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Bild: Daniel Bönnighausen
FahrberichtAutomobil

Erste Ausfahrt im MGS6 EV: Geräumiges E-SUV mit Nachholbedarf beim Laden

Mit dem MGS6 EV bringt MG Motor ein neues Elektro-SUV in der Mittelklasse auf den Markt. Bei einer ersten Ausfahrt in Portugal konnte der 4,71 Meter lange Stromer vor allem mit viel Platz, hohem Komfort und einer umfangreichen Ausstattung punkten. Unser Fahrbericht zeigt aber auch, wo die SAIC-Marke im Wettbewerbsvergleich noch Luft nach oben hat.

MG war einst eine britische Traditionsmarke, gehört aber seit der Insolvenz der MG Rover Group dem chinesischen Konzern SAIC. Seit dem Wiedereintritt in Europa im Jahr 2011 und in Deutschland seit 2021 hat sich MG Motor zügig Marktanteile erarbeitet. Nach eigenen Angaben hat die Marke inzwischen eine Million Fahrzeuge in Europa ausgeliefert.

Allein in den vergangenen beiden Jahren kamen mehr als 500.000 Neuwagen in 34 europäischen Ländern hinzu, darunter 317.000 Elektrofahrzeuge. Vor allem der kompakte MG4 hat maßgeblich zu diesem Wachstum beigetragen. Mit dem neuen Elektro-Flaggschiff MGS6 EV wollen die Chinesen nun auch in der elektrischen Mittelklasse stärker mitmischen.

Zwischen C- und D-Segment

Feste Grenzen für die Zuordnung zu einem Fahrzeugsegment gibt es nicht. Ob ein Modell dem C- oder D-Segment zugerechnet wird, ergibt sich meist aus Größe, Positionierung, Preisniveau, Karosserieform und Wettbewerbsumfeld. MG Motor ordnet sein neues Elektro-SUV dem C-Segment zu. Die Eckdaten des MGS6 EV sprechen jedoch eher für eine Klasse darüber.

Der Stromer misst 4,71 Meter in der Länge, 1,66 Meter in der Höhe und 1,91 Meter in der Breite. Der Radstand liegt bei knapp 2,84 Metern. Damit positioniert sich das Modell bei den Abmessungen oberhalb u. a. von VW ID.4, Skoda Enyaq, Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6, aber unterhalb von Tesla Model Y, Xpeng G6, Audi Q6 e-tron und BMW iX3.

Während manche Wettbewerber stärker auf ein markantes Erscheinungsbild setzen, hält sich der MGS6 EV optisch bewusst zurück. Die Front mit den schmal gezeichneten LED-Leuchten wirkt gefällig, das durchgehende Lichtband am Heck ist längst gängige Designpraxis in der Branche. Insgesamt will der MG nicht provozieren oder polarisieren, sondern möglichst vielen Käufern gefallen. Das gelingt ihm: Das Elektro-SUV fällt nicht negativ auf, setzt aber auch keine besonderen Akzente.

Und auch unter dem Blech setzt MG weniger auf Effekthascherei als auf ein stimmiges Gesamtpaket. Darauf deuten bereits die Daten auf dem Papier hin: Zum Marktstart bietet MG Motor den MGS6 EV in zwei Varianten an. Die getestete Long-Range-Version mit Heckantrieb leistet 180 kW, stellt 350 Nm Drehmoment bereit und beschleunigt in 7,3 Sekunden auf 100 km/h. Darüber rangiert die Allradversion mit 266 kW, 540 Nm und einem Sprintwert von 5,1 Sekunden. Beide Varianten erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h – und liegen damit weit vorn im Wettbewerbsumfeld.

Ausreichend Leistung

Wie sich diese Daten im Fahralltag übersetzen, hat die erste Ausfahrt in Portugal schnell gezeigt: Schon der Hecktriebler wirkte ausreichend motorisiert. Der MGS6 EV baute seine Leistung souverän und unaufgeregt auf, ohne dabei besondere Sportlichkeit vermitteln zu wollen. Auf den portugiesischen Landstraßen verhielt sich das Elektro-SUV entsprechend gelassen. Das Fahrwerk ist spürbar auf Komfort ausgelegt, kleinere Unebenheiten werden gut weggefiltert.

Leichte Schwächen zeigten sich jedoch bei größeren Bodenwellen und schlechten Straßenbelägen. In diesen Situationen drangen Stöße etwas deutlicher durch, als man es in diesem Segment erwarten würde. Dennoch blieb die Karosserie ausreichend stabil, die Lenkung arbeitete linear und berechenbar. Unterm Strich vermittelte der MGS6 EV aber ein komfortables Reisegefühl. Dazu trug auch die gute Dämmung bei: Selbst bei kräftigerem Wind blieb es im Innenraum vergleichsweise ruhig.

Bei der Rekuperation blieb der MGS6 EV dagegen nicht ganz frei von Kritik. Die adaptive Energierückgewinnung arbeitet zwar grundsätzlich ordentlich, wirkt im Vergleich zu einigen Wettbewerbern aber nicht immer ganz harmonisch und vorausschauend. Das macht sich im Fahralltag mitunter durch ein leicht unrundes Verzögerungsverhalten bemerkbar. Dafür gibt es ein gut funktionierendes One-Pedal-Driving.

Gerade unter den Bedingungen an der portugiesischen Küste zeigte der MGS6 EV trotz einzelner Kritikpunkte seine Komfortqualitäten. Denn die Fahrveranstaltung für den MGS6 EV fand nicht bei typischem Präsentationswetter statt. Statt Sonne und frühlingshaften Temperaturen prägten teils kräftiger Wind, acht bis 13 Grad und immer wieder starker Regen den Tag. Der Streckenverlauf führte über Berg und Tal, überwiegend durch kleinere Ortschaften Portugals und auf teils herausfordernden Landstraßen. Auch einzelne Autobahnabschnitte gehörten dazu.

Verbrauch und Reichweite

Der Hecktriebler soll auf eine kombinierte WLTP-Reichweite von bis zu 530 Kilometern kommen. Dass dies ein theoretischer Wert bleibt, dürfte klar sein. Unter den genannten Bedingungen lagen die Verbrauchswerte laut Bordcomputer bei rund 18 kWh/100 km, auf der Autobahn stiegen sie auf 22 bis 24 kWh/100 km. Daraus ergeben sich rechnerisch Reichweiten zwischen rund 413 und 310 Kilometern. Damit sticht der MGS6 EV in seinem Wettbewerbsumfeld nicht besonders hervor, muss sich aber auch nicht verstecken.

Für ein Fahrzeug dieser Größe sind das ordentliche Werte. Auch die Reichweiten, die sich mit der 77-kWh-Batterie ergeben – von der 74,3 kWh nutzbar sind –, gehen im Alltag durchaus in Ordnung. Eine größere Batterie bietet MG Motor aber nicht an. Schade, im Wettbewerbsumfeld sind teils größere Batterien und damit höhere Reichweiten verfügbar.

Nachholbedarf am Schnelllader

Ist die Batterie leer, kann der MGS6 EV an einer AC-Ladestation mit bis zu elf kW laden. Das entspricht dem Branchenstandard. Ernüchterung dürfte sich jedoch am Schnelllader breitmachen – und damit bei einem der wohl größten Kritikpunkte des MGS6 EV. Die SAIC-Marke gibt für den DC-Ladevorgang eine maximale Ladeleistung von 144 kW an. Der Ladehub von zehn auf 80 Prozent soll in rund 38 Minuten absolviert sein. 2026 fällt das in diesem Segment eher zurück als auf.

Gerade hier haben einige Wettbewerber inzwischen vorgelegt. So bleiben etwa die MEB-Modelle aus dem VW-Konzern bei ähnlichen Batteriegrößen unter 30 Minuten. Ein BMW iX3 lädt seine 82,6-kWh-Batterie im gleichen Ladehub in 21 Minuten. Die konkurrierenden Modelle von Hyundai, Kia oder Xpeng sind an der Ladesäule noch schneller.

Für Kunden, die ihr Fahrzeug überwiegend im Alltag bewegen und zu Hause oder am Arbeitsplatz laden, mag das weniger relevant sein. Wer dagegen regelmäßig lange Strecken zurücklegt, wird die vergleichsweise gemächliche Ladeleistung bei jedem Stopp spüren. Immerhin gehören eine Wärmepumpe, eine manuelle und eine automatische Batterie-Vorkonditionierung sowie eine Ladeplanung entlang der Route zur Serienausstattung. Das mildert den Kritikpunkt, beseitigt ihn aber nicht. Wie gut Vorkonditionierung und Ladeplanung in der Praxis funktionieren, muss allerdings erst ein ausführlicher Test zeigen.

Anzeige und Bedienung mit Licht und Schatten

Im Cockpit setzt MG auf einen 12,8 Zoll großen Touchscreen, hinter dem Lenkrad sitzt ein 10,25-Zoll-Fahrerdisplay. Das Infotainmentsystem ist gut strukturiert, alle Funktionen lassen sich schnell finden. Beim „MG Pilot“ lassen sich sogar die zuvor gespeicherten Präferenzen mit wenigen Handgriffen wiederherstellen – ohne jede Funktion einzeln nach jedem Start neu konfigurieren zu müssen.

Im Detail bleiben jedoch Schwächen. Zwar unterstützt der MGS6 EV Apple CarPlay und Android Auto kabellos. Das serienmäßige Head-up-Display projiziert seine Angaben jedoch etwas unscharf auf die Windschutzscheibe und zeigt ausschließlich Informationen aus dem bordeigenen Navigationssystem an. Inhalte aus Google Maps oder aus der CarPlay-Navigation bleiben außen vor. Ähnliches gilt für das Fahrerinformationsdisplay. Damit ist MG Motor allerdings nicht allein. Positiv fällt hingegen auf, dass physische Tasten für wichtige Funktionen wie Klimatisierung und Lautstärke erhalten geblieben sind.

Viel Platz und hoher Nutzwert

Auch jenseits des Cockpits hinterlässt der Innenraum des MGS6 EV einen insgesamt ordentlichen Eindruck. Die Materialauswahl wirkt für diese Klasse passend: Kunstleder mit Wildlederoptik, weiche Oberflächen an den relevanten Kontaktpunkten und eine insgesamt saubere Verarbeitung. Premium-Anspruch erhebt MG damit zwar nicht, der Qualitätseindruck stimmt aber.

Das serienmäßige Panorama-Glasdach lässt den Innenraum luftig wirken. Vor allem im Fond profitieren die Passagiere vom langen Radstand. Auch große Mitfahrer sitzen dort bequem, der ebene Boden erleichtert die Nutzung des Mittelsitzes zusätzlich. Mindestens vier große Erwachsene finden in dem MGS6 EV also ohne Probleme Platz.

Auch beim Gepäckraum bietet der MGS6 EV alltagstaugliche Werte. Im Kofferraum fasst das Elektro-SUV 674 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es bis zu 1.910 Liter. Hinzu kommt ein Frunk mit 124 Litern in der Heckantriebsversion beziehungsweise 102 Litern im Allradmodell. Gerade dieser große Frunk ist ein praktisches Detail, das einige direkte Wettbewerber so nicht bieten.

Wer noch mehr Transportkapazität benötigt, kann bis zu 1.500 Kilogramm gebremst beziehungsweise 750 Kilogramm ungebremst an den Haken nehmen. Das geht in Ordnung. Zu beachten ist allerdings die Stützlast von lediglich 60 Kilogramm.

LuxuryLuxury AWD
AntriebRWDAWD
Leistung180 kW266 kW
Beschleunigung7,3 s5,1 s
Höchstgeschwindigkeit200 km/h200 km/h
WLTP–Reichweite530 km485 km
Batteriekapazität (brutto)77 kWh77 kWh
Ladeleistung DC144 kW144 kW
Ladezeit DC 10-80%ca. 38 min.ca. 38 min.
Ladeleistung AC11 kW11 kW
Ladezeit AC 10-100%ca. 7 hca. 7 h

In der Basis schon mit Vollausstattung

MG bietet den MGS6 EV in Deutschland nur in einer sehr umfangreichen Ausstattungslinie namens „Luxury“ an. Serienmäßig an Bord sind unter anderem die bereits erwähnte Wärmepumpe, das Head-up-Display, ein beheizbares Lenkrad, beheizte und belüftete Vordersitze, beheizte äußere Rücksitze sowie eine 360-Grad-Kamera. Auch die Assistenzsysteme sind allesamt serienmäßig.

Der Konfigurationsaufwand fällt damit minimal aus. Im Wesentlichen bleibt Käufern nur die Wahl zwischen Heck- und Allradantrieb, der Außenfarbe und einer hellen oder dunklen Innenausstattung. Bei vielen Wettbewerbern führen vergleichbare Ausstattungsmerkmale dagegen zu langen Aufpreislisten und treiben den Endpreis spürbar nach oben.

Für den MGS6 EV mit Heckantrieb ruft MG Motor mindestens 49.990 Euro auf. Mit anderer Außenfarbe (+900 Euro) und hellem Interieur (+450 Euro) steigt der Preis auf maximal 51.340 Euro. Für die Allradversion sind es mindestens 53.990 Euro beziehungsweise bis zu 55.340 Euro. Damit muss sich das Elektro-SUV auch preislich nicht verstecken.

Fazit

Mit dem MGS6 EV hat MG Motor ein Elektro-SUV auf den Markt gebracht, das in vielen Disziplinen überzeugt. Das Raumangebot ist großzügig, der Stauraum hoch, die Serienausstattung üppig und der Komfort auf Reisen spürbar. Auch Verbrauch und Reichweite gehen für ein Fahrzeug dieser Größe in Ordnung.

Beim Schnellladen zeigt der MGS6 EV allerdings noch Luft nach oben. 144 kW und rund 38 Minuten für den Ladehub von zehn auf 80 Prozent sind in diesem Segment 2026 kein Spitzenwert mehr. Im Alltag dürfte das je nach Fahrprofil unterschiedlich stark ins Gewicht fallen: Wer überwiegend kürzere Strecken fährt und viel Ausstattung zum festen Preis sucht, bekommt mit dem MGS6 EV ein stimmiges Gesamtpaket. Für häufige Langstreckenfahrten gibt es im Wettbewerbsumfeld allerdings Modelle mit höherem Ladetempo.

5 Kommentare

zu „Erste Ausfahrt im MGS6 EV: Geräumiges E-SUV mit Nachholbedarf beim Laden“
Paul-Gerhard Fenzlein
06.04.2026 um 08:04
Der MGS6 EV ist und bleibt in seiner technischen Auslegung klar ein Fahrzeug aus einem chinesischen Marktumfeld. Das zeigt sich vor allem beim Thema Laden. In China liegt die übliche Schnellladeleistung an vielen Standorten noch immer oft im Bereich von etwa 100 bis 150 kW. Höhere Ladeleistungen gibt es zwar ebenfalls, etwa bei NIO bis zu 640 KW, Xiaomi oder Xpeng um 500 kW, aber sie sind noch längst nicht flächendeckend verfügbar. Gerade zu Ferienzeiten führt das in China immer wieder zu langen Wartezeiten an stark ausgelasteten Ladeparks. Genau an diesem Punkt versucht BYD nun mit seinem sogenannten Flash Charging anzusetzen. Das klingt auf dem Papier mit bis zu 1,5 MW Ladeleistung spektakulär, verschleiert aber einen entscheidenden Punkt: Diese Leistung kommt in vielen Fällen eben nicht einfach direkt aus einem entsprechend starken Netzanschluss. Vielmehr werden bestehende Ladeparks von Partnerunternehmen und Partnerorganisationen offenbar mit Pufferspeichern nachgerüstet, damit kurzfristig sehr hohe Ladeleistungen überhaupt bereitgestellt werden können. Das heißt aber auch, dass hier vor allem mit hoher Spitzenleistung gearbeitet wird, nicht automatisch mit hohem dauerhaftem Tagesdurchsatz. Und genau dort liegt der kritische Punkt. Eine Ladeleistung von 1,5 MW pro Fahrzeug klingt beeindruckend, sagt für sich genommen aber noch wenig darüber aus, wie viele Fahrzeuge an einem solchen Standort tatsächlich pro Tag versorgt werden können. Wenn die Energie zunächst in Speichern vorgehalten und anschließend mit hoher Leistung abgegeben wird, dann hängt die reale Kapazität eines Ladeparks am Ende an der Größe dieser Speicher, an der Nachladeleistung aus dem Netz und an der tatsächlichen Auslastung. Mit anderen Worten: Hohe Peak-Werte auf dem Datenblatt sind das eine, der reale Durchsatz im Alltagsbetrieb ist etwas ganz anderes. Deshalb sollte man bei diesen Ankündigungen genauer hinschauen. BYD löst das Problem schwächerer oder begrenzter Netzanschlüsse nicht dadurch, dass plötzlich überall ausreichend starke Netzinfrastruktur vorhanden wäre, sondern indem man mit Pufferspeichern arbeitet. Das kann technisch sinnvoll sein, ändert aber nichts daran, dass damit Grenzen beim täglichen Fahrzeugdurchsatz bestehen. Genau deshalb sollte man solche Megawatt-Angaben eher als Marketing für Spitzenleistung verstehen und nicht automatisch als Beleg für eine flächendeckend überlegene Ladeinfrastruktur.
Basti
06.04.2026 um 10:03
Der hier erwähnte BMW iX3 ist doch schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr verfügbar und die Modellbezeichnung meint mittlerweile ein gänzlich neues Modell.
Daniel Bönnighausen
06.04.2026 um 10:50
Hallo,in meinem Fahrbericht beziehe ich mich auf den neuen BMW iX3.
Manfred
07.04.2026 um 08:15
Hallo Daniel, vielleicht hättest Du erwähnen sollen, dass Du den neuen noch nicht verfügbaren IX3 mit Heckantrieb meinst (ich glaube er ist noch nicht einmal im Konfigurator). Vielen Dank für den tollen Bericht. Macht Spaß den zu lesen.
Battie
06.04.2026 um 20:39
Design können sie bei MG, die Form des S6EV finde ich äußerst ansprechend, wenn auch nicht ganz frei von Zitaten anderer Hersteller, vor allem Mercedes.

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