Mercedes-Benz Trucks fertigt neuen eActros 400 in Serie

Mercedes-Benz Trucks hat im Werk Wörth die Serienproduktion des eActros 400 der zweiten Generation eingeläutet. Den Technik-Baukasten für das Modell liefert der eActros 600, der bereits seit 2024 vom Band läuft. Der 400er grenzt sich dabei als Alternative mit weniger Reichweite, aber mehr Nutzlast ab. 

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Bild: Daimler Truck

Der Serienstart des neuen eActros 400 bildet den Auftakt zur Einführung mehrerer neuer E-Lkw-Varianten bei Mercedes-Benz Trucks: Bei Aufbau, Radständen und Fahrerhäusern der E-Lkw gibt es nun mehr Auswahl. Die neuen Bestelloptionen für den schweren Fern- und Verteilerverkehr ergeben sich dabei aus zahlreichen neuen Kombinationsmöglichkeiten auf Basis der beiden Modelle eActros 400 und eActros 600. Gleich mehr dazu.

Produktionsseitig werden die neuen Ableger auf der bestehenden Montagelinie der Wörther A-Baureihen gefertigt. Das gilt nun auch für den in die Serie gestarteten eActros 400. Auf der entsprechenden Linie entstehen die Batterie-elektrischen Lkw parallel und flexibel neben Modellen mit Dieselantrieb. „Auf diese Weise ist das Werk in der Lage, sich schnell auf die jeweilige Marktnachfrage einzustellen“, teilt der Hersteller mit. Zur geplanten Stückzahl äußert sich Mercedes-Benz Trucks vor diesem Hintergrund nicht.

Vorgestellt hatte das Unternehmen den neuen 400er Anfang Oktober im französischen Molsheim. Bei dem Modell handelt es sich um keine Neuentwicklung, sondern um einen Ableger des 2024 gelaunchten eActros 600. Letzterer ist das mit erheblichem Entwicklungsaufwand neu auf die Räder gestellte E-Flaggschiff des Unternehmens. Den 600er gab es zunächst nur als Sattelzugmaschine mit Fokus Fernverkehr. Er bekommt nun aber Gesellschaft – in Form des neuen eActros 400 mit einem Batteriepack weniger an Bord, in Form von weiteren Pritschenfahrgestellen, die sich zu den Sattelzugmaschinen gesellen. Und in Gestalt von zusätzlichen Radständen und zwei verschiedenen Fahrerhäusern. Bestellbar sind die neuen Varianten seit Oktober („in den EU30-Märkten und in ausgewählten Nicht-EU-Märkten“).

Allen Versionen gemeinsam ist die technologische Basis des eActros 600, sprich: Akkus mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie, 800 Volt Bordspannung, die neu entwickelte E-Antriebsachse oder das Multimedia Cockpit Interactive 2. Der Hersteller selbst spricht unter Einschluss des 600ers von der zweiten eActros-Generation. Parallel wird die erste E-Lkw-Generation eingestellt: Der Pionier eActros 300/400 läuft zum Jahresende aus. Wichtig: Die Produktion des eEconic – die Variante für den Kommunaleinsatz – bleibt davon unbeeinflusst.

Mercedes schwenkt verstärkt auf den LFP-Pfad ein

Dazu ein kurzer Rückblick: Seit 2021 mischt Mercedes-Benz Trucks im Markt für Elektro‑Lkw mit. Zunächst wurde der eActros 300/400 für den schweren Verteilerverkehr eingeführt, ein Jahr später folgte der Ableger eEconic. Ende 2024 kam dann das neue Flaggschiff eActros 600 mit gänzlich neuer Technologie an Bord heraus. Mit der Ausmusterung des eActros 300/400 zum Jahresende schwenkt Mercedes weiter auf den LFP-Pfad ein, denn die beiden auslaufenden Varianten arbeiten noch mit NMC-Batteriepacks – der 300er hat drei davon an Bord (315 kWh), der 400er beherbergt vier Packs (420 kWh). Ausschlaggebend für den Chemiewechsel ist dabei die Robustheit der LFP-Akkus und die Tatsache, dass diese „im Gegensatz zu anderen Batteriezelltechnologien über 95 Prozent der installierten Kapazität nutzen können“, wie der Hersteller gerne betont.

Auch die Produktion in Wörth unterscheidet sich zwischen den Lkw-Generationen stark: Die eActros 300/400-Baureihe läuft auf dem Verbrenner-Band mit, muss zum Einbau der E-Komponenten aber in eine andere Halle gebracht werden. Der eActros 600 und der neue Ableger eActros 400 werden dagegen wie erwähnt komplett auf einem Band mit Verbrennern gebaut. Dafür haben die Rheinland-Pfälzer in größerem Stil in ihre Linienfertigung eingegriffen. Dieser Aufwand zeugt von den großen Hoffnungen, die das Unternehmen mit den strombetriebenen Schwer-Lastern der zweiten Generation verbindet.

Noch zur Technik: Der 400er übernimmt die E-Achse mit zwei
Elektromotoren und Vier-Gang-Getriebe vom 600er und schafft damit die identische Dauer- und Spitzenleistung von 400 bzw. 600 kW. Auch die LFP-Batterien mit Zellen von CATL sind bekannt und kommen in dem Ableger auf 414 kWh. Da nur zwei von drei Packs verbaut sind, ist der eActros 400 gegenüber dem Flaggschiff 600 aber um 1,5 Tonnen leichter und bietet somit mehr Zuladung: Die maximale Sattellast des eActros 400 erhöht sich auf 9,5 Tonnen. In Kombination mit einem Standardauflieger erreicht der eActros 400 laut Herstellerangaben eine Nutzlast von über 25 Tonnen – drei Tonnen mehr als der eActros 600 – und somit „auf das Zuladungs-Niveau von Diesel-Lkw“, wie die Verantwortlichen betonen. Die gegenüber vergleichbaren Dieseln geringere Nutzlast gehörte bisher zu den Punkten, mit der Transporteure in gewissen Logistikbereichen beim 600er noch haderten.

Keine Überraschung gibt’s beim Laden: Mit Strom versorgt werden kann der eActros 400 mit den bekannten 400 kW per CCS – und zwar an der linken Fahrzeugseite. Optional ist ein zweiter CCS-Ladeport auf der Beifahrerseite erhältlich. An einer entsprechend starken Ladesäule soll der E-Lkw in 46 Minuten von 10 auf 80 Prozent SoC aufladen können. Megawattladen ist (zunächst) nicht vorgesehen, wie electrive in Molsheim bei einem Interview mit Tobias Jung, dem Projektverantwortlichen für die eActros-Portfolio-Erweiterung, erfahren hat (Hier geht’s zum kompletten Interview).

„Die eine Reichweite gibt es nicht“

Mit Blick auf die Reichweite des Ablegers betont das Unternehmen, dass es durch die neue Variantenvielfalt nicht den einen Reichweiten-Wert gebe. Für einen eActros 400 6×2 mit Trockenkofferaufbau, wie er für den klassischen Einsatz im schweren Verteilerverkehr oft genutzt wird, geben die Stuttgarter aber eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern an – wohlgemerkt teilbeladen und bei idealer Temperatur (20 Grad Celsius). Teilbeladen deshalb, weil im Verteilerverkehr in der Regel die Ware nach der Hälfte des Weges abgeladen wird und der Lkw leer zurückfährt.

Für den eActros 600 gibt der Hersteller im Fernverkehr dagegen die stets genannten 500 Kilometer Reichweite für durchgängig vollbeladene Fahrzeuge an. Erstmals verwiesen die Verantwortlichen in Molsheim allerdings darauf, dass der 600er „in der verbrauchsgünstigsten Kombination“ bis zu 560 Kilometer erreichen könne. Schon länger betont das Unternehmen, dass die 500 Kilometer konservativ gerechnet sind und der Truck in der Realität oft weiter kommt. Nun lässt das Management erstmals eine konkrete Zahl folgen. Ohne Zweifel eine Reaktion auf die Mitbewerber, die für ihre (angekündigten) E-Lkw teils bis zu 600 Kilometer Reichweite angeben. Übrigens: Würde man den eActros 400 unter Vollbeladung ebenfalls auf die Fernstrecke schicken, würde er bis zu 330 Kilometer erreichen. Es zeigt sich also: Die Reichweiten-Thematik wird mit der Portfolio-Erweiterung komplexer. Deshalb hat Mercedes-Benz-Trucks nun auch einen Reichweiten-Rechner mit verstellbaren Parametern auf seiner Webseite eingerichtet.

Auswahl bei Fahrerhäusern und Radständen

Einfluss auf die Distanzen haben neben der Batteriegröße, der Fahrweise und dem Einsatzprofil auch die zwei verschiedenen Fahrerhäuser, die das Unternehmen nun für mehrere Varianten des 600er ebenso wie den 400er anbietet: Zur Auswahl steht das L-Fahrerhaus im bekannten Actros-Design mit verhältnismäßig niedrigem Ein- und Ausstieg und 2,30 Metern Breite. Oder die ProCabin mit 2,50 Meter Breite, ebenem Boden und „großzügigem Raumgefühl“. Erstere Kabine ist etwas leichter, letztere dafür aerodynamischer. Serienmäßig bei beiden an Bord ist in jedem Fall das Multimedia Cockpit Interactive 2, u.a. mit Sprachsteuerung. Die MirrorCam als Alternative zu klassischen Außenspiegeln bleibt eine aufpreispflichtige Option.

Was Radstände und Achskonfigurationen angeht, präsentiert sich die Auswahl beim eActros 400 wie folgt:

  • 4×2-Sattelzugmaschine mit 3.700 mm Radstand
  • 4×2-Pritschenfahrgestelle mit 4.000, 5.500, 5.800 und 6.100 mm Radstand
  • 6×2-Pritschenfahrgestelle mit sechs verschiedenen Radständen zwischen 4.000 und 5.800 mm.

Auch der eActros 600 wird wie erwähnt variantenreicher: Künftig ist er auch als 4×2-Pritschenfahrgestell mit den Radständen 4.000, 5.500 und 5.800 mm erhältlich. Außerdem gibt es für die 6×2 Pritsche zusätzlich zu den bereits verfügbaren Radständen 4.600 und 4.900 mm vier weitere Radstände analog zum eActros 400 (4.000, 4.500, 5.200 und 5.800 mm).

daimlertruck.com

2 Kommentare

zu „Mercedes-Benz Trucks fertigt neuen eActros 400 in Serie“
Christian Messing
09.12.2025 um 19:44
Wann wird endlich ein Lowliner mit L Fahrerhaus und 2,50m breite angeboten?
Hans-Peter
10.12.2025 um 13:53
Gibts doch von MAN. Musst halt was gescheites fahren und net den arroganten Daimler

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