ZDK verwirrt mit Aussage zu Eigenzulassungen

Am Wochenende hat eine Mitteilung des ZDK die Runde gemacht, wonach die steigende Nachfrage bei E-Autos nur auf einem fragilen Fundament stehe – hohen Eigenzulassungen der Hersteller. Was der Verband ignoriert: Im Gesamtmarkt ist die Quote der Eigenzulassungen noch höher.

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Bild: Daniel Bönnighausen

„Immer mehr Elektroautos werden durch Eigenzulassungen auf Hersteller und Handel in den Markt gedrückt“, lautet zum Beispiel der erste Satz einer DPA-Meldung, die auf der Mitteilung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) basiert. Die Zahlen sind tatsächlich deutlich: Zwischen Januar und Oktober 2025 war fast jedes vierte neu zugelassene Batterie-Elektroauto eine sogenannte Eigenzulassung, der „Kunde“ war also der Hersteller selbst oder ein Händler. Vor zwei Jahren war es nur jeder sechste Elektro-Neuwagen.

Wenn ein Viertel der Neuzulassungen auf eigene Rechnung erfolge, zeige das, „wie verhalten die Privatkunden und Gewerbekunden tatsächlich unterwegs sind – insbesondere bei Elektroautos“, verdeutlicht ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Die Wachstumsraten der Elektromobilität seien daher „stark überzeichnet“.

Doch trifft das tatsächlich zu, dass „insbesondere bei Elektroautos“ die Eigenzulassungen so hoch sind? In der Tabelle FZ28.3 schlüsselt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Neuzulassungen der Fahrzeuge mit alternativem Antrieb nach den Haltern auf. Bei den Batterie-Elektroautos sind dort für den Zeitraum Januar bis Oktober 2025 47.648 BEV-Neuzulassungen auf den Kfz-Handel und 54.872 auf die Kfz-Hersteller verzeichnet – macht also 102.520 „Eigenzulassungen“. Und bei 434.627 neuen Elektroautos in diesem Zeitraum insgesamt ergibt das eine Quote von 23,6 Prozent.

Über alle Antriebsarten hinweg kamen in diesem Zeitraum 2.360.481 Neuwagen auf die deutschen Straßen, davon zusammen 586.242 Neuzulassungen bei Handel und Hersteller. Insgesamt liegen die Eigenzulassungen also bei 24,8 Prozent. Rechnet man hier noch die BEV heraus, sind es bei den Nicht-Elektroautos sogar 25,1 Prozent Eigenzulassungen.

Das heißt: Die anderen Antriebsarten sind noch stärker von Eigenzulassungen betroffen als die Elektroautos. Die Aussage des ZDK ist hier also schlichtweg falsch. Es ist zwar richtig, dass es bei den rein elektrischen Fahrzeugen einen Anstieg der Eigenzulassungen gab – 2023 waren es bis Ende Oktober 70.313 Eigenzulassungen, 2024 67.895. Allerdings liegen die E-Autos mit 23,6 Prozent Eigenzulassungen immer noch etwas unter dem Durchschnitt – und nähern sich ohne Umweltbonus vielmehr der „normalen“ Marktentwicklung an.

handelsblatt.com, zeit.de, kba.de (FZ28 zum Download)

21 Kommentare

zu „ZDK verwirrt mit Aussage zu Eigenzulassungen“
Peter
24.11.2025 um 15:46
Och nö, schon wieder so eine Ente! Erstmal ein großes Lob an Electrive. Offenbar gehört das kritische Hinterfrage und Prüfen der Pressemitteilungen von Interessensvertretungen weder bei Nachrichtenagenturen noch Nachrichtenportalen/Zeitungen zum Tagesgeschäft. Traurig. Nun ist bloß die Frage: Hat der ZDK hier bewusst ein irreführendes Framing gesetzt oder war selbst der Verband zu bequem, um sich mal mehr als eine Zahl anzuschauen?
Manfred Stummer
25.11.2025 um 08:19
"Hat der ZDK hier bewusst ein irreführendes Framing gesetzt oder..." ...oder haben im ZDK die Öl-Lobbyisten das Sagen. Ich hoffe diese "E-Auto-Verhinderer" werden bald in die Schranken gewiesen! Obwohl, solange die Mehrzahl der deutschen Politiker Verbrenner fährt...
Peter
24.11.2025 um 15:50
Der ZDK will den eAuto -Hochlauf bremsen wo es geht. Und es gibt auch einen Grund dafür: sie (das Kfz-Gewerbe) haben derzeit kein auskömmlich funktionierendes Geschäftmodell für die eMobilität. Das ist quasi O-Ton Peckruhn aus dem Interview mit nextmove. Ich habe dieses Jahr 1.500€ in den Verschleiß meines Verbrenners investiert: 1.000€ für eine Kupplung und 500€ für eine Durchsicht, inkl. 100€ Materialkosten für 3 Zündkerzen und 200€ für einen Ölwechsel. Klar, dass man diese Kuh nicht ungemolken lassen will. Andererseits: Als eMobilist hätte ich diese 1.300€ an Kosten schlicht nicht gehabt.
Richi
26.11.2025 um 12:31
Aber Sie haben genauso die Wartungsintervallkosten, die beim E-Fahrzeug deutlich höher sind als beim Verbrenner. Ausserdem die wievielte Kupplung nach wievielen KM ist der Ersatz? Haben Sie sich mal den Stundenverrechnungssatz für E-Fahrzeuge angesehen, im Vergleich zum Verbrenner? Dann wissen Sie, dass sich die Werkstätten, ihr Geld schon wieder holen werden, wenn Öl und Zubehör wegfallen .
Daniel
25.11.2025 um 09:28
Einfach mal den Bericht hierzu auf "ecomento" lesen. Da kommt etwas ganz anderes raus. Dem ZDK geht es nicht um die Verhinderung der Elektromobilität. Der ZDK weißt darauf hin, dass die Steigerungen bei den BEV durch Eigenzulassungen getragen wird. Die Zulassungen im privaten und geschäftlichen Bereich (ohne Eigenzulassungen) waren sogar rückläufig gegenüber 2024. Der ZDK weißt auch darauf hin, dass das Problem nicht eine neue Kaufprämie lösen kann, sondern niedrigere Ladestrompreise und eine bessere Ladeinfrastruktur in Wohngebieten.
Emateur
25.11.2025 um 09:24
Abonnements für Programme und Einstellungen am E-Auto 100- 200 € jährlich, Wartung der CO2-Klimaanlage 500 € (die wohl bei einigen Autos das CO2 nicht halten kann), kostenpflichtige Zwangswartungen wegen Garantieeinhaltung, exorbitant hohe KFZ-Versicherung...wo muss man beim E-Auto noch etxtra zahlen, das beim Verbrenner nicht anfällt?
Wolfgang Speckardt
27.11.2025 um 12:55
Nirgends. Im Gegenteil, man bekommt für den Verkauf der THG-Quote bares Geld. Darüber hinaus gibt es kostenlose Parkplätze, wo Verbrenner löhnen müssen.Aber eigentlich geht es doch gar nicht um die paar Kröten mehr oder weniger. E-Autos sind superpraktisch (Laden direkt zuhause am besten mit Strom vom Dach), haben bessere Fahreigenschaften, beruhigen die Nerven und vor allem, sie schonen die Umwelt.
GWind
24.11.2025 um 22:52
Ich würde dem ZDK gar nicht so düstere Absichten unterstellen. Ich denke eher, dass der ZDK auf hohe Förderungen hofft. Wie man schon beim Auslaufen der letzten E-Auto Förderung gesehen hat, ist anscheinend recht viel vorher bei Herstellern und Händlern hängen geblieben. Das hätte man sicher gerne wieder.
Simon
24.11.2025 um 16:28
Mehr Autos pro Händler verkaufen und das mit weniger Personalaufwand. Wenn ich die Hälfte an Wartung habe, dann muss ich halt doppelt so viel verkaufen. Mit den Elektroauto erreiche ich auch viele die bei einem Verbrenner nie die Marke wechseln würden.
Peter
24.11.2025 um 18:08
So etwas nennt man Wandel. Wie viele Fernsehtechniker sind nach dem Wegfall der Bildröhrenfernseher noch übrig geblieben? Für die Servicebranche im KFZ-Gewerbe sind es sicherlich keine schönen Aussichten, aber den Wandel aufhalten zu wollen, würde es nur noch schlimmer machen.
Flad Uwe
24.11.2025 um 18:27
Bin selber begeisterter EAuto Besitzer (Hyundai) und schwärme hier und da von den niedrigen Wartungskosten. Meine Erfahrung zeigt allerdings, die Hersteller lassen sich die langjährigen Garantieversprechen sehr gut bezahlen. Wenn ich vergleiche, ein Tesla hat keine vorgegebene Wartungsintervalle, war ich in den 4 Jahren ab Kauf drei mal beim Kundendienst. 1500 Euro sind da jetzt schon weg. Beim nächsten EAuto werde ich jedenfalls genauer hinschauen.
Frank
25.11.2025 um 12:06
Fahre seit mehr als 6 Jahren M3P und musste nicht einmal kostenpflichtig den Service in Anspruch nehmen. Die Profildicke prüfen und den Innenraumfilter wechseln, kann man auch alleine, dafür muss keiner Luft- und Raumfahrttechnik studiert haben. Die Anleitungen hierfür stellt Tesla zur Verfügung. Alle anderen Besuche waren Garantiefälle, wie das sich Lösen des Heckspoilers usw. Wenn Fahrzeuge feste Intervalle haben und somit in der Werkstatt stehen, dann findet man auch etwas zum reparieren. Die Vertragshändler leben davon. Falls jetzt Kommentare wie "Aber die Bremsflüssigkeit alle 2 Jahre ...". Messt bitte selbst den Wassergehalt der Bremsflüssigkeit, der ist nicht so sehr von der Zeit, vielmehr von anderen Faktoren, abhängig. Messen ist immer besser als raten.
Jimi Jakes
24.11.2025 um 19:00
Cool. Da hat der Autor von Electrive meinen Kommentar gelesen (https://www.zeit.de/mobilitaet/2025-11/e-auto-eigenzulassungen-hersteller-haendler-verkaufszahlen-gxe#cid-78726773) oder ist zu den gleichen Erkenntnissen gekommen. Egal, aber das dies jetzt hier steht freut mich jetzt!
Thd
24.11.2025 um 20:25
Da muss ich electrive mal ausdrücklich loben dass sie das so klarstellen, umso mehr wenn sie das selbst recherchiert haben. Vom ZDK ist das schlicht eine Sauerei. Die sollten mal begreifen wo ihre Zukunft liegt.
Dennis
24.11.2025 um 21:25
Das erste Auto verkauft der Handel, dass zweite die Werkstatt.
Krebs, Sebastian
25.11.2025 um 00:52
Hier stellt sich nun die Frage, ob die Entwicklung maßgeblich von den konventionellen Antriebsarten (Benzinern & Dieselfahrzeugen) ausgeht, oder ob ggf. doch die (Plugin-)Hybride den Hauptanteil der erhöhten Eigenzulassungen jener Gruppe (mit-)verursachen. Ich kann mir letzteres (aus Gründen) besser vorstellen, besonders auch für VW, die ja vor allen Dingen ihre Flottenemissionen nicht aus dem Ruder laufen lassen dürfen .Insofern fände ich eine Prüfung dieses Sachverhaltes, samt möglichem Update des Artikels für zielführender, als das Thema rein spekulativ zu erschließen/beschreiben, ... !
Martin
25.11.2025 um 07:13
Vielen Dank - "critical thinking" ist stool wichtig diese Tag. Auch wenn diese Ente mir schon gedtern sehr merkwurdig vorkam (unzulassige - bzw diesmal sogar bewustt/unbewusst falsche Schlüsse aus Daten gezogen) Bitte weiter so, Electrive Team!
Richi
26.11.2025 um 12:36
Na ja, so ganz ist das ja nicht unwahr. Schauen Sie sich doch mal die Zulassungen von FORD im E-Bereich an. Die gesamten Explorer und Capri die beim Händler zur Probefahrt stehen sind auf die Ford Werke in Köln zugelassen und das können je nach Händlergröße bis zu 10-12 Fahrzeuge sein. Diese gehen übrigens dann (nicht an den Händler) an Ford zurück, die diese dann auf den Plattformen verramschen, womit der Restwert beträchtlich fällt.
Jeff
25.11.2025 um 07:49
Also wenn Ihr die Mitteilung des ZDK genau gelesen hättet, hättet ihr schon erkennen können, dass Gesamtmarkt UND Elektroautomarkt gleichermaßen stark von Eigenzulassungen getrieben sind. Die Aussage ist also nicht falsch, zumal sehr wohl differenziert wird, dass das Wachstum im E-Auto-Markt von den Eigenzulassungen getrieben ist, da es sich um immer noch deutlich geringere Stückzahlen handelt, das "stark überzeichnet" trifft also voll zu. Die Schlussfolgerung ist falsch, von Euch wie auch des ZDK: Nicht der E-Auto-Markt ist fragil, sondern der gesamte Automarkt. Und der von Verbrennern noch weitaus mehr, schon allein der absoluten Zahlen wegen
Micha
25.11.2025 um 08:55
Danke für diese Klarstellung!
F.
25.11.2025 um 09:35
Herr Peckruhn ist erst seit Juli im Amt. Er ist mir (also aus Kundensicht) seitdem aber schon mehrfach in der Berichterstattung negativ aufgefallen. Beispielsweise mit Schwurbelei von Technologieoffenheit und seinem absurden Glauben an e-Fuel (https://www.auto-medienportal.net/artikel/detail/68479).Ich denke, er ist eben ein Mann der alten Schule. Er versucht das klassische KfZ-Gewerbe zu verteidigen. Und das kann man ihm ja eigentlich auch gar nicht übel nehmen. Ich habe auch nichts gegen Pferdekutscher. Eher ein wenig Mitleid.Als Kunde, der auf sein Portemonnaie und in die Zukunft blickt, muss solch ein Mann mit seinen Lobby-Aussagen ja auch nicht mein Maßstab sein.

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