Kanada schließt E-Auto-Deal mit China
Konkret wird Kanada den Import von bis zu 49.000 chinesischen Elektrofahrzeugen zu einem Zollsatz von 6,1 Prozent auf den heimischen Markt zulassen. Diese Menge entspricht dem Volumen im Jahr vor den jüngsten Handelskonflikten um diese Importe. Kanada war 2024 den USA gefolgt und hatte zusätzliche Einfuhrzölle in Höhe von 100 Prozent auf Elektrofahrzeuge aus China festgesetzt. Damit war der Absatz chinesischer E-Autos in Kanada quasi zum Erliegen gekommen.
Jetzt also die teilweise Kehrtwende. Teilweise deshalb, weil das Volumen der Fahrzeuge, die mit nur 6,1 Prozent Einfuhrzoll importiert werden, stark limitiert ist: 49.000 Fahrzeuge machen weniger als drei Prozent des Marktes für in Kanada verkaufte Neufahrzeuge aus. Ab Import Nummer 49.001 dürften wieder die 100 Prozent Einfuhrzoll greifen. Dabei soll es vor allem um preiswerte Modelle gehen. „Mit diesem Abkommen wird erwartet, dass in fünf Jahren mehr als 50 % dieser Fahrzeuge erschwingliche Elektrofahrzeuge mit einem Importpreis von unter 35.000 CAD sein werden, wodurch neue, kostengünstigere Optionen für kanadische Verbraucher entstehen“, heißt es in der Mitteilung des Premierministers. 35.000 kanadische Dollar entsprechen derzeit umgerechnet etwa 21.700 Euro.
Investiert China in Kanadas E-Auto-Rohstoffe?
Die Kanadier erwarten nach eigenen Angaben, dass das Abkommen innerhalb von drei Jahren „erhebliche neue chinesische Joint-Venture-Investitionen in Kanada mit vertrauenswürdigen Partnern anstoßen wird, um Arbeitsplätze in der Automobilindustrie für kanadische Arbeitnehmer zu sichern und neue zu schaffen sowie einen soliden Aufbau der kanadischen Lieferkette für Elektrofahrzeuge zu gewährleisten“. Der Import der Fahrzeuge soll also weitere Investitionen in Kanada nach sich ziehen, nicht nur rund um den Verkauf und die Wartung der Importautos, sonder aufgrund des Verweises auf die kanadische Lieferkette für Elektrofahrzeuge auch um die Produktion bzw. Rohstoff-Deals.
Kanada gilt als rohstoffreich und verfügt auch über grüne Energie, um eine saubere Produktion zu ermöglichen. Die Regierungen in Ottawa und mehreren kanadischen Provinzen bemühen sich daher seit Jahren um Investitionen aus dem Bereich der Elektromobilität, um nicht nur den Rohstoff-Abbau, sondern auch die Weiterverarbeitung in dem Land zu halten. Bisher kamen solche Partner aber vor allem aus den USA, Europa und anderen Teilen Asiens. Ein Beispiel ist etwa die im Bau befindliche PowerCo-Batteriefabrik in St. Thomas (Ontario) des VW-Konzerns oder die Batteriefabrik von NextStar Energy in Windsor (ebenfalls Ontario) einem Joint Venture von Stellantis und LG Energy Solution.
Vereinbart wurde auch eine Aufstockung von Investitionen in den Bereichen Solar-, Wind- und Energiespeichertechnologien. „In einer zunehmend gespaltenen und unsicheren Welt baut Kanada eine stärkere, unabhängigere und widerstandsfähigere Wirtschaft auf“, teilt das Büro des kanadischen Premiers anlässlich dessen Staatsbesuchs in Peking mit. „Zu diesem Zweck arbeitet die neue kanadische Regierung mit Nachdruck und Entschlossenheit daran, unsere Handelspartnerschaften zu diversifizieren und massive neue Investitionen anzustoßen. Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bietet China Kanada dabei enorme Chancen.“
Im Gegenzug soll China Handelshemmnisse und Zölle in die andere Richtung beseitigen oder senken – vor allem im Agrar-Bereich. Zum 1. März soll zum Beispiel der Zoll auf die Einfuhr kanadischer Rapssaat auf etwa 15 Prozent gesenkt werden – derzeit sind es 85 Prozent. Auch kanadisches Rapsschrot, Hummer, Krabben und Erbsen sollen ab März „bis mindestens Ende dieses Jahres nicht den entsprechenden Antidiskriminierungszöllen unterliegen“.
„Im Idealfall hat die Beziehung zwischen Kanada und China enorme Chancen für unsere beiden Völker geschaffen“, sagt Carney. „Indem wir unsere Stärken nutzen und uns auf Handel, Energie, Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Bereiche konzentrieren, in denen wir große Fortschritte erzielen können, schmieden wir eine neue strategische Partnerschaft, die auf den besten Erfahrungen unserer Vergangenheit aufbaut, die heutige Weltlage widerspiegelt und den Menschen beider Nationen zugutekommt.“





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