Ringen ums „französische Modell“: Spanische E-Auto-Förderung verzögert sich
Spanien baut seine eMobility-Förderung gemäß dem nationalen Plan „España Auto 2030“ künftig auf drei Säulen auf und sortiert dabei auch die Verantwortlichkeiten neu. Zentral dabei: Mit dem Programm „Plan Auto+“ sollen 2026 insgesamt 400 Millionen Euro an Beihilfen direkt bei den Verbrauchern ankommen – und die Autopreise senken. Daneben gibt es ein neues Programm namens „Moves Corredores” mit einem Budget von 300 Millionen Euro für die Errichtung von Ladestationen. Und: Weitere 580 Millionen Euro fließen 2026 in das bestehende eMobility-Förderprogramm PERTE zur Unterstützung von Projekten im Bereich E-Auto- und Batterieproduktion. Bei letztere Hilfe handelt es sich also um Industrie-Subventionen.
Zum Kaufprämien-Programm „Plan Auto+“ machte die Regierung im Dezember bekannt, dass es das Moves-Programm ablösen soll. Und vor allem, dass die Zuschüsse ab 2026 von der Zentralregierung und nicht mehr wie beim Ende 2025 auslaufenden Förderprogramm Moves III von den autonomen Regionen verwaltet werden. Eigentlich sollte „Plan Auto+“ das Moves-Programm zum Jahreswechsel ablösen, doch noch immer hat die Regierung die Förderkriterien nicht publik gemacht.
Laut spanischen Medien wird die Veröffentlichung derzeit vom Wirtschaftsministerium blockiert. Hintergrund sei, dass das Ministerium ein System zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks einführen möchte, das dem System in Frankreich ähnelt. Das französische Förderprogramm gewichtet beim Umweltbonus bekanntlich den CO2-Fußabdruck von E-Autos, der bei der Herstellung und dem Transport entsteht. Dieses Kriterium wurde eingeführt, um europäische Modelle zu begünstigen und Modelle aus China auszubremsen. Ursprünglich sollte der spanische Plan Auto+ lediglich Elektroautos aus der Europäischen Union stärker fördern, ohne jedoch die übrigen Modelle auszuschließen. Nun soll der Kriterienkatalog offenbar noch nach französischen Vorbild verschärft werden.
Übrigens: Die E-Auto-Kaufprämie in Deutschland, die rückwirkend zum 01.01.2026 eingeführt wird und deren Detail vor wenigen Tagen veröffentlicht wurden, schließt keine Modelle aus – das muss aber nicht so bleiben: Zu Beginn der neuen Förderung sind ausdrücklich alle Neufahrzeuge der Fahrzeugklasse M1 mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb förderfähig (Plug-in-Hybride dürfen allerdings nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen und eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben). Geprüft wird aber „die Aufnahme sogenannter EU-Präferenzregelungen.“ Diese Vorgaben könnten zu einem späteren Zeitpunkt in das laufende Förderprogramm integriert werden, so das Ministerium. Heißt: Importierte E-Fahrzeuge etwa aus China könnten unter Umständen nicht auf Dauer förderfähig sein.
Doch zurück nach Spanien: Das Portal La Tribuna de Automoción schreibt, dass die Förderkriterien für den „Plan Auto+“ eigentlich kurz nach Weihnachten veröffentlicht werden sollten. Doch das Wirtschaftsministerium arbeite noch unter Hochdruck an der Integration eines CO2-Scores, der allen voran chinesische E-Autos von der Subventionierung ausschließen würde. So entsteht aktuell ein Förder-Vakuum und Branchenkenner befürchten, dass der Markt ins Stocken geraten könnte.
Kurzer Rückblick: Das Moves III-Programm hatte die Regierung 2021 aufgelegt und im Dezember 2022 um 400 Millionen Euro auf ein Gesamtbudget von 1,2 Milliarden Euro angehoben. Mit weiteren Aufstockungen im Jahr 2024 und 2025 sind die für Moves III bereitgestellten Mittel über die Jahre auf 1,735 Milliarden Euro angewachsen. Doch das Programm wartete mit strukturellen Schwächen auf, manche Antragsteller mussten beispielsweise bis zu zwei Jahre warten, bevor sie die Förderung erhielten. Die Ausschüttung lag in den Händen der autonomen Regionen. Die Regierung wollte das System eigentlich schon vergangenes Jahr reformieren, kam jedoch aufgrund der letztjährigen Flutkatastrophe im Land nicht rechtzeitig dazu.
Nun soll es aber dazu kommen: Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht in der Novellierung einen Plan von nationaler Bedeutung, der dazu beitragen soll, dass „Spanien am Ende des Jahrzehnts seine Hausaufgaben gemacht hat“. Die Maßnahmen seien das Ergebnis einer enger Zusammenarbeit und eines Dialogs mit der Privatwirtschaft. Die Automobilindustrie trägt in Spanien fast 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und schafft fast zwei Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze. Damit ist Spanien der zweitgrößte Automobilhersteller Europas. Doch mit Blick auf die Elektrifizierung ist das Land noch immer recht träge, wie etwa das Portal Forocoches Electricos jüngst hervorhob: „Obwohl das Moves-III-Programm den Kauf von 170.000 Elektroautos ermöglicht hat und sich die Zahlen 2025 nochmals verdoppeln, ist die Ausgangslage weiterhin niedrig. Zudem bestehen nach wie vor zwei Haupthindernisse: die geringe Anzahl an Ladestationen und eine schwerfällige Bürokratie, die den Ausbau behindert.“
Sehr eindeutig formuliert Madrid derweil, dass die Kosten für E-Autos runter müssen, um den Antriebswechsel im Land wirklich attraktiv zu machen. „Wir wollen in Spanien Elektroautos produzieren, die für die Mittel- und Arbeiterschicht unseres Landes erschwinglich sind und diese Bevölkerungsgruppen nicht vom Green Deal ausschließen“, erklärte Sánchez jüngst. Aktuell stelle der Kauf eines Elektroautos derzeit für viele Familien eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Daher müsse die Regierung transparent handeln und diesen Prozess entschieden unterstützen. Der Ministerpräsident bekräftigt: „Spanien werde in seinem Bekenntnis zur Elektromobilität nicht nachgeben.“
Dabei spielen natürlich auch wirtschaftliche Interessen eine große Rolle: Spanien ist bekanntlich Produktionsort der kommenden Elektro-Kleinwagenfamilie des VW-Konzerns. Darin sieht Sánchez für Industrie und Verbraucher eine große Chance: „Nächstes Jahr werden wir eine Vielzahl von Elektromodellen unter 25.000 Euro sehen. Das ist der Weg in die Zukunft, und die spanische Regierung will ihn gemeinsam mit der Industrie beschreiten.“
Der Auto+-Plan soll 2026 die erwähnten 400 Millionen Euro an direkten Kaufzuschüssen für Elektrofahrzeuge gewähren. Damit liegt das Jahresbudget im Rahmen der bisherigen Moves-Fördertöpfe. Dadurch dass die Zentralregierung aber die Verwaltung des Programms übernimmt, soll ein schnellerer und einheitlicherer Prozess gewährleistet werden. Man wolle “sicherstellen, dass die Zahlungen die Familien erreichen, wenn sie diese benötigen“, heißt es. Als Vorbild dient der Plan „Reinicia Auto +“, der zur Abmilderung der Folgen der Flutkatastrophe ins Leben gerufen wurde und laut der Regierung ein Jahr nach der Tragödie dazu beitrug, dass „95 % der Anträge von Einwohnern Valencias eingegangen sind“.
forococheselectricos.com, latribunadeautomocion.es (auf Spanisch)





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