Freenow by Lyft will Robotaxis nach Hamburg bringen
Das Projekt hat die volle Unterstützung der Hansestadt Hamburg, die gemeinsam mit Freenow by Lyft eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet hat. Die Plänen wurden nun von Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende, gemeinsam mit Managern von Freenow by Lyft vorgestellt. Grünen-Politiker Anjes Tjarks sagt: „Autonome Taxis können einen wichtigen Beitrag zur Anbindung des öffentlichen Verkehrs leisten – insbesondere in Nebenverkehrszeiten und in bislang unterversorgten Gebieten. Hamburg verfolgt eine vorausschauende Strategie für autonome Mobilität sowie für moderne On-Demand- und Taxidienste, die fest in das städtische Verkehrssystem integriert sind.“
Interessant: Anders als US-Firmen wie Waymo oder Uber will Freenow by Lyft solche Robotaxis nicht als reiner Ride-Hailing-Dienst außerhalb des regulären Taxisystems anbieten. Vielmehr sucht Lyft in Hamburg den Schulterschluss mit dem lokalen Taxigewerbe und will die entsprechenden Unternehmen einbinden. Sowohl die Hansestadt Hamburg als auch Lyft betonen entsprechend, dass menschliche Taxifahrerinnen und Taxifahrer auch künftig eine zentrale Rolle spielen werden. „Ihre Erfahrung bleibt unverzichtbar, während autonome Fahrzeuge das Gesamtsystem stärken und zugleich neue Arbeitsplätze in Wartung, Betrieb und Flottenmanagement entstehen“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung.
Zeitplan unbekannt, ÖPNV-Anbindung geplant
Einen genauen Zeitplan, wann es mit Testphase und dem späteren kommerziellen Betrieb der Robotaxis losgehen soll, gibt es noch nicht. Zunächst will Lyft nun in den nächsten Monaten geeignete Partner auswählen – darunter Anbieter von Technologien für autonomes Fahren auf SAE-Level 4 sowie Fahrzeughersteller. Ist alles soweit vorbereitet, soll zunächst ein Pilotbetrieb mit autonomen Fahrzeugen in den Bereichen Altona-West, Hamburg-Nord und Bergedorf starten, also eher am Stadtrand mit etwas weniger Verkehr als im Zentrum. Dabei soll das Angebot von Freenow by Lyft mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verknüpft werden: So ist u.a. eine Anbindung an zentrale ÖPNV-Knotenpunkte geplant.
Thomas Zimmermann, CEO von Freenow by Lyft, sagt: „Gemeinsam mit der Stadt schaffen wir erstmals einen klaren Rahmen, um autonome Taxis vom Testbetrieb in den Regelbetrieb zu überführen. Freenow by Lyft bringt technologische, operative und regulatorische Expertise ein. Unser Ziel ist es, Innovation und Verantwortung zu verbinden und das lokale Taxigewerbe von Beginn an aktiv einzubinden.“
Dass Freenow by Lyft ausgerechnet Hamburg für dieses Projekt ausgewählt hat, dürfte kein Zufall sein: Das Unternehmen ist aus dem Hamburger Vorzeige-Startup MyTaxi hervorgegangen und hat seinen Hauptsitz in Hamburg-Ottensen mit direktem Blick auf die Elbe. Das 2009 gegründete MyTaxi war 2014 von Daimler übernommen und 2018 in Freenow, der gemeinsamen Mobilitätsmarke von BMW und Daimler, aufgegangen. Vergangenes Jahr erfolgte dann die Übernahme von Freenow durch das US-Unternehmen Lyft, einem Rivalen von Uber. Seitdem nennt sich die App Freenow by Lyft.
Lyft kooperiert bereits mit Apollo Go
Lyft wiederum hatte im August angekündigt, ab diesem Jahr in Europa Robotaxis von Apollo Go einsetzen zu wollen, einer Marke des chinesischen Digitalkonzerns Baidu. Zielmärkte dafür sind zunächst Deutschland und Großbritannien. Ob diese Fahrzeuge mit der Bezeichnung Apollo Go RT6 aber auch tatsächlich in Hamburg eingesetzt werden sollen, bleibt zunächst offen.
Hamburg schickt sich derzeit an, zu einem Reallabor für autonome Fahrdienste zu werden. Denn der Vorstoß von Freenow by Lyft ist schon das dritte Großprojekt in diesem Segment. Bereits länger bekannt ist, dass die Projekte ALIKE von Hamburger Hochbahn, Moia, Holon und Volkswagen sowie Ahoi von VHH, IAV und eVersum autonome Elektro-Shuttles auf Hamburgs Straßen bringen wollen.
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