Renault master e tech europcar interview
Bild: Europcar
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Warum Europcar jetzt auch E-Transporter vermietet – acht Fragen an Christopher Alting

Mit dem Renault Master E-Tech hat die Autovermietung Europcar ihr erstes, elektrisches Transportermodell in das Angebot aufgenommen. Am Standort Dortmund wurden direkt 20 Fahrzeuge für ein Jahr an Neukunden vermietet. Im Interview erklärt Christopher Alting, Director Fleet bei Europcar Deutschland, was hinter der E-Transporter-Strategie steckt.

Mit einer Reichweite von über 400 Kilometern im WLTP und einer Nutzlast von über 1.000 Kilogramm bietet der Renault Master E-Tech für die meisten Einsätze alltagstaugliche Werte. Weit weg von den noch stark eingeschränkten Reichweiten früherer Elektro-Transporter, die einen flexiblen Einsatz deutlich erschwert haben.

Der Batterie-elektrische Renault Master hat auch die Verantwortlichen bei dem Autovermieter Europcar überzeugt, denn das Modell wird der erste Elektro-Transporter in der Mietflotte des Unternehmens. Perspektivisch wird die
Autovermietung nach eigenen Angaben das Angebot um zusätzliche Marken ergänzen. Dass die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen da ist, zeigt der Blick nach Dortmund: Am dortigen Europcar-Standort wurden direkt zwanzig der E-Vans für ein ganzes Jahr an Neukunden vermietet.

„Elektromobilität soll alltagstauglich, wirtschaftlich und einfach nutzbar
sein. Genau dafür sind die elektrischen Renault-Vans gedacht. Sie
ermöglichen es, emissionsarme Lieferprozesse sofort umzusetzen und
gleichzeitig E-Antriebe für individuelle Fälle zu testen“, sagt Christopher Alting, Director Fleet bei Europcar Deutschland. „Mit unseren flexiblen Mietoptionen sorgen wir dafür, dass der Einstieg so einfach wie möglich ist.“

Im Interview mit electrive spricht Alting über die Hintergründe der Entscheidung, künftig auch E-Transporter anzubieten, die Wünsche und das erste Feedback der Kunden und auf welche Kriterien Europcar bei der Auswahl weiterer Modelle achtet.

Herr Alting, warum hat sich Europcar jetzt dazu entschieden, auch elektrische Transporter zu vermieten?

Da wir im ständigen Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden sind, wissen wir, dass es grundsätzlich einen Elektrifizierungsbedarf im Bereich Transporter gibt. Unser Ziel ist es, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Daher haben wir nach Angeboten gesucht, die sich im betrieblichen Einsatz rechnen und dabei auf Zuladung, Reichweite, Ladegeschwindigkeit, geringe Ausfallzeiten und ein gutes After-Sales-Netzwerk geachtet.

Inzwischen haben sich die Kosten und die Verfügbarkeit der für betriebliche Einsätze sinnvollen Fahrzeuge an die Verbrenner-Alternativen angeglichen. Somit können wir unseren Kundinnen und Kunden jetzt passende Angebote machen. Wir haben mit Renault begonnen, aber es werden noch weitere Marken folgen. Denn auch für Kundinnen und Kunden, die bisher keine Elektrotransporter benötigen – sei es aufgrund von CO₂-Zielen oder einer möglichen kommenden Elektro-Pflicht – sind unsere Fahrzeuge eine Möglichkeit, Elektromobilität im eigenen Unternehmen auszuprobieren.


Welche Kundengruppe wollen Sie mit dem neuen Angebot ansprechen? Vor allem Lieferfahrer im städtischen Bereich?


Grundsätzlich stehen unsere Fahrzeuge allen Kundengruppen zur Verfügung. Unser Fokus liegt jedoch auf Firmenkunden, da sie bereits heute Vorgaben erfüllen wollen, um ihren Lieferverkehr elektrisch zu organisieren. Das wird ihnen entweder von ihren Auftraggebern vorgegeben oder sie haben es sich selbst zum Ziel gesetzt. Außerdem stellen wir unsere Fahrzeuge häufig bei Ausfällen bereit oder als Übergangslösung für eine dauerhafte Beschaffung.

Darüber hinaus richten wir uns an Unternehmen, die ihre Flottenprozesse digitalisieren und effizienter steuern wollen. Über unsere neue Corporate Carsharing Lösung ‘FleetShare’ ermöglichen wir beispielsweise auch Logistikdienstleistern, Fahrzeugpools flexibel zwischen vielen verschiedenen Nutzerinnen und Nutzern zu teilen und komplett digital zu verwalten. Das ist ideal, um den Umstieg auf E-Mobilität im Subunternehmer-Modell operativ einfach umzusetzen.

Je nach Auftragsdauer und -volumen sind wir ein gefragter Partner bekannter Großunternehmen und mittelständischer Betriebe. Denn viele Firmenkunden scheuen den Kauf von E-Transportern aufgrund von Unsicherheit über den Restwert und der rasanten technischen Entwicklung. Dafür bietet Europcar die Lösung: „Nutzen statt Besitzen”.

Aber da ist noch mehr: Wir liefern nicht nur die Fahrzeuge, sondern helfen auch bei der Analyse, welches Fahrzeug am besten passt, und achten auf für das Unternehmen relevante Fragen, wie: „Welche Route schafft das Fahrzeug?”, „Welche Art Fahrzeug brauche ich?” und „Was gilt es insbesondere bei elektrischen Transportern zu beachten?”. Denn wir haben über die Jahre mit unserer breiten Lkw- und Transporterauswahl viel Erfahrung und Expertise aufgebaut.

Wie ist das erste Feedback?

Das erste Feedback war positiv. Das hatten wir auch so erwartet, da wir das Angebot in Abstimmung mit unseren Kundinnen und Kunden entwickelt haben. Dennoch waren wir natürlich gespannt auf die Reaktionen. Bisher sind wir jedoch sehr zufrieden und freuen uns, unsere Mobilitätslösungen kontinuierlich gemeinsam mit Partnern weiterzuentwickeln.

Sind sie schonmal selber gefahren?

Ja, ich bin selbst auch schon mit den Modellen gefahren, da ich gerne teste, was wir unseren Kundinnen und Kunden anbieten. Ich bin von der Antriebskraft und der Agilität überzeugt, das ist bei beladenen Fahrzeugen besonders wichtig. Zudem ist der Fahrerbereich inzwischen ähnlich ausgestattet wie bei Pkw: z.B. mit zentralen Displays, Navigationssystemen und Assistenzprogrammen.

Unternehmen entscheiden sich oft aus ESG-Gründen für Elektrotransporter. Gerade im gewerblichen Einsatz sind die Kosten entscheidend. Wie schneiden hier E-Transporter bei den Mietangeboten im Vergleich zum Diesel ab? Kann sich der E-Transporter mit niedrigeren Energiekosten im Betrieb schon heute rechnen?

Wir sehen, dass sich die Kosten von konventionellen Antrieben und Elektroantrieben immer mehr angleichen, vor allem im Pkw-Bereich, aber nun auch bei den Transportern.

Die Frage zu den Energiekosten lässt sich pauschal nicht beantworten, da es darauf ankommt, welche Lösung die Kundinnen und Kunden nutzen und ist sehr abhängig von der konkreten Anwendung und vom jeweiligen Fahrzeug.

Europcar hat sich für den Renault Master E-Tech als ersten Elektro-Transporter entschieden. Warum ist die Wahl auf dieses Modell gefallen?

Wir sprechen mit verschiedenen Herstellern und Partnern, aber letztendlich hat uns das Gesamtpaket des Renault Master E-Tech überzeugt. Die Rahmenbedingungen haben gestimmt: Es ist ein attraktives Angebot mit aktueller Technologie für unsere Kundinnen und Kunden und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Renault funktioniert sehr gut.

Planen Sie, künftig auch weitere Modelle für andere Einsatzzwecke anzubieten?

Wir erweitern stetig unser Angebot und sind schon jetzt mit weiteren Herstellern im Gespräch, sodass im Laufe des Jahres mehr Modelle folgen werden. Dafür beobachten wir genau, wie sich die Marken und Modelle im Alltag behaupten, und planen auf Basis dieser Erfahrungen, welche und wie viele Fahrzeuge wir anbieten.

Wie bewerten Sie die Fahrzeug-Entwicklung im Transporter-Segment? Der Master E-Tech ist noch ein recht konventionelles 400-Volt-Modell, viele Hersteller – auch Renault – haben für neuere Modelle 800-Volt-Systeme mit kürzeren Ladezeiten angekündigt. Erhöht sich dann die Flexibilität im Einsatz weiter?

Die Entwicklung im Transporter-Segment wird von der Nachfrage sowie den realen Anforderungen der Kundinnen und Kunden vorangetrieben. Ob künftig 400- oder 800-Volt-Systeme zum Einsatz kommen, ist dabei aus meiner Sicht weniger entscheidend als der praktische Nutzen. Gerade im gewerblichen Alltag legen die meisten Kundinnen und Kunden maximal 200 bis 300 Kilometer am Tag zurück. Aufgrund der vielen Stopps ist eine hohe Ladegeschwindigkeit aber ebenso wichtig wie die Reichweite. Wenn sie in der Pause schnell nachladen können, erhöht das ihre Einsatzflexibilität. Gleichzeitig darf eine größere Batterie oder eine längere Reichweite nicht zu Lasten der notwendigen Zuladung gehen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Benutzerfreundlichkeit: Intuitive Fahrzeug- und Ladesysteme sowie eine selbstverständliche Ladeplanung in Verbindung mit den Navigationssystemen erleichtern den Umstieg auf Elektromobilität. Gleiches gilt für den zunehmenden Wunsch unserer Kundinnen und Kunden, digitale Services nutzen zu wollen – insbesondere bei längeren Anmietdauern. Hier sind dringend Branchenstandards erforderlich, da bislang jeder Hersteller dieses Thema anders löst, was zu sehr unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten und Aufwänden für die Kundinnen und Kunden führt.

Herr Alting, wir danken für das Gespräch!

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