24.03.2022 - 10:39

Expressdienst trans-o-flex elektrifiziert seine Dienstwagenflotte

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Der Expressdienst trans-o-flex mit Sitz im baden-württembergischen Weinheim hat sich entschieden, seine mehr als 200 Fahrzeuge umfassende Dienstwagenflotte auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb umzustellen.

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„Für uns ist das ein weiterer Schritt hin zu unserem Ziel, spätestens 2045 im gesamten Unternehmen CO2-neutral zu arbeiten“, sagt CEO Wolfgang P. Albeck. Das Unternehmen hat sich auf Logistiklösungen für die Branchen Pharma, Kosmetik, Consumer Electronics sowie für andere hochwertige, sensible Güter spezialisiert. Dafür hat trans-o-flex in den 50 Jahren seit seiner Gründung Transportnetze aufgebaut, um Waren bei 15 bis 25 Grad Celsius oder bei 2 bis 8 Grad Celsius aktiv temperiert und dokumentiert nach den EU-Regeln für den Pharmatransport flächendeckend in Deutschland und Österreich befördern zu können.

Seit dem dritten Quartal 2021 bestellt der Expressdienst nur noch elektrifizierte Dienstwagen, das sind sowohl reine Elektroautos als auch Hybridfahrzeuge. Der Austausch soll Zug um Zug geschehen, das heißt, jedes Fahrzeug werde am Ende des Leasingzeitraums durch ein elektrifiziertes Fahrzeug ersetzt. „Nach unserer Planung sollte die Umstellung daher Ende 2025 abgeschlossen sein“, fügt Albeck hinzu. Allerdings stelle das Unternehmen fest, dass derzeit aufgrund der Lieferfähigkeit der Automobilhersteller ungewöhnlich lange Wartezeiten bestehen. „Wir können nicht ausschließen, dass einzelne Dieselfahrzeuge auch nach diesem Termin im Einsatz sind. Geplant ist es auf jeden Fall nicht!“

Die trans-o-flex-Mitarbeiter können zwischen dem Skoda Enyaq 60 iV, dem Skoda Superb 1.4 TSI iV sowie dem Skoda Octavia 1.4 TSI iV wählen. Es lag nahe, bei der Marke Skoda zu bleiben, da der Expressdienst zuvor auch die Diesel-Pkw bei Skoda bezogen hat. „Wir haben mit Skoda sehr positive Erfahrungen gesammelt“, betont der CEO. Es handele sich um sehr zuverlässige, moderne Fahrzeuge, die viel Stauraum und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten. Für trans-o-flex relevant sei bei der Fahrzeugauswahl allerdings auch vor allem ein dichtes Werkstattnetz, geringe CO2-Emissionen und natürlich vor allem die Sicherheit für die Mitarbeiter. „Wir achten sehr darauf, ob Hersteller moderne Assistenzsysteme anbieten können“, sagt er.

Grundsätzlich will trans-o-flex möglichst viele rein elektrische Dienstwagen in seinem Fuhrpark einsetzen, auch würden sich sehr viele Mitarbeiter für die rein elektrischen Fahrzeuge interessieren. Aus Sicht des Firmenchefs sei jeder elektrisch gefahrene Kilometer ein Schritt in die richtige Richtung. Realistisch sind auch mit einem Hybridfahrzeug 40 bis 50 Kilometer Strecke im rein elektrischen Betrieb möglich, was für die durchschnittliche tägliche Pendelstrecke oder Kurzstrecken mehr als ausreichend sei. „Bei aller Kritik darf man nicht vergessen, dass klassische Verbrenner genau auf solchen Kurzstrecken den höchsten Verbrauch und dementsprechend auch den höchsten Schadstoffausstoß haben“, betont Albeck. Hinzu komme, dass auch bei Hybridfahrzeugen im elektrischen Betrieb Anwohner von Geräusch- und Schadstoffemissionen entlastet werden.

Ein weiterer Grund, warum das Unternehmen derzeit noch nicht ausschließlich auf rein elektrische Fahrzeuge setzt, sei, dass es in Notfällen oder bei großen Distanzen sicherstellen müsse, dass Mitarbeiter schnell und ohne vermeidbare Verzögerungen ihr Ziel erreichen, dem entgegen stehe die immer noch sehr lückenhafte Ladeinfrastruktur. „Wir beobachten die Fortschritte des ,Deutschlandnetzesʻ des Bundesverkehrsministeriums genau und können somit auch Schritt für Schritt die Anzahl der rein elektrischen Fahrzeuge erhöhen“, stellt er fest.

Und je leichter und leistungsfähiger die Batterien werden, desto größer werde der Anreiz, ausschließlich rein Batterie-elektrische Autos zu nutzen. Laut Gesetzgeber soll ab 2023 mindestens die Hälfte der gefahrenen Kilometer nachweislich elektrisch gefahren werden müssen, um eine Steuererleichterung zu erhalten. „Hier steht die Umsetzung noch an, man kann aber bereits erkennen, dass verhindert werden soll, dass Hybridfahrzeuge nur wegen der Steuererleichterungen angeschafft werden.“

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Bezüglich der eigenen Ladekapazitäten sei trans-o-flex bereits mit verschiedensten Anbietern im Gespräch, um im ersten Schritt eine bundesweite Infrastruktur für Dienstwagenfahrer im Pkw-Bereich aufzubauen. Diese soll den Mitarbeitern auch für das Laden ihrer privaten E-Pkw, Transportpartnern oder auch Besuchern zur Verfügung gestellt werden. Perspektivisch plane der Expressdienst außerdem eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für seine Transportpartner aufzubauen, damit diese Zustellfahrzeuge oder Linienverkehrsfahrzeuge bei trans-o-flex laden können. Bei seinen bestehenden und zukünftigen Neubauten wurde und wird die Ladeinfrastruktur bereits direkt mit geplant.

„Das nächste größere Projekt wird sein, unsere Zentrale in Weinheim mit einer Ladeinfrastruktur zu versehen, weil hier nicht nur viele Mitarbeiter beschäftigt sind, sondern auch viele Dienstwagen regelmäßig betankt werden könnten“, erzählt er. Sukzessive werde eine einheitliche Ladeinfrastruktur bundesweit auf die anderen Standorte ausgeweitet. Geplant sind für die elektrifizierten Dienstwagen im ersten Schritt AC-Ladepunkte mit jeweils 11 Kilowatt (kW). Eingerichtet werden soll auch ein intelligentes Lastmanagement. „Das bieten ja mittlerweile fast alle Hersteller wie Mennekes, Alfen oder ABL“, sagt Albeck.

Derzeit sei das Unternehmen außerdem dabei, ein energetisches Gesamtkonzept zu erstellen. Hierbei werde unter anderem die Energieautarkie der trans-o-flex-Standorte sowie der Zentrale geprüft. Wichtiger Bestandteil davon werde auch die Stromerzeugung durch Photovoltaik-Anlagen sein. Bei Neubauten sei das bereits Standard. Was diese leisten, sei von Standort zu Standort verschieden. „Leider können wir bei gemieteten Bestandsimmobilien nicht alle energetischen baulichen Maßnahmen umsetzen und sind dort auf dafür offene Vermieter angewiesen.“ Auch die Pufferspeicherung werde bei der energetischen Gesamtbetrachtung berücksichtigt.

Sein bundesweites Netz aus Standorten könnte der Expressdienst unter anderem auch nutzen, um ein virtuelles Kraftwerk, eine sogenannte Virtual Power Plant (VPP), aufzubauen. Vorstellbar sei, dass dezentrale Stromerzeugungseinheiten, wie Photovoltaik-Anlagen, Wasserkraftwerken, Biogas-, Windenergieanlagen und Blockheizkraftwerken zu einem Verbund zusammengeschaltet werden. Dann könnten die Standorte „untereinander kommunizieren und die Energie könnte dort zur Verfügung gestellt werden, wo sie gerade benötigt wird. Albeck: „Dafür müsste aber definiert werden, wie das beispielsweise mit den Netzentgelten laufen würde.“

Auch im Nutzfahrzeugsegment beobachtet trans-o-flex den E-Markt genau. Leider gebe es für den Speziallogistiker, mit besonderen Anforderungen an die aktive Temperierung der Ware, in diesem Segment noch keine wirklich praktikablen Lösungen. „Wir hoffen darauf, bereits 2023 mit einem unserer Frachtführer Wasserstoff-Lkw von Mercedes testen zu können, die höhere Reichweiten haben“, sagt der CEO. Das Unternehmen teste außerdem regelmäßig E-Fahrzeuge, etwa an seinem Standort in Hamm-Rhynern einen StreetScooter. Er ist bereits seit mehr als einem Jahr regelmäßig für die Zustellung nicht temperierte Ware im Umkreis des Standorts im Einsatz.

Für trans-o-flex spiele auch die Elektrifizierung der Kühlaggregate eine große Rolle. „Weil beides – Kühlaggregat und Fahrzeug – derzeit noch nicht gleichzeitig bei für uns ausreichender Reichweite von rund 300 Kilometern elektrisch betrieben werden kann, könnte die Kombination von Dieselmotor und elektrischem Kühlaggregat eine Zwischenlösung sein“, erzählt Albeck. Das Unternehmen testet seit 2021 Geräte vom Typ Mitsubishi TE 30. Die seien laut Albeck um rund 3.000 Euro teurer als die bisher bei ThermoMed eingesetzten Kühlgeräte. Außerdem wiege die Anlage (inklusive Batterie) mit 192 Kilo fast 40 Kilo mehr als eine vergleichbare konventionelle Anlage. „Die Gesamtkosten könnten trotzdem unterm Strich niedriger sein, weil der Spritverbrauch des Trägerfahrzeugs sinkt und die Wartungs- und Reparaturkosten der elektrischen Anlage niedriger sein sollten“, sagt er. Und: Transporter sowie Lkw-Auflieger temperiert der Expressdienst schon elektrisch an den Standorten, um den CO2-Ausstoß und den Dieselverbrauch zu senken. Nicht unerwähnt lassen will Albeck auch, dass trans-o-flex bereits seit 2008 seinen Strom ausschließlich aus regenerativen Energiequellen bezieht. Dafür zahle das Unternehmen zwar einen Zuschlag, spare aber Jahr für Jahr CO2-Emissionen ein. Allein 2021 waren das seinen Angaben zufolge fast 9.000 Tonnen CO2.

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