Florida bekommt Teststrecke für induktives Laden während der Fahrt
Dass ENRX gemeinsam mit der Central Florida Expressway Authority (CFX) ein solches Projekt in der Nähe von Orlando plant, ist schon seit 2023 bekannt. Nun ist es tatsächlich soweit und der Bau hat begonnen. Allerdings mit einer Planänderung: Sollte der Streckenabschnitt ursprünglich eine Meile (1,6 km) lang sein, so wurde dies mittlerweile auf 0,75 Meilen (1,2 km) reduziert.
Für das induktive Ladeverfahren werden spezielle Kupferspulen im Straßenbelag verbaut, die ein elektromagnetisches Feld erzeugen, sobald ein dafür ausgerüstetes Fahrzeug den Abschnitt passiert. Und das ist leider der springende Punkt: Bislang werden E-Autos nicht ab Werk entsprechend ausgerüstet. Vielmehr werden im Rahmen des Projekts verschiedene Fahrzeuge nachträglich mit entsprechenden Empfangsgeräten ausgestattet, die den induktiv erhaltenen Strom in das Batteriesystem speisen. Es wird also längst nicht jeder E-Auto-Fahrer das induktive Ladesystem nutzen können, sondern nur Versuchsteilnehmer.
Entsprechend spricht die CFX, die die „State Road 516 Lake/Orange Expressway“ genannte neue Strecke als Mautstraße betreiben wird, von einem Pilotprojekt, dass „die Ladung zum Fahrzeug bringt“, indem die Fahrbahn elektrifiziert wird, um Fahrzeuge bei Autobahngeschwindigkeit aufzuladen – aber eben nur speziell präparierte Fahrzeuge des Projekts. Dabei können die induktiven Ladespulen eine Leistung von bis zu 200 kW abgeben, je nachdem wieviel das jeweilige Fahrzeuge selbst an Ladeleistung hat.
Viel Potenzial für die Technologie sieht der Straßenbetreiber vor allem im Schwerlastverkehr. Tallis Blalack, Electrified Roadways Consultant bei CFX, sagt: „Das ist eine bahnbrechende Neuerung für den Fernverkehr. Die von uns eingesetzte Technologie wird einen voll beladenen Sattelzug bei Autobahngeschwindigkeit antreiben.“ Ein wesentlicher Vorteil des Systems sei die Reduzierung der Größe und des Gewichts der Batterien. „Durch das Laden während der Fahrt können wir die Größe der Batterien erheblich reduzieren“, sagt Blalack. „Anstelle einer Batterie mit einer Reichweite von 500 Meilen können wir sie auf 50 Meilen verkleinern und das Gewicht von 20.000 auf nur 2.000 Pfund reduzieren.“
Was Blalack meint: Im Prinzip könnte induktives Laden während der Fahrt dafür sorgen, dass stationäre Ladevorgänge entfallen könnten. Und Elektroautos würden eben auch deutlich kleinere Akkus benötigen als bislang, wenn diese „dynamische“ Form des induktiven Laden weit verbreitet wäre. Allein: Bislang gibt es weltweit nur wenige meist sehr kurze Pilotstrecken, so auch auf der deutschen A6 in der Oberpfalz zwischen Amberg-West und Sulzbach-Rosenberg, die vom israelischen Unternehmen Electreon ausgestattet wurde.
Und auch sonst benötigen Enthusiasten, die sich auf die Technologie freuen, noch einen langen Atem: Die neue Straße in Florida mit den induktiven Ladespulen soll überhaupt erst 2029 eingeweiht werden – und von einer flächendeckenden Einführung der Technologie kann noch längst nicht die Rede sein.





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