27.01.2019 - 16:42

Formel E: Deutsches Doppelpodium beim Santiago E-Prix

Aus deutscher Sicht war das 3. Formel E Saisonrennen in Santiago, Chile, ein Erfolg: Pascal Wehrlein (Mahindra) und Daniel Abt (Audi Sport Abt Schaeffler) reihen sich ein hinter dem Briten Sam Bird, der erstmals in diesem Jahr siegt. Birds Team ist mit einem Antriebsstrang von Audi unterwegs, was natürlich auch die Ingolstädter freut. Lehrgeld zahlten BMW und HWA.

Bitte nicht täuschen lassen von den schneebedeckten Anden im Hintergrund! In der chilenischen Hauptstadt wurde Mensch und Technik im heißesten Rennen der Formel E Geschichte bei 37 Grad Außentemperatur alles abverlangt. Vor allem Reifen, Bremsen und Batterie kamen bei einer Streckentemperatur von 49 Grad an ihre Grenzen. Denn überschreitet die Batterietemperatur 72 Grad, bleibt das Auto einfach stehen. Am coolsten blieb an diesem Renntag wohl Sam Bird vom britischen Envision Virgin Racing Team, der schließlich als Erster vor Formel E-Rookie Pascal Wehrlein und Daniel Abt über die Ziellinie fuhr.

Zuvor erlebten Fahrer und Zuschauer ein zermürbendes Rennen, in dem aufgrund vieler Unfälle und technischen Schwierigkeiten wegen der Hitze nur 14 von 22 Fahrzeugen die Ziellinie überqueren konnten. Zu den namhaften Ausfällen zählten Pole-Position-Inhaber Sebastien Buemi (Nissan), aber auch Antonia Felix da Costa (BMW), der das Eröffnungsrennen in Riad gewann und letztlich in Runde 8 mit dem amtierenden Champion Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) kollidierte, wodurch beide ausfielen. Zehn Minuten vor Rennende erwischte es auch den amtierenden Champion Jean-Eric Vergne (DS Techeetah), der sich in Kurve 3 um 180 Grad drehte und vorzeitig ausfiel.

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Sam Bird dagegen fuhr von Beginn an ein kontrolliertes Rennen vom vierten Startplatz. Der 32-Jährige, der bereits seit der ersten Formel E-Saison dabei ist, schob sich in der ersten Runde direkt an Daniel Abt und Stoffel Vandoorne (HWA Racelab) vorbei und lauerte hinter Sebastian Buemi und Pascal Wehrlein (Mahindra) auf seine Chance. Nach 12 Minuten ging Bird im Attack Mode an Wehrlein vorbei und kämpfte fortan um jeden Millimeter mit Buemi an der Spitze. Massiv unter Druck gesetzt, rutschte der Schweizer 16 Minuten vor Rennende in die Mauer und zerstörte dabei seinen Frontflügel. Das war das Aus für Buemi – und die Führung für Bird.

Die schnellste Runde fuhr derweil Daniel Abt. Nach dem Santiago E-Prix sah man dem Kemptener die Strapazen mit hochrotem Kopf deutlich an: „Es war ein sehr, sehr hartes Rennen und super-warm da draußen. Es war nicht das beste Rennen meiner Karriere, aber manchmal muss man es easy angehen und cool bleiben, selbst wenn es schwer ist unter dieser Hitze. Wir haben unser erstes Podium, das war wichtig für jeden im Team. Jetzt ist es wichtig, dass wir weitere Fortschritte machen, besser werden und weiter pushen.“

Die Hitze sorgte offenbar nicht gerade für kühle Köpfe: Es hagelte nur so Strafen beim Santiago E-Prix. Allein sieben Fahrern wurden während des Rennens und nach dem Ende Strafen aufgebrummt für verschiedene Regelüberschreitungen. Am härtesten traf es Lucas Di Grassi. Im Qualifying überzeugte der Brasilianer mit einer Hammer-Zeit von 1:08:290 Minuten auf der 2,384 Kilometer langen Runde. Di Grassi fuhr über eine halbe Sekunde schneller als die Konkurrenz! Am Ende nutzte dem Audi-Piloten die dominante Qualifying-Zeit nichts – wegen einer Regelüberschreitung während seiner “In-Lap“, also nach der schnellen Runde auf dem Weg zurück in die Box. Nach der gelöschten Qualifying-Zeit startete Di Grassi vom letzten Startplatz, kämpfte sich aber bis auf Platz 8 vor. Wegen einer Zeitstrafe rutschte er am Ende noch aus den Punkten von P8 auf P12.

Ähnliche Enttäuschung bei BMW-Fahrer Alexander Sims, der Edoardo Mortara in der Schikane (Kurve 9) von hinten anfuhr und dadurch einen Dreher des Venturi-Piloten verursachte. Durch die 19-Sekunden-Zeitstrafe nach Rennende fiel Sims vom dritten auf den siebten Platz zurück und BMW ging wie schon im letzten Rennen ein Podiumsplatz verloren.

Das deutsche Team HWA Racelab aus Affalterbach musste ebenfalls einiges an Lehrgeld bezahlen. Zumindest beendete Gary Paffett erstmals ein Formel E-Rennen über die volle Distanz. Und zwar auf dem 14. Rang. Teamkollege Stoffel Vandoorne musste nach einem Unfall vorzeitig das Rennen im O’Higgins Park beenden.

HWA Teamchef Ulrich Fritz: „Heute haben wir beides gesehen – Licht und Schatten. Das Qualifying mit P5 für Stoffel war ein tolles Ergebnis. Das Rennen jedoch war erneut enttäuschend. Am Anfang sah alles gut aus und Stoffel konnte sich innerhalb der Top 6 behaupten. Dann hatte er leider einen Unfall und sein Rennen war beendet. In Bezug auf Gary würde ich sagen, dass er seinen Job gemacht und das Rennen beendet hat. Dies war unser Hauptziel für heute, da jeder Rennkilometer für uns nützliche Informationen für die Zukunft bedeutet.“

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Ein weiterer Pechvogel aus deutscher Sicht war Formel E-Neuling Maximilian Günther (GEOX Dragon), der sich im Qualifying gut positioniert hatte und von Platz 7 starten konnte, dabei auch seinen Teamkollegen „Pechito“ Lopez hinter sich ließ. Nach 16 Rennminuten trat allerdings Ernüchterung ein, als sein Wagen einfach stehen blieb wegen eines Defekts an der Batterie. Wie heißt es in einem bekannten Film-Zitat: „Shit happens.“

Ein völlig anderes Bild beim anderen Rookie Pascal Wehrlein, dem in seinem zweiten Formel E Rennen bereits der Sprung auf das Podium gelang. Und es wäre fast noch mehr drin gewesen, denn bis zur letzten Runde klebte Wehrlein am Heck von Sam Bird. „Ich war so nah dran. Ich war kurz vor einem Überholmanöver in Kurve 12, als mir das Team sagte, ich solle langsam machen und auf Sicherheit fahren, weil die Batterietemperatur im kritischen Bereich lag – und ich wollte schließlich das Rennen beenden! Das war etwas schade und ich war etwas sauer im Auto“, sagte Wehrlein. „Aber jetzt nach dem Rennen fühlt es sich gut an. Das Team und ich passen perfekt zusammen.“

Mit dem Sieg in Chile verkürzte Sam Bird (43 Punkte) den Rückstand im Gesamtklassement auf Jerome d’Ambrosio (44 Punkte). Das Grinsen von Bird und seinem Team nahm bei der Siegerehrung kein Ende. Eingerahmt von den beiden Deutschen Wehrlein und Abt ertönte zweimal hintereinander die britische Hymne „God Save the Queen“ für den siegreichen Fahrer und das Team. Der 3. Lauf der ABB Formula E machte Lust auf mehr in dieser Saison! In drei Wochen geht es weiter in Mexiko, bevor am 24./25. Mai auch Zwischenstopp in Berlin ist. Wer beim Ticketkauf sparen möchte, sollte noch bis Ende Januar zuschlagen und vom 20% Early-Bird-Rabatt für den Berlin E-Prix profitieren.

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