NamX zeigt BZ-SUV mit entnehmbaren H2-Kapseln

Das afroeuropäische Startup NamX präsentiert den Prototyp eines von Pininfarina designten Brennstoffzellen-SUV, das Ende 2025 auf den Markt kommen soll. Der Clou des HUV genannten Konzeptautos liegt in der Wasserstoff-Speicherung.

Die patentierte Technologie von NamX kombiniert einen fest verbauten Wasserstofftank und sechs zusätzliche entnehmbare Kapseln, die als Sekundärtanks verwendet werden können. Damit verspricht das Startup eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern. Das Unternehmen will auch ein Vertriebsnetz für seine herausnehmbaren Kapseln aufbauen.

Das Tank-Konzept war laut „Carscoops“ ein Hauptanliegen von Pininfarina. „Das Projekt begann mit dem Entwurf der abnehmbaren Wasserstofftanks und dem Verständnis, wie sie aus funktionaler, ergonomischer und benutzerfreundlicher Sicht am besten in das Auto integriert werden können“, schreiben die Italiener in der Mitteilung. „Unter Berücksichtigung der Positionierung der Insassen und des komplizierten Packagings der Tanks und des Hecks begann das Gesamtvolumen des Fahrzeugs Gestalt anzunehmen. Infolgedessen könnte das NamX HUV wahrscheinlich das erste Auto in der Geschichte von Pininfarina sein, das von hinten nach vorne konstruiert wurde.“

Nur: Abgesehen von der Reichweite gibt es in der Mitteilung noch keine konkreten Angaben zu dem fest verbauten Tank und den Kartuschen. Diese scheinen laut einem Bild geschätzt rund 60 Zentimeter lang zu sein – bei einem Durchmesser von ebenfalls geschätzten 15 Zentimetern. Auf Bilder ist zu erkennen, dass die entnehmbaren Kapseln im Bereich des Kofferraumdeckels platziert und von hinten entnommen werden können. Wie viel Wasserstoff eine solche Kapsel enthält und welche Zusatz-Reichweite beim Tausch aller sechs Kapseln möglich ist, geht aus der Mitteilung wie erwähnt nicht hervor. Auch zur verbauten Brennstoffzelle gibt es keine näheren Angaben.

Die Presse-Agentur „Spotpress“ will erfahren haben, dass eine der Kapseln acht Kilogramm Wasserstoff fassen kann. Das wäre extrem viel, eine der handlichen Kapseln würde dann mehr Wasserstoff aufnehmen können als das ganze Tanksystem in einem Toyota Mirai oder Hyundai Nexo. Sechs der Kapseln würden auf schiere unglaubliche 48 Kilogramm H2 kommen – mehr als viele E-Busse. Wahrscheinlicher ist, dass das gesamte Fahrzeug acht Kilogramm Wasserstoff speichern kann – auch in Hinblick auf die genannten 800 Kilometer Reichweite. Bei Brennstoffzellenautos wie dem Mirai und Nexo sind Verbräuche rund um ein Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer realistisch. Und damit acht Kilogramm für 800 Kilometer auch – und eben nicht 48 Kilogramm alleine in den sechs Kapseln.

Dass es noch keine vom Hersteller bestätigten Daten gibt, könnte auch am derzeitigen Projektstadium liegen: Noch wird der NamX HUV nur als Rendering gezeigt. Das soll sich im Laufe dieses Jahres ändern, das Unternehmen will auf dem Pariser Autosalon im Herbst einen Prototypen vorstellen. Der Zeitplan danach ist straff: 2023 soll die finale Entwicklungsphase beginnen, bereits im vierten Quartal 2025 soll der HUV in zwei Versionen auf den Markt kommen.

Anders als bei den H2-Tanks ist NamX bei den Leistungsdaten des Antriebs mitteilungsfreudiger. Die Einstiegsversion mit Heckantrieb wird mit 224 kW Leistung, einer bei 200 km/h abgeregelten Höchstgeschwindigkeit und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden angegeben. Die Allrad-Variante soll auf 410 kW, eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden kommen.

Die Preisspanne soll zwischen 65.000 und 95.000 Euro liegen. NamX nimmt auf seiner Website bereits Vorbestellungen für das Fahrzeug an.
carscoops.com, pininfarina.it (PDF), namx.tech

1 Kommentar

zu „NamX zeigt BZ-SUV mit entnehmbaren H2-Kapseln“
Vanellus
15.05.2022 um 21:28
Ein Kilogramm Wasserstoff bekommt man nicht - auch nicht bei 700 bar, wie üblich - in eine rund 60 cm lange und 15 cm im Durchmesser große „Kapsel“. Bei 15 cm Durchmesser müsste die „Kapsel“ 141,6 cm lang sein. Und das sind die Innenmaße. Hinzu käme die dicke Wandung. 1 kg Wasserstoff hat bei 700 bar ein Volumen von 25 Litern. Wasserstoff hat eben ein Platzproblem, das man nicht „weg-erfinden“ kann. Seltsame Entwicklung des offenbar namibischen Start-ups.

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