Brasilien beendet günstige Zollsätze für E-Auto-Bausätze
Dass der vergünstigte Zollsatz für E-Auto-Bausätze Ende Januar 2026 auslaufen würde, war schon seit Juli 2025 bekannt. Da hatte das brasilianische Handelsgremium Gecex-Camex offenbar nach einem Streit mit BYD beschlossen, den eigentlich erst für Juli 2028 geplanten Schritt vorzuziehen. Bis dato wurden E-Auto-Bausätze nur mit einer Abgabe von 14 Prozent belegt. Zugleich hatte Gecex-Camex aber auch eine zusätzliche zollfreie Quote im Wert von 463 Millionen US-Dollar für CKD- und SKD-Importe genehmigt, die für sechs Monate gültig war.
Nun also ist das passiert, was im Grunde schon klar war: Der Import von E-Auto-Bausätzen für die Verfahren SKD (Semi Knocked Down) und CKD (Completely Knocked Down) wir teuer. Dabei werden die Fahrzeuge nach der Produktion in einem Werk im Ausland wieder teilweise oder komplett zerlegt, um das Fahrzeug dann in Teilen in das Importland zu transportieren und dort wieder zu montieren – SKD und CKD unterscheiden sich dabei im Zerlegungsgrad.
Unklar ist aktuell, welcher Zollsatz nun genau für CKD- und SKD-Bausätze von Elektroautos gilt. Laut brasilianischen Medienberichten werden die Zollsätze stufenweise erhöht und werden dann zum 1. Januar 2027 den Wert von 35 Prozent erreichen. Dieser Zollsatz wird dann identisch sein mit dem von komplett montierten Elektroautos.
Der unterschiedliche Zollsatz für komplett montierte E-Autos und Bausätze entstand, nachdem Brasilien im Januar 2024 einen Zoll von 10 Prozent auf Elektroautos eingeführt hatte. Im Juli 2025 stieg der Satz auf 25 Prozent, während dann für CKD- und SKD-Bausätze nur 14 Prozent fällig waren. Zum 1. Juli 2026 steigt der Zollsatz für komplette E-Autos auf 35 Prozent – und der für Bausätze wird dann ab dem 1. Januar 2027 identisch sein.
Die Entscheidung des Landes, CKD- und SKD-Bausätze nicht so lange vergünstigt importieren zu lassen wie ursprünglich geplant, hat BYD offenbar bereits dazu motiviert, den Ausbau seines neuen Fahrzeugwerks in Camaçari voranzutreiben. Das Werk, das zunächst im SKD-Verfahren gestartet ist, soll ab der zweiten Jahreshälfte 2026 auf komplexere Fertigungsstufen wie Schweißen, Lackieren und Stanzen umgestellt werden. Das würde BYD weniger importabhängig machen, die lokale Wertschöpfung stärken und neue Arbeitsplätze schaffen. Aktuell gibt BYD die Jahreskapazität des Werks auf 150.000 Fahrzeuge an und will dieser in der nächsten Ausbaustufe auf 300.000 Einheiten verdoppeln.
Anfavea, der brasilianische Verband der Fahrzeughersteller (darunter VW, Stellantis, GM oder Toyota) hatte lange gegen die generelle Zollvergünstigung für Elektroautos lobbyiert und den regulären Zollsatz von 35 Prozent gefordert. Entsprechend begehrte Anfavea auch gegen die Vergünstigungen für Bausätze auf. Sie hatten u.a. gedroht, ihre Investitionen in Brasilien zurückzuschrauben, wenn der Markt mit niedrigen Zollsätzen mit Importwagen und -bausätzen geflutet werden kann.
scmp.com, insideevs.uol.com.br (Portugiesisch)





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