Dongfeng testet Feststoffakkus in extremer Kälte

Dongfeng hat mit Extremkältetests von mit Feststoffbatterien ausgestatteten Fahrzeug-Prototypen begonnen und bereitet sich damit auf den Einsatz der Batterien der nächsten Generation in Serienfahrzeugen innerhalb dieses Jahres vor.

Dongfeng wintertest feststoffbatterie
Zeremonie bei der Abfahrt in Wuhan.
Bild: Dongfeng

Diese Prototypen, die offenbar auf dem Dongfeng 007 basieren, verfügen chinesischen Berichten zufolge über Feststoffbatterien mit einer Energiedichte von 350 Wh/kg. Dabei soll es sich um eine schon sehr seriennahe Batterie-Version handeln: Dongfeng will bis September 2026 mit der Massenproduktion von Feststoffbatterien mit besagter Energiedichte beginnen. Der erste Serieneinsatz ist wie berichtet aber nicht bei der Marke Dongfeng, sondern bei Voyah geplant. Allerdings war im Februar 2025 noch von 300 Wh/kg die Rede.

Die neuen Prototypen haben in dieser Woche den Dongfeng-Hauptsitz in Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei verlassen und sind seitdem Richtung Norden unterwegs. Die Tests sollen demnach in Mohe, Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas, durchgeführt werden. Laut Dongfeng sind diese Kältetests ein „entscheidender Schritt hin zur industriellen Anwendung der Festkörperbatterietechnologie“ des Unternehmens.

Die neuen Zellen mit 350 Wh/kg sind auf der Pilotproduktionslinie von Dongfeng gefertigt worden. Zellen mit diesem Technologiestand haben bereits mehrere Validierungsschritte rund um die Materialen und das elektrochemische Gesamtsystem überstanden. Der Wintertest gilt nun als weitere, wichtige Validierungsphase vor dem Produktionsbeginn. Denn die Zellen müssen nicht nur im Labor, sondern auch im Fahrzeug unter realen Bedingungen wie Schnee und Eis auf der Straße sowie schwankenden Temperaturen die erwarteten Eigenschaften liefern. Die Tests sollen jetzt Aufschluss über die Batterieleistung bringen.

Wintertests sollen Laborergebnisse validieren

Den Berichten zufolge sind über 70 Tests unter extremen Kältebedingungen von -40 bis -30 Grad Celsius geplant, um die Leistungskennzahlen der Batterie systematisch zu bewerten. Dabei sollen etwa die Stabilität der Reichweite im Winter, die Lade-/Entlade-Effizienz sowie die strukturelle Sicherheit und die Integrationsfähigkeit in das Fahrzeug beurteilt werden. Dabei sollen wohl auch die Ergebnisse aus den Labortests im Fahrzeug validiert werden: Laut Dongfeng hat die Batterie bei -30 Grad Celsius bis zu 72 Prozent ihrer Energie behalten. Zugleich hat sie auch in einer Wärmebox bei 170 Grad die Sicherheitsprüfungen bestanden.

Mit weiteren technischen Details zu den neuen Feststoffzellen hält sich Dongfeng noch zurück. Bisher heißt es nur, dass die Batterie eine hohe Sicherheit bieten soll, gegen Kälte beständig sei und eine Reichweite von über 1.000 Kilometern ermöglichen soll. Diese Reichweite – sehr wahrscheinlich im chinesischen Testzyklus CLTC ermittelt – wird vor allem durch die erwähnte Energiedichte von 350 Wh/kg erreicht – auf Zellebene. Für aktuelle LFP-Zellen führt das Portal CN EV Post etwa 14-210 Wh/kg an, für NMC-Zellen 200-260 Wh/kg. CLTC-Reichweiten von 800 Kilometern sind bei aktuellen Modellen keine Seltenheit mehr. Die höhere Energiedichte der neuen Feststoffzellen dürfte also dazu führen, dass ein Batteriepack mit identischen Abmessungen wie die aktuellen NMC- oder LFP-Batterien genügend Energie speichern kann, um deutlich über 1.000 Kilometer im Normtest zu kommen. Je nachdem, wie ausgeprägt die von Dongfeng angeführte Kältebeständigkeit ist, könnte die Batterie das sogar im Winter schaffen.

Die Batterie mit 350 Wh/kg soll zwar als erste in einem Serienmodell von Voyah debütieren, ist aber tatsächlich nur eine Variante des Baukastens, an dem Dongfeng arbeitet. Tatsächlich soll das Portfolio „mehrere Produkte mit Energiedichten von 240 Wh/kg bis 500 Wh/kg“ umfassen, wie das Unternehmen gegenüber chinesischen Medien mitgeteilt hat.

Das Portal CarNewsChina verweist auf einen Bericht der chinesischen Zeitung Hubei Daily, wonach die von Dongfeng entwickelten Festkörperbatterien „hochkapazitive ternäre Kathoden, Silizium-Kohlenstoff-Anoden und Oxid-Polymer-Komposit-Festkörperelektrolytsysteme“ verwenden. Die Bezeichnung „ternäre Kathoden“ wird in China üblicherweise für NMC-Kathoden genutzt, bei denen neben Lithium auch Nickel, Mangan und Kobalt genutzt werden. Aber auch NCA-Zellen (Nickel-Kobalt-Aluminiumoxid) fallen unter diese Bezeichnung. Diese Auslegung der Feststoffzellen soll unter anderem „die Sicherheits- und Tieftemperaturschwächen herkömmlicher Lithiumbatterien“ beheben.

Auf der CES in Las Vegas hat jüngst das finnische Technologieunternehmen Donut Lab mit einer angeblich serienreifen Feststoffbatterie mit einer Energiedichte von 400 Wh/kg für Aufsehen gesorgt, die noch in diesem Jahr in Elektro-Motorrädern der Donut-Mutter Verge Motorcycles verbaut werden sollen. Allerdings hat das Unternehmen selbst keine näheren Angaben zur Technologie und der geplanten Produktion gemacht. Recherchen mehrerer Batterie-YouTuber zufolge soll es sich im Kern nicht um Batteriezellen im herkömmlichen Sinne, sondern eher um Kondensatoren handeln.

cnevpost.com, carnewschina.com

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