Dataforce: Große Pkw-Flotten wollen weiter wachsen

Firmenkunden gelten schon heute als Treiber der Elektromobilität. Eine aktuelle Dataforce-Studie zeigt, dass mehr als ein Drittel der großen Pkw-Flotten 2026 ausbauen will. Aber: Die Elektrifizierung wird nach wie vor als größte Herausforderung genannt.

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Bild: Skoda

Für die Studie haben die Marktexperten von Dataforce deutsche Pkw-Firmenflotten mit mehr als 100 Fahrzeugen genauer unter die Lupe genommen. Ein klares Ergebnis der „Dataforce 100+ Pkw Studie“: Die Mehrheit der Fuhrpark-Verantwortlichen großer Flotten plant mit einem stabilen bis wachsenden Bestand in ihren Flotten.

Kurz zur Methodik der Studie: Die Daten hat Dataforce in einem zweistufigen Ansatz erhoben. Zunächst wurden mit 14 Fuhrparkverantwortlichen leitfadengestützte Interviews geführt, um zentrale Fragestellungen und Herausforderungen qualitativ zu erfassen. Auf dieser Grundlage erfolgte eine anschließende Befragung von 50 weiteren Verantwortlichen aus dem Segment, mit der die gewonnenen Erkenntnisse quantifiziert und verifiziert wurden. „Der Fokus lag dabei auf den größten Pain Points in großen Pkw-Flotten, der organisatorischen Ausgestaltung des Fuhrparkmanagements sowie weiteren zentralen Aspekten der täglichen Praxis“, schreibt Dataforce.

In dieser zweistufigen Umfrage gaben 90 Prozent der Fuhrpark-Verantwortlichen an, ihren Bestand „mindestens auf dem heutigen Niveau zu halten“. In 55 Prozent der Fälle soll der Fuhrpark „in etwa gleich“ bleiben, 35 Prozent der Flottenmanager erwarten jedoch ein explizites Wachstum. „Treiber dieser Entwicklung ist vor allem das anhaltende Unternehmenswachstum: Mit steigenden Zahlen von Mitarbeitenden wachsen zugleich der Bedarf und auch das Bedürfnis, Mobilität verlässlich sicherzustellen“, so Dataforce. „Zusätzlich tragen längere Haltedauern der Fahrzeuge dazu bei, die Fuhrparkgrößen insgesamt zu stabilisieren und kurzfristige Schwankungen zu vermeiden.“ Reduktionen in der Fahrzeuganzahl werden überwiegend dort erwartet, wo Unternehmen strukturelle Verkleinerungen durchlaufen – weniger Mitarbeitende benötigen auch weniger Fahrzeuge.

Und bei den Flottenfahrzeugen handelt es sich überwiegend um persönlich zugewiesene Dienstwagen, nicht um Poolfahrzeuge. „In einem zunehmend kompetitiven Arbeitsmarkt bleibt der Dienstwagen für viele Unternehmen ein essenzieller Baustein, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden“, heißt es in der Mitteilung.

Diese Dienstwagen werden – auch aufgrund der Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung – zunehmend elektrisch. „Viele haben mittlerweile den 0,25-%-Effekt durchblickt – das macht für viele richtig was aus“, ist ein Feedback aus den Gesprächen. Aber: Neben den Steuervorteilen sind auch die Nachhaltigkeit („2030 sollen alle Autos elektrisch sein – das ist unser Ziel“) und das Unternehmens-Image („Es ist up to date zu sagen: Ich fahre ein Elektroauto.“) wichtige Ziele in der Fuhrpark-Organisation.

Genau diese Elektrifizierung wurde in den Gesprächen von den Fuhrpark-Managern aber als größte Herausforderung bezeichnet – zu 69 Prozent. Dabei wird aber nicht der Umstieg auf E-Autos an sich bemängelt, sondern vor allem praktische Hürden, die es beim Verbrenner nicht gab, die aber nicht unlösbar sind. Angeführt werden etwa eine „unzureichende Ladeinfrastruktur, insbesondere am Wohnort der Mitarbeitenden“ sowie die „komplexe Organisation des Heimladens“ – der Ladestrom in der heimischen Garage darf inzwischen nicht mehr pauschal abgerechnet werden, das muss jetzt Kilowattstunden-genau erfolgen. „Ergänzt werden diese Faktoren durch klassische Unsicherheiten und Vorbehalte wie beispielsweise Reichweite auf Seiten der Flottenmanager und der Dienstwagenfahrenden“, so Dataforce.

Mit 49 Prozent auf Platz zwei der größten Hürden liegen die Kosten der Fahrzeuganschaffung. Steigende Fahrzeugpreise und Leasingraten machen die Beschaffung anspruchsvoller – auch, aber nicht nur bei Elektroautos. Bei diesem Punkt könnte sich das Bild künftig wieder ändern, denn inzwischen haben neue Elektroautos das Preisniveau von vielen Plug-in-Hybriden erreicht und die Hersteller bringen auch günstigere Modelle auf den Markt. In den vergangenen Jahren war es aber tatsächlich so, dass die Anschaffungspreise von Elektroautos oft deutlich über jenen von Verbrennern und Hybriden lagen, was selbst Großkunden mit gewissen Mengenrabatten zu spüren bekommen. „Viele Verantwortliche berichten, dass es immer schwieriger wird, passende Modelle innerhalb der in den Car Policies festgelegten Budgetgrenzen zu finden“, hält Dataforce fest.

Übrigens: Der drittgrößte Pain Point ist mit 47 Prozent die Digitalisierung – bzw. die mangelnde Umsetzung dieser. Bemängelt werden hier häufig Medienbrüche, etwa wenn Dokumente ausgedruckt, unterschrieben und anschließend wieder eingescannt werden müssen. „Eine Fahrer-App für Schadens- und Mängelmeldungen wäre sinnvoll; heute läuft das über beschreibbare PDFs per Intranet oder E-Mail“, ist eines der Feedbacks aus den Gesprächen mit den Flottenmanagern.

Bei der Beschaffung selbst arbeiten die meisten großen Fuhrparks mit mehreren Bezugsquellen für ihre Fahrzeuge. 90 Prozent haben etwa einen Rahmenvertrag mit einem Hersteller, 51 Prozent zusätzlich mit einer herstellerunabhängigen Leasinggesellschaft und 41 Prozent mit einer herstellerabhängigen Leasinggesellschaft. Ebenfalls 41 Prozent arbeiten beim Bezug überwiegend mit dem lokalen Händler zusammen und nur 12 Prozent beschaffen ihre Fahrzeuge über europaweite Ausschreibungen. Die wichtigen Rahmenverträge und langjährigen Beziehungen stellen zunächst eine Herausforderung für bestehende Wettbewerber und neue Marktteilnehmer dar. „Gleichzeitig zeigen die Gespräche mit den großen Pkw-Flotten, dass sich kontinuierlich Chancen ergeben: Fuhrparks befinden sich in einem ständigen Wandel – sei es auf operativ‑struktureller Ebene oder in Bezug auf den Fahrzeugbestand selbst“, fasst Dataforce zusammen. „Diese Dynamik eröffnet immer wieder Möglichkeiten für die Neukundenakquise, birgt aber ebenso das Risiko des Verlusts bestehender Kundenbeziehungen.“

Klar ist: Ein wettbewerbsfähiger Preis öffnet erst einmal die Türen, ist aber kein Garant für einen Abschluss oder einen neuen, mehrjährigen Rahmenvertrag. „Um die Flottenkunden langfristig für sich zu gewinnen, ist ein möglichst reibungsloser Ablauf in der Zusammenarbeit essenziell. Dabei steht eine schnelle, professionelle und kompetente Betreuung besonders im Vordergrund“, berichtet Dataforce aus den Gesprächen. „Nicht wenige Flotten berichten von Brüchen in langjährigen Geschäftsbeziehungen, die aus vermeintlichen Kleinigkeiten entstanden sind – etwa technischen Fehlern, Unstimmigkeiten bei Mängelbewertungen oder einer als unaufmerksam und zu langsam wahrgenommenen Betreuung.“

Quelle: Info per E-Mail (Mitteilung), dataforce.de (vollständige Studie)

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