22.02.2021 - 10:03

VW strafft E-Ziele – Artemis vor dem Aus?

VW hat seine konzernweiten Elektro-Ziele offenbar verschärft. Im Jahr 2030 soll der E-Anteil laut einem Medienbericht deutlich höher ausfallen als bisher geplant. Dafür werden auch die Entwicklungsaufgaben unter den Konzernmarken neu verteilt – das betrifft wohl auch das Audi-Projekt Artemis.

Die Informationen zu den verschärften Elektro-Absatzzielen geht auf den VW-Chefstrategen Michael Jost zurück. „2030 sollten 70 Prozent aller verkauften Autos des Konzerns rein elektrische Antriebe haben“, sagte Jost dem „Manager Magazin“. Bisher wurde als Zielmarke für das Jahr 2030 ein E-Anteil von 50 Prozent genannt. Die 20 zusätzlichen Prozentpunkte würden bei einem Jahresabsatz von rund zehn Millionen Fahrzeugen also rund zwei Millionen zusätzlichen Fahrzeugen entsprechen.

Um dieses Ziel zu erreichen, plant VW offenbar auch bei der Plattform-Strategie um: Statt vier Modellarchitekturen soll laut dem „Manager Magazin“ künftig eine zentrale Basisstruktur „für so gut wie alle Autos“ eingesetzt werden. Die „Scalable System Platform“ oder kurz SSP soll vor allem die Elektronik-, Software- und Rechnersysteme für die Autos umfassen. An diesen Kern können dann die Antriebs- und Batteriesysteme angedockt werden, so der Bericht.

Sollten die in dem Bericht ohne genaue Angabe von Quellen genannten Information – es wurden lediglich Formulierungen verwendet wie „hieß es bei Volkswagen“ – zutreffen, würde das nicht nur den MEB in seiner heutigen Form beeinflussen, sondern auch die weitere Produkt- und Plattformstrategie des Konzerns. Eine Bestätigung oder ein Dementi seitens VW enthält der Bericht aber nicht.

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Ebenfalls ohne konkrete Nennung von Quellen berichtet das „Manager Magazin“ über eine erste Folge der Strategie: Das bei Audi angesiedelte Artemis-Projekt, in dessen Rahmen bis 2024 eine Premium-Elektro-Limousine entwickelt werden sollte, wird offenbar neu aufgesetzt. Obwohl Audi erst im Dezember die Taskforce Artemis zu einer eigenen GmbH gemacht hatte (mit dem Projektleiter Alex Hitzinger als Geschäftsführer), soll Audi nun eine Kehrtwende vollzogen haben. Das Modell – in Berichten immer wieder „Landjet“ genannt – solle künftig wieder von der Entwicklungsorganisation betreut werden, „heißt es bei Audi“. Geschäftsführer Alex Hitzinger verliere die Verantwortung, er solle stattdessen das mögliche Digitalgeschäft rund um das Modell betreuen.

Wie auch bei VW gibt es zu der Artemis-Passage keine Stellungnahme seitens Audi. Artemis bezeichnete auf Anfrage von electrive.net die Darstellung in dem Bericht als „sehr verkürzend“. „Artemis wurde als Inkubator und Beschleuniger gegründet und agiert als eigenständige GmbH in einem geschützten Raum“, so ein Sprecher. „Entwicklungszyklen werden durch die zur Anwendung kommenden innovativen Entwicklungsmethoden, -prozesse und -tools deutlich verkürzt. Das hat wegweisende Funktion für den gesamten Konzern.“ Das erste Modell „mit wertvollen Ideen aus dieser Tech Company“ werde 2024 an den Start gehen. „Kundenfokus ist die wesentliche und maßgebliche Richtschnur“, so der Sprecher weiter. „Darunter fallen dann gegebenenfalls auch die Ausgestaltung und Entwicklung eines Ökosystems.“ Zu den konkreten Aussagen des Artikels, wonach die Entwicklung des „Landjet“ wieder bei Audi angesiedelt sei, machte der Sprecher keine Angaben.

Wie das „Manager Magazin“ in einem weiteren Artikel schreibt, sei die „offizielle Lesart“, dass die Konzeptphase abgeschlossen sei – was durchaus zur Erklärung des Artemis-Sprechers passen könnte. „In Ingolstadt“ heiße es allerdings, dass Hitzinger „enttäuscht“ habe. Er soll zu viele Wünsche und Ideen eingebracht haben, die nicht für eine profitable Serienfertigung geeignet seien, so der Bericht. Allerdings wurde der frühere Motorsport-Entwickler von Audi-Chef Markus Duesmann (ebenfalls mit Motorsport-Hintergrund) mit dem Artemis-Projekt betreut, weil er eben nicht in den üblichen Beschränkungen der Serienproduktion denkt. Ein anderer Punkt: „Noch dazu habe man begriffen, dass Einzelmodelle nicht ausreichten gegen Tesla.“ Mit der oben beschriebenen Plattform-Strategie wären proprietäre Lösungen in der Tat kontraproduktiv.

VW entwickelt Flach-Plattform, Audi die SUV?

Die neue Aufgabenteilung zwischen Wolfsburg und Ingolstadt soll recht klar sein: VW entwickelt in seinem Projekt Trinity die passenden Plattform-Module für flache Kompakt- und Mittelklasseautos, auf denen Limousinen und Kombimodelle für den gesamten Konzern aufbauen sollen, so das „Manager Magazin“. Audi entwickle hingegen unter dem Projektnamen Apollon die SUV-Varianten.

„Wir sind schon angedockt bei Trinity“, erklärte Audi-Chef Markus Duesmann im Interview mit „Business Insider“. Der Vertraute von VW-Konzernchef Herbert Diess sagte weiter: „Wir arbeiten zusammen an einem Schwestermodell für Audi. Es gibt ein gemeinsames Projekthaus mit Volkswagen und das ist genau die Zusammenarbeit im Konzern, die wir brauchen.“

In dem Interview betonte Duesmann zudem die Wichtigkeit der Software und Steuergeräte für die ambitionierten E-Ziele. „Man braucht eine zentrale E-Computerarchitektur“, so der Audi-Chef. „Und diese Technologie für reine Elektroautos wird über das gesamte Produktportfolio skaliert.“

Aber: An dem dem Interview, zu dem am Montag ein Vorab-Bericht veröffentlicht wurde, hatte auch Hitzinger teilgenommen und wird noch als Artemis-Chef betitelt. Hitzinger äußert dort sehr wohl den Plattform-Gedanken. „Die E-Architektur mit Computer ist das Herz des künftigen Autos. Das wird dann die wahre Fahrzeugplattform sein“, so Hitzinger. „Entscheidend ist also die Computing- und die Software-Plattform. Beide müssen iterativ weiterentwickelt werden. Und nicht für jedes Modell wieder von ganz vorn.“
manager-magazin.de, manager-magazin.de, businessinsider.de

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10 Kommentare zu “VW strafft E-Ziele – Artemis vor dem Aus?

  1. Djebasch

    Bekommt da der Erste Hersteller Panik…
    Schon blöd wenn man nicht weit genug voraus denkt.
    Was bringt es Autos rauszubringen die 4-500km auf dem Papier schaffen aber nicht in der Realität , das fällt halt langsam auf…
    Wenn jetzt Hersteller mit Realen Reichweiten von 5-600 km kommen wäre das die Richtung die gewinnt.

    • Sebastian

      Welche Hersteller sollten das sein? EQS oder Lucid Air rechnen auch nur nach WLTP und 100%. Jeder der schon mal E-Auto gefahren ist, weiß was das in der Realität bedeutet. Wichtiger als die schiere Reichweite, ist eher die Ladeleistung bis 80%.

  2. BEV

    ich versteh es noch nicht so ganz, ich wäre davon ausgegangen, dass dieser “Landjet” (furchtbarer Name), auf PPE aufbaut …
    Das klingt hier mehr nach dem Elektronik und Software Architektur, also das was beim VW ID schon nicht funktioniert, weniger um Antrieb und Blech.
    Macht ja Sinn im ganzen VW Konzern das selbe System einzusetzen.

  3. Kommentator

    Die Marken im VW Konzern gehen am sparsamsten mit ihren Angaben um. Der Porsche Taycan(350 km – 420 km) konnte in realen Tests nur geringfügig weniger Strecke zurücklegen als das alte Tesla Model S, dass mit mehr als 600 km Reichweite angegeben war.

  4. D-Tric

    @Djebasch Wieso? es geht doch grade darum, weit voraus zu blicken und ein für in 9 Jahren (!!) geplantes Ziel nach oben zu korrigieren. Wenn ein Konzern wie VW schon sagt, 2030 bereits 70% reine E-Autos bauen zu wollen sollte wirklich jedem so langsam klar werden, dass das Ende des Verbrenners nicht mehr weit ist.

  5. Celsi

    Bin gespannt, wer diese ganzen E-Autos dann kaufen soll. VW stürmt blindlings elektrisch vorwärts, als gäbe es keine immensen Hindernisse, sonder eine ganze Welt voller überzeugter Elektrokäufer, denen die vielfältigen Nachteile (ich muss sie jetzt sicher nicht noch mal alle aufzählen, oder?) völlig schnuppe sind.
    Na dann viel Erfolg.

    • Martin

      Wenn erst mal der Preis stimmt, werden die Käufer scharenweise kommen. Genau so wie bei den Smartphones. So viele sagten: Nie im Leben werde ich ein Streichelhandy haben.

      • Günter

        Eigentlich ist es doch ganz einfach! Das Produkt, welches den größeren Nutzwert hat, setzt sich durch. Dabei kann und wird es je nach Nutzungsbedingungen verschiedene Ansätze und Lösungen geben.
        Neben dem Nutzwert sollte natürlich die Nachhaltigkeit eine sehr große Rolle spielen. Im Moment sehr ich nur allerlei Richtungstreitigkeiten und eine stark politisch geführte Diskussion. Wenn ich einen realen besseren Nutzwert ( einschließlich Ökobilanz) erkenne, werde ich über E- Antrieb nachdenken! Davor nicht!!

        • Baldur Zerfet

          Das Modellangebot im nichtelektrischen Sektor wird freilich schrumpfen und auch das wird die Leute zum Nachdenken und Handeln Richtung BEV veranlassen. Jetzt ja schon im kleinen Fahrzeugsektor (A-Segment) zu beobachten – Angebot dort an Verbrennern sinkt. Und die Hersteller werden dauerhaft generell die volle Modellbreite nicht sowohl im ICE- als auch im BEV-Bereich parallel anbieten können und wollen.

  6. Andreas

    Mir geht es genauso, der Nutzwert ist entscheidend! Und Nutzen bringt es mir nicht, wenn das Ding am Ladekabel hängt. Wenn ein Apfel die Akkulaufzeit meines 3210 erreicht, dann werde ich über so ein Ding nachdenken! Davor nicht!!

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2021/02/22/vw-strafft-e-ziele-artemis-vor-dem-aus/
22.02.2021 10:42