Evo-Modell: BYD frischt den Atto 3 grundlegend auf
Der Atto 3 Evo ist dem derzeit verkauften Modell zwar zum Verwechseln ähnlich, die optischen Änderungen fallen dezent aus. Dafür sind die Neuerungen unterm Blech umso größer, denn dort wurden nahezu alle wichtigen Komponenten des E-Antriebs angefasst. So erhält der Elektromotor nicht nur mehr Leistung, sondern ist künftig an der Hinter- statt der Vorderachse verbaut – und es gibt künftig ein leistungsstarkes Allrad-Modell. Außerdem steigt der Energiegehalt der Batterie deutlich und dank nun 800 Volt Systemspannung legt die Ladeleistung ordentlich zu.
In Zahlen ausgedrückt verfügt der Atto 3 Evo über eine 74,8 kWh große Batterie (statt bisher 60,5 kWh). Wie bei BYD üblich handelt es sich dabei um die hauseigene Blade-Batterie mit LFP-Zellchemie. Nur sind die Zellen im Unterboden des Atto 3 künftig so verschaltet, dass sich 800 Volt Spannung ergeben statt der bisher 400 Volt. Mit der größeren Batterie und dem neuen Antrieb soll die WLTP-Reichweite auf 510 Kilometer steigen – von bisher 418 Kilometern. Wie im Sealion 07 ist die Batterie im Atto 3 Evo als Cell-to-Body-Batterie ausgelegt, nicht mehr „nur“ als Cell-to-Pack. Die Zellen sind also direkt in die Karosseriestruktur als tragendes Bauteil integriert.Das senkt das Gesamtgewicht und ermöglicht einen höheren Energiegehalt. Aber: Eine bei LFP-Zellen eigentlich wichtige Batterie-Vorkonditionierung erwähnt BYD nicht.
Der neue Permanentmagnet-Synchronmotor ist wie erwähnt nun an der Hinterachse verbaut und hat spürbar an Leistung zugelegt. Statt der 150 kW und 310 Nm des Frontmotors stehen jetzt 230 kW und 380 Nm Drehmoment zur Verfügung. Damit kann der Atto 3 Evo in 5,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen, bisher lag die Werksangabe bei 7,3 Sekunden.








Gegen Aufpreis wird der Atto 3 Evo nochmals deutlich schneller. Denn zum ersten Mal gibt es in dem Kompakt-SUV einen elektrischen Allradantrieb mit zwei Motoren – vorne ist ein Asynchronmotor verbaut. Die Systemleistung liegt dann bei 330 kW, das maximale Drehmoment steigt auf 560 Nm. Die Sprintzeit verkürzt sich zwar auf 3,9 Sekunden. Da das Allrad-Modell aber die gleiche Batterie wie der Hecktriebler nutzt, sinkt die Reichweite auf 470 Kilometer.
Ein großer Kritikpunkt des Atto 3 war (neben der fehlenden Long-Range-Batterie mit 75-80 kWh) die maue Ladeleistung des Modells. Mit nur 88 kW in der Spitze hat es 29 Minuten gedauert, um den Ladestand von 30 auf 80 Prozent zu bringen – den üblichen Vergleichswert von zehn auf 80 Prozent hatte BYD gar nicht angegeben. Das ist jetzt anders: Mit 220 kW Peak-Ladeleistung ist der Atto 3 Evo auf einem ordentlichen Niveau, auch die 25 Minuten für das Laden von zehn auf 80 Prozent können sich sehen lassen – setzen aber keine neuen Maßstäbe im Segment. Neu ist auch eine Vehicle-to-Load-Funktion: Über einen Adapter können externe Geräte mit bis zu 3,3 kW Leistung betrieben werden.
Für die neue Position des Elektromotors an der Hinterachse hat BYD auch das Fahrwerk dort neu konstruiert, die Mehrlenker-Hinterachse verfügt jetzt über fünf statt vier Lenker. Das soll das Fahrverhalten verbessern. Außerdem wird so der gesamte Bauraum hinten neu organisiert, weshalb der Kofferraum trotzt des Antriebs im Heck mit 490 Litern künftig 50 Liter mehr Ladevolumen bietet. Und der frei gewordene Platz unter der Fronthaube wird für einen 101 Liter großen Frunk genutzt.
Im Innenraum fallen die Änderungen dezenter aus. Das 8,8 Zoll große digitale Instrumentenpanel und der 15,6 Zoll große Infotainment-Touchscreen verfügen über eine neue Software. Und der massive Gangwahlhebel in der Mittelkonsole, der an den Schubregler einer Yacht erinnern sollte, wurde mit dem Evo-Update durch einen Hebel an der Lenksäule ersetzt. So wirkt die Mittelkonsole nicht nur aufgeräumter, sondern bietet auch mehr Platz für Ablagen.
An den Abmessungen ändert sich kaum etwas: Der Atto 3 Evo ist 4,45 Meter lang, kommt auf 2,72 Meter Radstand, eine Breite von 1,88 Metern und eine Höhe von 1,62 Metern. Die „Design“-Variante mit Heckantrieb kommt auf ein Leergewicht von 1.880 Kilogramm, der Allradler mit der Verkaufsbezeichnung „Excellence“ wird von BYD mit 1.990 Kilogramm Leergewicht angegeben.
Eine Hürde bleibt aber auch mit den technischen Änderungen: Der im Vergleich recht hohe Preis. Den Atto 3 Evo in der „Design“-Ausstattung hat BYD in Deutschland mit 44.990 Euro eingepreist, für das Allrad-Modell werden mindestens 50.990 Euro fällig. Ein recht vergleichbarer Skoda Elroq 85 ist mit 43.900 Euro im Basispreis günstiger.
myconvento.com (deutsche Pressemitteilung), autocar.co.uk, autoexpress.co.uk, bydukmedia.com




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