Stellantis baut weitere E-Transportermodelle in Ellesmere Port

Stellantis investiert 50 Millionen Pfund in sein Werk in Ellesmere Port, um dort eine neue Montagelinie für E-Transporter aufzubauen. Der Konzern warnt aber, dass das Werk nicht rentabel sein werde, sollte die britische Regierung darauf bestehen, tatsächlich Strafen im Zuge des ZEV-Mandats durchzusetzen.

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Bild: Stellantis/Vauxhall

Wie „The Times“ berichtet, stellt Stellantis 50 Millionen Pfund in Aussicht, um die Batterie-elektrischen Varianten der Baureihe Opel/Vauxhall Vivaro und weiterer Schwesternmodelle ab kommenden Jahr in Ellesmere Port zu bauen – umgerechnet sind dies 58 Millionen Euro und somit eine Verdopplung der ursprünglich geplanten Investitionen. Allerdings warnt Stellantis offenbar die Regierung in Westminster im gleichen Atemzug, dass das Werk nicht wirtschaftlich betrieben werden könne, wenn tatsächlich Strafen im Zuge des ZEV-Mandats verhängt werden. Dieses gibt den Herstellern in Großbritannien jährlich strengere Verkaufsquoten für E-Fahrzeuge vor. Mit Blick auf Transporter steigt die Quote von 10 Prozent im Jahr 2024 sukzessive auf 100 Prozent bis 2035. Aktuell liegt die Quote bei 24 Prozent (sprich: 24% der verkauften leichten Nutzfahrzeuge müssen elektrisch sein).

Dass Stellantis die Produktion seiner mittelgroßen E-Transporter in Ellesmere Port vorsieht, hängt mit der Schließung seines Werks in Luton zusammen. Dort sollten eigentlich künftig neben Verbrenner-Lieferwagen auch E-Ableger der mittleren Größenordnung vom Band laufen. Doch der Konzern entschloss sich im vergangenen Jahr für die Stilllegung des Werks – übrigens ebenfalls unter Verweis auf das ZEV-Mandat.

„Wir halten an unseren Verpflichtungen in Ellesmere Port fest“, wird Stellantis-Europachef Emanuele Cappellano in der britischen Zeitung zitiert. Aber: „Der Betrieb in Großbritannien ist unter den aktuellen Vorschriften nicht rentabel, und es besteht dringender Handlungsbedarf.“ Der Autokonzern argumentiert seit Langem, dass die Vorschriften ihn zwingen, übermäßig viele emissionsfreie Nutzfahrzeuge zu produzieren bzw. die Anzahl der verkauften Dieseltransporter zu begrenzen, um Strafen zu vermeiden. Für jeden Transporter, der die britischen Vorgaben nicht erfüllt, droht aktuell eine Strafe von 18.000 Pfund.

Laut „The Times“ werden in Ellesmere Port gegenwärtig etwa 14.500 kleine Elektrotransporter im Jahr gebaut. Mit dem Bau der mittelgroßen E-Varianten soll die Auslastung steigen. Doch wie langfristig die Rentabilität am Standortgesichert werden soll, sei ungewiss. „Die Anzahl der Elektrotransporter auf dem britischen Markt wächst zwar, doch die neuesten Branchenzahlen zeigen, dass Elektrofahrzeuge in diesem Jahr bisher weniger als 12 Prozent der Transporterverkäufe ausmachen“, heißt es in dem Bericht weiter. Und: Laut der Vorgabe sollen bis 2030 schon 70 Prozent der in Großbritannien neu verkauften Transporter elektrisch betrieben werden.

Das Werk in Ellesmere Port, in dem früher unter anderem der Opel/Vauxhall Astra gebaut wurde, ist inzwischen Stellantis‘ einzige rein elektrische Fabrik. 950 Beschäftigte bauen dort zurzeit die BEV-Versionen des Vauxhall Combo, Citroën Berlingo, Peugeot Partner und Fiat Doblo. Wie „The Times“ schreibt, wurden dort im vergangenen Jahr zudem 30.000 Karosserien für den Export an ein Stellantis-Werk in Algerien gefertigt. Und: „Es wird davon ausgegangen, dass der Großteil der 14.500 produzierten fertigen Transporter ebenfalls nach Algerien ging, da die Nachfrage nach Elektrotransportern auf dem britischen Inlandsmarkt weiterhin gering ist.“

Dass es das Werk in Ellesmere Port überhaupt noch gibt, ist übrigens nicht selbstverständlich. Vor der Investitionsentscheidung 2021 zum Umbau der Stätte in eine reine E-Fahrzeug-Fabrik war auch eine Schließung ein mögliches Szenario. Im Zuge der Umrüstung hat Stellantis dann auch die Standortfläche um 60 Prozent verkleinert: Mit 118.000 Quadratmetern hat heute das gesamte Werk eine ähnliche Größe wie die frühere Karosseriewerkstatt. Der Umbau des britischen Werks erfolgte in den vergangenen Jahren mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Pfund.

thetimes.com

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