30.10.2020 - 00:01

„Connect“-Ladenetztest: EnBW ist der beste EMP, Ionity der beste CPO

Die Zeitschrift „Connect“ hat zusammen mit der Unternehmensberatung Umlaut auf Basis von zahlreichen Testfahrten mit häufigen Ladestopps die zweite Ausgabe des „Ladenetztests“ durchgeführt. Neben Deutschland wurden dabei sowohl EMP und CPO in Österreich und der Schweiz untersucht.

Letztere wurden laut der „Connect“-Mitteilung ausgewählt, da sie als Urlaubs- und Transitgebiete häufig das Ziel deutscher Elektroautofahrer seien. Umgekehrt habe eine Untersuchung von Hubject ergeben, dass 66 Prozent aller Ladevorgänge in Österreich und sogar 84 Prozent in der Schweiz über ausländische E-Mobility-Provider (EMP) gestartet und abgerechnet werden.

Im Vergleich zur ersten Ausgabe aus dem Juni, als ausschließlich in Deutschland HPC-Lader mit mindestens 150 kW untersucht wurden, hat sich also das Gebiet der Untersuchung geändert – nicht aber die Testsieger in Deutschland: Bester EMP ist demnach EnBW mobility+, bester Ladepunkt-Betreiber (Charge Point Operator, CPO) ist Ionity.

Kern der Untersuchung waren Faktoren wie die Zuverlässigkeit, das Handling bzw. Nutzererlebnis sowie der Kundenservice. Dafür haben die Tester von Umlaut mit einem Porsche Taycan 4S und einem Audi e-tron 55 quattro drei bis fünf Standorte eines Ladepunktbetreibers aufgesucht. Anmeldung und Abrechnung fanden soweit möglich über die getesteten EMP statt. Während des Ladens füllten die Tester Protokolle zu den Gegebenheiten vor Ort, zum Ablauf des Tankvorgangs sowie den aufgetretenen Fehlern aus. Zudem nahmen sie während des Ladens Kontakt zu den Hotlines auf, um die Servicequalität zu prüfen. Aber: Wie bei etwa bei den Mobilfunk-Netztests von „Connect“ waren die Tarife – sowohl der EMP als auch beim Ad-hoc-Laden über den CPO) nicht Gegenstand der Bewertung.

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Für EnBW mobility+ sprach demnach, dass die „durchdachte App“ bei Bedienung und Funktionsumfang überzeugen konnte – so sei etwa die im Juni als hakelig kritisierte Einrichtung des App-Benutzerkontos deutlich verbessert wurden. Die Ladevorgänge konnten zuverlässig gestartet werden, zudem sei die Preisgestaltung „übersichtlich und transparent“ – um deren Höhe ging es aber nicht. Einzig die fehlende Integration von Lade-Zwischenstopps in die Routenführung bemängelte „Connect“. Dennoch: „sehr gut“ mit 851 von 1.000 möglichen Punkten.

Das zweitplatzierte Maingau Energie konnte zwar mit einer übersichtlichen App und hohen Anzahl an Ladestationen punkten, Ladestopps können aber nicht in die Routenführung integriert werden – mit 794 Punkten ergibt das ein „gut“. In anderen Vergleichen ist Maingaus „EinfachStromLaden“ wegen der letzten Änderung des Tarifmodells zurückgefallen, sogar die Verbraucherzentrale Bund hat Maingau deshalb abgemahnt.

Bei dem drittplatzierten Shell Recharge (776 Punkte und „gut“) sieht „Connect“ die fehlende Routenführung zu den Ladepunkten sowie die fehlende Bezahlmöglichkeit mit Kreditkarte. Beim viertplatzierten Alpiq (571 Punkte und „ausreichend“) kam es offenbar zu App-Abstürzen und die Preisanzeige funktionierte nicht.

Smatrics in Österreich ohne Konkurrenz

Der beste EMP in Österreich ist laut „Connect“ Smatrics. Was allerdings nicht verwundert, denn Smatrics ist der einzige österreichische EMP – Wien Energie musste offenbar aus der Wertung genommen werden. Mit 701 Punkten fällt das Urteil aber nur „befriedigend“ aus, da an den Standorten teilweise die Nummerierung der Ladepunkte nicht eindeutig sei under freie Ladesäulen als besetzt angezeigt wurden.

In der Schweiz liegt der Anbieter Move, ein Gemeinschaftsunternehmen der Energiedienstleister Alpiq, ewb, Groupe E und Primeo Energie vorne – 777 Punkte ergeben ein „gut“. Der zweitplatzierte Anbieter Swisscharge liegt mit 773 Punkten jedoch nur knapp dahinter.

Als besten CPO haben die Tester in allen drei Ländern Ionity gekürt. Die Säulen hätten durch ein „ein überzeugendes Ladeerlebnis und eine hohe Zuverlässigkeit“ gepunktet. Potenzial für Verbesserungen gebe es bei Ausschilderung, Wetterschutz und Bezahlmöglichkeiten. Mit 855 Punkten schneidet Ionity in Deutschland aber besser ab als in Österreich (830 Punkte) oder der Schweiz (812 Punkte). In Österreich monierten die Tester, dass die Säulen zu wenig Informationen anzeigen (z.B. die Ladeleistung). In der Schweiz gab es zum Teil Abzüge, weil an einigen Standorten kein WC zur Verfügung stand.

In Deutschland folgten EnBW als CPO und Fastned auf den Plätzen zwei und drei, jeweils mit „guter“ Bewertung. Die Anbieter auf den Plätzen vier bis sieben (Allego, E.On, E-Wald und Comfortcharge) erhielten jeweils ein „befriedigend“, oft wegen technischer Probleme oder nicht funktionsfähiger Säulen.

Ergebnisse „insgesamt erfreulich“

In Österreich folgte nur zwei Punkte hinter Ionity der vor allem auf Westösterreich fokussierte Anbieter Da emobil. Kelag auf Platz 3 erzielte noch ein „gut“, die Ladepunkte von Smatrics – wie EnBW sowohl als EMP als auch als CPO unterwegs – konnten „nicht ganz überzeugen“. So waren etwa QR-Codes und Nummerierungen falsch angebracht, was nur ein „befriedigend“ ergab.

In der Schweiz folgte auf Ionity das Zürcher Unternehmen GoFast, hier bemängelten die Tester unterschiedliche Preise je nach Standort. Auf Platz 3 kommt Move (Platz 1 bei den EMP), bei den selbst betriebenen Ladepunkte waren teilweise die Kabel zu kurz und die Beschilderung sei „verbesserungswürdig“.

Insgesamt bezeichnet „Connect“ die Ergebnisse des zweiten Ladenetztests als „insgesamt erfreulich“. „Elektromobilität wird ohne vernünftiges Ladenetz und ohne Konnektivität kein Erfolg“, sagt Dirk Waasen, Herausgeber und Verlagsleiter bei „Connect“. „‚Connect‘ möchte in der Kooperation mit Umlaut durch hochqualitative Tests zu einer Verbesserung dieser Ladenetzinfrastruktur beitragen – so wie seit Jahrzehnten im Mobilfunk- und Festnetzbereich.“
connect.de

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10 Kommentare zu “„Connect“-Ladenetztest: EnBW ist der beste EMP, Ionity der beste CPO

  1. Peter Weber

    Hat man den bei der Bewertung auch berücksichtigt, dass Ionity keinen Chademo-Anschluss anbietet.
    Das ist bei EnBW, Fastnet und co. anders.
    Ich brauche diesen Standard zwar nicht, aber es gibt viele, die darauf angewiesen sind.
    Mit falschen, verwirrenden oder fehlenden Nummerierungen haben wir bei jeder Urlaubsfahrt bei Alego zu kämpfen. Genau so schafft Alego an ihren schlecht abzulesenden Displays Verwirrung, welcher Stecker denn jetzt UltraCCS und welcher “nur” CCS ist.
    Naja es wird alles besser….

    • Anduko

      Fastned baut die Chademo Anschlüsse zurück.
      Nur in Hilden gibt es neue Lader mit Chademo. Was aber nur passiert weil der Verpächter das gefordert hat. Sonst wäre das nicht passiert.
      Allego ist schlechteste was ich an Ladesäulenanbieter je erlebt habe1

      • VoglioEMO

        Die Performance von Allego sehe ich durchwachsen, Innogy hingegen ist für mich das Allerletzte.

        Säulen bzw. ganze Lade-Stützpunkte ( von Park möchte ich bei zwei Säulen nicht sprechen ) fallen aus und werden über Wochen nicht instand gesetzt…eine Frechheit sondersgleichen.

        • Oaito

          Seit Ende 2015 fahre ich mit einem Tesla Model S 85 und CHAdeMO Adapter DC-Ladesäulen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfahlen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein an. Auf Strecke nutze ich natürlich Teslas Supercharger, aber unter der Woche bin ich im Rahmen von Kundenprojekten vor Ort unterwegs und sammle so meine Erfahrungen.

          Und die bestätigen leider die unterirdische Performance bei Innogy und deren teils Monate dauernden Ausfallzeiten von den Efacec QC45 50kW Triple Chargern, im Wechsel zu “kurzen” Ausfallzeiten, die nur mit einem Reset durch einen Techniker an der Säule durchgeführt werden können.

          Dies war leider so vor Covid, ist währenddessen nicht besser geworden. Hinzukommen wiederholte Ladeabbrüche, das ist unbequem und bei Säulen mit Abrechnung pauschal pro Ladevorgang mit ~10-15 Minuten zusätzlicher Zeit in der Störungshotline, damit ein neuer Ladevorgang gestartet werden kann ohne erneute Berechnung. Und das habe ich schon bis zu viermal während eines Ladens erlebt.

          Toll war, dass teilweise über Jahre hinweg der Strom kostenlos abgegeben wurde. Damals hatte ich schon der Hotline von den Abbrüchen berichtet, ohne Änderung. Die Ladesäulen an den Tank & Rast Standorten wurden dann nach etwa zwei Jahren umgestellt auf die pauschale Abrechnung, inkl. Abbrüchen 🙁

          Innogy stellte dann über seine lokalen Stromanbieter weitere Efacec QC45 auf, in meiner Heimatregion allein 16 Stück, davon 12 kostenfrei. zum 1. Juli wurden diese dann auf Abrechnung umgestellt. Als Folge der Umstellung wurden die Ladestationen wochenlang nicht mehr in der innogy “eigenen” App echarge+ bzw. auf deren Website nicht auf den Karten angezeigt.

          Nun gibt es eine erneute Umstellung auf e.on edrive. Die Säulen an den Tank & Rast Standorten sind mit neuen Aufklebern bestückt, lassen sich in der App nicht aktivieren und die Hotline kann sie schlicht im System nicht finden…

          Sieht für mich so aus, als würde die Fahrt, die Innogy im Rahmen emobility aufgenommen hatte, durch den Verkauf an E.ON Stück für Stück ausgebremst, hoffen wir das nach der Umstellung E.ON es zum Guten wendet, sehr zuversichtlich bin ich zur Zeit nicht, der Deal zwischen RWE und E.ON hat die für uns notwendige Konkurrenz erheblich eingeschränkt.

          Viele Grüße! Oaito.

  2. Jürgen Baumann

    Immerhin mal eine Übersicht aus der DACH Region. Ist mir so so, oder fehlt hier beim Testen nicht eine bekannte Marke? Oder kommen der Taycan und der E-tron damit nicht zurecht? Wäre ja auch mal einen Vergleich wert …
    By the way – ich fahre keinen Tesla, würde aber gerne mal eine Standortbestimmung sehen.

    • Matt

      Nachdem im Text steht, dass mit einem eTron und einem Taycan getestet wurde, wären die Tesla Supercharger mit ihrem proprietären System überhaupt nicht nutzbar gewesen. Daher find ich das schon okay.
      By the way – ich fahre einen Tesla und der Vergleich CPO/EMP hätte dann wohl nur auf dem Aspekt Netzwerk statfinden können.

  3. Jürgen Ebbinghaus

    Leider weigert sich Ionity, an der EN BW Lösung teilzunehmen.
    Ist halt nur als Premiumanbieter für deutsche Autohersteller gedacht, alle anderen zahlen deutlich mehr.
    Innogy habe ich als Anbieter gesperrt, nachdem ich an mehreren Autobahnraststätten vor defekten Säulen stand, zum Teil defekt in beide Fahrtrichtung.
    Die Ladestruktur ist derzeit mehr als schlecht.

  4. Friesen

    Solange nicht flächendeckend mit EC oder Kreditkarte bezahlt werden kann bei gleichzeitiger vollständiger Preistransparenz ist Elektromobilität indiskutabel.

  5. Lars Scheithauer

    Ich wusste gar nicht das man bei ENBW tanken kann.

  6. Manfred

    Tesla ist kaum vergleichbar. Das fängt schon damit an, dass man einmal im Account eine Kreditkarte hinterlegt und dann das Auto zum Laden nur einstecken muss. Das reduziert die Anzahl möglicher Probleme massiv.

    Supercharger funktionieren einfach. Die Zuverlässigkeit ist ungeschlagen.

    In punkto Transparenz ist der fixe Preis pro kWh und die Live-Anzeige der Kosten des aktuellen Ladevorgangs im Auto nicht zu überbieten.

    Die Tesla-App funktioniert zudem ebenfalls wunderbar problemlos.

    Selbst die Hotline bei Tesla funktioniert relativ gut und ist nicht mit der bei Tesla sonst teilweise herrschenden Servicewüste vergleichbar.

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https://www.electrive.net/2020/10/30/connect-ladenetztest-enbw-ist-der-beste-emp-ionity-der-beste-cpo/
30.10.2020 00:13