18.03.2021 - 12:09

Drei-Mann-Malerbetrieb fährt im Elektro-Transporter vor

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Es gibt sie, die Handwerker, die ihre Kunden mit Elektrofahrzeugen anfahren: Andreas Heuschert hat für sein Maler- und Lackierunternehmen vor fünf Jahren einen Nissan e-NV200 beschafft. Sein Beispiel zeigt: Auch in einer Drei-Mann-Firma kann die Verkehrswende im Kleinen gelebt werden.

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50 Prozent von Andreas Heuscherts Fuhrpark ist elektrifiziert. Okay, wir sprechen von zwei Fahrzeugen: einem e-NV200 mit 40-kWh-Akku und einem Diesel-Transporter. Aber der Kraftakt zur Beschaffung ist im Verhältnis nicht anders als für ein zehnmal größeres Unternehmen mit analog zehn E-Fahrzeugen unter 20 Transportern. Der Malermeister aus dem schleswig-holsteinischen Stoltenberg hat die Investition auf sich genommen – ein Stück weit aus Idealismus, ein Stück weit aus Technik-Neugier, aber auch, weil es sein Streckenprofil erlaubt.

Der Malerberuf ist bei Heuscherts Familientradition. Der Betrieb feierte kürzlich 75-jähriges Bestehen. Heuscherts Büro liegt in Stoltenberg, die Werkstatt in Schwentinental bei Kiel. Zwei Gesellen sind für ihn tätig. Seinen ersten e-NV200 leaste er schon Mitte 2016. Nach Ende der Laufzeit erneuerte er das Leasing und entschied sich für dasselbe Modell mit inzwischen 40- statt 24-kWh-Akku. Die fünf Jahre haben aus Heuschert einen überzeugten E-Mobilisten gemacht. „Als ich 2016 einen Elektriker damit beauftragte, bei mir den Anschluss auf 32 Ampere für ein mobiles Ladegerät zu erweitern, hat der mich belächelt“, erzählt er. Heute habe er Kunden, die sich explizit für seinen Betrieb entscheiden, weil er auf Nachhaltigkeit achte. „Das hat mir echt Andrang verschafft.“

Fast 100.000 elektrische Kilometer hat Heuschert inzwischen unfallfrei zurückgelegt. Sein Verbrauch habe sich bei 20/21 kWh pro Kilometer eingependelt. „Anfangs war ich sehr aufs Sparen aus und habe bis zu Außentemperaturen von fünf Grad eisern die Heizung aus gelassen. Aber inzwischen ist mir der Komfort doch wichtig.“ Sommer, Winter, Heizung und Klimaanlage an oder aus, Autobahn oder Überlandfahrt – der Meister kennt sein Auto inzwischen so gut, dass sich der Planungsaufwand für die Fahrten zu seinen Kunden in Grenzen hält. 100 bis 130 Kilometer schafft der e-NV200 mit 80-kW-Motor und 40-kWh-Akku ohne Ladestopp. Das reicht im Alltag häufig, in der Regel kommen die Aufträge aus dem Bereich Kiel, Schönberg, Schwentinental Raisdorf, Preetz, Plön bis hin zu Hamburg. Für längere Fahrten ist dann ja immer noch der Diesel-Transporter da. Liegengeblieben sei er noch nie, schickt Heuschert hinterher.

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Was der Stoltenberger vermeidet, sind Ladestopps an öffentlichen Säulen. Geladen werden kann sein japanischer E-Transporter mit bis zu 6,6 kW AC per Typ-1-Anschluss oder per CHAdeMO mit Gleichstrom. Letzteres nutzt er höchstens mal, wenn es ihn nach Hamburg verschlägt. Ansonsten lädt der Nissan fast immer über Nacht per mobilem AC-Ladegerät an dem auf 32 Ampere erweiterten Anschluss in der Werkstatt oder am Büro. Innerhalb weniger Stunden ist er dann stets wieder bei einem Ladestand von 80 bis 100 Prozent. Neben den moderateren Kosten für den Kraftstoff hat Heuschert seit fünf Jahren auch kaum Wartungsausgaben. Einmal im Jahr sitzt der E-Transporter seine Inspektion ab. Die Kosten jeweils: „zwischen 100 und 200 Euro“, so Heuschert.

Jahrelang fühlte sich der Malermeister mit seinem Elektro-Fahrzeug als Pionier in der Handwerkerzunft. In letzter Zeit sei er aber gleich von zwei interessierten Kollegen angesprochen worden. Ab und zu begegne ihm jetzt auch mal dasselbe Nissan-Modell in der Stadt. Warum Handwerker zögern, ist für Heuschert klar: „Das eine ist die Reichweitenangst, das andere sind die Investitionskosten.“ Die Leasingangebote für E-Transporter liegen seiner Erfahrung nach noch weit über denen für die analogen Verbrenner-Modelle. „Als das Leasing für meinen ersten Nissan auslief, habe ich mir auch mal Preise zu anderen Modellen eingeholt. Die Auswahl steigt ja. Aber da bin ich fast rückwärts umgefallen“, schildert er. Und das trotz Förderung.

Bei seinem Umstieg 2016 von einem klassischen VW-Transporter zum e-NV200 sei seine Rate auch gestiegen, obwohl er einen kleineren Transporter in Kauf nahm. Aber nach einer Probefahrt sei er eben einfach von diesem neuen Fahrgefühl überzeugt gewesen. Und noch etwas half: „Ich habe den Tipp bekommen, den Elektro-Transporter in Hamburg zu leasen.“ Bei einem gut aufgestellten Autohaus habe man das Maximum an Förderung und Co. für ihn herausgeholt. Als 2020 der neue Leasingvertrag anstand, wandte sich Heuschert an ein Autohaus bei ihm in der Nähe. „Das Angebot dort lag weit über dem, was ich vorher hatte.“ Die Beratung habe aus seiner Sicht gezeigt, dass „die Verkäufer teils überhaupt keine Ahnung haben, was sie da verkaufen“. Nach dieser verzichtbaren Erfahrung leaste Heuschert wieder über besagtes Autohaus in Hamburg.

Inzwischen reift bei dem Malermeister auch der Gedanke, seinen Betrieb komplett klimaneutral zu machen. Er erwägt, auf seiner Werkstatt eine Solaranlage zu errichten und auch seinen Diesel durch ein zweites Elektro-Fahrzeug zu ersetzen. „Es ist an uns allen, unseren Teil für das Klima beizutragen“, findet Heuschert. Grundsätzlich würde er sich noch mehr Förderanreize speziell für den Handwerkerbereich wünschen. „Und auf die Gefahr, mich unbeliebt zu machen: Es müsste auch unattraktiver gemacht werden, mit alten Kisten herum zu fahren. Das ist nämlich das, was viele Handwerksbetriebe weiterhin tun.“

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2 Kommentare zu “Drei-Mann-Malerbetrieb fährt im Elektro-Transporter vor

  1. Udo

    Super Einstellungen vom Maler Meister
    Genau so wird Elektromobilität gemacht
    Super Entscheidung
    Ich kann mir gut vorstellen welches Autohaus er meint
    Da haben wir unseren Leaf auch geholt

  2. Manfred

    Ich mach das seit 2016 als Einzelunternehmer mit meinem BMW i3 im Raum Ulm. Montiere Mini-PV Anlagen. Nie wieder Verbrenner!

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18.03.2021 12:35