11.06.2017

Formel E: Berliner Doppelrennen gleicht E-Volksfest

Die Zukunft der elektrischen Rennserie in der Hauptstadt ist dennoch ungewiss

In ihrem dritten Jahr hat die Formel E in Berlin ein Ausrufezeichen gesetzt. Eine professionelle Show, rund 25.000 Zuschauer – das Doppelrennen glich einem Volksfest für Elektromobilität. Und dennoch ist die Zukunft der Elektro-Rennserie in der Hauptstadt ungewiss. Denn München lockt.

Es hätte eigentlich kaum besser laufen können für die Elektro-Sause in der Hauptstadt: Die Sonne lachte, das Publikum kam in Scharen und das riesige Areal am Flughafen Tempelhof bot die perfekte Bühne für das Spektakel. Die Veranstalter haben, so konnten wir es am Wochenende zahlreichen Gesprächen entnehmen, offenbar einiges richtig gemacht. Attraktive Preise für Besucher, Aussteller und Gastronomen sorgten für ein volles Haus, oder besser ein volles Vorfeld. Die riesige überdachte Betonfläche vor dem früheren Flughafen-Gebäude, sie war im Gegensatz zur Erstausgabe vor zwei Jahren, proppevoll. Es ist keine einfache Übung, diese Fläche mit Leben zu füllen, so manche Veranstaltung in Tempelhof ist daran schon gescheitert. Nicht so die Formel E im Jahre 2017.

  • Vollstrom: Mit Elektro-Power drehten die Boliden über 40 Runden pro Rennen auf dem Tempelhofer Feld.
  • Elektromobilität, die Lust macht: Audi e-tron quattro.
  • Volles Haus: Die Ausstellungs- und Gastronomie-Fläche war am Samstag prall gefüllt.
  • Auch Olli, der autonome Elektro-Mini-Bus von Local Motors, durfte nicht fehlen.
  • Formel-E-Boss Alejandro Agag und Bürgermeister Michael Müller beim Rundgang.
  • Beratung aus erster Hand: Enel informierte über Ladeinfrastruktur, V2G und mehr.

Und dennoch ist die Stimmung nun etwas getrübt, denn die Zukunft der Elektro-Rennserie in Berlin ist ungewiss. Die Macher der FIA zieht es in die City, lief das Rennen aufgrund der Nutzung von Tempelhof als gigantische Flüchtlingsunterkunft im vergangenen Jahr doch in der östlichen Innenstadt ab. Formel-E-Boss Alejandro Agag gab denn auch die Richtung vor: „Wir müssen auf die Straße, ins Stadtzentrum, dort gehört die Formel E für mich hin“, sagte er. Ob das Publikum ihm zustimmen würde? Wir haben mit vielen Besuchern gesprochen, die im vergangenen Jahr auch auf der Karl-Marx-Allee dabei waren. Die einhellige Meinung: Tempelhof ist besser! Man sieht mehr vom Rennen, weil die E-Boliden nicht bloß auf gerader Strecke die Straße entlangsausen und dann hinter der nächsten Kreuzung verschwinden. Und die großen Flächen auf dem Vorfeld sorgen für mehr Möglichkeiten. Etwa das klimatisierte VIP-Zelt namens EMOTION-Club, durch welches sogar die Rennstrecke führte. Die besseren Fernsehbild – und darauf kommt es den Machen wohl an bei der Formel E – produziert ein Rennen in der City, mit Fernsehturm und Hochhäusern im Hintergrund.

2018 steigen die deutschen Hersteller BMW und Audi mit eigenen Werksteams in die Formel E ein. Und da beide aus Bayern kommen, steht nun als möglicher Austragungsort die Theresienwiese in München im Raum. Dort findet mit dem Oktoberfest jedes Jahr das weltgrößte Volksfest mit etwa 6 Mio Besuchern statt. Ob die TV-Bilder dort besser aussehen als am historischen Ex-Flughafen in Berlin mit seinem eindrucksvollen Vordach – unklar. Doch die Nähe zu BMW und Audi könnte den Unterschied machen. Und die überschaubare Gegenliebe der Berliner Politik ebenfalls. Dem Vernehmen nach wollte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) dem Rennen ursprünglich erst fernbleiben. Er ließ sich dann immerhin doch blicken. Der Gesichtsausdruck beim Rundgang mit Alejandro Agag sprach allerdings Bände. Der Funke scheint bei Müller jedenfalls nicht übergesprungen zu sein. Ganz anders als beim Publikum, das ein professionelles und unterhaltsames, wenn auch sportlich eher unspektakuläres Elektro-Volksfest erlebt hat. Für Berlin ist die Formel E – ob nun in der City oder in Tempelhof – ein Gewinn. Umgekehrt gilt das sicher genauso.

Und hier noch die sportlichen Ergebnisse: Sieger des Rennens am Sonntag wurde der Schweizer Sébastien Buemi (Renault e.dams) vor Felix Rosenqvist (Mahindra) und Lucas di Grassi (ABT Schaeffler Audi Sport). Am Samstag hatte Rosenqvist vor di Grassi und Nick Heidfeld (Mahindra) gewonnen.

Weiterführende Links:

berliner-zeitung.de >> „Konzept kommt bei jungem Zielpublikum gut an“

tagesspiegel.de >> „Das Rennen zieht Besucher aus aller Welt an“

rbb-online.de >> „Rennen um die Formel E noch nicht entschieden“

deutschlandfunk.de >> „Die Batterien werden immer besser“

zdf.de >> Formel E – gar nicht so grün wie gedacht

e-formel.de >> Ergebisse Rennen 2 am Sonntag

e-formel.de >> Ergebnisse Rennen 1 am Samstag




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2 Kommentare zu “Formel E: Berliner Doppelrennen gleicht E-Volksfest

  1. Das war eine super Veranstaltung. Ein Rennen an der elektrischen Technologiefront. Und autonomes Fahren mit Roborace. Ich möchte die Veranstaltung in Berlin nicht missen. Tempelhof finde ich auch gut, ein erstklassiges Ambiente. Vielleicht könnten das Rennen allerdings noch mehr Berliner Unternehmen rund um die e-mobilität als Schaufenster nutzen. Die Unternehmen gibt es in Hauf.

  2. ein Renault Sieg in München hätte sicher seinen Reitz. Vorsprung durch Technik und Freude am Fahren in einem..