtung des Konzerns: Im Herbst 2025 hatte sich das Management mit den Arbeitnehmervertretern für die angeschlagene Division Elektrifizierte Antriebstechnologien auf ein Paket mit massiven Stellenstreichungen geeinigt, ein Verkauf der „Division E“ war damit aber vorerst vom Tisch. In der ADAS-Sparte werden jetzt aber Bereiche abgegeben.





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