BYD überprüft Aufbau von SKD-Produktion in Indien

Angesichts der steigenden Nachfrage in Indien überdenkt BYD seine dortige Strategie. Der chinesische Hersteller erwägt eine verstärkte Lokalisierung der Produktion, fast zwei Jahre nachdem das Land seinen Vorschlag über ein neues Werk in Indien mit einem Investitionsvolumen von 1 Milliarde Dollar abgelehnt hatte.

Byd 47th showroom india
Bild: BYD

BYD bietet in Indien derzeit vier Modelle an, von denen zwei – der Seal und der Sealion 7 – importiert werden. Dies ist Teil der GSR 870 (E)-Regelung, die es Unternehmen ermöglicht, die lokale Homologation für bis zu 2.500 komplett monierte Fahrzeuge (CBU) oder komplett zerlegte Fahrzeuge (CKD) pro Jahr zu umgehen. Einem Bericht von Bloomberg zufolge nähert sich die Nachfrage nach den CBU-Modellen ihrer Kapazitätsgrenze, was das Unternehmen dazu veranlasst, eine Erweiterung der lokalen Montagekapazitäten zu prüfen.

Im vergangenen Jahr nutzte BYD allein für den Sealion 788 Prozent des Importkontingents, wobei rund 2.200 Einheiten zugelassen wurden. Lieferengpässe verlängern die Lieferzeiten und führen zu einem Auftragsrückstand von mehreren hundert Einheiten bei den Händlern. Neben der begrenzten Verfügbarkeit bremst auch der hohe Preis das Wachstum solcher Modelle. So unterliegt der Sealion 7 beispielsweise einem Einfuhrzoll von 70 Prozent und kostet je nach Variante 4,94 Millionen Rupien oder 5,49 Millionen Rupien (ca. 45.000 bis 50.000 Euro).

BYD erwägt daher, anstelle von Komplettfahrzeugen Bausätze (SKD) zu importieren und diese lokal zu montieren, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. SKD-Produktion ist weniger kapitalintensiv und die behördlichen Genehmigungen sind leichter zu erhalten als ein komplettes Montagewerk, das BYD ursprünglich 2023 in Partnerschaft mit Megha Engineering and Infrastructure Limited (MEIL), der Muttergesellschaft des Elektrobusherstellers Olectra Greentech, geplant hatte.

Die Umstellung von CBU auf SKD würde die Zölle auf die Fahrzeuge von 70 auf 30 Prozent senken und BYD so ermöglichen, seine Modelle wettbewerbsfähiger anzubieten. Das Unternehmen montiert bereits die beiden anderen Modelle seiner Produktpalette, den Atto 3 und den eMax 7, aus CKD-Bausätzen in einem Werk in Sriperumbudur, Tamil Nadu. BYD hat bereits die Prozesse zur Erlangung von Sicherheits- und Zulassungszertifizierungen eingeleitet, um weitere Modelle zu lokalisieren.

BYD verfügt über ein Netzwerk von 47 Showrooms in 40 Städten in Indien und verkaufte in dem Land im vergangenen Jahr rund 5.500 Fahrzeuge, ein Plus von etwa 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vergangenen Sommer hatte BYD zudem die Marke von kumulierten 10.000 Auslieferungen in Indien seit seinem Markteintritt verzeichnet. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs und der reduzierten Subventionen auf dem Heimatmarkt konzentriert sich der chinesische Automobilhersteller verstärkt auf das Auslandsgeschäft. Im vergangenen Jahr verkaufte BYD international rund 1,05 Millionen Fahrzeuge und strebt für dieses Jahr eine Steigerung dieser Zahl um knapp 24 Prozent auf 1,3 Millionen Einheiten an.

bloomberg.com

Dieser Artikel von Sagar Parikh erschien zuerst in der internationalen Ausgabe von electrive.

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