17.02.2019 - 18:37

Formel E: Audi Abt Schaeffler mit Foto-Finish in Mexiko

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Audi Sport Abt Schaeffler feierte am Samstag seinen ersten Formel-E-Sieg in dieser Saison. Der Brasilianer Lucas Di Grassi triumphierte beim Mexico City E-Prix durch ein Überholmanöver fünf Meter vor Ziel in einer sagenhaften Art und Weise, wie es nur beim vollelektrischen Motorsport möglich ist. 

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Dem Führenden Pascal Wehrlein ging wenige Meter vor der Ziellinie der Saft aus, weil sein Akku komplett leer war. Di Grassi nutzte die Gelegenheit und passierte den Mahindra mit einem schnellen Manöver kurz vor der karierten Flagge. Äußerst bitter für den Deutschen vom Team Mahindra: Der Formel-E-Rookie Wehrlein startete von der Pole Position aus und führte das gesamte Rennen über. Wegen einer 5-Sekunden-Zeitstrafe am Ende stand Wehrlein noch nicht einmal auf dem Podium, sondern musste sich mit Platz 6 begnügen, hinter seinem Teamkollegen Jerome D’Ambrosio auf Platz 4.

„Das war wohl das beste Formel E Rennen meiner Karriere“, sagte schließlich Gewinner Di Grassi. „Es war ein Mix aus Geduld am Anfang um Energie zu sparen, um dann später im richtigen Moment die entscheidenden Moves zu machen. Ich wußte, ihm geht irgendwann die Energie aus, also hatte ich die letzten 5 Runden unentwegt Druck gemacht.”

Normalerweise dauert ein Formel-E-Rennen 45 Minuten. Samstagnacht zögerte sich das Rennende eine halbe Stunde länger hinaus als eigentlich üblich. Um 0:17 Uhr deutscher Zeit folgte ein dramatisches Finish auf der Ziellinie. Erneut hatte die Formel E bewiesen, dass jedes Rennen einzigartig ist, nichts ist vorhersehbar.

Entscheidend bei Elektrofahrzeugen ist das richtige Energiemanagement. Nicht nur im regulären Straßenverkehr, auch in der Formel E ist die Rekuperation ein entscheidender Faktor. Die Batterie liefert 200 kW an Leistung während der Fahrt, durch Rekuperation können die Fahrer beim Bremsen mit einer Leistung von bis zu 250 kW Energie zurückgewinnen. Eurosport-Experte Jan Seyffarth erklärte den TV-Zuschauern sehr anschaulich: „Ungefähr 30% der Energie musst Du im Rennen rekuperieren. Das heißt also, Du hast zum Start etwa 30% zu wenig Energie an Bord, die Du während des Rennens wieder reinspielen musst, um es am Ende ins Ziel zu schaffen.“ Merke: Nicht der schnellste Fahrstil gewinnt, sondern der effizienteste. Was auch im normalen Straßenverkehr eine lehrreiche Lektion für viele Autofahrer wäre.

Im vorherigen Rennen spielte die Batterie bereits eine entscheidenden Rolle – bei 49 Grad Streckentemperatur in Santiago. Denn die maximale Batterietemperatur beträgt 74 Grad Celsius – dann schaltet sie ab. Ab 72 Grad rekuperiert der Wagen auch nicht mehr. Bei den frühlingshaften Bedingungen in Mexiko-Stadt war die Außentemperatur von 29 Grad dagegen vernachlässigbar.

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40.000 mexikanische Fans an der Strecke erlebten eine turbulente Startphase. Das Rennen musste nur wenige Minuten nach dem Start wegen eines brachialen Crashs unterbrochen werden. Nelson Piquet Jr. (Panasonic Jaguar Racing) war mit Champion Jean Eric Vergne (DS Techeetah) kollidiert und mehrere Meter an der Mauer entlang geschrammt. Der Brasilianer konnte immerhin unverletzt aus seinem Wagen aussteigen. Dennoch wurde die Strecke für Aufräumarbeiten gesperrt und alle verbleibenden Rennautos sammelten sich in der Boxengasse. Nach 20 Minuten Pause ging es weiter. Bis zu dem Zeitpunkt waren gerade einmal fünf Runden absolviert. An ein reguläres Rennende vor Mitternacht (17 Uhr Ortszeit) war nicht mehr zu denken.

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Das deutsche Team HWA Racelab zahlte erneut viel Lehrgeld: Nach dem Re-Start konnte Ex-Formel-1-Pilot Stoffel Vandoorne vom Ende des Feldes kommend zunächst einige Positionen gut machen. Das zu frühe Aktivieren seiner Fanboost-Zusatzenergie – was erst innerhalb der letzten 23 Minuten des Rennens erlaubt ist – warf den Belgier jedoch wieder zurück, so dass er am Ende den 18. Platz belegte. Gary Paffett, der britische DTM-Champion im Team von HWA Racelab, platzierte sich mit dem 16. Platz knapp vor seinem Teamkollegen.

„Das Wochenende lief nicht so, wie erwünscht“, sagte HWA-Teamchef Ulrich Fritz. „Das Ergebnis mit zwei Autos am Ende des Feldes ist ziemlich enttäuschend, um ehrlich zu sein. Das Rennen war ziemlich chaotisch und es war nicht viel für uns drin. Positiv zu vermerken ist, dass wir wieder etwas mehr Kilometer sammeln konnten, da beide Autos das Rennen beenden konnten.“

Noch hinter den HWA reihten sich die beiden Nissan-Piloten Oliver Rowland und Sebastien Buemi ein. Nissan – in diesem Jahr neu dabei als Ersatz für Renault – hätte mit Platz 3 und Platz 4 das bestes Ergebnis einfahren können. Zu Beginn der letzten Runde fiel der Akkustand beider Nissans allerdings auf 1 Prozent ab. Ihnen ging also wie schon Pascal Wehrlein vorzeitig der Saft aus und so wurden die beiden Nissan-Piloten mit verringerter Leistung bis zum Ende des Feldes durchgereicht – auf die Plätze 19 und 20.

„Wir dachten, wir hätten hier eine Chance auf den Sieg, aber am Ende reichte es nicht“, sagte Nissans Global Motorsport Director Michael Carcamo. „Als Nissan sind wir begeistert von dem Event hier in Mexiko Stadt. Eine ausverkaufte Kulisse voller passionierter Fans, eine großartige Aktivierung unserer Marke im E-Village und brillante Anlage für unsere Mediengäste. Das ist das perfekte Beispiel, warum für uns die Formel E so eine attraktive Plattform ist.”

Ausgelassene Freude herrschte derweil bei Audi nach dem dritten Mexiko-Sieg in Folge. Lucas Di Grassi war zum zweiten Mal nach 2017 erfolgreich, Daniel Abt gewann im Vorjahr. Der Kemptener erkämpfte diesmal immerhin einen Meisterschaftspunkt, indem er vom 21. Startplatz auf Platz 10 vorfuhr.

Nutznießer der chaotischen Schlussphase waren übrigens BMW und der monegassische Rennstall Venturi, der mit einem ZF-Antriebsstrang unterwegs ist. Antonio Felix da Costa (BMW) und Edoardo Mortara (Venturi) profitierten von den leeren Stromspeichern ihrer Vorderleute und schoben sich in den letzten drei Runden von Platz fünf und sechs noch auf das Podium.

Der Meisterschaftsführende bleibt derweil Jerome d’Ambrosio (53 Punkte), vor BMW-Fahrer Felix Da Costa (46 Punkte). In drei Wochen gastiert die Formel E in Hong Kong. Ende Mai ist Zwischenstopp auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin. Wer an Tickets interessiert ist, sollte sich beeilen: Für den Samstag sind bereits 80 Prozent der Tickets verkauft.

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