Neuer Fahrassistent von Mercedes ab Ende 2026 in Deutschland verfügbar

Mercedes-Benz will sein neues Fahrassistenzsystem MB.Drive Assist Pro Ende diesen Jahres in einzelnen deutschen Städten verfügbar machen und Anfang 2027 deutschlandweit ausrollen. Das System bietet eine selbstfahrende Tür-zu-Tür-Navigation innerhalb von Innenstädten und war im Januar auf der CES in Las Vegas ein Hingucker.

Mercedes benz cla mbdrive assist pro
Bild: Mercedes-Benz

Bei MB. Drive Assist Pro handelt es sich um ein System auf SAE-Level 2, bei dem das Fahrzeug selbst lenken kann, aber der Fahrer immer in der Verantwortung bleibt und jederzeit wieder übernehmen können muss. Der Fahrer darf dabei zwar zeitweilig die Hände vom Lenkrad nehmen, aber nie die Augen von der Straße – daher spricht man auch von „hands-off, eyes-on“. Dabei fährt das System so zuverlässig, dass viele Fahrten komplett ohne Eingriff des Fahrers möglich sind – allerdings ist es bislang noch beschränkt auf Innenstädte.

Nun hat Mercedes-Entwicklungsvorstand Jörg Burzer nach einem Gespräch mit Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) auf LinkedIn mitgeteilt, das System solle „Ende 2026 in einzelnen deutschen Städten verfügbar sein und Anfang 2027 deutschlandweit ausgerollt werden“. Die ersten Städte werden laut einem „Handelsblatt“-Bericht Stuttgart und München sein.

Damit bringt Mercedes-Benz eine Technologie auf seinen Heimatmarkt, die bereits seit vergangenen Herbst in einer China-spezifischen Version in Zusammenarbeit mit dem dortigen Technologieanbieter Momenta auf dem Markt ist. Für westliche Märkte setzt Mercedes aber auf den US-Techriesen Nvidia als Partner und hat diese Variante auch bereits im Januar auf der CES in Las Vegas vorgestellt.

Mit seinem MB.Drive Assist Pro will Mercedes-Benz „Fahrassistenz und Navigation zu einem neuen, sicheren Fahrerlebnis verschmelzen“, so das Unternehmen. Auf Knopfdruck kann das Fahrzeug dabei durch die Stadt navigieren – vom Parkplatz bis zum Ziel. Dank des kooperativen Lenkansatzes von Mercedes-Benz sind Lenkanpassungen jederzeit möglich, ohne das System zu deaktivieren.

Mercedes-CEO Ola Källenius schwärmte auf der CES davon, er sei bei einer Testfahrt in San Francisco mehr als eine Stunde lang durch die Stadt gefahren, ohne jemals selbst eingreifen zu müssen. Das hochautomatisierte System MB. Drive Assist Pro auf SAE-Level 2 ersetzt dabei den bisherigen Drive Pilot auf SAE-Level 3.

Was zunächst wie eine Verschlechterung klingt – also das Downgrade von Level 3 auf Level 2 – soll in der Praxis erhebliche Vorteile bieten. Denn während das Level-3-System Drive Pilot nur in bestimmten Szenarien auf der Autobahn genutzt werden kann, sind Fahrzeuge mit MB.Drive Assist Pro in der Lage, auch im Stadtverkehr selbst zu fahren und durch komplexe urbane Situationen zu navigieren, zu bremsen, zu beschleunigen und auch Kreuzungen autonom zu handhaben. Jedoch eben mit der Einschränkung, dass hier der Fahrer gelegentlich selbst eingreifen können muss.

Heißt: Mit dem neuen MB. Drive Assist Pro können die Stuttgarter massiv Kosten sparen und zugleich teilautomatisiertes Fahren in deutlich mehr Situationen anbieten, also einen viel alltagstauglicheren Service als für das Szenario, langsam hinter einem Lkw mit maximal 95 km/h über die Autobahn zu tuckern. Da für Level 2 anders als für Level 3 keine teuren Laser-basierten Lidar-Sensoren erforderlich sind, kann der Service zudem deutlich günstigster angeboten werden.

linkedin.com, handelsblatt.com

14 Kommentare

zu „Neuer Fahrassistent von Mercedes ab Ende 2026 in Deutschland verfügbar“
Phil Osovi
26.05.2026 um 16:55
Schön, wenn ich aber von Stuttgart nach München fahren will, dann bin ich zu 90% auf der BAB und nicht im Stadtverkehr. Danke für nichts. Immer wieder bemerkenswert wie Rückschritte als Fortschritt verkauft werden, und ja, das ist eine Verschlechterung.
Anz
27.05.2026 um 08:47
Das kann auch auf der Autobahn fahren, zumindest technisch. Das ist wie Teslas FSD. Der alte Lvl 3 Assistent war eine teure Shownummer mit erheblich eingeschränktem Nutzen und meines Wissens auch nur in der S Klasse verfügbar. Das Ding wird spannend, wenn es wirklich in D so kommt, wie es beworben wird (wie FSD eben).
Cadrick Bauer
26.05.2026 um 18:15
Dann nimmt man Tesla FSD, dass das überall kann - dummerweise in der EU aktuell nur in NL und LIT zugelassen...
D-Tric
26.05.2026 um 22:37
FSD fährt nirgendwo, ohne dass es vom Fahrer überwacht wird. Genau wie das neue System von Mercedes. Das ist ja genau der Rückschritt. Das frühere Level 3- System von Mercedes brauchte man nicht zu überwachen. Dafür war es halt nur auf der Autobahn und mit einigen Einschränkungen nutzbar. Trotzdem für mich das sinnvollere System.
Erwin
26.05.2026 um 21:49
Also doch nicht überall
MEroller
27.05.2026 um 07:52
Tesla sFSD KANN überall, DARF nur noch nicht überall. Und Mercedes profitiert vom Vorpreschen von Tesla , die steinzeitlichen ECE Vorgaben zu umgehen, so dass deren europaweite Zulassung schon in der Mache ist.
Tesla-Bots-bitte entfernen
30.05.2026 um 12:29
Falsch
Robert
27.05.2026 um 07:23
bitte richtig lesen "Tesla FSD, dass das überall kann " es fehlt lediglich an der Zulassung aber das wird natürlich Mercedes und co mit Sicherheit durch ihre Lobbyarbeit verhindern das das in Deutschland zugelassen wird. Wahrscheinlich wird Deutschland das letzte Land der Welt sein das Tesla FSD zulässt.
ChriBri
27.05.2026 um 07:07
Ich finde jede Weiterentwicklung auf dem Gebiet gut. Mich würde der technische Unterschied zu FSD interessieren, das ja dasselbe macht (?). Warum darf dieses dann aktuell nicht in D eingesetzt werden?
MWF
27.05.2026 um 08:22
Komme ausm schmunzeln nicht mehr raus… da kopiert man nun auch endlich Vision only von Tesla. Gratuliere zu diesem Geistesblitz! Leider fehlen viele gefahrene Flotten-km. Aber es ist ein Anfang. Wer wissen will wie das dann auf jeder Strasse tadellos funktioniert, einfach mal einen Tesla in den USA oder NL oder Litauen fahren.
MMM
27.05.2026 um 16:45
Hallo MWF, vielleicht dazu einen kleinen Einwand von der offiziellen Pressemitteilung. Von Vision only kann hier nicht wirklich die Rede sein. Sie haben maximal den LIDAR raus genommen, aber vermutlich liegt der Unterschied im Preis eher an der Versicherung, statt der Hardware.Zitat von der Webseite "MB. DRIVE ASSIST PRO uses around 30 sensors, including ten cameras, five radar sensors and twelve ultrasonic sensors."Und zu den Streckenkilometer: "MB. DRIVE ASSIST PRO has been available in China since the end of 2025 and will also be launched in the US market later this year."Gibt tatsächlich von der CES ein schönes Video, mit ganz vielen Hindernisse durch Las Vegas (ca. 40 min).Unterm strich, sicher kein Pioneer aber auch nicht schlecht dabei und durch die Umstellung auf das Abo Modell bei Tesla glaube ich, dass es noch viel zu tun gibt und das Geld noch gebraucht wird.Let's see wer das Rennen gewinnt.https://group.mercedes-benz.com/technology/autonomous-driving/driving/mb-drive-assist-pro.html
ID3 Fahrer
27.05.2026 um 08:48
Was sich Mercedes wohl bei der Auswahl des Bildes gedacht hat? Für mich ist nichts unentspannenter als diese Handhaltung, wo ich zwar nichts mache, aber immer mit höchster Konzentration auf Fehler des Fahrzeugs warten muss. Da fahre ich doch weiterhin selbst
Frank
28.05.2026 um 08:47
Der Artikel vermittelt den Eindruck, Mercedes hätte eine Technologie in China basierend auf Momenta in den dortigen Autos und bringt dasselbe nun "mal eben" mit NVIDIA in westliche Märkte? Mag ja sein, dass die Sensoren quasi die gleichen sind und das sich dies für Mercedes sehr ähnlich anfühlt, aber die zugrundeliegende KI, die die zentrale Komponente eines ausgereiften fortschrittlichen ADAS oder später ADS darstellt, ist doch eine ganz andere(?!).Ferner heißt es im Artikel: "Dank des kooperativen Lenkansatzes von Mercedes-Benz sind Lenkanpassungen jederzeit möglich [...]". Das ist logisch. Die spannendere Frage ist: Wie häufig sind sie auf Tausenden gefahrenen Kilometern durchschnittlich nötig? Källenius' einzelne Werbeaussage aus San Francisco schenke ich wenig Vertrauen. Wenn man sieht, wie viele Daten aus real gefahrenen Meilen Tesla braucht, um das eigene System fit für den fahrerlosen Einsatz zu machen, dann befürchte ich, dass Mercedes tatsächlich vielleicht ungefähr auf dem Stand von Tesla vor fünf Jahren ist, als Musk schließlich auch schon sehr begeistert war.Dennoch schön zu sehen, dass in Deutschland etwas passiert.
Lukas
31.05.2026 um 14:02
Jetzt wissen wir was die Zulassung von Teslas fsd in Deutschland verlangsamt. Über 20 Mio km unfallfrei km in den Niederlanden und Litauen sind egal wenn genug Geld in die Lobbyarbeit Fließt um ein wahrscheinlich schlechteres system rauszubringen mit im Vergleich zu Tesla fast keinen echten Straßendaten.

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